Bei Fuß trainieren: Wie dein Hund zuverlässig bei dir läuft - auch ohne Leine

172: "Bleib bei mir - Das vielleicht wichtigste Kommando im Hundetraining!?"

172: "Bleib bei mir - Das vielleicht wichtigste Kommando im Hundetraining!?"

9. Mai 2026 · Der Welpentrainer - Der Podcast mit André Vogt

Stell dir vor, du gehst mit deinem freilaufenden Hund spazieren. Ein Radfahrer nähert sich, ein Jogger kommt entgegen oder ein anderer Hund taucht am Horizont auf. Anstatt in Hektik zu verfallen, die Leine zu suchen und deinen Hund anzubrüllen, gibst du ein ruhiges Signal. Dein Hund kommt sofort an deine Seite, läuft locker neben dir, während die Gefahr vorbeizieht, und wird danach wieder freigegeben. Klingt wie ein Traum? In der neuesten Folge des Podcasts Der Welpentrainer erklären die Hundeprofis André Vogt und Eva Birkenholz, wie genau dieser Traum zur Realität wird.

André und Eva widmen sich einem der wohl nützlichsten, aber oft missverstandenen Signale im Hundealltag: dem "Bei-Mir-Laufen", auch bekannt als "Bei Fuß". Sie räumen mit dem verstaubten Image des militärischen Gehorsams auf und präsentieren es als das, was es wirklich ist: ein Schlüssel zu mehr Freiheit, Sicherheit und einer tieferen partnerschaftlichen Beziehung. In dieser Episode geht es nicht nur darum, was du tun sollst, sondern vor allem darum, warum viele Hundebesitzer scheitern und wie du es von Anfang an richtig machst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mehr als nur Leinenführigkeit: Das "Bei Mir" ist ein Allrounder für Freilauf und Leine. Es ist kein permanenter Zustand, sondern ein abrufbares Verhalten für Situationen, in denen du die Führung übernehmen und für Sicherheit sorgen musst.
  • Die zwei Phasen des Trainings: André und Eva unterscheiden klar zwischen der Anlernphase und der einfordernden Phase. Die erste muss von Spaß und positiver Bestärkung geprägt sein, damit dein Hund das Signal lieben lernt. Erst danach wird es zuverlässig eingefordert.
  • Klarheit ist König: Eindeutige Signale sind entscheidend. Dazu gehören ein festes Startsignal (z. B. doppeltes Klopfen auf den Oberschenkel), eine klare Körperhaltung und vor allem ein bewusstes Auflösesignal, das dem Hund sagt, wann die Übung vorbei ist.
  • Motivation gezielt einsetzen: Finde heraus, was deinen Hund wirklich antreibt - sei es ein besonderes Leckerli, ein Spielzeug oder deine freudige Stimme. In der Anlernphase darfst du großzügig sein, denn die positive Emotion wird mit dem Signal verknüpft.
  • Akzeptanz als Fundament: Ein perfekt aufgebautes Signal nützt wenig, wenn dein Hund deine Entscheidungen nicht akzeptiert. Die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und Führung zu übernehmen, ist laut den Experten der entscheidende Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Warum das "Bei-Mir-Laufen" mehr als nur Gehorsam ist

Zu Beginn der Folge stellen André und Eva eine wichtige Frage: Warum nutzen so viele Hundebesitzer dieses mächtige Werkzeug im Alltag nicht, obwohl sie es vielleicht sogar in der Hundeschule gelernt haben? Ihre Antwort ist einfach: Für viele Hunde (und damit auch für ihre Menschen) fühlt es sich wie eine Strafe an. Es bedeutet das Ende von Freiheit und Spaß. Genau hier setzen die beiden an. Ihr Ziel ist es, das Bei-Mir-Laufen zu einer positiven und kooperativen Handlung zu machen - zu einer Art unsichtbaren Leine, die auf Vertrauen basiert.

André erklärt, dass es für ihn eines der wichtigsten Signale überhaupt ist, direkt nach dem Rückruf. Es ermöglicht ihm, Begegnungen souverän zu meistern, ohne seinen Hund ständig anleinen zu müssen. Das gibt nicht nur dem eigenen Hund Sicherheit, sondern signalisiert auch anderen Menschen - wie dem anfangs erwähnten Radfahrer -, dass man die Situation voll im Griff hat. Es ist also ein Akt der Voraussicht und des Respekts.

