Hundegesundheit verstehen: Krebs, Übergewicht & Gendefekte - Einblicke in die Tierpathologie

#129 Rätselhafte Hunde-Befunde - Tierpathologin berichtet

#129 Rätselhafte Hunde-Befunde - Tierpathologin berichtet

27. August 2025 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

In dieser Episode des Podcasts HundeRunde begrüßt Moderatorin Mareike einen ganz besonderen Gast: Theresa, eine Hundetrainerin aus Lizas Hundeschule und gleichzeitig die Trainerin des Hundes der Moderatorin. Doch Theresa hat noch einen zweiten, faszinierenden Beruf, der im Mittelpunkt der Folge steht: Sie ist Tierpathologin.

Die Episode gibt einen tiefen Einblick in die oft missverstandene Welt der Tierpathologie. Theresa erklärt, was ihre Arbeit wirklich bedeutet, wie sie abläuft und warum sie für die Gesundheit von Tieren - lebenden wie verstorbenen - von unschätzbarem Wert ist. Es geht um die Aufklärung von Todesursachen, die Diagnose von Krankheiten bei lebenden Tieren und sogar um bahnbrechende Forschungsarbeit. Diese Folge ist für alle Hundehalter:innen relevant, die mehr über die medizinischen Hintergründe von Krankheiten erfahren und verstehen möchten, wie wichtig Früherkennung für die Gesundheit ihres Tieres ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mehr als nur die Todesursache: Tierpathologie ist ein entscheidendes Feld der Veterinärmedizin, das durch die Untersuchung von Gewebeproben (Biopsien) lebender Tiere hilft, Krankheiten wie Krebs oder Entzündungen präzise zu diagnostizieren und die richtige Behandlung zu finden.
  • Forschung, die Leben rettet: Theresa berichtet von einem Fall, bei dem die Untersuchung verstorbener Schnauzer-Welpen zur Entdeckung eines Gendefekts führte. Das Ergebnis ist ein heute kommerziell verfügbarer Gentest, mit dem Züchter diese Erbkrankheit vermeiden können.
  • Die häufigste Diagnose: Übergewicht. Theresa erklärt, dass eine der häufigsten gesundheitlichen Auffälligkeiten, die sie bei verstorbenen Haustieren feststellt, Übergewicht ist - eine ernstzunehmende, aber vermeidbare Erkrankung.
  • Früherkennung ist entscheidend: Die Expertin rät allen Tierhalter:innen, ihre Hunde regelmäßig am ganzen Körper abzutasten, um Veränderungen wie Knoten oder Schwellungen frühzeitig zu erkennen. Besonders wichtig ist die Kontrolle der Gesäugeleiste bei Hündinnen.
  • Von der Hautprobe zum Holzstück: Die Arbeit einer Pathologin ist voller Überraschungen. Theresa erzählt von einem Fall, bei dem sich ein vermeintlicher Hauttumor als eingekapseltes Holzstückchen entpuppte.
  • Ein Beruf mit emotionaler Tiefe: Entgegen dem Vorurteil, Patholog:innen seien gefühlskalt, betont Theresa die Empathie und den wissenschaftlichen Antrieb hinter ihrer Arbeit. Der Beruf erfordert einen professionellen Umgang mit Trauer und emotional belastenden Fällen.

Was macht eine Tierpathologin? Einblicke in einen ungewöhnlichen Beruf

Theresa, die Tiermedizin studiert hat, erklärt, dass sie sich schon früh für die tieferen Ursachen von Krankheiten interessierte. Dies führte sie in die Pathologie, wo sie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) arbeitet. Ihr Arbeitsalltag ist weit entfernt von den Klischees aus Krimiserien. Er beginnt mit einer Teambesprechung der anstehenden Fälle. Die eigentliche Untersuchung eines verstorbenen Tieres, die sogenannte Sektion, ist ein systematischer Prozess. Zunächst wird das Tier von außen begutachtet und identifiziert, oft über einen Mikrochip. Danach werden die Organe entnommen und auf Veränderungen untersucht.

Ein entscheidender Teil der Arbeit findet jedoch nicht im Sektionssaal, sondern am Mikroskop statt. Theresa führt aus, dass viele krankhafte Veränderungen erst auf zellulärer Ebene sichtbar werden. Die Untersuchung dieser Gewebeproben (Histopathologie) ermöglicht eine präzise Diagnose. Sie betont, dass Blutproben zwar Hinweise geben können, dass ein Organ wie die Leber Probleme hat, aber erst die pathologische Untersuchung zeigt, *was genau* das Problem ist - sei es eine Entzündung, eine Vergiftung oder Krebs.

Von Haustieren, Zootieren und Kriminalfällen

Die Arbeit der Tierpathologie beschränkt sich nicht auf Haustiere. Theresa erläutert, dass auch Tiere aus landwirtschaftlichen Betrieben untersucht werden, um Krankheitsausbrüche in einer Herde zu verstehen und den verbleibenden Tieren gezielt helfen zu können. Auch Zootiere landen regelmäßig auf ihrem Tisch, was wichtige Erkenntnisse für den Artenschutz und die Gesundheit seltener Spezies liefert. Theresa erzählt, sie habe schon alles vom Zwerghamster bis zum Elefanten untersucht.

