Wenn Strafen nicht nur unfair, sondern auch völlig wirkungslos sind

Helfen dolle Strafen beim Pöbeln an der Leine?

Helfen dolle Strafen beim Pöbeln an der Leine?

22. Februar 2026 · Furminant - Der Hundepodcast mit Johanna und Alex

Stell dir vor, du scrollst durch Social Media und siehst ein Video, das dich zusammenzucken lässt: Ein Mann ruckt mit voller Kraft an der Leine eines großen Hundes, der sichtlich angespannt ist. Die Korrekturen scheinen endlos, aber die Haltung des Hundes ändert sich kaum - er bleibt starr, fixiert, voller Anspannung. Genau mit dieser Szene starten die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack in die neue Folge ihres Podcasts Furminant. Der Schockmoment folgt, als Alex enthüllt: Der Mann im Video, das sind Aufnahmen von ihm selbst aus dem Jahr 2012. Sein damaliger Hund Balu ist der Grund, warum diese Episode so persönlich und lehrreich ist. Gemeinsam nehmen uns Johanna und Alex mit auf eine Reise in die Vergangenheit, um eine zentrale Frage zu beleuchten, die viele Hundebesitzer umtreibt: Warum scheitern gut gemeinte Erziehungsversuche - insbesondere solche, die auf Strafe setzen - so oft auf ganzer Linie und was können wir daraus lernen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sinnlose Strafen stumpfen ab: Reine, mechanische Korrekturen wie der Leinenruck, die ohne Timing und Kontext angewendet werden, führen nicht zu Einsicht, sondern zur Abstumpfung. Der Hund lernt, den Schmerz auszuhalten, statt sein Verhalten zu ändern.
  • Das Fundament ist entscheidend: Alex' Geschichte zeigt, dass Techniken zur Verhaltenskorrektur ins Leere laufen, wenn die Basis nicht stimmt. Eine klare Alltagsstruktur, eine verlässliche Beziehung und grundlegende Erziehung sind die Voraussetzung für erfolgreiches Training in schwierigen Situationen.
  • Inkonsistenz ist der größte Feind: Einer der Hauptfehler, den Alex beging, war die fehlende Konsequenz. Mal wurde Balu für sein Verhalten bestraft, mal nicht - oft aus Scham vor anderen Menschen. Das führt beim Hund zu Verwirrung und verstärkt das Problemverhalten sogar.
  • Der Mensch ist der Schlüssel: Deine eigene Unsicherheit, dein Frust oder deine Scham in einer Hundebegegnung beeinflussen das Training massiv. Ein guter Trainingsansatz muss auch für dich als Mensch umsetzbar und authentisch sein.
  • Veränderung ist immer möglich: Trotz jahrelangem, tief verankertem Problemverhalten konnte Alex das Ruder bei Balu noch herumreißen. Das gibt Hoffnung und zeigt, dass es nie zu spät ist, einen neuen, besseren Weg einzuschlagen.

Ein Blick in die Vergangenheit: Das Video, das alles ins Rollen brachte

Die Episode beginnt mit einer detaillierten Analyse des besagten Videos. Johanna beschreibt, wie Alex seinen Hund Balu mit heftigen Leinenrucks korrigiert, ihn körperlich versetzt, aber dessen emotionale Verfassung und Fokus auf den Auslöser, vermutlich ein anderer Hund, unberührt bleiben. Die Rute bleibt oben, die Ohren gespitzt, der Blick starr. Es ist die perfekte Demonstration einer ineffektiven Strafe. Alex erklärt, dass diese Aufnahmen über zehn Jahre alt sind und aus einer Zeit stammen, in der er mit Balus Leinenaggression völlig überfordert war. Auf Anraten einer "Problemhundeschule" setzte er damals sogar ein Stachelhalsband ein - eine Methode, die er heute strikt ablehnt. Diese persönliche Offenheit macht die Folge so authentisch und nachvollziehbar, denn sie zeigt, dass auch erfahrene Trainer einmal ganz am Anfang standen und Fehler gemacht haben.

