Der Maulkorb: Stigma, Sicherheit und der Weg zur Selbstverständlichkeit

#251 - Maulkorbmythen - mit Daniel Poinstingl

#251 - Maulkorbmythen - mit Daniel Poinstingl

12. Februar 2026 · HUNDESTUNDE

Kaum ein Zubehörteil in der Hundewelt ist so mit Vorurteilen, Unsicherheit und sogar Scham behaftet wie der Maulkorb. Viele verbinden ihn sofort mit Aggression und Gefahr, dabei ist er in Wahrheit oft ein Zeichen von Verantwortung und ein nützliches Werkzeug für mehr Sicherheit und Freiheit im Alltag. Doch wie findet man den richtigen Maulkorb? Wie gewöhnt man den eigenen Hund stressfrei daran? Und wie gehen wir als Halter:innen mit den schiefen Blicken anderer um?

In der HUNDESTUNDE spricht Moderatorin Conny Sporrer mit Daniel Poinstingl, dem Geschäftsführer der Maulkorb-Manufaktur BUMAS. Gemeinsam räumen sie mit alten Mythen auf, beleuchten die emotionalen Hürden und geben praxisnahe Tipps, wie der Maulkorb vom ungeliebten Zwangsobjekt zu einem selbstverständlichen Begleiter wird. Diese Folge ist eine unverzichtbare Ressource für alle, die verstehen wollen, warum ein gut sitzender Maulkorb nicht nur schützt, sondern auch das Leben mit Hund entspannter machen kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Maulkorb gehört zur Grundausstattung: Er ist nicht nur für vermeintlich gefährliche Hunde gedacht. Ob als Schutz vor Giftködern, für die Urlaubsreise mit der Gondel oder als gesetzliche Vorgabe in öffentlichen Verkehrsmitteln - fast jeder Hund braucht irgendwann einen.
  • Passform ist alles: Ein guter Maulkorb muss dem Hund erlauben, uneingeschränkt zu hecheln, zu gähnen und zu trinken. Billige Plastikmodelle sind oft zu eng und können durch den schlechten Sitz eine dauerhafte Abneigung erzeugen.
  • Der Zweck bestimmt das Modell: Während ein leichter Biothane-Maulkorb ideal für den Alltag ist, bietet nur ein Metallmaulkorb maximalen Schutz bei Hunden mit ernsthafter Beschädigungsabsicht. Eine ehrliche Selbsteinschätzung ist hier entscheidend.
  • Gewöhnung ist ein Prozess: Das Training endet nicht damit, dass der Hund seine Schnauze kurz in den Maulkorb steckt. Echtes Tragen in verschiedenen, anfangs ablenkenden Situationen (z. B. beim Lieblingsspaziergang) ist der Schlüssel zum Erfolg.
  • Ein Maulkorb schafft Sicherheit - auch für dich: Das Wissen, dass nichts passieren kann, entspannt nicht nur den Hund, sondern vor allem den Menschen am anderen Ende der Leine. Diese Gelassenheit überträgt sich direkt auf das Verhalten deines Hundes.
  • Das Imageproblem ist real, aber lösbar: Bunte, gut sitzende Maulkörbe helfen dabei, das Stigma zu reduzieren. Connys Standardantwort auf die Frage "Warum trägt er einen Maulkorb?" lautet mittlerweile selbstbewusst: "Warum nicht?".

Mythos Maulkorb: Mehr als nur ein Beißkorb

Daniel kam ursprünglich selbst über seine Tierschutzhündin zum Thema, als er in einer Gegend mit vielen Giftködern lebte. Diese Erfahrung spiegelt wider, was er heute als Geschäftsführer täglich erlebt: Die Gründe für einen Maulkorb sind unglaublich vielfältig. Entgegen dem Klischee des bissigen Hundes ist der Beißschutz nur einer von vielen Anwendungsfällen. Daniel schätzt, dass etwa 50 % seiner Kundinnen und Kunden einen Maulkorb als Schutz vor Giftködern oder als generellen Fressschutz (Stichwort Labrador) benötigen. Ein weiterer sehr großer Teil, vor allem aus Deutschland, kauft ihn für den Urlaub in Österreich, wo in vielen Seilbahnen und Zügen Maulkorbpflicht herrscht.

