Hunde-Fragestunde mit Marcel Wunderlich: Alltagsprobleme lösen

Hunde-Frage-Stunde mit Marcel Wunderlich | #275

Hunde-Frage-Stunde mit Marcel Wunderlich | #275

1. Oktober 2026 · HUNDESTUNDE

Ein Herdenschutzhund, der nachts keine Ruhe findet, eine Hündin, die nach dem Kotabsatz in Panik verfällt, und die große Frage, wie es beim Training zum Alleinebleiben weitergeht - die Beantwortung dieser Fragen steht im Zentrum der HUNDESTUNDE-Episode #275. Host Conny Sporrer begrüßt den Hundetrainer und TV-Experten Marcel Wunderlich. Gemeinsam widmen sich Conny und Marcel den Herausforderungen, die der Hundealltag mit sich bringt, und liefern dabei praxisnahe, ehrliche und oft unkonventionelle Lösungsansätze. Diese Fragestunde ist eine wertvolle Ressource für alle Hundebesitzer, die nach Wegen suchen, festgefahrene Verhaltensmuster zu verstehen und zu verändern.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Nächtliche Unruhe beim Hund: Wenn ein Hund nachts ständig seine Position wechselt, liegt das oft an einfachen Komfort-Faktoren wie Wärme oder einem unbequemen Liegeplatz und nicht zwangsläufig an territorialem Verhalten.
  • Panik nach dem Kotabsatz: Ein Hund, der nach dem Geschäft panisch lossprintet, hat möglicherweise eine negative Erfahrung gemacht. Ein neues, positiv besetztes Ritual direkt danach kann helfen, dieses erlernte Muster zu durchbrechen.
  • Alleinebleiben trainieren: Sobald die ersten Minuten des Alleinseins problemlos funktionieren, ist es an der Zeit, die Dauer schrittweise zu verlängern, ohne das Training zu verkomplizieren. Ein einzelnes Bellen oder Winseln ist dabei kein Rückschritt.
  • Herdenschutzhunde als Individuen: Auch wenn Herdenschutzhunde rassetypische Merkmale haben, ist es entscheidend, den einzelnen Hund zu betrachten. Nicht jedes Verhalten ist auf die Genetik zurückzuführen.
  • Desensibilisierung durch Medical Training: Das gezielte Üben von Berührungen am ganzen Körper, insbesondere an empfindlichen Stellen, ist eine wichtige Grundlage, um Stress bei Pflege- oder Notsituationen zu vermeiden.

Warum wandert mein Herdenschutzhund nachts unruhig durchs Schlafzimmer?

Luisa beschreibt ein Problem, das viele Hundebesitzer mit langhaarigen Rassen kennen: Ihr Border Collie-Herdenschutzhund-Mischling wandert nachts permanent durch das Schlafzimmer, was ihren Freund, einen leichten Schläfer, stört. Sie vermutet, dass ihm aufgrund seiner dicken Unterwolle schnell zu warm wird, schließt aber auch territoriales Verhalten nicht aus. Marcel Wunderlich, selbst Halter eines Herdenschutzhundes namens Carlito, hält eine territoriale Motivation innerhalb eines einzigen Raumes für eher unwahrscheinlich, vor allem, da es tagsüber keine Probleme gibt. Er und Conny Sporrer sind sich einig, dass die Ursache viel wahrscheinlicher im Komfort des Hundes liegt.

Hunde, insbesondere solche mit dichtem Fell, suchen sich instinktiv kühlere Liegeflächen, wenn ihnen zu warm wird. Das nächtliche Wandern kann also ein einfaches Bedürfnis nach Temperaturregulierung sein. Anstatt den Hund aus dem Schlafzimmer auszuquartieren - was laut Marcel erst recht zu territorialem Bellen führen könnte, wenn der Hund allein im Flur Geräusche hört - schlagen die Experten mehrere praktische Lösungen vor. Eine einfache Maßnahme wäre, die Raumtemperatur zu senken, etwa durch ein gekipptes Fenster. Auch ein besonders bequemes, orthopädisches Hundebett könnte den Liegekomfort so erhöhen, dass der Hund weniger Anlass hat, aufzustehen. Sollte das Wandern dennoch störend sein, könnte ein Teppich die Geräusche der Krallen auf dem Boden dämpfen. Falls eine räumliche Begrenzung im Schlafzimmer zu Stress führt, raten sie, auch mögliche körperliche Ursachen wie Gelenkschmerzen durch einen Tierarzt oder Physiotherapeuten abklären zu lassen.

Panik nach dem großen Geschäft: Ein festgefahrenes Verhaltensmuster durchbrechen

Ein weiteres, sehr spezifisches Problem schildert Kaya mit ihrer zweijährigen Basenji-Hündin. Seit dem Welpenalter erschrickt die Hündin, wenn nach dem Kotabsatz mal ein Grashalm oder ein Haar hängen bleibt. Daraus hat sich ein tief verankertes Verhalten entwickelt: Selbst wenn alles normal verläuft, sprintet sie direkt nach dem Geschäft panisch los und reißt an der Leine. Versucht Kaya ihr zu helfen, knurrt und schnappt die Hündin nach ihr.

