Leinenführigkeit meistern - Eine klare Strategie für entspannte Spaziergänge mit deinem Hund
In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle geben die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak eine detaillierte Anleitung zur Leinenführigkeit. Sie stellen eine Strategie vor, die auf Klarheit, Ritualen und einer fairen Kommunikation zwischen Mensch und Hund basiert. Das Hauptziel ist es, die Orientierung des Hundes am Menschen zu fördern, um Spaziergänge für beide Seiten stressfreier und harmonischer zu gestalten. Die Episode richtet sich vor allem an Hundehalter:innen, die mit ständigem Ziehen an der Leine und einem unaufmerksamen Hund zu kämpfen haben, und bietet ihnen einen strukturierten Weg zu einer lockeren Leine und einer stärkeren Bindung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwei klare Phasen definieren: Der Spaziergang wird in eine „Konzentrationsphase“ (kurze Leine, Hund orientiert sich am Menschen) und eine „Freizeitphase“ (lange Leine, Hund darf schnüffeln und erkunden) unterteilt. Diese klare Trennung hilft dem Hund zu verstehen, was von ihm erwartet wird.
- Leinenführigkeit ist Kopfsache: Es geht nicht nur darum, dass der Hund körperlich neben dir läuft, sondern dass er auch gedanklich bei dir ist. Das Ziel ist eine freiwillige, geistige Orientierung am Menschen.
- Unterbrechung plus Angebot: Wenn der Hund unerwünschtes Verhalten wie Ziehen zeigt, wird dieses Verhalten kurz unterbrochen (z. B. durch einen sanften Leinenimpuls). Entscheidend ist jedoch das anschließende „Angebot“, also eine klare Anweisung für das richtige Verhalten, wie zum Beispiel ein Richtungswechsel.
- Rituale schaffen Klarheit: Feste Abläufe für den Beginn und das Ende der Konzentrationsphase (z. B. das bewusste Kürzen und Verlängern der Leine) helfen dem Hund, die Übung zu verstehen und sich darauf einzustellen.
- Regeln gelten auch für den Menschen: In der Konzentrationsphase solltest du auf Kommandos, ständiges Ansprechen oder Ansehen des Hundes verzichten. Deine Aufgabe ist es, souverän vorauszugehen und eine klare Richtung vorzugeben.
- In kleinen Schritten üben: Beginne das Training in einer ablenkungsarmen Umgebung (z. B. im Wohnzimmer) und nur für wenige Minuten (maximal 5 Minuten, 5 Meter). So kann sich das Verhalten festigen, bevor es in schwierigeren Situationen angewendet wird.
- Die Leine als Kommunikationsmittel: Die Leine ist mehr als ein Kontrollinstrument. Yvonne und Mustafa beschreiben sie als materielle Verbindung, die genutzt werden kann, um den Hund gedanklich zu sich zu holen, anstatt ihn nur körperlich zu dirigieren.
Das Kernproblem: Fehlende Klarheit auf Spaziergängen
Mustafa stellt zu Beginn fest, dass viele Spaziergänge stressig sind, weil der Hund oft nicht weiß, was von ihm erwartet wird. Es gibt keine klare Unterscheidung zwischen Phasen der Konzentration und Phasen der freien Bewegung. Oft gehen Halter:innen einfach los, und der Hund ist unsicher: „Darf ich jetzt schnüffeln oder muss ich aufpassen? Wer führt hier eigentlich?“ Diese Unklarheit führt dazu, dass der Hund eigene Entscheidungen trifft, was sich häufig im Ziehen an der Leine äußert. Yvonne ergänzt, dass die Leine oft als reines Management-Werkzeug missbraucht wird, um den Hund zu dirigieren, anstatt eine echte, gedankliche Verbindung herzustellen.
Die Zwei-Phasen-Strategie: Konzentration vs. Freizeit
Die zentrale Strategie der Episode ist die bewusste Aufteilung des Spaziergangs in zwei Modi, die für den Hund klar erkennbar sind:
- Die Konzentrationsphase: In dieser Phase ist die Leine kurz eingestellt (ca. 1 Meter bei einer 2-Meter-Leine). Der Hund soll sich voll auf den Menschen konzentrieren. Mustafa erklärt, dass hier Regeln gelten: kein Schnüffeln, kein Markieren und kein Ziehen. Der Hund soll gedanklich bei seinem Menschen sein und aufmerksam folgen.
- Die Freizeitphase: Hier wird die Leine auf ihre volle Länge eingestellt (z. B. 2 Meter). Der Hund erhält das Signal, dass er nun „Freizeit“ hat. In dieser Phase darf er schnüffeln, seine Umgebung erkunden und markieren - er darf einfach Hund sein.
Yvonne betont, dass der Wechsel zwischen den Phasen durch das physische Umstellen der Leine für den Hund schnell zu einem verständlichen Ritual wird. Dies schaffe eine faire und transparente Kommunikation.
Regeln für ein erfolgreiches Training - für Hund und Mensch
Damit die Konzentrationsphase funktioniert, müssen sich beide Seiten an klare Regeln halten. Yvonne führt aus, dass dies nicht nur für den Hund, sondern insbesondere auch für den Menschen gilt.
Regeln für den Hund (in der Konzentrationsphase):
- Nicht an der Leine ziehen.
- Nicht schnüffeln oder markieren.
- Gedanklich aufmerksam und am Menschen orientiert sein.
Regeln für den Menschen (in der Konzentrationsphase):
- Nicht sprechen: Vermeide Kommandos wie „Hier“ oder ständiges Rufen des Namens. Verbale Verstärkung (z. B. ein ruhiges „Prima“) ist erlaubt, aber kein Dauerreden.