Diese Zahlen zeigen eindrücklich, dass der Maulkorb längst im Alltag angekommen ist und primär der Sicherheit des eigenen Hundes dient. Conny ergänzt aus ihrer persönlichen Erfahrung, dass der Maulkorb ihr eine immense rechtliche Sicherheit und mentale Entlastung gibt. In unübersichtlichen Situationen oder wenn ihr Hund im Freilauf doch einmal eine eigene Entscheidung trifft, gibt ihr der Maulkorb die nötige Zeit, um einzugreifen, und bewahrt sie vor potenziellen rechtlichen Konsequenzen.

Die Qual der Wahl: Welcher Maulkorb passt zu meinem Hund?

Der Markt bietet eine Fülle an Modellen, doch nicht jedes ist für jeden Zweck geeignet. Daniel gibt einen klaren Überblick:

  • Maulschlaufen: Sind in Österreich aus gutem Grund tierschutzrelevant und sollten nur im absoluten Notfall für wenige Minuten (z. B. bei einer medizinischen Versorgung) eingesetzt werden. Sie verhindern das Hecheln komplett und sind für den Alltag tabu.
  • Plastik-Spritzgusskörbe: Die günstigen Modelle aus dem Fachhandel. Daniel empfiehlt sie höchstens zur kurzzeitigen Überbrückung, etwa bei einem Welpen im Wachstum. Ihr größtes Problem ist die Passform: Sie sind oft zu schmal und laufen nach vorne spitz zu. Das widerspricht der natürlichen Form der Hundeschnauze beim Hecheln, bei der sich der Kiefer nach unten und außen öffnet. Dieser Druck kann unangenehm sein und zu einer negativen Verknüpfung führen.
  • Metallmaulkörbe: Sie bieten den höchsten Grad an Sicherheit und sind die erste Wahl bei Hunden, die eine ernsthafte Verletzungsabsicht zeigen. Allerdings können sie durch ihre Härte bei einem Stoß selbst zu Verletzungen führen, sowohl bei anderen Hunden als auch bei Menschen. Daniel betont, dass selbst er bei ernsten Beißvorfällen klar zu einem Metallkorb rät und hier das Wohl der Allgemeinheit über den eigenen Verkaufserfolg stellt.
  • Biothane-Maulkörbe: Diese Modelle, wie sie von BUMAS gefertigt werden, bieten einen guten Kompromiss aus Sicherheit und Komfort. Das Material ist weich, leicht zu reinigen und nimmt schnell den Eigengeruch des Hundes an, was die Akzeptanz fördert. Durch ihre bunten Farben tragen sie außerdem massiv dazu bei, das negative Image des Maulkorbs aufzubrechen. Sie sind ideal für den Alltag, als Fressschutz oder für Hunde mit geringerem Eskalationspotenzial.

Die Kunst der perfekten Passform: So sitzt der Maulkorb richtig

Ein gut sitzender Maulkorb ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Gewöhnung. Daniel und Conny diskutieren die wichtigsten Kriterien und warnen vor dem, was Daniel scherzhaft das Instagram-Hechelmaß nennt - also übertrieben große Maulkörbe, die nicht immer sinnvoll sind.

Die zentralen Punkte für den richtigen Sitz sind:

  1. Das Hechelmaß: Der Hund muss seine Schnauze so weit öffnen können, dass er bequem hecheln, trinken und gähnen kann. Wie groß dieser Raum sein muss, ist individuell. Ein Mali, der viel hechelt, braucht mehr Platz als ein Hund, der selten das Maul aufmacht. Ein zu großer Maulkorb kann jedoch beim Liegen stören oder leichter abgestreift werden.
  2. Die Länge: Der Maulkorb darf die Augen nicht berühren. Ein Abstand von etwa einem Zentimeter zu den Augen ist ideal. Vorne an der Nasenspitze sollte ebenfalls etwa ein Zentimeter Platz sein, damit die Nase nicht anstößt.
  3. Die Nase: Der Nasenschwamm muss frei bleiben und darf keinem Druck ausgesetzt sein. Für Hunde mit leicht nach oben gerichteter Nase ("Himmelnase") gibt es spezielle "Nose-Free"-Modelle.
  4. Die Riemen: Der Stirnriemen (zwischen den Augen) ist laut Daniel kein Muss. Er ist vor allem bei Hunden mit sehr kurzen Schnauzen (z. B. Französische Bulldogge) sinnvoll, um ein Verrutschen nach vorne zu verhindern. Bei langen Schnauzen kann er eher stören. Der Kehlriemen (unter dem Kinn) ist hingegen extrem wichtig, da er verhindert, dass der Hund den Maulkorb bei einer schnellen Bewegung über den Kopf abstreifen kann.