Conny erklärt, dass sie dieses Verhalten zwar kennt, es aber bisher eher als Übersprunghandlung oder Stressabbau interpretiert hat. Die Theorie, dass es sich um eine erlernte Panikreaktion aufgrund einer schlechten Erfahrung handelt, findet sie jedoch sehr plausibel. Marcel ergänzt, dass solch ein Verhalten in manchen Fällen auch ein darstellerisches Element haben kann, bei dem der Hund Präsenz zeigt. Im Fall von Kayas Hündin deutet die Körpersprache jedoch eher auf Unsicherheit hin. Die Lösung liegt darin, das alte Muster gezielt zu durchbrechen und durch ein neues, positives zu ersetzen. Statt den Hund zu tadeln oder in seiner Panik zu bestärken, braucht es eine neue Routine.

Vom Minutentraining zur echten Freiheit: Wie das Alleinebleiben endlich klappt

Isabelle gibt ein erfreuliches Update zu ihrem Hund, der anfangs nicht einmal ertragen konnte, wenn sie nur in einem anderen Raum war. Durch konsequentes Training bleibt er mittlerweile entspannt liegen, auch wenn sie für einige Minuten die Wohnung verlässt. Sie hat die Fensterbank blockiert, auf die er früher immer sprang, und fragt nun, wie sie am besten weitermachen soll. Connys klare Antwort: einfach die Zeit schrittweise verlängern und nicht zu viel darüber nachdenken. Sie betont, dass Isabelles Tendenz, alles sehr genau zu analysieren, den Fortschritt manchmal eher bremst.

Beide Trainer sind sich einig, dass man nicht bei jedem kleinen Winseln oder Bellen sofort zurückkehren sollte. Ein Hund darf durchaus kurz seinen Unmut äußern, solange er sich danach wieder beruhigt. Wichtig ist, dass er die Erfahrung macht: Mein Mensch kommt zuverlässig wieder, egal, was ich tue. Um das Training alltagstauglicher zu gestalten, rät Conny Isabelle, sich für ihre Abwesenheiten kleine, reale Aufgaben zu suchen - den Müll rausbringen, kurz die Post holen. Das wirkt auf den Hund authentischer als eine gestellte Übung und hilft auch ihr selbst, entspannter zu sein.

Herdenschutzhunde sind keine Schablone

Im Gespräch über den nachtaktiven Herdenschutzhund-Mischling kommen Conny und Marcel auch auf die Rasse an sich zu sprechen. Marcel, der seinen Carlito aus der Sendung "Die Unvermittelbaren" adoptiert hat, erzählt, dass er früher selbst großen Respekt vor der Rasse hatte. Seine Erfahrung zeigt jedoch, dass Herdenschutzhunde, wie alle Hunde, vor allem Individuen sind. Er kennt Exemplare, die entgegen allen Lehrbuchweisheiten absolut unkompliziert und freundlich sind, obwohl ihre Haltung alles andere als ideal ist. Gleichzeitig gibt es Hunde, die äußerlich kaum als Herdenschutzhund zu erkennen sind, aber deren Selbstständigkeit und territorialer Instinkt eine große Herausforderung darstellen. Die Kernaussage ist klar: Man sollte sich der potenziellen Eigenschaften bewusst sein, aber niemals den individuellen Charakter des Hundes aus den Augen verlieren.

Praktische Schritte

Aus den Diskussionen lassen sich konkrete Handlungsanweisungen für die geschilderten Probleme ableiten:

  1. Bei nächtlicher Unruhe: Beginne damit, den Schlafkomfort deines Hundes zu verbessern. Sorge für eine kühlere Raumtemperatur und biete ihm einen hochwertigen, bequemen Schlafplatz an. Ein Teppich kann Geräusche reduzieren. Schließe medizinische Ursachen wie Schmerzen aus, bevor du das Verhalten als reines Problemverhalten interpretierst.
  2. Bei Panik nach dem Kotabsatz:
    • Desensibilisierung: Übe in entspannten Situationen, den hinteren Bereich deines Hundes zu berühren (Medical Training). Verbinde jede Berührung mit einer positiven Belohnung, sodass dein Hund lernt, dass deine Hand in dieser Region etwas Gutes bedeutet.
    • Neues Ritual schaffen: Sobald dein Hund sein Geschäft erledigt hat, lenke ihn sofort ab, bevor die Panik einsetzen kann. Biete ihm eine Leberwurst-Tube direkt vor der Nase an oder starte ein kurzes, fröhliches Spiel mit seinem Lieblingsspielzeug. Wiederhole dies konsequent, um das alte Verhaltensmuster zu überschreiben.
  3. Beim Training zum Alleinebleiben: Wenn die Basis geschaffen ist, steigere die Dauer deiner Abwesenheit systematisch. Verlasse die Wohnung für kurze, echte Erledigungen. Beobachte das Verhalten deines Hundes per Kamera, aber interpretiere nicht jeden Laut als Katastrophe. Dein Ziel ist es, ihm durch viele positive Wiederholungen zu zeigen, dass deine Rückkehr eine Selbstverständlichkeit ist.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Marcels Hundeschule in Wiesbaden / Main-Taunus-Kreis
 https://www.martinruetter.com/wiesbaden-main-taunus-kreis/


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