Die Anlernphase: Ein Fundament aus Spaß und Klarheit

Der Grundstein für ein zuverlässiges "Bei Mir" wird in einer reizarmen Umgebung gelegt, zum Beispiel im Wohnzimmer oder im Garten. Eva betont, wie wichtig es ist, kleinschrittig vorzugehen. Alles beginnt mit der sogenannten Grundposition.

Der erste Schritt besteht darin, dem Hund beizubringen, sich seitlich neben dich zu positionieren, mit dem Blick in dieselbe Richtung. André beschreibt, wie er den Hund mit einem Leckerli in einer schwungvollen U-förmigen Bewegung von vorne nach hinten an seine Seite führt. Sobald der Hund in der richtigen Position ist, wird er mehrfach belohnt. Die Idee dahinter: Diese Position soll sich für den Hund absolut großartig anfühlen.

Direkt im Anschluss kommt der Seitenwechsel ins Spiel. Der Hund soll lernen, auf beiden Seiten laufen zu können, um ihn in Begegnungen immer auf die reizabgewandte Seite nehmen zu können. Als Signal hat sich bei den beiden ein doppeltes Klopfen auf den jeweiligen Oberschenkel etabliert. Um den Hund von links nach rechts zu lotsen, klopfst du rechts, drehst deinen Oberkörper leicht in diese Richtung und schaust über die Schulter dorthin, wo der Hund hinlaufen soll. Deine Hand (ohne Futter) unterstützt die Bewegung. Auch hier wird die Ankunft in der neuen Position sofort belohnt. Dieser spielerische Wechsel macht vielen Hunden großen Spaß und festigt die Grundposition auf beiden Seiten.

Von der Theorie zur Praxis: Die ersten Schritte und das Auflösesignal

Sobald die Positionierung im Stehen klappt, kommt Bewegung ins Spiel. Aus der Grundposition startest du mit wenigen Schritten. Dabei gibst du dein gewähltes Signal (z. B. "Bei mir" in Kombination mit dem Klopfen) und motivierst deinen Hund stimmlich, an deiner Seite zu bleiben. Wichtig ist, so erklärt es André, den Hund nicht permanent mit Futter vor der Nase zu locken. Die Belohnung gibt es am Ende der kurzen Sequenz, wenn ihr wieder stehen bleibt.

An dieser Stelle bringen die Trainer einen der häufigsten Fehler zur Sprache: das fehlende oder unklare Auflösesignal. Ein Hund muss genau wissen, wann ein Kommando beginnt und wann es endet. Nur dann ist es fair, später von ihm zu verlangen, in dem Verhalten zu bleiben. Das Auflösen sollte ein klares Wort (z. B. "Jetzt" oder "Go") sein, begleitet von einer schwungvollen, einladenden Körperbewegung. Diese Klarheit verhindert, dass der Hund selbst entscheidet, wann er wieder sein eigenes Ding macht.

Die Rolle der Akzeptanz: Wenn Belohnung allein nicht mehr reicht

Die Anlernphase ist die eine Seite der Medaille. Die andere, und laut André und Eva oft der eigentliche Gamechanger, ist die einfordernde Phase. Was aber, wenn dein Hund eine andere Idee hat und trotz des positiven Aufbaus lieber zum spannenden Geruch am Wegesrand abbiegt? Hier kommt das Thema Akzeptanz ins Spiel.

Die Experten machen deutlich, dass es nicht um Härte oder Dominanz geht, sondern um eine klare und verlässliche Führung. Dein Hund muss lernen, dass deine Entscheidungen gelten - auch wenn er gerade etwas anderes lieber tun würde. Diese Akzeptanz wird nicht erst in der konkreten Situation aufgebaut, sondern ist das Ergebnis eurer alltäglichen Beziehung. Wenn du zu Hause bereits lernst, kleine Entscheidungen zu treffen und Grenzen zu setzen, wird es dir draußen viel leichter fallen, das "Bei Mir" durchzusetzen. Es geht darum, für den Hund als die Person wahrgenommen zu werden, die Verantwortung trägt und Sicherheit bietet.

Der Übergang zur Verlässlichkeit: Korrektur und Vertrauen

Um das Signal unter Ablenkung zuverlässig zu machen, ist es wichtig, Fehlverhalten fair zu korrigieren. Sobald du merkst, dass die Aufmerksamkeit deines Hundes schwindet - oft schon an den Ohren zu erkennen -, ist der Moment zum Handeln gekommen. Eva beschreibt eine sanfte, aber bestimmte Korrektur: ein kurzes Anstupsen mit den Fingerspitzen an der hinteren Flanke des Hundes. Dies dient als Erinnerung: "Hey, du bist gedanklich gerade woanders, aber unsere Verabredung lautet anders."

