Hundefutter richtig wählen: Protein-Mythen, Getreide & Allergien einfach erklärt
In dieser Episode des Podcasts HundeRunde spricht die Moderatorin mit der Tierärztin und Ernährungsexpertin Amelie, die am Institut für Tierernährung in Hannover promoviert. Anlass ist eine Hörerfrage von Liza, die den unübersichtlichen Markt für Hundefutter und die richtige Wahl für ihre beiden Hunde thematisiert.
Die Episode bietet einen tiefen Einblick in die Grundlagen der Hundeernährung, räumt mit verbreiteten Mythen auf und gibt praktische Ratschläge. Im Fokus steht die Frage, was ein gesunder Hund wirklich braucht und wie Halter:innen die beste Entscheidung für ihr Tier treffen können, ohne sich von Marketingversprechen und Trends verunsichern zu lassen. Die Inhalte sind besonders relevant für alle Hundebesitzer:innen, die eine fundierte und wissenschaftlich basierte Orientierung im Futterdschungel suchen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Achte auf die Bezeichnung Alleinfutter: Nur diese Kennzeichnung garantiert gesetzlich, dass alle für den Hund notwendigen Nährstoffe in der richtigen Menge enthalten sind. Produkte wie "Einzelfuttermittel" oder "Mischfuttermittel" erfordern eine Ergänzung, insbesondere von Mineralstoffen.
- Weniger Protein ist oft mehr: Amelie erklärt, dass ein Rohproteingehalt von etwa 20 % in Trockenfutter für einen durchschnittlichen, gesunden erwachsenen Hund völlig ausreicht. Ein Zuviel an Protein belastet Nieren und Leber und schadet der Umwelt durch erhöhte Stickstoffausscheidungen.
- Kohlenhydrate sind essenziell und Getreide ist nicht per se schlecht: Hunde benötigen Kohlenhydrate als Hauptenergiequelle. Die weit verbreitete Angst vor Getreide ist laut Amelie meist unbegründet, da die meisten Hunde es gut verdauen können und eine echte Glutenunverträglichkeit selten ist.
- Trocken- oder Nassfutter - eine Frage der Präferenz: Der Hauptunterschied liegt im Wassergehalt. Solange es sich um ein hochwertiges Alleinfutter handelt, sind beide Futterarten geeignet. Nassfutter kann bei Hunden, die wenig trinken, die Flüssigkeitsaufnahme unterstützen.
- Diagnose von Allergien erfordert Geduld: Eine Futtermittelallergie lässt sich nicht zuverlässig über einen Bluttest feststellen. Der Goldstandard ist eine wochenlange Ausschlussdiät unter tierärztlicher Begleitung, bei der schrittweise einzelne Futterkomponenten getestet werden.
- Beobachte deinen Hund: Der beste Indikator für ein passendes Futter ist der Zustand deines Hundes. Ein stabiles Gewicht, glänzendes Fell, hohe Vitalität und eine gute Kotkonsistenz sind entscheidende Anzeichen dafür, dass die Ernährung stimmt.
- Vorsicht bei Ergänzungsmitteln: Wenn du ein Alleinfutter fütterst, sind zusätzliche Pulver und Öle in der Regel überflüssig und können das Nährstoffgleichgewicht sogar stören.
Grundlagen der Hundeernährung: Was gehört in den Napf?
Amelie betont zu Beginn, wie wichtig es ist, die Deklaration auf der Futterverpackung zu verstehen. Der Begriff Alleinfuttermittel ist entscheidend, da Hersteller hier rechtlich garantieren müssen, dass alle Nährstoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente für die angegebene Lebensphase (z. B. für einen erwachsenen Hund) enthalten sind. Im Gegensatz dazu sind Produkte, die als Einzelfuttermittel oder Mischfuttermittel deklariert sind - oft bei Barf-Produkten der Fall -, nicht vollständig und erfordern eine gezielte Ergänzung, was für Laien kompliziert sein kann.
Ein gesunder, erwachsener Hund benötigt eine ausgewogene Mischung aus vier Hauptkomponenten:
- Proteine: Sie sind für den Körperaufbau wichtig.