Balus Geschichte: Vom Tierheim-Welpen zum Problemhund

Um zu verstehen, warum die Strafen so wirkungslos waren, gibt Alex einen tiefen Einblick in Balus Werdegang. Balu, ein stattlicher Mischling aus dem Tierschutz, kam als junger Hund zu Alex. Aufgrund strenger Tierheim-Auflagen hatte er kaum Kontakt zu anderen Hunden und konnte so nie angemessenes Sozialverhalten lernen. Anfangs war er ein unkomplizierter Begleiter, doch mit Einsetzen der Pubertät entwickelten sich ernsthafte Probleme: Er rannte auf Menschen zu, verbellte und biss sie sogar. Später kam die ausgeprägte Leinenaggression gegenüber Artgenossen hinzu. Alex beschreibt Balu als einen von Natur aus selbstsicheren Hund, der gerne die Kontrolle übernahm - eine Eigenschaft, die ohne klare Führung schnell in problematisches Verhalten umschlug.

Sein Weg führte ihn durch verschiedene Hundeschulen. Zuerst versuchte er es mit einem rein positiven Ansatz, der auf Gegenkonditionierung setzte. Doch das Training scheiterte. Frustriert landete er schließlich bei einem Trainer, der auf aversive Methoden setzte. Dessen Fähigkeit, Balu schnell einzuschüchtern und kurzfristig gefügig zu machen, imponierte dem damals unerfahrenen Alex. Doch die Ratschläge - den Hund zu Hause ignorieren und draußen hart korrigieren - waren aus dem Kontext gerissen und adressierten nie die Ursache des Problems. Es war eine reine Symptombekämpfung, die auf lange Sicht alles nur schlimmer machte.

Warum Strafen so oft scheitern: Eine technische und psychologische Analyse

Hier liegt der Kern der Episode. Johanna und Alex zerlegen präzise, warum der gezeigte Trainingsansatz zum Scheitern verurteilt war. Es geht nicht darum, Strafen pauschal zu verteufeln, sondern darum, den sinnlosen und schlecht ausgeführten Einsatz zu kritisieren.

Alex identifiziert zwei entscheidende technische Fehler in seinem eigenen damaligen Handeln: 
1. Fehlende Konsequenz: Wenn er sich in der Öffentlichkeit unwohl oder beobachtet fühlte, ließ er die Korrektur weg. Der Hund lernt dadurch, dass sich das Pöbeln manchmal lohnt und manchmal nicht - eine perfekte Grundlage, um ein Verhalten hartnäckig zu festigen. 
2. Kein "zu Ende bringen": Nach einem Ruck wandte sich Balu zwar kurz ab, fiel aber eine Sekunde später wieder in das alte Muster (Fixieren, Anspannen) zurück. Alex handelte nicht nach und führte den Hund nicht in einen ruhigen, neutralen Zustand. Die Korrektur verpuffte, ohne eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken.

Johanna ergänzt die Analyse um eine wichtige Metaebene: Das Training konzentrierte sich ausschließlich auf die Problemsituation und ignorierte das große Ganze. Es fehlte eine solide Basis aus Alltagsregeln, klarer Kommunikation und einer gesunden Mensch-Hund-Beziehung. Statt den Hund aus der Verantwortung zu nehmen und ihm Sicherheit zu geben, wurden nur seine unerwünschten Ausbrüche bestraft.

Abstumpfung statt Einsicht: Die gefährliche Folge von sinnlosem Strafen

Was passiert mit einem Hund, der ständig schlecht getimten und inkonsequenten Strafen ausgesetzt ist? Er lernt nicht, was er tun oder lassen soll. Er stumpft ab. Alex erklärt, wie Balu die immer härteren Korrekturen, selbst mit dem Stachelhalsband, irgendwann einfach hinnahm. In seinem hoch erregten Zustand, vollgepumpt mit Adrenalin, war er schmerzunempfindlicher und der Drang, den anderen Hund zu verbellen, war stärker als die Angst vor der Strafe. Dies ist ein Phänomen, das Johanna oft bei Kund:innen beobachtet: Sie halten an Hilfsmitteln wie einem Stachelhalsband fest, weil es ihnen ein subjektives Gefühl von Kontrolle gibt, obwohl es objektiv keinerlei positive Wirkung mehr auf den Hund hat. Es ist ein Teufelskreis aus Frustration beim Menschen und wachsender Resignation beim Hund.

