Wenn 33 Huskys frei zusammenleben: Einblicke in eine andere Welt der Hundehaltung
Stell dir vor, du wachst morgens nicht vom Wecker auf, sondern vom Heulen eines Husky-Rudels, das sich auf den Tag vorbereitet. Für die meisten von uns ist der Gedanke, 33 lauffreudige Hunde zu managen, eine absolute Utopie. Doch genau das ist der Alltag für Familie Eigentler in der abgeschiedenen Wildnis Mittelschwedens. In der neuesten Folge des Podcasts HUNDESTUNDE nimmt uns Moderatorin Conny Sporrer mit auf eine Reise dorthin und spricht mit Martin und Hannah Eigentler über ihr außergewöhnliches Leben. Dieses Gespräch ist weit mehr als eine romantische Aussteigergeschichte; es ist eine tiefgehende Lektion über Rudeldynamik, artgerechte Haltung und eine Form der Kommunikation mit Hunden, die auf Vertrauen statt auf Kommandos basiert. Die zentrale Frage, die dabei im Raum steht: Was können wir als Halter von "normalen" Familienhunden von einem frei lebenden Husky-Rudel lernen?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Freie Rudelhaltung statt Zwinger: Im Gegensatz zu vielen kommerziellen Husky-Farmen leben die 33 Hunde bei den Eigentlers auf einem großen, eingezäunten Gelände frei zusammen. Dies ermöglicht natürliche soziale Strukturen, Freundschaften und auch Konfliktlösungen, die für das Wohlbefinden der Tiere entscheidend sind.
- Vertrauen als Währung: Martin und Hannah setzen auf eine tiefe Vertrauensbasis anstelle von ständiger Kontrolle oder Leckerlis. Ihre ruhige und geradlinige Art gibt den Hunden Sicherheit. Ein leises "ist gut" aus der Ferne reicht oft aus, um einen aufkeimenden Konflikt zu beenden.
- Den Rudelführer unterstützen, nicht untergraben: Der dominante Rüde Anouk ist der unangefochtene Chef des Rudels. Statt seine Autorität zu schwächen, unterstützen ihn die Menschen, um Stabilität in der Gruppe zu gewährleisten. Korrekturen erfolgen subtil und nie vor den Augen der anderen Hunde.
- Arbeit als Belohnung: Die Hunde werden nicht mit Futter für ihre Leistung belohnt. Das Laufen und Arbeiten im Team ist für sie selbstbelohnend und tief in ihrer Genetik verankert. Das Lob während der Fahrt dient der Bestätigung und stärkt die Bindung.
- Ein würdevolles Altern: Alte Hunde werden nicht aussortiert. Sie dürfen so lange mitlaufen, wie sie möchten und können - oft frei neben dem Gespann. Wenn sie sich im Rudel nicht mehr wohlfühlen, bekommen sie einen GPS-Tracker und dürfen sich frei auf dem Grundstück bewegen, um dem Stress der Gruppe zu entgehen.
Vom Aussteiger in den Alpen zum Husky-Paradies in Schweden
Die Geschichte von Martin Eigentler ist die eines Mannes, der sein Leben konsequent nach den Bedürfnissen seiner Hunde ausgerichtet hat. Einst Filialleiter bei Fressnapf, spürte er immer stärker den Drang, draußen zu sein und seine Zeit nicht in geschlossenen Räumen, sondern mit seinen Hunden zu verbringen. In Tirol baute er sich ein Leben mit Schlittenhundetouren auf, stieß aber bald an Grenzen: Der Klimawandel sorgte für immer kürzere Winter. Die Lösung war radikal, aber konsequent: die Auswanderung nach Mittelschweden, wo Platz, Natur und vor allem Schnee im Überfluss vorhanden sind. Seine Tochter Hannah, die mit den Hunden aufgewachsen ist, entschied sich nach ihrer Ausbildung ebenfalls für dieses Leben und ist heute eine tragende Säule des Betriebs. Ihre gemeinsame Philosophie ist es, den Hunden ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ihre Stärken entfalten können, anstatt ihre Schwächen zu managen.