- Kohlenhydrate: Sie dienen als primäre Energiequelle.
- Fette: Sie liefern ebenfalls Energie und sind für viele Körperfunktionen notwendig.
- Mineralstoffe und Vitamine: Sie sind für den Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit unerlässlich.
Amelie stellt klar, dass der Unterschied zwischen Trocken- und Nassfutter hauptsächlich im Wassergehalt liegt. Während Trockenfutter nur etwa 10 % Wasser enthält, sind es bei Nassfutter bis zu 75 %. Aus diesem Grund sind die Fütterungsmengen bei Nassfutter deutlich größer. Qualitativ gibt es bei beiden Varianten gute und schlechte Produkte; die Wahl hängt oft von der Vorliebe des Hundes und des Halters ab.
Der Protein-Mythos und die Bedeutung von Nachhaltigkeit
Einen der häufigsten Fütterungsfehler sieht Amelie in der Überversorgung mit Protein. Viele Futtermittel werben mit einem extrem hohen Fleisch- oder Proteinanteil, was sie kritisch bewertet. Für einen normalen, nicht sportlich aktiven erwachsenen Hund sei ein Rohproteingehalt von ca. 20 % im Trockenfutter völlig ausreichend. Alles, was darüber hinausgeht, kann der Hund nicht verwerten und muss über Leber und Nieren wieder ausgeschieden werden. Dies stellt eine unnötige Belastung für die Organe dar, insbesondere bei älteren Tieren.
Darüber hinaus hat die Protein-Überfütterung auch eine ökologische Dimension. Amelie erklärt, dass der überschüssige Stickstoff aus dem Protein über den Kot und Urin in die Umwelt gelangt und beispielsweise Hundewiesen überdüngt. Sie plädiert für einen nachhaltigeren Ansatz und spricht sich für die Verwendung von tierischen Nebenerzeugnissen aus. Innereien wie Pansen seien für Hunde wertvolle Proteinquellen und ihre Verwertung trage dazu bei, das gesamte Schlachttier zu nutzen, anstatt nur auf das von Menschen bevorzugte Muskelfleisch zurückzugreifen.
Die Rolle der Kohlenhydrate und der Streit um Getreide
Amelie korrigiert die weit verbreitete Annahme, dass Hunde hauptsächlich Fleisch benötigen. Tatsächlich sollte eine ausgewogene Ration für einen Hund einen höheren Anteil an Kohlenhydraten als an Proteinen enthalten. Diese liefern die notwendige Energie für den Alltag. Als Kohlenhydratquellen dienen neben Kartoffeln oder Reis auch verschiedene Getreidesorten.
Das Thema Getreide wird in der Hundewelt oft emotional diskutiert. Laut Amelie ist die Verteufelung von Getreide jedoch ein Trend, der aus der menschlichen Ernährung übernommen wurde und wissenschaftlich kaum haltbar ist. Hunde haben sich im Laufe der Domestikation an die menschliche Ernährung angepasst und können Stärke aus Getreide deutlich besser verdauen als Wölfe. Eine echte Glutenunverträglichkeit sei bei Hunden sehr selten. Wenn ein Hund Getreide gut verträgt, gibt es keinen Grund, darauf zu verzichten.
Futterunverträglichkeiten und Allergien richtig erkennen
Amelie schätzt, dass nur etwa 1 - 2 % aller Hunde tatsächlich an einer echten Futtermittelunverträglichkeit oder -allergie leiden. Symptome wie Juckreiz oder Verdauungsprobleme können zwar auf eine Unverträglichkeit hindeuten, haben aber oft andere Ursachen, wie Umweltallergien (z. B. Gräserpollen), Parasiten oder Stress.