Der Weg zur Lösung: Mehr als nur Methoden

Die Episode endet jedoch nicht mit Resignation, sondern mit einer konstruktiven Botschaft. Alex' Erfahrung zeigt, dass es nicht die eine richtige Methode gibt. Sowohl der rein positive Ansatz als auch der rein aversive scheiterten, weil sie schlecht angeleitet und nicht in ein schlüssiges Gesamtkonzept eingebettet waren. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Transparenz und einem ganzheitlichen Ansatz. Ein guter Trainer erklärt nicht nur, *was* man tun soll, sondern vor allem *warum*. Er hilft dabei, eine stabile Basis im Alltag zu schaffen, von der aus man gezielt an den Problemsituationen arbeiten kann. Für Alex und Balu bedeutete das, viele Jahre später die Grundlagen neu aufzubauen und zu lernen, wie man Grenzen fair, konsequent und verständlich kommuniziert. Selbst nach fast einem Jahrzehnt gefestigten Problemverhaltens war eine positive Veränderung noch möglich.

Praktische Schritte: Was Du aus Alex' Fehlern lernen kannst

Wenn du dich in dieser Geschichte wiederfindest, kannst du aus den Fehlern von damals wertvolle Lehren für dein eigenes Training ziehen:

  1. Schaffe zuerst eine Basis: Bevor du versuchst, das Pöbeln an der Leine zu korrigieren, frage dich: Wie ist eure Beziehung im Alltag? Gibt es klare Regeln und Strukturen? Orientiert sich dein Hund an dir, auch wenn gerade nichts Spannendes passiert? Arbeite hier zuerst.
  2. Sei absolut konsequent: Wenn du dich für eine Korrektur entscheidest, musst du sie immer und in jeder Situation durchziehen können. Wenn du weißt, dass du dich in bestimmten Momenten nicht traust, wähle einen anderen Weg (z. B. Management durch Ausweichen).
  3. Achte auf das "Danach": Eine Korrektur ist erst dann erfolgreich, wenn dein Hund danach in einem entspannten, neutralen Zustand ist und sich wieder an dir orientiert. Führe ihn aktiv aus der Anspannung heraus und lass ihn nicht sofort wieder in das alte Muster verfallen.
  4. Hinterfrage die Methode und den Trainer: Fühlst du dich wohl mit dem, was du tust? Verstehst du, warum du es tust? Ein Trainingsweg funktioniert nur, wenn du voll dahinterstehst und ihn authentisch umsetzen kannst. Ein guter Trainer gibt dir Werkzeuge an die Hand, die zu dir und deinem Hund passen, und erklärt dir das große Ganze.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Johanna hat da ein Video gefunden. Sie kritisiert so herum und es stellt sich heraus, dass es Alex Video ist. Aber keine Sorge, das ganze ist schon ein paar Jahre her. Doch das heftige Rucken an der Leine, teilweise am Stachelhalsband und der ausbleibende Trainingserfolg geben Johanna und Alex genug Gründe, den Versuch, durch heftige Strafen das Pöbeln in den Griff zu bekommen, durchzuanalysieren.

In dieser Folge lernst du, wieso heftige Strafen oft nicht helfen, wenn ein Hund an der Leine pöbelt. Du erfährst, was es braucht, damit ein Training wirklich funktioniert und erhälst wertvolle Tipps rund um pöbelnde Hunde.

Mehr zu:

👩🏻 Johanna Spahr

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👱🏻‍♂️ Alexander Schillack

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Orientierung am Menschen, Hundeverhalten, Hundetraining, Forschung, Hundetypen, Kommunikation, Genetik, Erziehung, Hundetraining, Hundeerziehung