HundeRunde #168: Das Kommando Aus sicher und fair trainieren

#168 „Aus!“ richtig trainieren: Wenn der Hund nichts hergeben will

#168 „Aus!“ richtig trainieren: Wenn der Hund nichts hergeben will

30. September 2026 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

Das Aus! richtig zu trainieren, ist eine der wichtigsten, aber oft auch schwierigsten Aufgaben für Hundehalter. Fast jeder kennt den Schreckmoment, wenn der Hund plötzlich etwas im Maul hat, das da nicht hingehört - sei es eine Socke, ein Stock oder etwas wirklich Gefährliches. In der Folge #168 des Podcasts HundeRunde, Aus! richtig trainieren: Wenn der Hund nichts hergeben will, erklären die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr, warum dieses Verhalten so typisch ist und wie du es schaffst, dass dein Hund zuverlässig und ohne Konflikt loslässt. Im Mittelpunkt steht eine Methode, die auf Vertrauen statt auf Zwang basiert: das Tauschgeschäft. Liza, als erfahrene Hundetrainerin, erläutert die psychologischen Hintergründe, während Mareike und sie persönliche Erfahrungen mit ihren Hunden Taylor, Fred und Nala teilen. Diese Episode ist ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die das Kommando Aus von Grund auf positiv aufbauen oder bestehende Probleme mit Ressourcenverteidigung lösen möchten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Maul als Erkundungswerkzeug: Für Hunde, insbesondere für Welpen in der oralen Phase, ist das Maul ein zentrales Sinnesorgan, um die Welt zu entdecken. Das Aufnehmen, Tragen und Zerkauen von Gegenständen ist ein natürliches und oft selbstbelohnendes Verhalten.
  • Das Tauschgeschäft als Schlüssel: Statt deinem Hund etwas gewaltsam wegzunehmen, solltest du ihm ein Tauschgeschäft anbieten. Der Hund lernt, dass es sich lohnt, etwas herzugeben, weil er dafür eine noch bessere Belohnung erhält.
  • Vertrauen durch Zurückgeben: Ein entscheidender Teil des Trainings besteht darin, dem Hund den ausgetauschten Gegenstand oft wieder zurückzugeben. So versteht er, dass das Kommando Aus nicht automatisch den endgültigen Verlust seiner Beute bedeutet.
  • Druck erzeugt Gegendruck: Hektik, laute Worte oder das Jagen des Hundes verschlimmern die Situation. Solche Reaktionen können den Gegenstand für den Hund noch wertvoller machen und im schlimmsten Fall zu ernsthafter Ressourcenverteidigung führen.
  • Knurren ist Kommunikation: Wenn dein Hund knurrt, testet er Grenzen oder drückt Unbehagen aus. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und die Situation nicht eskalieren zu lassen. Konsequentes, aber faires Training ist hier entscheidend.
  • Professionelle Hilfe suchen: Wenn dein Hund seine Beute aggressiv verteidigt, indem er nach dir schnappt oder dich nicht mehr in seine Nähe lässt, solltest du dir unbedingt professionelle Unterstützung von einem Hundetrainer holen.

Warum das Maul für Hunde so wichtig ist: Mehr als nur Fressen

Dass Hunde, allen voran Welpen, alles ins Maul nehmen, ist kein Zeichen von Ungehorsam, sondern ein fundamentaler Teil ihrer Entwicklung und Wahrnehmung. Liza erklärt, dass Hunde ihre Umwelt stark über das Maul erkunden, ähnlich wie wir Menschen unsere Hände benutzen. Sie erfahren dadurch die Konsistenz, Temperatur, den Geschmack und die Haptik eines Gegenstandes. Besonders in der oralen Phase, die während des Zahnwechsels (etwa bis zum sechsten Monat) besonders ausgeprägt ist, hilft das Kauen, Schmerzen zu lindern und die Welt zu begreifen. Manche Hunde, wie Lizas Dackel Fred, bleiben ihr Leben lang sehr maul-affin und untersuchen alles mit der Schnauze, während andere, wie ihre frühere Hündin Nala, weniger Interesse daran zeigen.

