Wenn dein Hund plötzlich erstarrt: Ist es Angst oder pure Berechnung?

Lieblingsfolge: F wie „Freeze“ - Wenn der Hund sich querstellt

Lieblingsfolge: F wie „Freeze“ - Wenn der Hund sich querstellt

18. Februar 2026 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

Stell dir diese Szene vor, die du vielleicht nur zu gut kennst: Ihr seid auf eurer gewohnten Runde, alles ist entspannt, doch plötzlich, in der Ferne, taucht ein anderer Hund auf. Dein Hund sieht ihn, und wie vom Blitz getroffen, wirft er sich auf den Boden. Er liegt da, flach wie eine Flunder, und rührt sich keinen Millimeter mehr. Kein Rufen, kein Leckerli, kein sanfter Ruck an der Leine kann ihn dazu bewegen, weiterzugehen. Er ist wie festgetackert. Ist das pure Angst? Eine Blockade? Oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter? Genau diesem Rätsel widmen sich die Hundetrainerin Liza Gerlach und die Moderatorin Mareike Klohr in einer neuen Folge ihres Podcasts HundeRunde.

Anhand des Falls von Hörerin Ronja und ihrem jungen Labrador-Rüden Apper tauchen die beiden tief in die Verhaltensweise des "Einfrierens" - auch bekannt als "Freeze" - ein. Es ist eine jener Reaktionen, die uns als Halter oft ratlos zurücklassen. Die Episode beleuchtet, warum das, was auf den ersten Blick wie eine massive Unsicherheit aussieht, in Wahrheit eine erlernte und ziemlich clevere Strategie sein kann. Für alle, die schon einmal einen "eingefrorenen" Hund an der Leine hatten, bietet diese Folge nicht nur Trost, sondern vor allem konkrete Lösungsansätze.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einfrieren als Überlebensstrategie: Das Freeze-Verhalten ist eine der vier angeborenen Reaktionen (die vier Fs: Fight, Flight, Flirt, Freeze), die ein Hund in stressigen oder unklaren Situationen zeigt. Es ist ein Moment des Innehaltens, um die Lage zu bewerten, kann aber auch in eine komplette Handlungsunfähigkeit übergehen.
  • Angst oder erlernte Taktik?: Nicht jedes Einfrieren ist ein Zeichen von Angst. Liza Gerlach stellt die wichtige Hypothese auf, dass ein Hund dieses Verhalten auch strategisch einsetzen kann, um einen gewünschten Hundekontakt zu erzwingen - besonders wenn er gelernt hat, dass sein Mensch ihn in dieser Position nicht mehr wegziehen kann.
  • Deine Position ist entscheidend: Wo du in einer solchen Situation stehst, sendet deinem Hund eine klare Botschaft. Stellst du dich hinter ihn, überlässt du ihm die Verantwortung. Trittst du jedoch vor ihn, wirst du zu seinem Schutzschild und zeigst ihm: Ich regle das für dich.
  • Von Frust zu Aggression: Ein Hund, der in seiner angespannten Haltung feststeckt und dann von einem anderen Hund bedrängt wird, kann aus reinem Frust aggressiv reagieren. Dieses Verhalten ist oft kein Angriff, sondern eine verzweifelte Abwehrreaktion, weil er sich nicht anders zu helfen weiß.
  • Klarheit statt Mitleid: Statt den Hund mit beruhigenden Worten zu überschütten, was seine Unsicherheit verstärken kann, braucht er eine klare Anweisung. Gib ihm eine Aufgabe, lenke seinen Fokus auf dich und führe ihn souverän aus der Situation heraus.

Wenn der Hund erstarrt: Unsicherheit oder Strategie?

Im Zentrum der Folge steht Apa, ein junger Labrador, der bei Hundebegegnungen ein sehr spezifisches Verhalten zeigt: Er legt sich flach auf den Boden und ist nicht mehr ansprechbar. Seine Halterin Ronja beschreibt die Situation als dramatisch; sie hat sich bei dem Versuch, ihn zu halten, schon den Finger gebrochen. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein zutiefst unsicherer Hund, der von der Situation überfordert ist. Liza, die erfahrene Hundetrainerin, wirft jedoch eine andere, spannende Perspektive in den Raum. Sie vermutet, dass es sich weniger um eine Angstblockade als vielmehr um eine erlernte Strategie handeln könnte.

