Therapiebegleithund auswählen: Ein CANIS-Podcast mit Hannah Grewe

Welcher Hund eignet sich als Therapiebegleithund?

Welcher Hund eignet sich als Therapiebegleithund?

26. März 2026 · Der CANIS-Podcast

Die Auswahl eines Therapiebegleithundes ist eine enorme Verantwortung. Doch welche Hunderasse eignet sich wirklich, und sollte es ein Welpe vom Züchter oder doch lieber ein Hund aus dem Tierschutz sein? Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur den Erfolg der therapeutischen Arbeit, sondern auch das Wohlbefinden von Hund und Mensch. Im CANIS-Podcast sprechen die Moderatorin Iona Teichert und die Expertin Hannah Grewe genau über diese kritischen Fragen. Hanna, als erfahrene Dozentin und Ausbilderin für Therapiebegleithunde-Teams, teilt wertvolle Einblicke, die dir helfen, eine fundierte und nachhaltige Entscheidung zu treffen - eine Entscheidung, die weit über das bloße Aussehen oder eine Rassebeschreibung hinausgeht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die private Passung zuerst: Bevor du über den beruflichen Einsatz nachdenkst, muss der Hund in dein privates Leben passen. Hanna Grewe betont, dass die eigenen Vorlieben und Lebensumstände die Grundlage für die Auswahl bilden sollten. Ein Hund ist in erster Linie ein Familienmitglied, kein Arbeitsgerät.
  • Tierschutzhunde mit Bedacht wählen: Ein Hund aus dem Tierschutz kann eine wunderbare Wahl sein, birgt aber auch Unsicherheiten. Ideal sind Hunde, die bereits auf einer Pflegestelle leben, da sie besser eingeschätzt werden können. Sei skeptisch, wenn Tierschutzorganisationen Druck ausüben oder Probleme mit Phrasen wie Der braucht nur Liebe kleinreden.
  • Der Züchter als Partner: Bei einem Rassehund ist die Wahl des richtigen Züchters entscheidend. Ein seriöser Züchter wird deine Bedürfnisse verstehen, dich beraten und aktiv dabei helfen, den passenden Welpen aus dem Wurf auszuwählen. Er sollte mehr an der Zukunft des Hundes als am schnellen Verkauf interessiert sein.
  • Keine Rasse ist perfekt: Obwohl Rassen wie Retriever oft empfohlen werden, bringt jeder Hund individuelle Stärken und Schwächen mit. Ein Labrador kann zum Beispiel durch seine stürmische Freundlichkeit zur Herausforderung werden, während ein sensibler Collie vielleicht schnell überfordert ist.
  • Deine Persönlichkeit entscheidet mit: Deine eigene Art, mit Stress und Konflikten umzugehen, spielt eine riesige Rolle. Bist du ein geduldiger, ruhiger Mensch oder jemand, der klare Ansagen liebt? Ein selbstbewusster Hund wie ein Australian Shepherd braucht einen Halter, der bereit ist, konsequent und fair Grenzen zu setzen.

Tierschutzhund oder Rassewelpe? Die grundlegende Entscheidung

Eine der ersten und wichtigsten Fragen, die sich zukünftige Halter stellen, ist die nach der Herkunft des Hundes. Hanna macht deutlich, dass es hier keine pauschal richtige Antwort gibt. Die Entscheidung für einen Hund aus dem Tierschutz ist oft eine Herzensangelegenheit. Wenn du dich dafür entscheidest, rät sie dringend dazu, den Prozess mit Bedacht anzugehen. Ein Hund, der direkt aus dem Ausland vermittelt wird und den du nur von Fotos kennst, ist ein großes Überraschungspaket. Viel besser ist es, einen Hund zu wählen, der bereits auf einer deutschen Pflegestelle lebt. Dort konnte er schon ankommen, und die Pflegestelle kann dir eine realistische Einschätzung seines Charakters, seiner Ängste und seiner Vorlieben geben. Hanna warnt vor Organisationen, die Druck aufbauen oder beschönigende Aussagen treffen. Der Satz Der ist dankbar und braucht nur ein warmes Sofa sollte alle Alarmglocken schrillen lassen. Ein Hund, der vielleicht auf der Straße gelebt hat, bringt eine Geschichte mit, die man respektieren und managen muss.

