Aufmerksamkeit in der Hundeerziehung - Ein Balanceakt
In dieser Episode des Podcasts Furminant tauchen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack tief in das vielschichtige Thema Aufmerksamkeit in der Hundeerziehung ein. Sie beleuchten, wie die Aufmerksamkeit, die wir unserem Hund schenken, die wir von ihm bekommen und die wir von anderen Menschen erhalten, das Training und die Beziehung maßgeblich beeinflusst.
Die zentrale Frage der Folge lautet: Wie findet man die richtige Balance bei der Aufmerksamkeit, um eine gesunde, respektvolle Beziehung aufzubauen, in der der Mensch die Führung übernimmt, ohne den Hund zu vernachlässigen? Die Diskussion ist besonders relevant für Hundehalter:innen, deren Hunde Verhaltensweisen wie Kontrollverhalten, Pöbeln oder mangelnde Orientierung zeigen, und bietet wertvolle Einblicke, um das eigene Handeln zu reflektieren und zu verbessern.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Übermäßige Aufmerksamkeit für den Hund kann ihm eine übersteigerte Wichtigkeit vermitteln und deine Rolle als souveräne Führungsperson untergraben.
- Authentizität ist wichtiger als gekünsteltes Ignorieren. Dein Hund spürt, ob du wirklich beschäftigt bist oder nur so tust, als würdest du ihn nicht bemerken.
- Hundetraining ist oft auch Persönlichkeitsentwicklung. Es erfordert, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, zu priorisieren und klar zu kommunizieren.
- Die Meinung fremder Menschen sollte dein Training nicht beeinflussen. Konsequentes Handeln ist entscheidender für den Erfolg als soziale Anerkennung im Moment.
- Umgang mit Kritik von außen: Vermeide Diskussionen. Ein einfaches "Okay" und Weitergehen ist oft die effektivste Methode, um unnötige Konfrontationen zu beenden.
- Nicht jeder Hund zeigt Aufmerksamkeit auf die gleiche Weise. Rasse und Persönlichkeit spielen eine große Rolle dabei, wie stark sich ein Hund von Natur aus am Menschen orientiert.
Die Falle der übermäßigen Aufmerksamkeit: Wenn der Hund zur Hauptrolle wird
Zu Beginn der Diskussion stellt Alex fest, dass viele Probleme im Mensch-Hund-Team darauf zurückzuführen sind, dass der Hund eine zu große Rolle im Leben des Menschen einnimmt. Dies sei nicht als Vorwurf zu verstehen, den Hund zu lieb zu haben, sondern als Beobachtung, dass der Hund durch ständige Beachtung zum Entscheidungsträger wird. Wenn ein Hund durch sein Handeln - sei es durch Bellen, Stupsen oder Herumlaufen - immer wieder die Aufmerksamkeit seines Menschen auf sich zieht, lernt er, das Geschehen zu lenken. Alex erklärt, dass dies problematisch wird, wenn der Mensch in kritischen Situationen, wie bei einer Hundebegegnung, die Führung beansprucht, der Hund aber gelernt hat, selbst die Fäden zu ziehen.
Johanna ergänzt, dass Aufmerksamkeit direkt mit Wichtigkeit verknüpft ist. Wer ständig im Mittelpunkt steht und beobachtet wird, dem wird eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Wenn der Mensch sich ständig am Hund orientiert, aber dem Hund wenig Grund gibt, sich am Menschen zu orientieren, entsteht ein Ungleichgewicht, das die Erziehung erschwert.
Von Ignorieren zu authentisch sein: Der Schlüssel liegt bei dir
Ein weit verbreiteter Ratschlag lautet oft, den Hund mehr zu ignorieren. Beide Hosts sind sich einig, dass diese Anweisung oft missverstanden wird und zu einem gekünstelten Verhalten führt, das der Hund sofort durchschaut. Alex berichtet aus seiner Trainer-Erfahrung, dass er mittlerweile davon abrät, den Hund pauschal zu ignorieren. Stattdessen ermutigt er seine Kund:innen, sich zu fragen: "Was möchte ich gerade wirklich?" oder "Wie hätte ich die Situation gerne?"
Johanna verdeutlicht dies mit einem anschaulichen Beispiel aus dem menschlichen Zusammenleben: Wenn dein Partner dich fragt, ob du einen Film schauen möchtest, während du gerade ein spannendes Buch liest, ist die wertschätzendste Reaktion nicht, das Buch sofort wegzuschmeißen oder den Partner komplett zu ignorieren. Stattdessen kommuniziert man das eigene Bedürfnis ("Ich lese noch dieses Kapitel zu Ende") und findet dann eine gemeinsame Lösung. Auf den Hund übertragen bedeutet das: Erkenne die Initiative deines Hundes an, aber priorisiere dein eigenes Bedürfnis. Anstatt ihn krampfhaft zu ignorieren, kannst du ihn kurz, aber klar abweisen ("Nein, jetzt nicht") und dann dafür sorgen, dass du deine Tätigkeit ungestört fortsetzen kannst, zum Beispiel indem du eine Tür schließt.