Obwohl die inneren Abläufe bei vielen Tieren ähnlich sind, erfordert jede Spezies spezifisches Wissen. In seltenen, aber emotional besonders belastenden Fällen, arbeitet die Pathologie auch mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, wenn es um Tierquälerei geht.

Der Fall der Schnauzer-Welpen: Wie Pathologie Leben rettet

Als eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung ihrer Arbeit schildert Theresa einen Fall, der sie bis heute mit Stolz erfüllt. Ein Wurf Schnauzer-Welpen musste aufgrund schwerer neurologischer Symptome eingeschläfert werden. Die Sektion ergab zunächst keine klaren Befunde, doch unter dem Mikroskop entdeckte das Team Missbildungen im Gehirn der Welpen. Da die Züchterin sehr gewissenhaft war und in den Vorjahren bereits verstorbene Welpen zur Untersuchung geschickt hatte, konnte das Team durch Archivrecherche ein Muster erkennen.

Der Verdacht auf einen Gendefekt erhärtete sich. In Zusammenarbeit mit der Universität Bern und dank der Kooperation der Züchterin, die Blutproben von lebenden Elterntieren und Verwandten zur Verfügung stellte, gelang es, den verantwortlichen Gendefekt zu identifizieren. Theresa erklärt: "Was halt wirklich richtig cool ist, gegen diesen Gendefekt kann man jetzt testen.“ Heute gibt es einen kommerziellen Gentest, der es Züchtern ermöglicht, Trägertiere zu erkennen und die Vererbung dieser schweren Krankheit zu verhindern.

Häufige Diagnosen und der Umgang mit Emotionen

Auf die Frage nach den häufigsten Befunden nennt Theresa ohne Zögern Übergewicht als ein massives Problem bei Haustieren. Bei älteren Tieren ist Krebs eine häufige Todesursache, während bei jüngeren Tieren oft Infektionskrankheiten im Vordergrund stehen. Bei Welpen sind es häufiger angeborene Missbildungen.

Theresa spricht auch offen über die emotionalen Herausforderungen ihres Berufs und die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert wird. Viele Menschen stellen sich Patholog:innen als distanzierte Freaks vor. Sie stellt klar: "Wir sind alles ganz normale Menschen und wir sind, glaube ich, auch größtenteils sehr empathisch." Der Umgang mit trauernden Besitzer:innen gehört zum Alltag. Wichtige Strategien zur Bewältigung sind der Austausch im Team und die Fähigkeit, die Arbeit mental am Arbeitsplatz zu lassen. Für sie persönlich ist ihre Tätigkeit als Hundetrainerin der perfekte Ausgleich, da sie dort mit lebenden, gesunden Tieren arbeitet.

Prävention und Früherkennung: Was Du tun kannst

Aus ihrer täglichen Arbeit leitet Theresa konkrete Ratschläge für Hundehalter:innen ab, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen und die Gesundheit ihrer Tiere zu fördern.

  1. Regelmäßige Gesundheitschecks: Lass besonders bei älteren Hunden jährliche Check-ups inklusive Blutuntersuchung (z. B. Leber- und Nierenwerte) durchführen.
  2. Kenne den Körper deines Hundes: Fasse deinen Hund regelmäßig am ganzen Körper an, um zu lernen, was normal ist. So fallen dir Veränderungen wie neue Knubbel, Schwellungen oder empfindliche Stellen schneller auf.
  3. Gezieltes Abtasten: Kontrolliere bei Hündinnen regelmäßig die Gesäugeleiste auf Knoten oder Verhärtungen. Taste bei Rüden die Hoden ab, um auf Größenveränderungen oder Unregelmäßigkeiten zu achten.
  4. Frühzeitig zum Tierarzt: Zögere nicht, bei der Entdeckung eines Knubbels oder einer anderen Auffälligkeit eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufzusuchen. Kleinere Veränderungen sind oft einfacher und mit besserer Prognose zu behandeln.
  5. Achte auf das Gewicht: Übergewicht ist ein weit verbreitetes und ernstzunehmendes Gesundheitsproblem. Achte auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

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In dieser Woche geht's um ein sehr spannendes und gleichzeitig emotionales Thema: Mareike hat nämlich eine Tierpathologin zu Gast. Theresa untersucht in ihrem Job die Ursachen und den Verlauf von Krankheiten - aber eben erst nachdem die Tiere gestorben sind.

In der Folge erzählt sie, wie sie zu ihrem ungewöhnlichen Job in der Tierpathologie gekommen ist, warum der so wichtig ist, um tierische Krankheiten behandeln zu können und wie sie es schafft, dabei stets positiv zu bleiben.

Das Positivbleiben klappt unter anderem durch ihren zweiten Job, der auch mit Tieren zu tun hat: Theresa arbeitet nämlich nebenbei als Hundetrainerin in Lizas Hundeschule. Und da ist niemand anderes als Mareikes Schäferhündin Taylor ihre Schülerin. In der Folge geht's also auch ein wenig um Taylors Trainings-Fortschritte, die sich wirklich sehen lassen können.

Hört auf jeden Fall rein in die Folge, um zu erfahren, wie Theresa bei ihrer Arbeit einen seltenen Hunde-Gendefekt entdeckt hat, worauf ihr achten solltet, damit euer Vierbeiner schön gesund bleibt und warum die Tierpathologie zu Unrecht negativ konnotiert ist.

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