Die Wahl eines Rassewelpen vom Züchter bietet im Vergleich dazu mehr Vorhersehbarkeit. Hier investierst du in eine bekannte Genetik und eine kontrollierte Aufzucht. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Der Züchter sollte ein echter Partner sein, der sich intensiv mit deinen Plänen auseinandersetzt. Ein gutes Zeichen ist, wenn der Züchter nicht nur fragt, was du suchst, sondern auch kritisch hinterfragt, ob seine Hunde für den anspruchsvollen Job als Therapiebegleithund geeignet sind. Er sollte seine Welpen genau beobachten und dir bei der Auswahl helfen, anstatt dich einfach frei wählen zu lassen. Letztendlich, so Hanna, ist es eine zutiefst persönliche Entscheidung, die von den eigenen Ressourcen, der Risikobereitschaft und den Lebensumständen abhängt.

Ein Blick auf die beliebtesten Rassen

Im Gespräch tauchen Iona und Hanna tief in die Welt der Hunderassen ein und zeichnen ein differenziertes Bild, das weit über Klischees hinausgeht. Es wird klar: Jede Rasse hat zwei Seiten einer Medaille.

Labrador und Golden Retriever: Sie gelten als die Klassiker unter den Familien- und Therapiehunden. Ihre menschenfreundliche und kooperative Art ist ein großer Vorteil. Hanna unterscheidet jedoch klar zwischen Show- und Arbeitslinien. Der klassische Labrador aus der Showlinie ist oft ein gemütlicher, freundlicher Hund, kann aber durch seine Begeisterung auch distanzlos und stürmisch sein - eine Eigenschaft, die im Umgang mit Kindern oder gebrechlichen Menschen anstrengend werden kann. Der Golden Retriever wird als ähnlich, aber oft etwas feinfühliger und weniger drüber beschrieben. Arbeitslinien beider Rassen sind hochmotivierte Maschinen, die gezielt arbeiten wollen und oft eine engere Bindung an ihre Hauptbezugsperson haben.

Collies und sensible Seelen: Der Kurzhaarcollie wird als intelligenter und oft zurückhaltender Hund beschrieben. Seine Sensibilität kann ein großer Vorteil sein, um feine Stimmungen im Klienten aufzunehmen. Gleichzeitig, so Ionas Erfahrung, neigen sie dazu, bei kleinstem Druck oder in lauten Umgebungen schnell zu zittern und sich zurückzuziehen. Diese Hunde benötigen einen Menschen, der ihnen Sicherheit gibt und sie fair, aber klar führt, ohne sie in Watte zu packen.

Pudel, Doodles und das lockige Erbe: Pudel sind hochintelligente, arbeitsfreudige Hunde, die oft zu Unrecht als Oma-Hunde belächelt werden. Ihr verspieltes Wesen und ihre Lernfähigkeit sind für die therapeutische Arbeit Gold wert. Die populären Doodles (wie Labra- oder Goldendoodles) punkten mit ihrem niedlichen Aussehen, das vielen Menschen den Zugang erleichtert. Hanna warnt jedoch davor, sie zu unterschätzen. Viele Doodles haben eine niedrige Frustrationstoleranz und können bei Langeweile oder Überforderung schnell unerwünschtes Verhalten zeigen. Da es sich um keine anerkannte Rasse handelt, ist der Markt unreguliert, und es gibt große Qualitätsunterschiede in der Zucht.

Australian Shepherds - die anspruchsvollen Mitarbeiter: Aussies sind aus der Therapiehundeszene kaum wegzudenken. Sie sind schön, intelligent und für jeden Trick zu haben. Doch Iona berichtet auch von vielen gescheiterten Therapiebegleithunden dieser Rasse in ihrem Training. Hanna bestätigt, dass Aussies oft mehr mitbringen als erwartet: eine hohe Reaktivität auf Bewegungsreize, eine Tendenz zu Frustration und eine beachtliche Konfliktbereitschaft. Viele von ihnen sind zudem keine Kuschelhunde und mögen engen Körperkontakt nicht unbedingt. Sie sind fantastische Arbeitspartner für Menschen, die einen aktiven, selbstständig denkenden Hund führen können und wollen.

