Fiepsen, Fixieren und Frust richtig verstehen
Fiepsen in der Hundeschule, starres Fixieren bei Hundebegegnungen und der Frust, der daraus entsteht - diese Verhaltensweisen kennen viele Hundebesitzer nur zu gut. Doch was steckt dahinter und wie reagierst du als Mensch am besten, ohne die Situation zu verschlimmern? In der Episode #166 des Podcasts HundeRunde, "Fiepsen, Fixieren, Frust: Was euer Hund euch damit zeigt", geben die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr praxisnahe Antworten. Anhand einer Hörerfrage zu Labrador Buddy zeigt Liza auf, warum solche Momente kein Grund zur Verzweiflung sind und wie kleinschrittiges Training zu mehr Gelassenheit führt. Die Folge ist eine wertvolle Ressource für alle, die das Verhalten ihres Hundes in aufregenden Situationen besser verstehen und lenken möchten, und eine ehrliche Erinnerung daran, dass Perfektion im Hundetraining ein Mythos ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Auch Profis machen Fehler: Selbst erfahrenen Hundetrainerinnen passieren Missgeschicke. Wichtig ist, danach ruhig zu bleiben, die Situation zu analysieren und daraus für das nächste Mal zu lernen, anstatt sich von Peinlichkeit oder Frust leiten zu lassen.
- Fiepsen bei Frust oder Erregung: Wenn ein Hund in Erwartungshaltung fiepst (z. B. in der Hundeschule), gibt es zwei Lösungsansätze. Entweder das Verhalten konsequent ignorieren, bis der Hund zur Ruhe kommt, oder jeden noch so kurzen Moment der Stille sanft und ruhig belohnen.
- Timing ist alles: Ein Abbruchsignal wie Nein funktioniert nur, wenn es exakt im Moment des unerwünschten Verhaltens kommt. Bei hoher Erregung ist der Hund oft nicht mehr empfänglich dafür. Proaktives Management, bevor der Hund im Tunnel ist, ist weitaus effektiver.
- Fixieren unterbrechen: Um einen Hund aus dem Fixieren eines anderen Hundes zu lösen, musst du seine Aufmerksamkeit aktiv auf dich lenken. Stelle dich in seine Sichtlinie, sprich ihn an und fordere Blickkontakt ein, bevor seine Anspannung zu hoch wird.
- Kein Nachschnüffeln erlauben: Wenn dein Hund nach einer angespannten Begegnung intensiv an der Stelle schnüffeln will, an der der andere Hund war, unterbinde dies. Damit verhinderst du, dass er sich in seiner Aufregung bestätigt und das Verhalten verstärkt.
Wenn selbst die Hundetrainerin am Boden liegt: Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit
Gleich zu Beginn der Folge teilt Liza eine sehr menschliche und ehrliche Anekdote, die vielen Hundebesitzern den Druck nehmen dürfte. Bei einem Besuch auf dem Sportplatz mit ihrem Hund Fred kommt es zu einer chaotischen Szene: Fred, an einem Tisch festgebunden, springt beim Anblick eines anderen Hundes plötzlich nach vorne, reißt Liza um und sorgt für umgekippte Gläser und Flaschen. Liza beschreibt, wie unangenehm ihr die Situation war, betont aber ihr wichtigstes Learning daraus: ruhig zu bleiben. Statt den Hund zu maßregeln, analysierte sie den Vorfall. Sie erkannte, dass der wackelige Tisch keine sichere Befestigung war und ihr Timing beim Loben unglücklich mit dem Erscheinen des anderen Hundes zusammenfiel. Diese Geschichte dient als perfekte Einleitung für das Hauptthema der Folge. Sie zeigt, dass niemand einen perfekten Hund hat und Missgeschicke passieren. Entscheidend ist nicht der Fehler selbst, sondern wie man damit umgeht - durchatmen, die Ursache verstehen und das Training anpassen.
Warum fiepst mein Hund in der Hundeschule?
Im Zentrum der Episode steht die Frage von Hörerin Michi zu ihrem anderthalbjährigen Red Fox Labrador Buddy. In der Hundeschule fiepst und jammert Buddy lautstark, wenn er im Kreis mit anderen Hunden warten und zur Ruhe kommen soll. Sobald das aktive Training beginnt, ist er wieder voll dabei. Liza erklärt dieses Verhalten als Ausdruck hoher Erregung und einer starken Erwartungshaltung. Der Hund kann diese Anspannung nicht in ruhiges Verhalten kanalisieren und ventiliert sie durch Laute. Sie stellt zwei konkrete Trainingsansätze vor:
- Konsequentes Ignorieren: Eine Möglichkeit ist, das Fiepsen komplett zu ignorieren, egal wie laut oder lang es andauert. Man wartet, bis der Hund es schafft, für eine kurze, für ihn machbare Zeitspanne (z. B. 30 Sekunden) still zu sein. Erst dann wird die Situation positiv aufgelöst, indem man aufsteht und geht. Das Ziel ist, dem Hund zu zeigen, dass nur Ruhe zum Erfolg führt.
- Ruhige Momente belohnen: Die Alternative ist, jeden noch so kleinen Moment der Ruhe aktiv zu bestärken. Sobald der Hund für wenige Sekunden still ist, lobt man ihn mit einer sehr ruhigen, sanften Stimme (z. B. "Super machst du das"). Ein aufgeregtes "Prima!" würde die Erregung nur wieder hochfahren. Diese ruhige Bestätigung muss kontinuierlich wiederholt werden, um dem Hund zu zeigen, welches Verhalten erwünscht ist.