Liza erklärt, dass Apa möglicherweise gelernt hat: Wenn ich mich platt auf den Boden lege, ist mein Gewicht so verteilt, dass Frauchen mich nicht wegziehen kann. Das Ergebnis? Er kann den anderen Hund fixieren, die Situation in die Länge ziehen und erzwingt so eine Form von Kontakt - auch wenn es nur ein visueller ist. Die Anspannung, die Ronja bei ihm beobachtet, könnte also weniger aus Angst und mehr aus einer Mischung aus Erregung und Frustration resultieren. Ein Indiz dafür ist, dass Apa sofort aufsteht und zu Ronja schaut, sobald der andere Hund weg ist. Ein wirklich panischer Hund würde länger brauchen, um sich aus seiner Starre zu lösen.

Die vier Fs: Ein kurzer Einblick in die Psyche des Hundes

Um Apas Verhalten besser einordnen zu können, rekapitulieren Liza und Mareike kurz die „vier Fs“ der Stressreaktion bei Hunden. Dieses Konzept ist ein Schlüssel zum Verständnis vieler Verhaltensweisen, die uns im Alltag begegnen. Die vier Fs sind:

  • Fight (Kampf): Die aggressive Reaktion nach vorn, um eine Bedrohung abzuwehren.
  • Flight (Flucht): Der Versuch, der bedrohlichen Situation zu entkommen.
  • Flirt oder Fiddle About (Herumalbern/Beschwichtigen): Übersprungsverhalten wie intensives Schnüffeln, Spielen oder übertrieben freundliches Verhalten, um eine Situation zu deeskalieren.
  • Freeze (Einfrieren): Das Erstarren, um unsichtbar zu werden oder Zeit zu gewinnen, um die Situation zu analysieren.

Apas Verhalten fällt klar in die Kategorie Freeze. Doch die Episode macht deutlich, dass die Motivation dahinter entscheidend ist. Während das Einfrieren oft eine passive Reaktion auf Überforderung ist, kann es, wie bei Apa vermutet, auch zu einem aktiven Werkzeug umfunktioniert werden. Diese Unterscheidung ist für das weitere Training von zentraler Bedeutung.

Deine entscheidende Rolle in der Hundebegegnung

Ein entscheidender Moment in der Analyse ist die Besprechung eines kurzen Videos, das Ronja geschickt hat. Darin sieht man, wie sie hinter Apa steht, während er am Boden liegt und den anderen Hund fixiert. Für Liza ist das ein klassischer Fehler, den viele Hundehalter unbewusst machen. Indem Ronja hinter ihm bleibt, signalisiert sie ihm körpersprachlich: Du bist an vorderster Front, du musst diese Situation klären. Das setzt den Hund unter enormen Druck, egal ob er unsicher ist oder eine Strategie verfolgt.

Lizas Rat ist eindeutig: Tritt vor deinen Hund! Positioniere dich zwischen ihm und dem Auslöser. Du musst nicht den anderen Hund verscheuchen, aber allein deine physische Präsenz als Puffer nimmt deinem Hund die Verantwortung. Du wirst zu seinem Manager, seinem Schutzschild. Das gibt einem unsicheren Hund die nötige Sicherheit und nimmt einem strategisch agierenden Hund das Werkzeug aus der Hand, da er den anderen Hund nicht mehr ungestört fixieren kann.