Warum deine Persönlichkeit den Ausschlag gibt

Ein wiederkehrender und vielleicht der wichtigste Punkt im gesamten Gespräch ist die Rolle des Menschen. Ein Hund kann noch so perfekte genetische Anlagen mitbringen - wenn die Chemie zwischen ihm und seinem Halter nicht stimmt, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Hanna erzählt offen, dass sie sich selbst bewusst gegen einen Hütehund entschieden hat, weil dessen Art sie an ihre persönlichen Grenzen bringen würde. Sie rät jedem, sich ehrlich zu fragen: Was für ein Typ bin ich? Mag ich es, zu diskutieren und in Konflikte zu gehen, oder bin ich eher harmoniebedürftig? Ein Mensch, der Konfrontationen scheut, wird mit einem selbstbewussten und entscheidungsfreudigen Hund wie einem Aussie möglicherweise unglücklich. Ein anderer blüht in dieser Auseinandersetzung auf und formt eine unschlagbare Partnerschaft. Die Wahl des Hundes ist somit auch ein Akt der Selbsterkenntnis. Es geht darum, einen Partner zu finden, dessen Stärken die eigenen ergänzen und dessen Schwächen man liebevoll und kompetent managen kann.

Praktische Schritte zur Auswahl deines Therapiebegleithundes

Aus dem Gespräch lassen sich konkrete Schritte ableiten, die dir bei deiner Suche helfen können:

  1. Beginne mit dir selbst: Kläre deine eigenen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen. Was erwartest du von einem Hund - privat und beruflich? Wie viel Zeit und Energie kannst du in Erziehung und Auslastung investieren? Welche Charaktereigenschaften schätzt du bei einem Hund, und welche bringen dich zur Verzweiflung?
  2. Hole dir professionelle Hilfe: Nutze das Angebot einer Ankaufsberatung bei einem erfahrenen Hundetrainer. Eine externe, objektive Meinung kann dir helfen, deine eigenen Wünsche und die Realität abzugleichen. Wie Hanna erwähnt, bieten viele Trainer - sie selbst eingeschlossen - solche Beratungen auch online an.
  3. Dein Vorgehen bei einem Tierschutzhund:
    • Bevorzuge Hunde, die bereits auf einer Pflegestelle in Deutschland leben.
    • Plane mehrere Besuche, um den Hund in verschiedenen Situationen kennenzulernen.
    • Prüfe die vermittelnde Organisation genau. Transparenz, Ehrlichkeit und eine gute Erreichbarkeit sind essenziell. Lass dich niemals unter Zeitdruck setzen.
  4. Dein Vorgehen bei einem Welpen vom Züchter:
    • Recherchiere nicht nur die Rasse, sondern auch spezifische Zuchtlinien und deren typische Eigenschaften.
    • Besuche mehrere Züchter und lerne die Elterntiere, insbesondere die Mutterhündin, kennen. Ihr Wesen ist oft ein guter Indikator für den Charakter der Welpen.
    • Arbeite mit dem Züchter zusammen. Ein guter Züchter kennt seine Welpen am besten und wird dir helfen, den Hund auszuwählen, der am besten zu dir und deinen Zielen passt.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Interview mit Hannah Grewe

In dieser Folge spricht Iona mit der CANIS Dozentin der Therapiebegleithunde und Päddogausbildung Hannah Grewe über die Frage, welcher Hund sich für die Arbeit als Therapiebegleithund eignet. Welche Rolle spielen Herkunft, Rasse oder Tierschutz? Woran lässt sich erkennen, ob ein Hund für diese Arbeit geeignet sein könnte? Und warum gibt es nicht den einen perfekten Therapiebegleithund?

Außerdem sprechen sie über typische Erwartungen an bestimmte Rassen, über Unterschiede zwischen einzelnen Hundetypen und darüber, welche Eigenschaften im späteren Arbeitsalltag wirklich hilfreich sein können.

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