Die Paralelen von Joggen und Hundetraining: Motivation, Rückschläge und kleine Fortschritte

Hundetraining und Laufen: Warum Dranbleiben so schwer ist (mit Rejana von Hundeharmony)

Hundetraining und Laufen: Warum Dranbleiben so schwer ist (mit Rejana von Hundeharmony)

20. Juli 2026 · Furminant - Der Hundepodcast mit Johanna und Alex

Stell dir vor, du stehst vor einer Herausforderung. Vielleicht ist es der Entschluss, endlich regelmäßig laufen zu gehen, obwohl du es bisher gehasst hast. Oder es ist dein Hund, der an der Leine zur Furie wird und jeden Spaziergang zum Spießrutenlauf macht. Auf den ersten Blick scheinen diese Welten wenig gemeinsam zu haben. Doch in einer neuen Folge ihres Podcasts Furminant graben die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack gemeinsam mit ihrem Gast, der Hundetrainerin Rejana, erstaunlich tiefe Parallelen aus. Sie zeigen, dass der schweißtreibende Prozess des Lauftrainings eine wertvolle Blaupause für die Tücken und Triumphe im Hundetraining sein kann. Diese Episode ist mehr als nur ein Gespräch unter Läufern; sie ist eine Lektion in Empathie, Durchhaltevermögen und der Kunst, den eigenen Weg zu finden - ob auf der Tartanbahn oder im Alltag mit Hund.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die zentralen Erkenntnisse aus dem Gespräch zwischen Johanna, Alex und Rejana lassen sich auf einige Kernpunkte verdichten, die für jeden, der an sich oder mit seinem Hund arbeitet, von Bedeutung sind:

  • Motivation ist der Motor: Egal, ob es ein emotionales Versprechen an eine Freundin (wie bei Rejana) oder der eigene Wettkampfgeist (wie bei Alex) ist - ein starkes "Warum" ist die entscheidende Kraft, um die anfängliche Hürde und die unvermeidlichen Qualen zu überwinden. Ohne diesen inneren Antrieb bleibt jede noch so gute Absicht schnell auf der Strecke.
  • Rückschläge sind Teil des Plans, nicht dessen Ende: Verletzungen, Motivationslöcher und das Gefühl, festzustecken, sind im Laufsport normal. Alex und Rejana schildern beide eindrücklich, wie frustrierend Zwangspausen sind. Diese Erfahrung schafft ein tiefes Verständnis für Hundebesitzer, deren Training durch Pubertät, einen schlechten Tag oder einen unglücklichen Vorfall zurückgeworfen wird. Akzeptanz und Geduld sind hier der Schlüssel.
  • Erfolg neu definieren: Das Ziel ist nicht, mühelos und perfekt zu sein. Rejana beschreibt, wie sie lernte, Laufen nicht als etwas zu sehen, das irgendwann leicht wird, sondern als wertvolle Zeit für sich selbst, in der Anstrengung dazugehört. Im Hundetraining bedeutet das, sich vom Idealbild des "perfekten Hundes" zu lösen und stattdessen die kleinen Fortschritte und die Qualität der gemeinsamen Zeit wertzuschätzen.
  • Die Kraft der Gemeinschaft: Der Austausch mit Gleichgesinnten, die den Prozess verstehen, ist Gold wert. Ob es Rejanas laufbegeisterte Freunde sind oder eine unterstützende Hundegruppe - die Gemeinschaft trägt, motiviert und verhindert, dass man sich mit seinen Problemen allein fühlt. Sie schafft einen sicheren Raum ohne Verurteilung.
  • Die "langweiligen" Grundlagen sind alles: Man kann die Basisarbeit nicht überspringen. Falsche Schuhe führen zu Verletzungen, fehlendes Krafttraining zu Schmerzen. Genauso wenig lässt sich komplexes Hundeverhalten korrigieren, wenn das Fundament aus Management, Impulskontrolle und einer sicheren Bindung fehlt.

Der steinige Weg zum ersten Kilometer: Wenn die Motivation von außen kommen muss

Wie fängt man etwas an, das man aus tiefstem Herzen verabscheut? Rejana erzählt ihre Geschichte mit einer entwaffnenden Ehrlichkeit, die viele Hundebesitzer wiedererkennen werden, die sich von den Problemen ihres Hundes überfordert fühlen. Sie war nie eine Läuferin; der Cooper-Test in der Schule war für sie die reinste Qual. Der erste Anstoß kam durch eine Kundin, die, entlastet von ihrem anspruchsvollen Hund, das Laufen als neues Hobby für sich entdeckte. Doch der wahre Wendepunkt war die Hochzeitseinladung ihrer besten Freundin: Der Tag sollte mit einem 10-Kilometer-Lauf beginnen. Rejana fasste den Entschluss, diesen Lauf als persönliches Geschenk für ihre Freundin zu meistern. Diese tief emotionale, externe Motivation war der einzige Grund, warum sie die ersten drei Monate, die sie als "absolute Hölle" beschreibt, durchstand. Sie quälte sich durch winzige Intervalle - 30 Sekunden joggen, eine Minute gehen - und nur der Gedanke an das Gesicht ihrer Freundin an der Ziellinie hielt sie bei der Stange.

