Hundestunde mit Melle Hofmann: Alleinebleiben und Trainingstipps
Alleinebleiben bei Hunden als eine schier unendliche Geschichte? In der Fragestunde mit Trainerin Melle Hofmann geht es um Trainings-Resets, die Eigenheiten von Herdenschutzhunden und die Frage, ob ein Hund immer arbeiten wollen muss. In dieser Episode des Podcasts HUNDESTUNDE kehrt Host Conny Sporrer aus der Sommerpause zurück und begrüßt als Expertin die Hundetrainerin Melle Hofmann. Gemeinsam widmen sie sich den Fragen der Hörerinnen und Hörer und tauchen tief in drei der wohl häufigsten und emotionalsten Herausforderungen im Hundealltag ein: die schier endlose Geduldsprobe, wenn ein Hund nicht alleine bleiben kann, der Umgang mit Hunden, die nicht immer für Training zu begeistern sind, und das Management von hoher Erregung beim Spielen. Die Episode liefert nicht nur fachliche Analysen, sondern auch eine große Portion Verständnis und betont, dass es im Hundetraining selten den einen, starren Weg gibt, sondern individuelle und flexible Lösungen gefragt sind.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Umzug bietet die perfekte Gelegenheit für einen kompletten Trainings-Neustart, insbesondere bei festgefahrenen Problemen wie Trennungsstress. Nutze die neue Umgebung, um von Anfang an neue, positive Routinen zu etablieren.
- Für Hunde, die beim Alleinebleiben schwer zur Ruhe kommen, kann die Einführung einer sicheren Höhle - wie einer positiv aufgebauten Stoffbox oder einem abgetrennten Raum - wahre Wunder wirken. Sie gibt Struktur und Sicherheit.
- Nicht jeder Hund muss auf jedem Spaziergang aktiv beschäftigt werden. Gerade Hunde mit Herdenschutzhund-Anteil genießen es oft, einfach nur die Umgebung zu beobachten und mitzulaufen. Es ist ein Zeichen von Respekt, dieses Bedürfnis anzuerkennen.
- Übermäßige Erregung beim Apportieren lässt sich am besten regulieren, indem du die Dynamik aus dem Spiel nimmst. Tausche den Lieblingsball gegen ein langweiligeres Spielzeug und lege es aus, anstatt es zu werfen.
- Wenn ein Hund in einer Trainingssituation zu aufgeregt ist, um Futter anzunehmen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass die Anforderung zu hoch ist. Der Schlüssel liegt darin, die Übung so zu vereinfachen, dass der Hund wieder ansprechbar wird.
Alleinebleiben: Wenn der Hund einfach nicht zur Ruhe kommt
Den Auftakt der Fragerunde macht Isabelle, deren zweijähriger Tierschutzhund trotz kleinschrittigen Trainings massive Probleme mit dem Alleinsein entwickelt hat. Anfangs klappte es gut, doch plötzlich kippte das Verhalten: Nun springt er sofort auf die Fensterbank und heult. Conny und Melle sind sich einig, dass Trennungsstress zu den komplexesten Themen im Hundetraining gehört. Melle beschreibt es als einen Marathon, bei dem das Ziel immer wieder verschoben wird. Sie erklärt, dass es bei Tierschutzhunden häufig vorkommt, dass sie anfangs unproblematisch sind und erst nach einiger Zeit, wenn eine enge Bindung entstanden ist, Verlustängste entwickeln.
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist Isabelles bevorstehender Umzug. Beide Trainerinnen sehen darin eine riesige Chance. Conny betont, dass ein Umzug der ideale Zeitpunkt für einen Reset ist. In der neuen Umgebung können alte, negative Verhaltensketten durchbrochen und von Grund auf neue, positive Rituale etabliert werden. Ihr konkreter Vorschlag ist, den Hund an eine Box als sicheren Rückzugsort zu gewöhnen. Diese soll nicht als Strafe, sondern als gemütliche Höhle dienen, die dem Hund hilft, zur Ruhe zu kommen und ihm die Möglichkeit nimmt, am Fenster zu kontrollieren. Die Idee ist, diese neue Routine so zu festigen, dass der Hund lernt, Entspannung mit dem Alleinsein zu verknüpfen, anstatt in Stress zu verfallen.
Darüber hinaus beleuchten sie das Thema der Kontrollmotivation. Ein Hund, der seinem Menschen auf Schritt und Tritt folgt, übt eine Form der Kontrolle aus. Statt den Hund auf einen festen Platz zu schicken - was die Interaktion aufrechterhält -, empfiehlt Conny, dem Hund einfach beizubringen, Abstand zu halten. Ein sanftes Wegschicken ohne festes Kommando kann dem Hund helfen, zu lernen, sich auch ohne ständige Anweisung zu entspannen und eigene, ruhige Entscheidungen zu treffen.
Warum muss mein Hund auf dem Spaziergang immer arbeiten wollen?
