Welpen-Blues: Was tun, wenn der Welpe nur noch anstrengend ist?
Stell dir vor: Du holst einen flauschigen, tapsigen Welpen ab. Endlich ist der große Tag da. Monatelang hast du dich vorbereitet, Bücher gelesen, den Züchter sorgfältig ausgewählt und dich unendlich auf diesen Moment gefreut. Doch nach wenigen Tagen weicht die anfängliche Euphorie einer bleiernen Müdigkeit. Ständiges Aufpassen, unterbrochene Nächte und kleine, scharfe Zähnchen in Händen, Möbeln und eigentlich allem, was erreichbar ist. Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du mitten im sogenannten Welpen-Blues - und damit alles andere als allein.
In einer besonders ehrlichen und praxisnahen Folge des Podcasts HundeRunde nehmen sich die Moderatorinnen Liza Gerlach, eine erfahrene Hundetrainerin, und Mareike Klohr genau diesem Thema an. Der Anlass könnte persönlicher nicht sein: Bei Mareikes Familie ist frisch die Deutsche Schäferhündin Taylor eingezogen, die alle ordentlich auf Trab hält. Die Episode wird so zu einer authentischen Reise durch die Höhen und Tiefen der ersten Wochen mit einem Welpen, angereichert durch die fachkundigen Einschätzungen von Liza und eine bewegende Sprachnachricht einer Hörerin, die den Welpen-Frust am eigenen Leib erfährt. Diese Folge ist ein Muss für alle (zukünftigen) Welpenbesitzer, die sich manchmal fragen, ob die Entscheidung für einen Hund wirklich die richtige war - und eine beruhigende Erinnerung daran, dass es besser wird.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Welpen-Blues ist normal: Gefühle von Überforderung, Frustration und sogar Zweifel an der eigenen Entscheidung sind in den ersten Wochen mit einem Welpen weit verbreitet und absolut menschlich. Sowohl Mareikes persönliche Erfahrungen als auch die einer Hörerin zeigen, dass du damit nicht allein bist. Mir selber ging es auch nicht anders, obwohl meine Hündin sogar schon 5 Monate alt war, als sie zu mir zog.
- Stubenreinheit braucht Konsequenz und Geduld: Ein Welpe wird nicht über Nacht stubenrein. Liza erklärt, dass ein fester Pippi-Baum, ein konsequenter Rhythmus (alle zwei Stunden raus) und das Vermeiden von Indoor-Toiletten wie Welpenunterlagen der Schlüssel zum Erfolg sind.
- Beißen ist eine Phase, aber kein Freifahrtschein: Welpen erkunden die Welt mit dem Maul. Anstatt das Beißen nur zu ignorieren, empfiehlt Liza ein klares Ampelsystem: eine freundliche Warnung (Grün), eine Konsequenz wie das Verlassen des Raumes (Gelb) und eine kurze Auszeit (Rot), wenn der Hund nicht aufhört.
- Ignorieren ist nicht immer die Lösung: Gerade bei Verhaltensweisen wie dem Anspringen, die Aufmerksamkeit einfordern, reicht reines Ignorieren oft nicht aus. Der Hund braucht eine klare Alternative - also einen Befehl, was er stattdessen tun soll (z. B. "Sitz" oder "Platz").
- Hol dir frühzeitig Hilfe: Warte nicht, bis die Probleme überhandnehmen. Eine gute Hundeschule oder ein Einzeltraining kann von Anfang an Sicherheit geben, die eigenen Emotionen auffangen und verhindern, dass sich unerwünschtes Verhalten festigt.
Wenn der Welpen-Traum zum Albtraum wird: Der Welpen-Blues ist real
Die Vorstellung vom perfekten Zusammenleben mit einem Welpen, wie man sie oft auf Social Media sieht, hat mit der Realität meist wenig zu tun. Das macht die Hörerin Isi in ihrer Sprachnachricht schmerzlich deutlich. Obwohl sie und ihr Partner sich mit ihrem Border Collie Bailey bestens vorbereitet hatten, überrollen sie nach nur einer Woche Gefühle von Frust und Überforderung. Die ständige Sorge, etwas falsch zu machen oder den Hund zu "verziehen", führt zu Tränen und der nagenden Frage, ob die Entscheidung richtig war. Mareike, die gerade selbst die ersten Nächte mit Welpe Taylor durchlebt hat, kann das nur bestätigen: Der Schlafmangel und die ständige Anspannung zehren an den Nerven.