Liza betont, dass ein Abbruchsignal in dieser Situation oft ungeeignet ist. Das Timing ist extrem schwierig, und ein einfaches Lass das hat bei einem Hund in hoher Erregung meist keine Wirkung. Stattdessen ist es zielführender, erwünschtes Verhalten zu fördern.
Fixieren bei Hundebegegnungen: Unsicherheit statt Aggression
Michis zweite Baustelle mit Buddy sind Hundebegegnungen an der Leine. Auf schmalen Wegen zieht er stark nach vorne, ist kaum ansprechbar und fixiert den anderen Hund. Interessanterweise will er nicht direkt zum anderen Hund hin, sondern eher geradeaus vorbei, um danach intensiv an der Stelle zu schnüffeln, wo der andere war. Liza analysiert dieses Verhalten, unterstützt durch ein Video, das ihr zugeschickt wurde. Sie erkennt, dass Buddys Körpersprache - insbesondere die am ganzen Körper aufgestellten Nackenhaare - auf eine diffuse, hohe Anspannung und Unsicherheit hindeutet, nicht auf Aggression. Er kann die Situation nicht einschätzen und versucht, sie durch Anspannung und anschließendes Zeitunglesen (intensives Schnüffeln) für sich zu klären.
Die Kunst des richtigen Timings: So holst du deinen Hund aus dem Tunnelblick
Liza macht klar, dass Michi und ihr Partner in dem Moment, in dem Buddy schon steif ist und zieht, bereits zu spät dran sind. Die Erregung des Hundes ist dann auf einer Skala von 1 bis 10 bereits bei 8 oder 9 - ein Punkt, an dem er für Ansprache kaum noch zugänglich ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, viel früher einzugreifen. Sobald die ersten Anzeichen von Anspannung sichtbar werden (Kopf leicht nach vorne, Rute waagerecht), muss der Mensch handeln. Die Aufgabe ist, den Hund aus dem Fixieren herauszuholen und seine Orientierung auf den Menschen zu lenken. Dies gelingt, indem man sich physisch zwischen den eigenen Hund und den Reiz stellt, ihn anspricht und aktiv Blickkontakt einfordert. Das Ziel ist nicht, dass der Hund den anderen Hund gar nicht mehr anschaut, sondern dass er lernt, sich immer wieder zum Menschen zurückzuorientieren und nicht im starren Blick verharrt.
Praktische Schritte für entspanntere Hundebegegnungen
Aus Lizas Analyse lassen sich konkrete Handlungsschritte ableiten, um Hundebegegnungen an der Leine souveräner zu gestalten:
- Frühes Erkennen: Lerne die Körpersprache deines Hundes genau zu lesen. Reagiere nicht erst, wenn er zieht oder bellt, sondern bereits bei den ersten Anzeichen von Anspannung wie einem steifen Gang, angelegten Ohren oder einem fixierenden Blick.
- Proaktives Management: Sobald du einen anderen Hund siehst, übernimm die Führung. Warte nicht ab, wie dein Hund reagiert, sondern gib ihm sofort eine klare Aufgabe, zum Beispiel dich anzuschauen.
- Körperlich blockieren: Nutze deinen Körper, um die Sichtlinie deines Hundes zum Auslöser zu unterbrechen. Ein einfacher Schritt zur Seite kann oft schon genügen, um den Tunnelblick zu durchbrechen.
- Orientierung einfordern und belohnen: Sprich deinen Hund an und belohne ihn, sobald er dir auch nur für einen kurzen Moment seine Aufmerksamkeit schenkt. So zeigst du ihm eine lohnenswerte Alternative zum Fixieren des anderen Hundes.
- Kein Nachschnüffeln: Gehe nach der Begegnung zügig weiter und erlaube deinem Hund nicht, sich durch intensives Schnüffeln an der Stelle des anderen Hundes erneut in die Situation hineinzusteigern. Das Signal sollte lauten: Die Begegnung ist vorbei, wir gehen weiter.
Liza schließt mit der ermutigenden Botschaft, dass das Leben mit einem Hund nicht immer einfach ist, aber genau das macht die Beziehung aus. Es geht nicht darum, einen perfekten Hund zu haben, sondern darum, ein perfektes Team zu werden, das gemeinsam lernt und wächst.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
Auch als Hundetrainerin läuft nicht immer alles perfekt: Zum Start dieser HundeRunde erzählt Liza von einer leicht chaotischen Situation mit Fred auf dem Sportplatz. Ihr wichtigstes Learning daraus: Ruhig bleiben, die Situation analysieren und überlegen, was man beim nächsten Mal anders machen kann.
Im Mittelpunkt der Folge steht dann eine Nachricht von Hörerin Michi und ihrem Red Fox Labrador Buddy. Buddy fiepst in der Hundeschule, wenn er eigentlich zur Ruhe kommen soll, und ist bei Hundebegegnungen teilweise kaum noch ansprechbar. Liza zeigt verschiedene Lösungsmöglichkeiten auf: Warum kann das Timing bei einem Abbruchsignal so knifflig sein? Wann ist Ignorieren sinnvoller? Und wie holt man einen Hund aus dem Fixieren wieder zurück in die Orientierung am Menschen?
Zum Schluss noch einmal die wichtige Erinnerung: Niemand von uns hat den perfekten Hund an der Leine!
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