Die nächste Frage kommt von Alena, die eine Hündin mit vermutetem Herdenschutzhund-Anteil besitzt. Diese zeigt zwei extreme Modi: Entweder ist sie hochmotiviert bei der Arbeit, oder sie schaltet komplett auf stur und möchte auf dem Spaziergang nur rumlatschen. Alena fragt sich, wie sie ihre Hündin auch in diesen Phasen motivieren kann. Melles erste und klare Antwort lautet: Lass sie doch einfach! Sie argumentiert, dass es völlig in Ordnung ist, wenn ein Hund nicht immer Lust auf Action hat. Insbesondere Herdenschutzhunde sind genetisch nicht auf ständige Aktivität und Kooperation ausgelegt, sondern eher auf Beobachten und eigenständiges Handeln. Ihnen zu erlauben, einfach nur dabei zu sein und die Welt auf ihre Weise wahrzunehmen, ist ein wichtiger Teil des Zusammenlebens.
Conny pflichtet ihr bei und stellt die Gegenfrage: Wo liegt eigentlich das Problem, solange die Basics wie Leinenführigkeit und Rückruf funktionieren? Sie sieht die Tatsache, dass Alena inzwischen eine zweite, sehr arbeitsfreudige Hündin hat, als ideale Lösung. So kann sie ihrem Bedürfnis nach Aktivität nachkommen, während die erste Hündin entspannt mitlaufen darf. Als Alternative zu klassischen Beschäftigungsspielen schlägt Conny gemeinsame körperliche Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren vor. Solche Erlebnisse stärken die Bindung, ohne vom Hund eine konstante geistige Mitarbeit zu fordern, und können für beide Seiten sehr erfüllend sein.
Vom Spiel zum Stress: Hohe Erregung beim Apportieren managen
Judith beschreibt ein Problem mit ihrem weißen Schäferhund Juki, der beim Apportieren extrem hochfährt. Er kaut exzessiv auf den Gegenständen, insbesondere auf Bällen, und ist in diesem Zustand kaum noch für Futterbelohnungen ansprechbar. Hier sehen beide Expertinnen dringenden Handlungsbedarf, denn unkontrollierte Erregung kann schnell in unerwünschtes Verhalten umschlagen.
Melles Rat ist pragmatisch: Der Ball als stärkster Auslöser muss erst einmal weg. Stattdessen sollte ein weniger aufregendes Spielzeug genutzt werden. Der wichtigste Schritt sei jedoch, die Dynamik aus dem Spiel zu nehmen. Anstatt den Gegenstand zu werfen, was die Erregung in die Höhe treibt, sollte er ruhig ausgelegt werden. Der Hund wird erst dann losgeschickt, wenn er sich beruhigt hat. Conny ergänzt, dass die Fähigkeit, Futter anzunehmen, der beste Indikator für den Stresslevel des Hundes ist. Wenn er kein Leckerli mehr nimmt, ist die Situation zu überfordernd. Die Lösung liegt darin, die Übung so weit zu vereinfachen - sei es durch die Wahl des Ortes, des Spielzeugs oder der Distanz -, bis der Hund wieder ansprechbar ist. Das Ziel ist nicht, die Freude am Spiel zu nehmen, sondern dem Hund beizubringen, seine Impulse besser zu kontrollieren, was sich auch positiv auf den Alltag auswirkt.
Praktische Schritte für den Alltag
Die Diskussionen in der Episode münden in konkrete, umsetzbare Ratschläge, die du in deinem eigenen Training anwenden kannst:
- Bei Trennungsstress: Nutze einen Umzug für einen kompletten Neustart. Etabliere vom ersten Tag an eine neue Routine, zum Beispiel mit einer positiv aufgebauten Box als sicherem Rückzugsort.
- Für Kontrollfreaks: Übe im Alltag, dass dein Hund dir nicht auf Schritt und Tritt folgt. Schicke ihn nicht auf einen festen Platz, sondern fordere einfach nur Abstand ein, damit er lernt, sich von sich aus zu entspannen.
- Bei unmotivierten Hunden: Akzeptiere den Charakter deines Hundes. Wenn die Grundkommandos sitzen, muss er nicht pausenlos bespaßt werden. Ein gemütlicher Spaziergang ist auch eine wertvolle gemeinsame Zeit.
- Gegen zu hohe Erregung: Tausche den Lieblingsball gegen ein langweiligeres Spielzeug. Wirf den Gegenstand nicht, sondern lege ihn aus und schicke den Hund erst los, wenn er ruhig ist.
- Futter als Anker: Stelle sicher, dass dein Hund auch in aufregenden Situationen Futter annehmen kann. Wenn nicht, vereinfache die Übung so lange, bis es wieder klappt. Das ist dein Indikator für den Stresslevel.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
Wir sprechen darüber, warum Alleinebleiben bei manchen Hunden zur echten Never-Ending-Story wird – und weshalb ein Umzug sogar die perfekte Chance für einen kompletten Trainings-Reset sein kann. Außerdem geht’s um Hunde mit Herdenschutzhund-Anteil und die Frage: Muss mein Hund auf jedem Spaziergang eigentlich „arbeiten“ wollen – oder darf er auch einfach mal keinen Bock haben?
Und weil Hundetraining eben nicht immer linear läuft, sprechen wir auch darüber, wie wichtig es ist, zwischendurch zurückzuschauen: Wo haben wir eigentlich angefangen – und was haben Mensch und Hund längst geschafft, das heute schon völlig selbstverständlich wirkt?
Eine Fragestunde über Geduld, individuelle Lösungen und die wichtige Erkenntnis, dass es im Hundetraining eben selten DEN einen richtigen Weg gibt. ❤️
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