Wenn der Welpe zum Rebell wird: Pubertät verstehen und meistern

#160 Pubertät beim Hund: Warum plötzlich nichts mehr klappt

#160 Pubertät beim Hund: Warum plötzlich nichts mehr klappt

5. August 2026 · HundeRunde - Profitipps vom Hundecoach

Kennst du das auch? Gestern war dein Welpe noch ein flauschiger, folgsamer Begleiter, und heute scheint ein kleiner Rebell in seinem Körper zu wohnen, der alle Regeln vergessen hat. Plötzlich sind deine Kommandos nur noch unverbindliche Vorschläge, und die Mülltonne am Straßenrand wird zum Endgegner erklärt. Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein - und diese Phase hat einen Namen: Pubertät.

In der HundeRunde nehmen sich die Moderatorinnen Liza Gerlach und Mareike Klohr genau dieses Themas an. Wobei, in dieser Folge führt uns Liza allein durch den Dschungel der Hunde-Adoleszenz, da Mareike krankheitsbedingt ausfällt. Basierend auf zahlreichen Hörerfragen und ihren eigenen, ganz frischen Erfahrungen mit ihrem anderthalbjährigen Hund Fred, zerlegt Liza die Pubertät in verständliche Einzelteile. Sie erklärt nicht nur, was biologisch im Hundekopf passiert, sondern gibt auch unschätzbar wertvolle Tipps, wie du diese intensive Zeit nicht nur überstehst, sondern die Bindung zu deinem Hund sogar stärkst. Die zentrale Frage lautet: Wie navigieren wir durch dieses Chaos aus Hormonen und Gehirn-Umbau, ohne die Nerven zu verlieren?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Gehirn im Umbau: Die Pubertät ist keine bewusste Rebellion, sondern eine massive neurologische Umstrukturierung. Der für vernünftige Entscheidungen zuständige präfrontale Cortex ist noch eine Baustelle, während das Emotionszentrum (die Amygdala) auf Hochtouren läuft. Dieses Wissen hilft, Frust in Verständnis umzuwandeln.
  • Vergessen ist ein Mythos: Dein Hund hat "Sitz" und "Platz" nicht vergessen. Die Verbindungen zu diesen Informationen sind durch den Gehirn-Umbau nur vorübergehend schwerer zugänglich - wie rostig gewordene Schlüssel zu vollen Schubladen, erklärt Liza bildhaft.
  • Konsequenz schlägt Härte: Strenge und Strafen führen in dieser sensiblen Phase oft zu mehr Verunsicherung und schaden der Beziehung. Gefragt sind stattdessen klare, verlässliche Regeln, viel Geduld und eine liebevolle, aber unmissverständliche Führung.
  • Die Angstphase ist real: Viele Hunde entwickeln zwischen dem 6. und 12. Monat plötzlich Ängste vor alltäglichen Dingen. Nimm diese Unsicherheiten ernst und hilf deinem Hund souverän, die Situation zu meistern, anstatt ihn zu zwingen. So lernt er, dir zu vertrauen.
  • Schlaf ist der Super-Booster: Ein Junghund benötigt oft noch 16 bis 20 Stunden Ruhe und Schlaf pro Tag, um Erlebtes zu verarbeiten und emotional stabil zu bleiben. Ein übermüdeter Hund wirkt oft hyperaktiv, obwohl er eigentlich nur Erholung braucht.

Was im Gehirn deines Hundes passiert: Eine Baustelle im Kopf

Um die Pubertät wirklich zu verstehen, müssen wir einen Blick unter die Schädeldecke werfen. Liza beschreibt diesen Prozess als eine komplette Renovierung des Gehirns. Stell dir vor, alle gelernten Informationen sind in einem riesigen Schrank mit unzähligen Schubladen sortiert. Während der Pubertät werden nicht nur neue Schubladen hinzugefügt, sondern auch die Schlüssel zu den bestehenden Schubladen neu sortiert. Wenn du nun ein Kommando gibst, muss dein Hund erst den passenden Schlüssel am riesigen, unordentlichen Schlüsselbund finden - das dauert und ist fehleranfällig.

Gleichzeitig laufen zwei wichtige Bereiche des Gehirns auf unterschiedlichen Drehzahlen. Der präfrontale Cortex, verantwortlich für Impulskontrolle, Konzentration und vernünftige Entscheidungen, ist noch nicht ausgereift. Die Amygdala, das Emotionszentrum, ist hingegen hochaktiv. Das Ergebnis: Dein Hund reagiert emotionaler, schreckhafter und impulsiver. Hinzu kommt der massive Einfluss von Hormonen wie Testosteron beim Rüden und Östrogen bei der Hündin, die nicht nur die körperliche, sondern auch die soziale und territoriale Entwicklung vorantreiben. Liza betont, dass Testosteron nicht per se aggressiv macht, sondern lediglich vorhandene Verhaltensweisen verstärkt. Diese biologischen Fakten sind entscheidend, denn sie zeigen: Dein Hund will dich nicht ärgern - er kann oft einfach nicht anders.