Der Alltag im Rudel: Mehr als nur Schlittenfahren
Ein typischer Tag in Ängersjöberget beginnt früh, allerdings nicht bei den Hunden, sondern bei den Kühen, die gemolken werden wollen. Diese Nähe zur Natur und Selbstversorgung prägt das gesamte Erlebnis. Danach geht es zu den Hunden. Während Martin den Sohn zur Schule fährt, bereitet Hannah die Teams für die Ausfahrten vor. Die Hunde leben auf einem weitläufigen Areal und können selbst entscheiden, wo sie schlafen - auch bei minus 30 Grad. Martin erklärt, dass die trockene Kälte für die nordischen Rassen kein Problem darstellt. Dank ihres dichten Winterfells, einer guten Fettschicht und strohgedeckten Schlafplätzen bevorzugen die meisten Hunde das Leben im Freien. Nur nasskaltes Wetter mögen sie nicht. Dieses freie Zusammenleben ist das Herzstück ihrer Haltung und unterscheidet sie fundamental von vielen anderen Husky-Farmen, wo die Tiere in Zwingern gehalten werden. Für Martin ist das keine Option, denn ein Hund verbringt den Großteil des Tages nicht im Geschirr, sondern an seinem Lebensort - und dieser Ort soll so frei wie möglich sein.
Das Geheimnis der freien Rudelhaltung
Wie können 33 Hunde, darunter etwa 15 unkastrierte Rüden, friedlich zusammenleben? Für viele Halter von zwei unverträglichen Rüden klingt das wie eine Fantasie. Martin erklärt, dass das System nur funktioniert, weil immer jemand da ist und die soziale Struktur aktiv begleitet wird. Der Schlüssel liegt in der Anerkennung und Unterstützung des natürlichen Rudelführers, Anouk. Obwohl Anouk ein sehr dominanter und anfangs auch unsicherer Chef war, der viele Konflikte über Kraft löste, war es entscheidend, seine Position zu stärken. Ihn vor der Gruppe zu maßregeln, hätte seine Autorität untergraben und zu noch mehr Instabilität geführt. Dieses Prinzip ist eine faszinierende Lektion über Führung: Es geht nicht darum, selbst der Boss zu sein, sondern die innerartliche Hierarchie zu verstehen und zu unterstützen. Wenn neue Hunde ins Rudel integriert werden, wie der aus dem Tierschutz stammende Koda, geschieht dies mit großer Ruhe und Gelassenheit. Der Neuankömmling wird angeleint, um eine Flucht zu verhindern, und dann einfach in die Gruppe geführt. Die Menschen beobachten genau und greifen nur bei Bedarf deeskalierend ein. Die anfängliche Unsicherheit des neuen Hundes weicht schnell einer klaren Einordnung in die bestehende Struktur.
Flüstern statt Schreien: Die Kunst der leisen Führung
Was Conny und ihre Besucher immer wieder fasziniert, ist die Ruhe, mit der Martin und Hannah kommunizieren. Wo andere Hundebesitzer schreien, pfeifen oder mit Leckerlis wedeln, genügt hier oft ein leises Wort oder ein Klatschen in die Hände, um eine Rauferei zu beenden. Martin führt das auf die Geradlinigkeit und die mentale Stärke der Menschen zurück. Die Hunde spüren, wenn eine Anweisung ernst gemeint ist, und verlassen sich darauf, dass ihre Menschen die Situation im Griff haben. Lautes Eingreifen würde die Energie nur hochschaukeln und die Lage verschlimmern. Diese Philosophie setzt sich auch am Schlitten fort. Die Hunde kennen Kommandos wie links, rechts und stopp, aber keine klassischen Gehorsamsübungen wie Sitz oder Platz. Hannah erklärt, dass das Laufen für die Hunde selbstbelohnend ist. Ein leises, anerkennendes "Super" für einen einzelnen Hund im Gespann reicht aus, um ihn zu bestärken. Der Hund versteht, dass er gemeint ist, und fühlt sich in seiner Rolle im Team gesehen und wertgeschätzt. Für mich als Zuhörerin ist das einer der stärksten Denkanstöße: Wie oft versuchen wir, unsere Hunde mit Lärm zu übertölpeln, anstatt mit ruhiger Präsenz zu überzeugen?
