Listenhunde - Mythen, Vorurteile und die Wahrheit hinter dem Stigma

#117 Listenhunde: Opfer von Vorurteilen?

#117 Listenhunde: Opfer von Vorurteilen?

30. April 2025 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

In dieser Episode des Podcasts HundeRunde widmen sich die Moderatorinnen Mareike und Liza, eine erfahrene Hundetrainerin, einem kontroversen und emotionalen Thema: den sogenannten Listenhunden. Angeregt durch eine Hörer-Nachricht von Thorsten, dem Halter der American-Bully-Hündin Jodie, beleuchten sie die Problematik von Rasselisten, räumen mit gängigen Vorurteilen auf und diskutieren, welche Lösungsansätze sinnvoller wären als pauschale Verurteilungen bestimmter Hunderassen. Die zentrale Frage der Episode lautet: Sind bestimmte Hunderassen von Natur aus gefährlicher oder liegt die Verantwortung für das Verhalten eines Hundes ausschließlich beim Menschen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Rasselisten sind willkürlich: Die Einstufung von Hunden als Listenhunde oder Kampfhunde erfolgt in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich und oft willkürlich, ohne das individuelle Verhalten des Hundes zu berücksichtigen. Liza kritisiert diese Pauschalisierung scharf.
  • Der Mensch formt den Hund: Ein zentraler Konsens der Episode ist, dass nicht die Rasse, sondern die Erziehung, Haltung und Erfahrung das Verhalten eines Hundes prägen. Wie Hörer Thorsten betont, wird jeder Hund nur das, was der Halter aus ihm macht.
  • Beißstatistiken widerlegen Vorurteile: Liza verweist auf Statistiken, laut denen der Deutsche Schäferhund in Deutschland die meisten gemeldeten Beißvorfälle verursacht - eine Rasse, die auf keiner Liste steht. Dies stellt die Grundlage der Rasselisten infrage.
  • Das Problem liegt oft am anderen Ende der Leine: Aggressives Verhalten wird häufig durch den Halter gefördert, sei es unbewusst oder bewusst, um einem bestimmten Klischee zu entsprechen. Der Hund dient manchen als Statussymbol.
  • Der Hundeführerschein als Lösung: Statt Rasselisten plädieren sowohl Liza als auch Thorsten für einen bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Hundeführerschein für jeden Halter und jeden Hund, um die Kompetenz der Menschen in den Vordergrund zu rücken.
  • Aussehen prägt die Wahrnehmung: Hunde mit breitem Kopf und kräftigem Körperbau werden oft als bedrohlich wahrgenommen, während kleine, niedliche Hunde fälschlicherweise als harmlos gelten, obwohl jeder Hund potenziell gefährlich sein kann.
  • Positive Erfahrungen überwiegen bei verantwortungsvoller Haltung: Thorsten berichtet, dass er mit seiner Hündin Jodie im Alltag überwiegend positive Erfahrungen macht, insbesondere mit anderen Hundehaltern. Negative Reaktionen kommen fast ausschließlich von Menschen ohne Hundeerfahrung.

Was sind Listenhunde? Die Kritik an pauschaler Einstufung

Liza erklärt zu Beginn, dass der Begriff „Listenhund“ Hunderassen beschreibt, die von bestimmten Bundesländern als potenziell gefährlich eingestuft werden. Diese Regelungen sind jedoch nicht deutschlandweit einheitlich. Während Bundesländer wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein solche Listen abgeschafft haben, führen andere wie Bayern, Hamburg oder Berlin Rassen wie American Staffordshire Terrier, Pitbull Terrier, Mastiffs oder Rottweiler auf. Diese Einstufung hat für Halter weitreichende Konsequenzen: höhere Steuern, Leinen- und Maulkorbzwang sowie strengere Auflagen bei Versicherungen und Nachweisen. Liza kritisiert, dass diese Listen willkürlich wirken und Rassen wie den Deutschen oder Belgischen Schäferhund, die ebenfalls ein hohes Potenzial für problematisches Verhalten haben können, nicht berücksichtigen. Die Grundlage für diese Gesetze war laut Liza ein tragischer Vorfall im Jahr 2001, bei dem ein Kind von einem Hund totgebissen wurde, was zu einem großen Medienecho und anschließender Regulierung führte.