Liza Gerlach ordnet diese Gefühle als Expertin ein und betont, dass fast jeder Hundehalter diesen Punkt einmal erreicht. Es ist eine völlig normale emotionale Reaktion auf eine massive Lebensumstellung. Plötzlich ist da ein kleines Lebewesen, das zu 100 % von dir abhängig ist und dessen Sprache du erst noch lernen musst. Die wichtigste Botschaft hier: Es ist in Ordnung, genervt zu sein. Es ist in Ordnung, sich überfordert zu fühlen. Und es ist absolut legitim, sich für einen kurzen Moment zu wünschen, das Leben von vor dem Welpen zurückzuhaben. Diese Emotionen sollten nicht unterdrückt, aber auch nicht am Hund ausgelassen werden. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass man sich Unterstützung suchen und die eigenen Erwartungen anpassen sollte.
Stubenreinheit: Ein Marathon, kein Sprint
Eines der nervenaufreibendsten Themen ist die Stubenreinheit. Warum macht der Welpe schon wieder in die Wohnung, obwohl wir doch gerade erst draußen waren? Liza erklärt, dass die Dauer, bis ein Hund zuverlässig stubenrein ist, stark variiert - von wenigen Wochen bis zu vier Monaten ist alles im normalen Bereich. Ein entscheidender Faktor ist die Konsequenz des Halters. Sie rät dringend davon ab, dem Hund im Haus eine Lösestelle anzubieten, sei es eine Welpenunterlage oder der Balkon. Das macht es für den Hund nur schwerer zu verstehen, dass das Geschäft ausschließlich draußen verrichtet werden soll.
Stattdessen empfiehlt sie ein klares Protokoll: Gehe mit dem Welpen alle zwei Stunden, nach jedem Schlafen, Spielen und Fressen nach draußen. Und zwar immer an dieselbe Stelle, den sogenannten "Pippi-Baum". Dieser vertraute Ort hilft dem Hund, sich zu entspannen und sich zu lösen, da die Umgebung nicht ständig neu und aufregend ist. Passiert doch ein Malheur im Haus, ist das richtige Timing entscheidend: Ertappst du den Hund auf frischer Tat, unterbrich ihn mit einem ruhigen "Nein", heb ihn hoch und trag ihn sofort raus. Entdeckst du die Pfütze erst später, mach sie kommentarlos weg. Schimpfen oder gar die alte, grausame Methode, den Hund mit der Nase hineinzustoßen, ist absolut tabu und zerstört nur das Vertrauen.
Kleine Nadelzähne überall: Der Umgang mit dem Welpenbeißen
Ein weiteres klassisches Welpen-Problem, das Isi und auch Mareike mit Taylor kennen: Das ständige Beißen und Anknabbern. Hände, Hosenbeine, Möbel - nichts ist sicher. Liza erklärt, dass dies ein normales Erkundungsverhalten ist. Die Entwicklung der sogenannten Beißhemmung ist ein Lernprozess, den wir Menschen anleiten müssen, da der Welpe ihn nicht mehr im Wurf mit seinen Geschwistern vollständig erlernt. Einfaches Ignorieren führt hier, besonders bei hartnäckigen Rassen wie Schäferhunden, oft nicht zum Ziel. Der Hund lernt daraus höchstens, noch fester zuzubeißen, um eine Reaktion zu bekommen.
Liza schlägt stattdessen ein dreistufiges Ampelsystem vor.
- Grün: Der Welpe beißt zu fest. Du sagst einmal klar und deutlich "Lass das" oder "Nein". Hört er auf, ist alles gut.
- Gelb: Er macht weiter. Du stehst auf und entziehst dich der Situation für einen kurzen Moment. Das Spiel oder die Kuscheleinheit ist damit beendet.
- Rot: Der Welpe folgt dir und beißt weiter in deine Beine. Jetzt folgt eine kurze, emotionslose Auszeit, zum Beispiel für ein, zwei Minuten in einem anderen Raum.
Dieses System lehrt den Hund auf faire Weise, dass zu festes Beißen zum Abbruch der Interaktion führt - eine Konsequenz, die er versteht.