Typische Anzeichen der Pubertät: Wenn der Hund plötzlich taub wird

Die Symptome der Pubertät sind vielfältig und oft frustrierend. Liza zählt die Klassiker auf, die wohl jeder Besitzer eines Junghundes kennt: Der einst zuverlässige Rückruf verhallt ungehört, die Leinenführigkeit gleicht einem Tauziehen, und die Konzentration reicht gefühlt nur noch von der Nase bis zum nächsten Grashalm. Hunde wirken plötzlich ablenkbarer, entwickeln ein verstärktes Jagd- oder Erkundungsverhalten und hören scheinbar nur noch dann, wenn es ihnen gerade passt.

Ein besonders wichtiger Punkt, den Liza hervorhebt, ist die sogenannte Angstphase. Völlig harmlose Alltagsgegenstände wie eine Mülltonne, ein Fahrrad oder sogar Schatten an der Wand können plötzlich zu furchteinflößenden Monstern werden. Hier ist deine souveräne Reaktion entscheidend. Anstatt die Angst zu belächeln oder den Hund an dem Objekt vorbeizuzerren, solltest du ihm die Zeit geben, die Situation in Ruhe zu erkunden und ihm zeigen, dass keine Gefahr besteht. Tust du das nicht, kann sich aus einer vorübergehenden Unsicherheit eine handfeste, langanhaltende Angst entwickeln.

Auch das Austesten von Grenzen ist typisch. Doch Liza rät, den Satz "Der testet mich nur" aus dem Vokabular zu streichen. Dein Hund führt keinen Machtkampf, sondern erprobt neue Verhaltensweisen, um herauszufinden, welche davon für ihn nützlich sind. Er ist ein Egoist im besten Sinne und prüft: "Was passiert, wenn ich nicht sofort komme? Bringt mir das vielleicht einen Vorteil?" Deine Aufgabe ist es, ihm durch konsequentes Handeln zu zeigen, welche Verhaltensweisen sich lohnen und welche nicht.

Dein Kompass in stürmischen Zeiten: Wie du als Mensch reagieren solltest

Die Pubertät deines Hundes ist vor allem eines: ein Test für deine Geduld und Konsequenz. Der größte Fehler, den du machen kannst, ist, mit Härte, Strafen oder ständigem Anschreien zu reagieren. Das führt nur zu Verunsicherung und schädigt eure Beziehung nachhaltig. Liza plädiert stattdessen für einen Weg der liebevollen Konsequenz. Dein Hund braucht in dieser chaotischen Phase vor allem eines: einen verlässlichen Rahmen aus klaren Regeln und vorhersehbaren Abläufen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Dein Hund steht ständig vom Platz auf, während du am Esstisch sitzt, obwohl er das früher nie getan hat. Ihn anzuschreien, bringt nichts. Besser ist es, ihn jedes Mal ruhig, aber bestimmt wieder auf seinen Platz zu schicken. Auch wenn du das an einem Abend zwanzigmal tun musst. So lernt er, dass Aufstehen keinen Erfolg bringt und die Regel weiterhin gilt. Wichtig ist auch, die eigenen Emotionen zu managen. Frust ist normal, das gibt auch Liza offen zu. Wenn du merkst, dass du genervt bist, ist es besser, das Training abzubrechen oder den Partner zu bitten, die nächste Gassirunde zu übernehmen. Ein frustrierter Mensch ist kein guter Lehrer.

Training und Alltag: Weniger ist oft mehr

Das Training muss in der Pubertät angepasst werden. Vergiss stundenlange Trainingseinheiten - die Konzentrationsspanne deines Hundes ist dafür viel zu kurz. Liza empfiehlt kurze, aber erfolgreiche Einheiten von wenigen Minuten, die mehrmals am Tag in den Alltag integriert werden. Der Fokus sollte dabei nicht auf Perfektion, sondern auf Alltagstauglichkeit liegen. Was nützt die perfekte Leinenführigkeit im Garten, wenn sie auf dem Spaziergang nicht funktioniert?