Dieses Verhalten wird oft durch einen biochemischen Prozess verstärkt: Das Finden und Tragen von Gegenständen, insbesondere von Dingen, die intensiv nach ihren Menschen riechen (wie getragene Socken), setzt im Gehirn des Hundes Dopamin frei. Es ist ein selbstbelohnendes Verhalten, das erklärt, warum dein Hund immer wieder dieselben verbotenen Schätze anschleppt. Es ist also kein böser Wille, sondern ein tief verankertes Bedürfnis.

Vom Tauschgeschäft zum Vertrauen: So baust du ein zuverlässiges Aus! auf

Der häufigste Fehler im Umgang mit einem Hund, der etwas nicht hergeben will, ist, ihm den Gegenstand gewaltsam aus dem Maul zu reißen. Liza warnt eindringlich vor dieser Methode. Ein solches Vorgehen zerstört das Vertrauen und lehrt den Hund nur eines: Er muss seine Beute noch besser und schneller verteidigen oder sie sofort herunterschlucken, um sie zu sichern.

Die weitaus effektivere und beziehungsfördernde Methode ist das Tauschgeschäft. Der Grundgedanke ist einfach: Dein Hund soll lernen, dass das Hergeben eines Gegenstandes nicht zu einem Verlust, sondern zu einem Gewinn führt. Wenn er dir seine Socke überlässt, bekommt er dafür etwas, das in seinen Augen noch viel wertvoller ist - zum Beispiel ein Stück Wurst oder Käse. Wichtig ist dabei, die Wertigkeit richtig einzuschätzen: Für eine heißgeliebte, getragene Socke wird ein trockenes Stück Futter kaum ausreichen.

Der entscheidende psychologische Kniff, so Liza, besteht darin, dem Hund den ursprünglichen Gegenstand nach dem Tausch häufig wieder zurückzugeben. Gib ihm die Wurst, lobe ihn und reiche ihm dann die Socke zurück. Dadurch verknüpft sein Gehirn das Kommando Aus nicht mehr mit Stress und Verlust, sondern mit einer positiven Erfahrung und der Gewissheit, dass er dir vertrauen kann.

Was tun, wenn der Hund sich wegdreht, wegrennt oder knurrt?

Nicht immer läuft das Tauschgeschäft auf Anhieb reibungslos. Liza und Mareike beschreiben verschiedene Eskalationsstufen und geben konkrete Ratschläge, wie du in jeder Situation am besten reagierst.

Stufe 1: Der Hund dreht den Kopf weg. Das ist eine leichte Form des Meideverhaltens. Hier solltest du ruhig bleiben, dein Kommando klar wiederholen und das Tauschgeschäft anbieten. Meist ist die Situation damit schnell gelöst.

Stufe 2: Der Hund knurrt, bleibt aber bei dir. Knurren ist eine wichtige Form der Kommunikation und bedeutet hier oft: Hey, das ist meins, ich möchte es nicht hergeben. Auch hier gilt: keine Panik. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass du das Aus-Training intensivieren und die Wertigkeit deiner Tauschobjekte erhöhen musst.

Stufe 3: Der Hund rennt mit seiner Beute weg. Das Schlimmste, was du jetzt tun kannst, ist hinterherzujagen. Das macht aus der Situation ein aufregendes Spiel und bestätigt den Hund in seinem Verhalten. Sofern der Gegenstand ungefährlich ist (z. B. eine Socke oder ein Stock), ist die beste Reaktion, ihn zu ignorieren. Dreh dich um und geh weg. Oft verliert der Hund dann das Interesse, weil die erwartete Reaktion ausbleibt.