Vom Welpen zum Junghund: Neue Herausforderungen meistern
Zwei Monate später gibt es ein Update von Isi und ihrem Hund Bailey. Der Welpen-Blues hat sich gelegt, eine Routine ist eingekehrt. Doch wie es so oft ist, werden alte Probleme von neuen abgelöst. Bailey springt nun an Menschen hoch und zeigt an der Leine ein sehr aufgeregtes Verhalten, wenn er andere Hunde oder Menschen sieht. Er zieht so stark, dass die Familie bereits von einem Halsband auf ein Geschirr umgestiegen ist.
Liza analysiert dieses Verhalten und macht deutlich, dass auch hier Ignorieren allein nicht ausreicht. Wenn Bailey anspringt, um Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht er eine klare Anweisung, was er stattdessen tun soll. Sich einfach wegzudrehen, lässt den Hund mit seiner Aufregung allein. Besser ist es, sich wegzudrehen und ihm gleichzeitig ein Alternativverhalten anzubieten, wie "Sitz". Beim Thema Leinenführigkeit vermutet Liza, dass Bailey gelernt haben könnte, dass Kontakt zu anderen Hunden an der Leine erlaubt ist. Dies führt oft dazu, dass Hunde frustriert in die Leine springen, weil sie unbedingt dorthin wollen. Ihre klare Empfehlung: Kein Hundekontakt an der Leine. Die Leine bedeutet, die Zeit gehört dir und deinem Hund, nicht der gesamten Nachbarschaft.
Dein Fahrplan für die ersten Wochen: Konkrete Tipps gegen den Welpen-Frust
Die erste Zeit mit einem Welpen ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Um dir den Start zu erleichtern und den Frust zu minimieren, kannst du dich an folgenden praktischen Schritten orientieren, die Liza im Podcast empfiehlt:
- Akzeptiere deine Gefühle: Es ist okay, überfordert zu sein. Sprich mit deinem Partner, Freunden oder einem Hundetrainer darüber. Zu wissen, dass es normal ist, nimmt schon viel Druck von den Schultern.
- Erstelle einen Stubenreinheits-Plan: Führe Buch darüber, wann dein Welpe sein Geschäft verrichtet, um Muster zu erkennen. Halte dich streng an den Rhythmus: Raus nach dem Schlafen, Fressen, Spielen und mindestens alle zwei Stunden. Bestimme einen festen "Pippi-Baum" und lobe überschwänglich, wenn es dort klappt.
- Sei konsequent beim Beißen: Entscheide dich für ein klares Abbruchsignal (z.B. "Nein") und eine klare Konsequenz (z.B. das Spiel beenden). Deine ganze Familie sollte hier an einem Strang ziehen, damit der Welpe eine einheitliche Regel lernt.
- Biete Alternativen statt nur Verbote: Anstatt nur zu sagen, was der Hund nicht darf (nicht anspringen, nicht ziehen), zeige ihm, was er stattdessen tun soll. Ein Hund, der im "Sitz" wartet, kann nicht gleichzeitig an dir hochspringen. Ein Hund, der dich anschaut, kann nicht in die Leine preschen.
- Suche dir professionelle Unterstützung - und zwar frühzeitig: Eine gute Welpenschule bietet nicht nur Sozialisierung, sondern auch einen wertvollen Austausch mit anderen Welpenbesitzern und professionelle Anleitung. Du musst das nicht alleine schaffen. Ein Trainer kann dir helfen, die Signale deines Hundes besser zu verstehen und gibt dir die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
Gefühlt begegnet Liza aktuell an jeder Ecke ein niedlich-tapsiger Welpe. Höchste Zeit, noch einmal diese Lieblingsfolge hervorzuheben - denn so süß die kleinen Hunde auch sind, so herausfordernd können die ersten Wochen mit ihnen werden.
Auf die Vorfreude folgen plötzlich schlaflose Nächte, kleine und große Geschäfte in der Wohnung und angeknabberte Schuhe, Kabel oder Möbel. Da ist es völlig normal, überfordert zu sein und sich sogar zu fragen, ob der Einzug des Hundes wirklich die richtige Entscheidung war.
Ausgehend von der Geschichte von Hörerin Isi und ihrem Welpen Bailey sprechen Liza und Mareike über den sogenannten "Welpenblues". Ihr erfahrt, warum diese Gefühle nichts Ungewöhnliches sind, wie ihr die anstrengende Anfangszeit besser übersteht und wie ihr Themen wie Stubenreinheit und unerwünschtes Knabbern angehen könnt.
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