Vom Fremdkörper zum Freund: Die richtige Gewöhnung

Die beste Passform nützt nichts, wenn der Hund den Maulkorb nicht akzeptiert. Viele Halter:innen bleiben beim Training stecken, nachdem der Hund gelernt hat, seine Nase hineinzustecken. Der entscheidende Schritt ist jedoch das tatsächliche Tragen. Daniel rät zu einem pragmatischen Ansatz: Nach einer kurzen, positiven Eingewöhnung zu Hause sollte man den Maulkorb aufsetzen und direkt zum Lieblingsspaziergang aufbrechen. Die Bewegung und die vertraute Umgebung lenken den Hund ab und verhindern, dass er sich zu sehr auf den Fremdkörper konzentriert.

Conny fügt hinzu, dass es wichtig ist, den Maulkorb nicht nur in stressigen oder unangenehmen Situationen (wie in der vollen U-Bahn) zu nutzen, sondern ihn auch mit positiven Erlebnissen zu verknüpfen. Man kann ihn dem Hund anziehen, während man mit ihm kuschelt, oder kurz bevor es zum Freilauf geht. Das Ziel ist es, dass der Hund den Maulkorb mit etwas Tollem assoziiert - so wie der Tierheimhund, der sich freute, weil der Maulkorb für ihn das Signal für den ersehnten Spaziergang war. Geduld und Konsequenz sind hier entscheidend. Wie bei einer neuen Brille braucht das Gehirn Zeit, sich an das Gefühl zu gewöhnen.

Praktische Schritte: Dein Weg zum entspannten Maulkorb-Tragen

Wenn du jetzt motiviert bist, das Thema Maulkorb für dich und deinen Hund neu anzugehen, sind hier die wichtigsten Schritte zusammengefasst:

  1. Definiere den Zweck: Wofür brauchst du den Maulkorb hauptsächlich? Als reinen Fressschutz, für den öffentlichen Nahverkehr oder als Sicherheit bei Hundebegegnungen? Deine Antwort bestimmt die Wahl des richtigen Modells.
  2. Vermiss deinen Hund sorgfältig: Miss die Schnauzenlänge (von ca. 1 cm vor den Augen bis zur Nasenspitze) und den Schnauzenumfang bei geschlossenem Maul. Um das Hechelmaß zu ermitteln, bringe deinen Hund durch kurzes Spielen zum Hecheln und miss den Umfang dann erneut. Als Faustregel gilt oft, etwa 40 % zum geschlossenen Umfang hinzuzurechnen. Vielleicht gibt es auch in deiner Nähe jemanden, der Maulkörbe anpasst und die Vermessung übernimmt.
  3. Schaffe eine positive Verknüpfung: Lege den Maulkorb anfangs mit Leckerlis aus oder schmiere ihn innen mit Leberpastete ein. Lass deinen Hund die Leckereien selbstständig herausholen, ohne ihn zu drängen.
  4. Beginne mit dem Tragen in Bewegung: Sobald der Maulkorb kurz akzeptiert wird, setze ihn auf und starte sofort einen Spaziergang oder eine andere Aktivität. Lobe deinen Hund, bevor er versucht, ihn abzustreifen, und nimm ihn anfangs nach kurzen Intervallen wieder ab.
  5. Übe in verschiedenen Situationen: Nur weil der Maulkorb beim Spaziergang klappt, heißt das nicht, dass er in einer Hundebegegnung oder im Zug entspannt getragen wird. Generalisiere das Training langsam auf neue Umgebungen.
  6. Sei selbstbewusst: Dein Hund spürt deine Unsicherheit. Tritt selbstbewusst auf und behandle den Maulkorb wie das Normalste der Welt - wie die Leine oder das Halsband. Dann wird auch dein Hund ihn leichter annehmen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes
In dieser Episode diskutieren Conny und Daniel Poinstingl die oft emotional aufgeladenen Themen rund um Maulkörbe für Hunde. Sie beleuchten die Vorurteile, Unsicherheiten und Missverständnisse, die mit dem Thema verbunden sind, und geben wertvolle Einblicke in die verschiedenen Arten von Maulkörben, deren Materialien und die richtige Anwendung. Zudem geben sie praktische Tipps zur Gewöhnung an Maulkörbe und diskutieren die Motivation der Hundebesitzer, einen Maulkorb zu verwenden. 
 

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Dieser Podcast wurde bearbeitet von:
Denise Berger https://www.movecut.at