Die Diagnose ist komplex und langwierig. Amelie warnt davor, sich auf Bluttests zu verlassen, da diese oft nicht aussagekräftig sind. Der einzig verlässliche Weg ist eine sogenannte Ausschlussdiät. Dabei wird dem Hund über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen ausschließlich eine einzige, ihm unbekannte Protein- und Kohlenhydratquelle gefüttert (z. B. Känguru mit Süßkartoffel). Während dieser Zeit sind Leckerlis oder andere Futterquellen tabu. Bessern sich die Symptome, werden schrittweise weitere Komponenten hinzugefügt, um den Auslöser zu identifizieren. Dieser Prozess erfordert höchste Disziplin vom Halter.
Eine Alternative sind hydrolysierte Diäten. Bei diesem Spezialfutter werden die Proteine so stark zerkleinert, dass das Immunsystem des Hundes sie nicht mehr als Allergen erkennt.
Alternative Proteine und selbst zusammengestellte Rationen
Als moderne Alternativen zu herkömmlichen tierischen Proteinen kommen zunehmend Insekten oder pflanzliche Quellen infrage. Amelie erklärt, dass eine vegane Ernährung für Hunde grundsätzlich möglich ist, aber nur unter einer wichtigen Bedingung: Die Ration muss von einer Fachperson exakt berechnet werden, um sicherzustellen, dass alle essenziellen Aminosäuren und Nährstoffe abgedeckt sind.
Diese Warnung gilt für jede Art von selbst zusammengestellter Fütterung, sei es Kochen, Barfen oder eine vegane Diät. Sie rät dringend davon ab, solche Rationen ohne professionelle Überprüfung zu füttern, da die Gefahr von Mangelerscheinungen groß ist. Für Halter:innen, die diesen Weg gehen möchten, empfiehlt sie, sich an spezialisierte Tierärzt:innen oder Institute wie ihres zu wenden, um eine bedarfsdeckende Ration erstellen zu lassen.
Praktische Schritte für die richtige Futterwahl
- Prüfe die Deklaration: Achte auf die Kennzeichnung Alleinfuttermittel. Nur so ist eine vollständige Versorgung deines Hundes sichergestellt.
- Analysiere den Proteingehalt: Wirf einen Blick auf die analytischen Bestandteile auf der Rückseite der Verpackung. Ein Wert von ca. 20 % Rohprotein ist für das Trockenfutter eines gesunden, normalen erwachsenen Hundes ein guter Richtwert.
- Beobachte deinen Hund genau: Die beste Futterbewertung liefert dein Tier selbst. Sieht es gut aus, ist es fit, hat es ein gesundes Gewicht und eine gute Verdauung? Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du das richtige Futter gefunden hast.
- Lass dich nicht von Trends verunsichern: Nur weil "getreidefrei" oder "hoher Fleischanteil" beworben wird, ist ein Futter nicht automatisch besser. Vertraue auf den Zustand deines Hundes und wissenschaftliche Fakten statt auf Marketing.
- Gehe bei Allergieverdacht zum Profi: Wenn du eine Futtermittelallergie vermutest, arbeite eng mit deinem Tierarzt oder einer Tierärztin zusammen. Sei auf einen langen Diagnoseprozess (Ausschlussdiät) vorbereitet.
- Bei selbstgemachtem Futter: Hol dir Expertenrat: Wenn du für deinen Hund kochst, barfst oder ihn vegan ernähren möchtest, lass die Ration unbedingt von einer Fachperson berechnen, um gefährliche Nährstoffmängel zu vermeiden.
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
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Diese Episode dreht sich um ein Thema, dass die Gemüter erhitzt: Hunde-Ernährung. Und weil Liza dieses Mal nicht dabei sein kann, hat Mareike sich eine Expertin eingeladen. Amelie ist Tierärztin und Ernährungsberaterin für Hunde und gibt eine Einführung ins Universum des Hundefutters. Ob Trocken-, Nass- oder BARF-Futter, Amelie erläutert die Vor- und Nachteile und erklärt, welche Nährstoffe unsere Vierbeiner eigentlich brauchen, um gesund zu bleiben. Und dabei klärt sie auch den ein oder anderen Mythos auf. Getreide ist z. B. gar nicht so ungesund, wie viele Hundebesitzer glauben… Also: Reinhören und noch was lernen! Und wir freuen uns natürlich immer über einen Kommentar :)
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