Die Rolle des Halters: Zwischen Klischee und Verantwortung

Hörer Thorsten beschreibt seine American-Bully-Hündin Jodie als folgsam, gelehrig und absolut nicht aggressiv - eine liebevolle Familienhündin. Er benennt jedoch das Kernproblem: das Bild in den Köpfen der Menschen. Thorsten unterscheidet zwischen zwei Typen von Haltern sogenannter Listenhunde: jenen, die wie er die positiven Eigenschaften ihres Hundes schätzen, und jenen, die den "bösen Kampfhund" als Statussymbol missbrauchen und das negative Image bewusst schüren. Liza stimmt dem entschieden zu und betont: "Wir Menschen machen das aus dem Hund." Sie erklärt, dass jeder Hund, unabhängig von der Rasse, unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln kann. Wenn ein Halter diese Verhaltensweisen jedoch gezielt fördert und bestärkt, wird daraus ein ernsthaftes Problem. Die Verantwortung liegt demnach nicht bei der Genetik des Hundes, sondern am anderen Ende der Leine.

Beißstatistiken vs. öffentliche Wahrnehmung

Um die Willkür der Rasselisten zu untermauern, führt Liza eine aufschlussreiche Statistik an: Der Deutsche Schäferhund ist für 27 % der gemeldeten Beißunfälle in Deutschland verantwortlich. Trotzdem steht er auf keiner Rasseliste. Dies zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen der gesetzlichen Einstufung und der Realität. Liza fügt hinzu, dass eine hohe Dunkelziffer bei Beißvorfällen vermutet wird, insbesondere bei beliebten Familienhunden wie dem Labrador. Solche Vorfälle innerhalb der Familie würden seltener gemeldet. Im Gegensatz dazu wird das Verhalten eines Listenhundes oft viel kritischer beobachtet und bewertet. Die Diskussion macht klar, dass die Gefahr nicht von der Rasse, sondern von der fehlenden Aufsicht, Erziehung und dem fehlenden Respekt gegenüber jedem Hund ausgeht - egal ob groß oder klein.

Der Hundeführerschein als sinnvolle Alternative

Sowohl Liza als auch Thorsten sehen die Lösung nicht in Verboten und Stigmatisierung, sondern in der Qualifizierung der Halter. Sie sprechen sich vehement für einen bundesweit einheitlichen Hundeführerschein aus. Dieser sollte, so Liza, für jeden neuen Hund verpflichtend sein, auch für erfahrene Halter, da jeder Hund individuelle Herausforderungen mit sich bringt. Ein solcher Sachkundenachweis würde den Fokus von der Rasse auf die Kompetenz des Mensch-Hund-Teams lenken. Das Ziel wäre es nicht, Halter zu schikanieren, sondern sicherzustellen, dass grundlegende Kenntnisse über Erziehung und Hundeverhalten vorhanden sind und der Hund im Alltag sicher geführt werden kann. Als positives Beispiel wird das Modell in Niedersachsen sowie eine zukünftige Regelung in Österreich erwähnt, die eine theoretische und praktische Schulung vor der Anschaffung eines Tieres vorschreibt.

Praktische Empfehlungen für Halter

Aus der Diskussion lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für Halter ableiten, insbesondere für Besitzer von Hunden, die unter Vorurteilen leiden:

  1. Sei ein Vorbild: Thorsten appelliert an alle Halter von Listenhunden, ihre Tiere so gut wie möglich zu erziehen und in der Öffentlichkeit positiv darzustellen. Ein gut erzogener Hund ist das stärkste Argument gegen Vorurteile.
  2. Kläre auf, statt zu konfrontieren: Konfrontiere Menschen, die Vorurteile äußern, nicht aggressiv, sondern versuche, durch ruhige Aufklärung und das vorbildliche Verhalten deines Hundes zu überzeugen.
  3. Fokus auf Training und Management: Investiere Zeit und Mühe in ein konsequentes und faires Training. Lerne, die Körpersprache deines Hundes zu lesen, um Konflikte zu vermeiden, bevor sie entstehen.
  4. Fordere Respekt für jeden Hund: Setze dich dafür ein, dass jeder Hund - unabhängig von Größe und Rasse - mit Respekt behandelt wird. Das bedeutet auch, fremde Hunde nicht ungefragt anzufassen und Kindern den richtigen Umgang mit Tieren beizubringen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Auch in der Hundewelt gibt's noch viele Vorurteile. Manche Rassen, wie Rottweiler oder Pitbulls werden von vornherein als aggressiv abgestempelt und je nach Bundesland als Listenhunde geführt. Diesem kontroversen Thema widmen sich Liza und Mareike in dieser Folge am Beispiel von Hörer Torsten und seiner American Bully Hündin Jody. Was genau ein Listenhund eigentlich ist, welche Rassen dazugehören, was für und was gegen das Konzept der Listenhunde spricht und warum wir auch in Bezug auf Hunde mehr Toleranz zeigen sollten, erfahrt ihr in dieser Folge. Was haltet ihr vom Listenhund-Konzept? Lasst gerne einen Kommentar da :)

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