Alex hingegen fand seinen Weg zurück zum Laufen über eine eher intrinsische, sportliche Motivation. Als ehemaliger Fußballer war eine gewisse Grundfitness immer vorhanden. Doch als er nach langer Pause überambitioniert mit alten Schuhen wieder einstieg, waren Schienbeinschmerzen die prompte Quittung. Erst die professionelle Beratung in einem Laufladen und die Begegnung mit passionierten Läufern entfachten den Funken. Für ihn, einen von Natur aus wettbewerbsorientierten Menschen, waren klare Ziele wie "10 Kilometer unter einer Stunde" der perfekte Antrieb. Diese beiden Geschichten illustrieren wunderbar die zwei Hauptantriebskräfte, die auch im Hundetraining wirken: der Leidensdruck, der uns zwingt, ein Problem zu lösen, und die Freude an der Herausforderung und dem gemeinsamen Wachsen.

Wenn der Körper "Nein" sagt: Über den Umgang mit Rückschlägen

Ein roter Faden, der sich durch die Erzählungen von Alex und Rejana zieht, ist der unvermeidliche Umgang mit körperlichen Grenzen und Verletzungen. Alex kämpfte mit Schienbeinschmerzen, einem Meniskusriss und aktuell einem Läuferknie. Rejana plagten Rückenprobleme, die sie zwangen, das Laufen komplett neu zu denken und mit Reha-Sport zu untermauern. Diese Erfahrungen sind eine eindrucksvolle Metapher für die Rückschläge im Hundetraining. Man hat einen Plan, macht Fortschritte, und plötzlich wirft die Pubertät, eine schlechte Hundebegegnung oder eine unvorhergesehene Angst den Hund und damit das gesamte Training wochenlang zurück.

Beide beschreiben die immense Frustration, die mit einer solchen Zwangspause einhergeht. Man weiß genau, wie viel harte Arbeit nötig war, um den aktuellen Stand zu erreichen, und muss nun tatenlos zusehen, wie die hart erarbeitete Fitness oder das mühsam aufgebaute Verhalten wieder schwindet. Diese Momente, so erklären sie, schulen die Empathie für ihre Kunden ungemein. Es ist das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und geduldig sein zu müssen, obwohl man am liebsten losstürmen und "etwas tun" würde. Es lehrt, den Prozess zu akzeptieren und zu verstehen, dass Entwicklung niemals linear verläuft.

Der Blick von außen: Warum du dich für dein Training nicht schämen musst

Wer kennt es nicht? Man quält sich den Berg hoch, und just in dem Moment, in dem man am liebsten keuchend zusammenbrechen würde, kommt einem ein anderer Jogger federleicht entgegen. Alex beschreibt humorvoll, wie man dann versucht, die Atmung zu kontrollieren und mühelos auszusehen. Diese Angst vor der Bewertung durch andere ist im Hundetraining allgegenwärtig. Man fühlt sich beobachtet, wenn der eigene Hund bellt, zieht oder man einen großen Bogen um andere machen muss. Alex gibt zu, früher aus diesem Grund zu schnellen, aber nicht nachhaltigen Korrekturmethoden gegriffen zu haben, um eine "Schein-Leichtigkeit" zu erzeugen - das Pendant zum coolen Nicken beim Joggen.

Die Runde ist sich einig, dass dies einer der schädlichsten Aspekte im Trainingsprozess ist. Johanna bringt es auf den Punkt: Man muss sich fragen, ob die Person, deren Urteil man fürchtet, überhaupt die eigene "Zielgruppe" ist. Ein fremder Spaziergänger kann den monatelangen Prozess, der hinter dem aktuellen Verhalten deines Hundes steckt, gar nicht sehen oder verstehen. Sich von diesem externen Druck freizumachen und den eigenen Weg mit Selbstvertrauen zu gehen, ist eine der größten mentalen Hürden, aber auch einer der wichtigsten Schritte zu echtem, nachhaltigem Erfolg.

Gemeinsam statt einsam: Die unschätzbare Kraft der Gemeinschaft

Während die Angst vor dem Urteil Fremder lähmend sein kann, ist der Zuspruch von Gleichgesinnten ein wahrer Katalysator. Rejana erzählt bewegend, wie ihre Freunde sie auf ihrem Weg unterstützten. Sie feierten ihre kleinen Erfolge, analysierten ihre Läufe und gaben ihr nie das Gefühl, "schlechter" zu sein, obwohl sie selbst auf einem ganz anderen Level liefen. Dieser unterstützende, verständnisvolle Austausch schuf ein Gefühl der Zugehörigkeit, das sie durch die härtesten Phasen trug.