Neben dem formalen Training ist eine artgerechte Beschäftigung essenziell. Nasenarbeit, Suchspiele, kontrollierte Sozialkontakte oder einfach mal ein Spaziergang, bei dem ausgiebig geschnuppert werden darf, lasten den Hund geistig und körperlich aus, ohne ihn zu überdrehen. Wovon Liza dringend abrät, ist das unkontrollierte, ständige Werfen von Bällen. Dies steigert die Erregung oft ins Unermessliche und kann zu einem regelrechten Suchtverhalten führen, anstatt den Hund zu entspannen.

Schlaf, Ernährung und die kleinen Helfer im Hintergrund

Zwei oft unterschätzte Faktoren für einen ausgeglichenen Junghund sind Schlaf und Ernährung. Liza wiederholt es wie ein Mantra: Ein Junghund braucht zwischen 16 und 20 Stunden Ruhe am Tag. Im Schlaf verarbeitet das Gehirn die Erlebnisse des Tages, festigt Gelerntes und reguliert Emotionen. Sorge also aktiv für Ruhepausen und einen festen Schlafplatz, an dem dein Hund nicht gestört wird.

Bei der Ernährung gilt: Ein hochwertiges, ausgewogenes Futter reicht völlig aus. Spezielle Pubertäts-Futter oder Nahrungsergänzungsmittel sind laut Liza für gesunde Hunde in der Regel nicht notwendig und oft nur Marketing. Einzig bei sehr großen Rassen sollte man auf ein nicht zu energiereiches Futter achten, um ein zu schnelles Wachstum zu vermeiden, was den Gelenken schaden könnte.

Praktische Schritte für den Alltag mit deinem pubertierenden Hund

  1. Management ist der Schlüssel: Sicherheit geht vor. Wenn der Rückruf gerade unzuverlässig ist, nutze eine Schleppleine. Verhindere unerwünschtes Verhalten proaktiv, anstatt es ständig korrigieren zu müssen.
  2. Fokus auf das Wesentliche: Du musst nicht alles auf einmal trainieren. Konzentriere dich auf die wichtigsten Bausteine für euren Alltag: einen verlässlichen Rückruf, eine lockere Leine und Ruhe halten zu können.
  3. Schaffe positive Erlebnisse: Sorge bewusst für Erfolgserlebnisse im Training. Fordere lieber etwas weniger und belohne einen vollen Erfolg, als zu viel zu verlangen und mit Frust zu enden.
  4. Finde die richtige Balance: Dein Hund braucht eine gute Mischung aus Training, körperlicher Auslastung (z. B. Fahrradfahren, Schwimmen), geistiger Beschäftigung (z.B. Suchspiele) und ganz wichtig: gemeinsamer Kuschel- und Ruhezeit.
  5. Bleib du selbst – und hol dir Hilfe: Es ist okay, mal genervt zu sein. Authentizität ist wichtig. Wenn du aber merkst, dass du an deine Grenzen kommst und sich nichts verbessert, zögere nicht, dir professionelle Hilfe von einer guten Hundeschule zu holen.

Am Ende teilt Liza noch einige humorvolle Anekdoten über ihren eigenen Hund Fred - von der verschwundenen Fernbedienung bis zum peinlichen Putzanfall in der Eisdiele. Diese Geschichten zeigen vor allem eines: Du bist mit deinen Herausforderungen nicht allein. Die Pubertät ist eine anstrengende, aber auch eine vorübergehende Phase. Mit dem richtigen Wissen, einer großen Portion Geduld und einer Prise Humor wirst du sie meistern und am Ende einen wunderbaren, erwachsenen Begleiter an deiner Seite haben.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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Shownotes

Nach der süßen Welpenphase kommt irgendwann die Pubertät – und plötzlich scheint nichts mehr so richtig zu funktionieren. Der Rückruf klappt schlechter, bekannte Signale wirken wie vergessen und kleine Alltagssituationen werden auf einmal zur Herausforderung.

In dieser HundeRunde ist Liza weiterhin solo unterwegs und erklärt, was in der Pubertät beim Hund wirklich passiert: körperlich, hormonell, sozial und im Gehirn. Es geht um mentale Entwicklung, Angstphasen und, warum manche Hunde früher und andere später durch diese Phase gehen. Außerdem wird mit typischen Mythen aufgeräumt: Nein, euer Hund testet nicht bewusst eure Grenzen. Und nein, er hat auch nicht plötzlich alles vergessen.

Liza erklärt, warum Druck und reine Strenge in der Pubertät oft alles schlimmer machen, wie Training mit Junghunden stattdessen aussehen sollte und warum auch Ruhe und Schlaf gerade dann so wichtig sind. Dazu gibt es lustige Einblicke in Freds Pubertät – von verschwundenen Fernbedienungen bis zu plötzlich furchteinflößenden Blättern.

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