In dieser Phase ist eine Trainings- oder Schleppleine ein unverzichtbares Hilfsmittel. Sie dient aber nicht dazu, am Hund zu reißen, sondern als reines Backup - eine Managementmaßnahme, die verhindert, dass der Hund mit seinem Ausbruchsversuch Erfolg hat. Die eigentliche Kommunikation findet über deine Körpersprache und die klare, faire Korrektur statt.

Der letzte Schritt, so betonen beide, erfordert Mut von dir als Halter. Du musst deinem Hund Vertrauen schenken. Wenn du merkst, dass das "Bei Mir" immer besser klappt, lass die Leine erst schleifen und nimm sie dann ganz ab. Jeder erfolgreiche Durchgang stärkt das Vertrauen auf beiden Seiten und festigt eure unsichtbare Leine.

Dein Trainingsplan für ein zuverlässiges "Bei Mir"

  1. Die Basis schaffen (im Stehen): Beginne zu Hause oder an einem ruhigen Ort. Übe die Grundposition auf beiden Seiten und den spielerischen Seitenwechsel. Belohne großzügig und sorge für eine positive Atmosphäre.
  2. Die ersten Meter (in Bewegung): Füge nun kurze Laufsequenzen hinzu. Gib dein Startsignal, laufe wenige Meter, bleibe stehen und belohne. Beende jede Sequenz mit einem klaren Auflösesignal.
  3. Dynamik einbauen: Integriere nun den Seitenwechsel und dynamische Richtungswechsel während des Laufens. Das hält die Übung spannend und fordert die Aufmerksamkeit deines Hundes.
  4. Ablenkung langsam steigern: Wenn die Grundlagen sitzen, verlagere das Training an Orte mit leichter Ablenkung. Verlängere die Dauer des „Bei Mir“ schrittweise, aber überfordere deinen Hund nicht.
  5. Die einfordernde Phase einleiten: Nutze eine Schleppleine als Absicherung. Korrigiere deinen Hund fair und zeitnah, wenn seine Aufmerksamkeit nachlässt. Ein guter Tipp von André: Inszeniere anfangs Ablenkungen (z. B. ein ausgelegtes Leckerli), um dein Timing zu schulen.
  6. Vertrauen aufbauen und die Leine ablegen: Wenn du merkst, dass dein Hund auch bei Ablenkung zuverlässig an deiner Seite bleibt, ist es Zeit, die Leine schleifen zu lassen und sie schließlich ganz wegzulassen. Feiere jeden Erfolg - das stärkt eure Bindung und das Vertrauen in eure Fähigkeiten als Team.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Was bedeutet echte Aufmerksamkeit zwischen Mensch und Hund? Warum scheitern so viele Hundehalter im Alltag nicht an „Sitz“ oder „Platz“, sondern daran, dass ihr Hund draußen plötzlich nur noch Augen für alles andere hat? Genau darum geht es in der neuen Folge des Podcasts „Der Welpentrainer“ mit Hundetrainer André Vogt und seiner Kollegin Eva Birkenholz.

Unter dem Titel „Bleib bei mir – das vielleicht wichtigste Kommando im Hundetraining!?“ sprechen die beiden darüber, warum dieses scheinbar einfache Signal weit mehr ist als nur ein Trainingskommando. Es geht um Orientierung, Vertrauen und die Fähigkeit, auch in aufregenden Situationen als Team zusammenzubleiben. Außerdem klären die beiden, warum das Signal für viele Hundehalter zum echten Gamechanger werden kann. Sie sprechen über typische Fehler im Training, über Missverständnisse zwischen Mensch und Hund – und darüber, warum gute Bindung nichts mit Lautstärke oder Strenge zu tun hat.

Ob Welpenbesitzer, ambitionierter Hundehalter oder langjähriger Hundemensch – diese Folge liefert spannende Einblicke in eines der wichtigsten Themen der Hundeerziehung. „Der Welpentrainer“ steht für modernes Hundetraining, ehrliche Gespräche und wertvolle Tipps für ein entspanntes Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Die neue Folge macht deutlich: Wer gelernt hat, seinen Hund wirklich bei sich zu behalten, hat oft schon den größten Schritt im Training geschafft.

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