Mehr als nur ein Job: Ethik und der Sinn des Lebens für einen Husky
Die Welt des Schlittenhundesports hat auch ihre Schattenseiten. Immer wieder gibt es Berichte über schlechte Haltungsbedingungen und Tiere, die als reines Sportgerät gesehen werden. Die Eigentlers bieten hier ein Gegenmodell. Ihr Angebot ist bewusst kein Luxusurlaub, sondern ein uriges Erlebnis. Gäste wohnen in gemütlichen Holzhäusern, teils ohne fließendes Wasser, und sind eingeladen, am Leben mit den Hunden teilzuhaben. Es geht nicht nur darum, eine Runde mit dem Schlitten zu drehen, sondern darum, die Hunde als Individuen kennenzulernen und ihre soziale Welt zu verstehen. Dieser respektvolle Umgang zeigt sich besonders im Umgang mit den Senioren. Anstatt sie auszusondern, wenn ihre Leistung nachlässt, dürfen sie so lange dabei sein, wie sie wollen. Sie laufen frei nebenher oder genießen ihren Ruhestand auf dem Hof. Für Martin ist das eine Frage des Respekts: Den Hunden ihren „Job“ wegzunehmen, würde ihnen auch ihren Platz im Rudel und ihren Lebenssinn rauben. Er betont, wie wichtig es ist, die ursprüngliche Bestimmung einer Rasse zu verstehen und zu versuchen, ihr im modernen Leben so gut wie möglich gerecht zu werden.
Was Du von den Huskys für Deinen Alltag lernen kannst
- Finde deine innere Ruhe: Deine eigene Gelassenheit ist das stärkste Werkzeug in der Kommunikation mit deinem Hund. Anstatt bei Konflikten oder Stress hektisch zu werden, versuche, ruhig zu bleiben. Dein Hund spürt deine Energie und wird sich eher an dir orientieren, wenn du Sicherheit ausstrahlst.
- Beobachte mehr, korrigiere weniger: Versuche, die Körpersprache und die sozialen Signale deines Hundes besser zu verstehen. Oft regeln Hunde untereinander Dinge auf eine Art und Weise, die wir nicht sofort verstehen. Greife nur ein, wenn es wirklich nötig ist, und dann so dezent wie möglich.
- Gib deinem Hund eine Aufgabe: Jeder Hund hat eine Stärke und eine ursprüngliche Bestimmung. Ob Apportieren, Fährtenarbeit oder einfach nur das gemeinsame Wandern - eine sinnvolle Beschäftigung, die den Talenten deines Hundes entspricht, stärkt sein Selbstvertrauen und eure Bindung viel mehr als stures Gehorsamstraining.
- Vertrauen ist die Basis für alles: Sei für deinen Hund verlässlich und fair. Ein Hund, der weiß, dass er sich auf dich verlassen kann, wird dir freiwillig folgen und kooperieren - ganz ohne den ständigen Einsatz von Leckerlis oder Druck.
- Respektiere das Alter: Ältere Hunde sind keine ausrangierten Maschinen. Passe die Aktivitäten an, aber nimm ihnen nicht ihre Routinen und ihren Platz in der Familie. Ein alter Hund hat es verdient, in Würde und mit Respekt behandelt zu werden.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
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Dieser Podcast wurde bearbeitet von:
Denise Berger https://www.movecut.at