Diese Erfahrung spiegelt sich direkt in ihrer Arbeit als Hundetrainerin wider. Viele Menschen kommen mit dem Gefühl ins Training, mit ihrem Problem allein auf der Welt zu sein. Wenn sie dann in einer Gruppe auf andere treffen, die ähnliche Kämpfe ausfechten, entsteht eine enorme Erleichterung und Solidarität. Man wird nicht verurteilt, sondern verstanden. Man feiert die Fortschritte der anderen und wird für die eigenen gefeiert. Diese Gemeinschaft, so betonen alle drei, ist oft der entscheidende Faktor, der Menschen dabei hilft, langfristig dranzubleiben und die Freude am Prozess wiederzufinden.

Praktische Lehren aus dem Lauftraining

Was kannst du also ganz konkret aus den Erfahrungen von Alex und Rejana für dich und deinen Hund mitnehmen? Hier sind ein paar handlungsorientierte Schritte, die sich aus dem Gespräch ableiten lassen:

  1. Finde dein persönliches "Warum": Bevor du ein großes Trainingsprojekt startest, nimm dir einen Moment Zeit und frage dich, was dein tiefster Antrieb ist. Willst du einen schmerzhaften Zustand beenden oder ein freudvolles Ziel erreichen? Schreibe es auf. Dieser Satz wird dein Anker sein, wenn die Motivation nachlässt.
  2. Starte lächerlich klein: Der größte Fehler ist, zu viel auf einmal zu wollen. Rejanas 30-Sekunden-Intervalle sind das perfekte Vorbild. Im Hundetraining bedeutet das vielleicht eine einzige, zwei Minuten lange Übungseinheit am Tag - aber dafür jeden Tag. Beständigkeit schlägt Intensität immer.
  3. Plane Erholung aktiv ein: Muskeln wachsen in der Pause, nicht während des Trainings. Dasselbe gilt für das Gehirn deines Hundes. Plane bewusst trainingsfreie Tage, an denen ihr einfach nur entspannt spazieren geht. Regeneration ist kein Luxus, sondern ein essenzieller Teil des Lernprozesses.
  4. Akzeptiere deinen individuellen Prozess: Dein Weg ist nicht der Weg eines anderen. Dein Hund ist nicht der Hund eines anderen. Vergleiche dich nicht mit Social-Media-Bildern oder dem vermeintlich perfekten Hund aus der Nachbarschaft. Konzentriere dich auf deine Fortschritte, egal wie klein sie dir erscheinen.
  5. Suche dir Hilfe und Gemeinschaft: Du musst das nicht alleine schaffen. Ein guter Trainer kann dir, wie der Schwimmlehrer aus Alex' Anekdote, von außen den entscheidenden Impuls geben. Eine unterstützende Gruppe von Gleichgesinnten kann dich emotional durch schwierige Phasen tragen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Was haben Hundetraining und Laufen gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel – doch je länger wir darüber gesprochen haben, desto mehr Parallelen sind uns aufgefallen.

In dieser Folge ist Rejana Hader-Schneidmann von Hundeharmony zu Gast. Gemeinsam sprechen wir darüber, warum langfristige Entwicklung oft weniger mit Talent als mit Kontinuität zu tun hat, weshalb Rückschritte zum Lernprozess dazugehören und warum Motivation allein selten ausreicht, um wirklich dranzubleiben.

Rejana und Alex laufen beide regelmäßig und kennen die Herausforderungen, die damit einhergehen: schlechte Tage, ausbleibende Fortschritte, hohe Erwartungen an sich selbst und die Frage, warum sich manches Training plötzlich so schwer anfühlt. Genau diese Erfahrungen übertragen wir auf das Hundetraining – und stellen fest, dass beide Welten erstaunlich viel gemeinsam haben.

In dieser Folge sprechen wir unter anderem über:

  • Warum Fortschritt selten geradlinig verläuft.
  • Weshalb Rückschritte ganz normal sind.
  • Warum Kontinuität wichtiger ist als Motivation.
  • Welche Rolle unsere eigenen Erwartungen spielen.
  • Und was Hundetraining und Lauftraining über nachhaltiges Lernen verraten.

Mehr über Rejana und Hundeharmony:

📱 Instagram: @hundeharmony
🌐 Website: https://hundeharmony\.de

Viel Spaß beim Hören! Wenn euch die Folge gefällt, freuen wir uns über eine Bewertung und wenn ihr sie mit anderen Hundehalter:innen teilt.

Mehr zu:

👩🏻  Johanna Spahr

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👱🏻‍♂️ Alexander Schillack 

TeamHundecoach

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Orientierung am Menschen, Hundeverhalten, Hundetraining, Forschung, Hundetypen, Kommunikation, Genetik, Erziehung, Hundetraining, Hundeerziehung