Hundetraining als Spiegel der Persönlichkeit
Alex betont, dass Hundetraining oft an die Grenzen des Fachlichen stößt und in den Bereich der Persönlichkeitsentwicklung übergeht. Insbesondere Frauen seien gesellschaftlich oft so sozialisiert, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Das Training mit dem Hund zwinge sie förmlich dazu, sich mit den eigenen Wünschen und Grenzen auseinanderzusetzen und diese auch durchzusetzen. Ehrlich zu sich selbst zu sein und zu formulieren, was man in einer Situation wirklich braucht, sei der schwierigste, aber auch wichtigste Schritt. Nur wer seine eigenen Bedürfnisse kenne, könne authentisch und damit überzeugend für den Hund handeln.
Johanna warnt zudem vor dem Trend, das Verhalten des Hundes übermäßig zu analysieren und zu dokumentieren. Während dies in Einzelfällen sinnvoll sein könne, führe es oft dazu, dass Menschen sich im Klein-Klein verlieren und den Fokus auf sich selbst verlieren. Die Diskrepanz zwischen einem Halter, der jeden Wimpernschlag seines Hundes interpretiert, und einem Hund, der nicht einmal darauf achtet, in welche Richtung sein Mensch abbiegt, zeigt das Problem deutlich auf.
Der Druck von außen: Umgang mit der Bewertung durch andere
Ein großes Thema für viele Hundehalter:innen ist die Angst vor der Bewertung durch fremde Menschen. Johanna teilt ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrer Hündin Berta, deren auffälliges Verhalten sie oft in unangenehme Situationen brachte. Sie erklärt, dass die Angst, negativ aufzufallen, das eigene Handeln lähmt und zu Inkonsequenz führt. Ein Hund lernt schnell, ob eine Regel nur im leeren Wald oder auch in Anwesenheit anderer Menschen gilt.
Seit sie gelernt habe, sich von der Meinung anderer zu lösen und in jeder Situation authentisch und konsequent zu handeln, müsse sie ihre Hunde deutlich seltener korrigieren. Die Situationen seien für die Hunde viel klarer geworden. Beide raten dringend davon ab, sich auf Diskussionen mit Passant:innen einzulassen. Diese führen erfahrungsgemäß zu keinem konstruktiven Ergebnis. Am Ende zählt das langfristige Ziel: ein entspanntes Zusammenleben mit dem eigenen Hund. Dieses Ziel erreicht man nur durch konsequentes Handeln, nicht indem man es allen recht macht.
Praktische Schritte für mehr Balance im Alltag
- Reflektiere deine eigenen Bedürfnisse: Frage dich in Situationen, in denen dein Hund deine Aufmerksamkeit fordert, zuerst: Was möchte ich gerade tun? Dein Ziel ist es, deine eigene Tätigkeit (z.B. ein Buch lesen, kochen) ungestört fortzusetzen.
- Kommuniziere klar und authentisch: Anstatt deinen Hund künstlich zu ignorieren, weise ihn freundlich, aber bestimmt ab. Ein klares „Nein“ oder ein sanftes Wegschieben ist eine ehrliche Kommunikation.
- Sorge für die Umsetzung: Wenn dein Hund deine Entscheidung nicht akzeptiert, schaffe Fakten. Nutze Management-Maßnahmen wie das Schließen einer Tür, das Anleinen auf seinem Platz oder ein Kindergitter, um dir den nötigen Freiraum zu verschaffen.
- Entwickle eine Strategie für den Umgang mit Fremden: Wenn dich jemand für dein Training kritisiert, gehe nicht in die Defensive oder in eine Diskussion. Johanna empfiehlt ein einfaches "Okay" als deeskalierende Antwort, die dem Gegenüber den Wind aus den Segeln nimmt.
- Schaffe sichere Übungsräume: Wenn du dich in der Öffentlichkeit gehemmt fühlst, übe gezielt in Umgebungen mit wenig Ablenkung oder mit verständnisvollen Freunden. Johanna schlägt vor, bewusst in unbekannte Wohngebiete zu fahren, um ohne den Druck sozialer Kontrolle zu trainieren.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
Na? hörst du aufmerksam zu? Prima! Denn das Thema Aufmerksamkeit kann sowohl für den Hund als auch für uns Menschen ein richtig großes, wichtiges Thema sein.
Wieso es manchen Hunden nicht gut tut, sie ständig mit Aufmerksamkeit zu beschenken und wieso es uns gut täte, manchmal die eigenen Bedürfnisse ein wenig höher zu stellen.
Am Wochenende 03./04. August findet unser Online Workshop "Furminante Grandiosität" zum 9. Mal statt. Thema: Verbindlichkeit. Wenn du mehr dazu erfahren willst, auch, wenn du nicht live dabei sein kannst, sondern die Aufzeichnung erwerben willst, bist du hier richtig:
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Viel Spaß beim Hören
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