Die rote Linie: Wann Ressourcenverteidigung professionelle Hilfe erfordert

Die Situation wird ernst, wenn ein Hund beginnt, seine Beute aktiv und aggressiv zu verteidigen. Wenn er nicht nur knurrt, sondern auch die Zähne fletscht, nach dir schnappt oder dich nicht mehr in die Nähe des Gegenstandes lässt, ist eine Grenze überschritten. Mareike berichtet von solchen Anfängen bei ihrer Hündin Taylor, die sie durch konsequentes Training frühzeitig in den Griff bekam. Liza betont jedoch, dass dies der Punkt ist, an dem man sich unbedingt professionelle Hilfe holen sollte. Der Versuch, einen solchen Konflikt mit Gewalt zu lösen, ist nicht nur gefährlich, sondern kann das Problem massiv verschlimmern.

Liza erzählt eine prägnante Geschichte von ihrer Hündin Nala: Als junge Hündin hatte Nala ein Quietsche-Spielzeug zerlegt und das kleine Plastikteil im Maul. Als Liza Druck aufbaute und auf sie zuging, um es ihr wegzunehmen, schluckte Nala es in ihrer Not kurzerhand herunter. Diese Anekdote zeigt perfekt, wie kontraproduktiv Druck sein kann. Im schlimmsten Fall zwingst du deinen Hund dazu, eine potenziell lebensgefährliche Entscheidung zu treffen.

Praktische Schritte für ein erfolgreiches Aus-Training

Um ein zuverlässiges Aus aufzubauen, empfiehlt Liza einen strukturierten und positiven Trainingsansatz. Hier sind die wichtigsten Schritte zusammengefasst:

  1. Wähle ein klares Kommando: Entscheide dich für ein eindeutiges Wort wie Aus oder Gib und verwende es ausschließlich für das Ausgeben von Gegenständen. Ein allgemeines Nein ist hier ungeeignet, da es zu schwammig ist.
  2. Beginne einfach: Übe zuerst in einer ruhigen Umgebung ohne Ablenkungen. Nutze dafür Gegenstände, die dein Hund mag, die für ihn aber keinen extrem hohen Wert haben, wie zum Beispiel ein uninteressantes Spielzeug.
  3. Bereite einen hochwertigen Tausch vor: Halte eine Belohnung bereit, die für deinen Hund unwiderstehlich ist. Das kann ein Stück Fleischwurst, Käse oder Leberwurst aus der Tube sein.
  4. Führe den Tausch durch: Sage dein Kommando klar und ruhig. Sobald dein Hund den Gegenstand loslässt, gib ihm sofort die Belohnung und lobe ihn ausgiebig.
  5. Gib den Gegenstand zurück: Um Vertrauen aufzubauen, gib ihm den ursprünglichen Gegenstand in vielen Fällen wieder zurück. Er soll lernen, dass Aus kein endgültiger Verlust ist.
  6. Steigere die Schwierigkeit langsam: Wenn das Training gut klappt, kannst du den Wert der Gegenstände langsam steigern und auch in ablenkungsreicheren Umgebungen üben, zum Beispiel draußen auf der Wiese mit einem Stock.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Socke, Stock oder plötzlich etwas wirklich Gefährliches: Fast jeder Hundehalter kennt den Moment, in dem der Hund etwas im Maul hat, das möglichst schnell wieder raus soll. Doch was tun, wenn er genau das nicht möchte - oder sogar anfängt, seine Beute zu verteidigen?

Liza erklärt, warum manche Hunde besonders gerne alles mit dem Maul erkunden, weshalb Wegnehmen schnell zum Konflikt werden kann und wie ihr ein zuverlässiges „Aus“ sinnvoll aufbaut. Im Mittelpunkt steht dabei das Tauschgeschäft: Der Hund soll lernen, dass sich Ausgeben lohnt - und nicht automatisch bedeutet, dass ihm etwas für immer weggenommen wird.

Außerdem geht es darum, wie ihr reagiert, wenn der Hund sich wegdreht, mit dem Fundstück davonläuft oder sogar knurrt. Mareike und Liza teilen dazu Erfahrungen mit Taylor, Fred und Nala und erklären, warum Druck die Situation im Zweifel noch verschärfen kann - und wann es sinnvoll ist, sich professionelle Unterstützung zu holen.

Mehr Infos rund um die HundeRunde und unsere Werbepartner (Codes, Infos, Angebote): https://linktr.ee/hunderunde