Vom Einfrieren zur Aggression: Wenn Frust das Ruder übernimmt

In einem Update berichtet Ronja, dass Apa kürzlich aggressiv nach vorn gegangen ist, als ein anderer Rüde auf ihn zugesprungen kam, während er am Boden lag. Das mag alarmierend klingen, ist für Liza aber eine logische Konsequenz. Sie interpretiert dieses Verhalten als Frustrationsaggression. Apa steckt in seiner selbst gewählten, aber emotional aufgeladenen Position fest. Er kann nicht vor und nicht zurück. Wenn dann ein anderer Hund seine Individualdistanz unterschreitet und ihn bedrängt, entlädt sich die aufgestaute Anspannung. Er wehrt sich, weil er sich in die Enge getrieben fühlt und keine andere Handlungsoption mehr hat. Dieser Vorfall unterstreicht, wie wichtig es ist, das Einfrieren frühzeitig zu unterbrechen und den Hund nicht in dieser emotionalen Sackgasse allein zu lassen.

Praktische Schritte: So hilfst du deinem Hund aus der Erstarrung

Was kannst du also konkret tun, wenn dein Hund in solchen Momenten erstarrt? Liza gibt Ronja und allen Zuhörern eine klare Handlungsanleitung an die Hand, die auf Management und klarer Kommunikation basiert.

  1. Analysiere die Situation ehrlich: Der erste Schritt ist immer die Selbstreflexion. Frage dich kritisch: Hat das Verhalten deines Hundes in der Vergangenheit dazu geführt, dass er - wenn auch nur kurz - seinen Willen bekommen hat? Durfte er nach dem Einfrieren doch noch zum anderen Hund schnüffeln oder kam es vielleicht sogar zu einem Spiel? Wenn ja, hat er gelernt, dass sich sein Verhalten lohnt.
  2. Positioniere dich als Schutzschild: Sobald du merkst, dass sich dein Hund anspannt, tritt ruhig und bestimmt vor ihn. Blockiere seine Sichtlinie zum Auslöser. Du musst keine große Show abziehen - deine bloße Anwesenheit zwischen ihm und dem anderen Hund verändert die gesamte Dynamik.
  3. Gib ihm eine klare Aufgabe: Ein Hund in Anspannung kann mit vagen Aufforderungen nichts anfangen. Gib ihm stattdessen einen konkreten Job. Das kann ein einfaches Kommando wie „Schau“ sein, bei dem du jeden Blickkontakt zu dir belohnst, oder das „Einparken“ zwischen deinen Beinen, was ihm zusätzlich körperliche Sicherheit gibt.
  4. Kommuniziere aktiv und positiv: Lobe deinen Hund für jeden Versuch, sich dir zuzuwenden. Wenn er in seiner Aufregung keine Leckerlis nimmt, ist deine ruhige Stimme und positive Bestärkung durch ein Markerwort (wie "Fein" oder "Click") genauso wertvoll.
  5. Vermeide das Kräftemessen: An der Leine zu zerren, ist kontraproduktiv. Es erhöht den Stress für euch beide und kann, wie Ronjas Beispiel zeigt, zu Verletzungen führen. Versuche stattdessen, deinen Hund mit einem besonders attraktiven Leckerli oder einem Spielzeug aus der Situation herauszulocken und in eine andere Richtung umzulenken.
  6. Unterbinde die unbeabsichtigte Belohnung: Das Wichtigste zum Schluss: Lass auf keinen Fall zu, dass das Einfrieren zu einem Spiel mit dem anderen Hund führt. Wenn ein Kontakt prinzipiell in Ordnung ist, dann geht erst ein paar Meter gemeinsam in dieselbe Richtung spazieren. Erst wenn sich die Anspannung auf beiden Seiten gelegt hat, kann man über ein kontrolliertes Spiel nachdenken.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Manchmal wirkt es, als würde unser Hund plötzlich auf „Pause“ drücken: Er bleibt stehen, legt sich hin oder ist wie festgefroren – und nichts geht mehr. Genau diesem Verhalten widmen wir noch einmal diese Lieblingsfolge rund um das F wie "Freeze", eine der vier typischen Stressreaktionen von Hunden.

Anhand einer Hörerfrage erklären Liza und Mareike, warum Hunde in bestimmten Situationen einfrieren, was wirklich dahintersteckt und wie ihr euren Hund in solchen Momenten sicher begleiten könnt – ohne Druck und ohne Missverständnisse. Eine hilfreiche Folge für alle, die ihren Hund besser verstehen möchten, wenn er scheinbar „nicht mehr weiter kann“.

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