- Nicht anfassen: Ständiges Tätscheln oder Streicheln lenkt den Hund ab. Körperkontakt soll gezielt und bewusst eingesetzt werden.
- Nicht anschauen: Der schwierigste Punkt für viele Halter:innen. Wer führt, schaut nach vorne und nicht permanent auf den Hund. Ständiges Ansehen kann den Hund verunsichern und körpersprachlich wegdrücken.
Diese Regeln helfen, eine ruhige und fokussierte Atmosphäre zu schaffen, in der der Mensch souverän führt und der Hund vertrauensvoll folgen kann.
Der richtige Umgang mit Fehlverhalten: Unterbrechung und Angebot
Was tun, wenn der Hund in der Konzentrationsphase doch zieht oder sich ablenken lässt? Mustafa erklärt den entscheidenden Mechanismus: eine Kombination aus Unterbrechung und einem neuen Angebot. Zieht der Hund, wird dieses Verhalten unterbrochen - nicht durch hartes Reißen, sondern durch einen Impuls (z. B. ein kurzes Zupfen an der Leine, ein Aufstampfen oder ein körpersprachliches Blocken). Yvonne stellt klar, dass diese Unterbrechung nur dazu dient, die Aufmerksamkeit des Hundes zurückzuholen („Hallo, pass auf!“).
Der wichtigste Schritt folgt direkt danach: das Angebot eines Alternativverhaltens. Anstatt einfach weiterzugehen, lädt der Mensch den Hund zu einem Richtungswechsel ein. Dies geschieht körpersprachlich und ohne Ziehen. Indem man wartet, bis der Hund die Einladung annimmt und freiwillig mitkommt, lernt er, sich am Menschen zu orientieren, anstatt nur körperlich mitgezogen zu werden. Dieser Prozess stärkt die Beziehung und zeigt dem Hund auf faire Weise, was das erwünschte Verhalten ist.
Häufige Fehler bei der Leinenführigkeit und wie du sie vermeidest
Die Hosts identifizieren mehrere typische Fehler, die ein erfolgreiches Training verhindern:
- Dauerhafte Leinenspannung: Viele Menschen halten die Leine permanent straff und erzeugen so ein „Tauziehen“, das den Hund erst recht zum Gegenhalten animiert.
- Inkonsistenz: Das Ziehen wird mal geduldet und mal korrigiert. Für den Hund entsteht dadurch keine klare Regel.
- Fehlendes Alternativverhalten: Der Hund wird für das Ziehen korrigiert, ihm wird aber nicht gezeigt, was er stattdessen tun soll. Er lernt nicht, wie das richtige Verhalten aussieht.
- Zu viel verbale Kommunikation: Ständiges Reden, Locken oder Kommandieren führt dazu, dass der Hund „abschaltet“ und die Signale ignoriert.
Indem du diese Fehler vermeidest und stattdessen auf Klarheit und Konsequenz setzt, schaffst du die Grundlage für eine entspannte Leinenführigkeit.
Praktische Schritte: Ein detaillierter Übungsaufbau
Yvonne erklärt Schritt für Schritt, wie du die Leinenführigkeit mit klaren Ritualen aufbauen kannst:
- Startritual (Beginn der Konzentration):
- Beginne in der Freizeitphase (lange Leine). Bleibe stehen.
- „Angle“ den Hund sanft über die Leine zu dir heran, ohne ein Kommando zu geben.
- Bringe den Hund neben dir ins Sitz, idealerweise durch Körpersprache, nicht durch ein Kommando. Sorge für leichten Körperkontakt.
- Stelle die Leine nun physisch auf die kurze Länge ein.
- Warte einen Moment, bis du die volle Aufmerksamkeit des Hundes hast, bevor du losgehst.
- Die Übungsphase (max. 5 Minuten):
- Gehe den ersten Schritt langsam und bewusst. Sei bereit, sofort zu reagieren, wenn der Hund die Konzentration verliert.
- Unterbrich unerwünschtes Verhalten (Ziehen, Schnüffeln) sofort mit einem sanften Impuls.
- Biete direkt ein Alternativverhalten an, meist in Form eines Richtungswechsels. Gehe z. B. ein, zwei Schritte rückwärts, um den Hund wieder zu dir zu holen, und dann in eine neue Richtung.
- Arbeite mit Variationen: Wechsle das Tempo, bleibe abrupt stehen oder baue kleine Kurven ein, um die Aufmerksamkeit des Hundes zu fordern.
- Endritual (Ende der Konzentration):
- Beende die Übung, solange es gut läuft. Bleibe stehen.
- Bringe den Hund wieder neben dich ins Sitz.
- Stelle die Leine auf die lange Länge (Freizeitphase) um.
- Lobe den Hund ruhig und gib ihm mit einem Auflösewort das Signal, dass er nun wieder frei erkunden darf.
Themen und Herausforderungen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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Shownotes
In dieser Episode dreht sich alles um die Leinenführigkeit – aber nicht so, wie du sie vielleicht kennst! Yvonne und Mustafa zeigen dir, wie du mit klaren Ritualen, strukturierter Kommunikation und der richtigen Mischung aus Konzentration und Freizeit zu entspannten Spaziergängen findest.
💡 Das erwartet dich:
- Warum dein Hund nicht „einfach locker laufen“ kann – und was er stattdessen braucht
- Die Bedeutung von Konzentrations- vs. Freizeitphasen
- Alternativverhalten clever einsetzen statt ständig zu korrigieren
- Die häufigsten Fehler im Leinenführigkeitstraining – und wie du sie vermeidest
- Wie du über klare Kommunikation und Struktur zur echten Verbindung findest
📌 Diese Folge ist ein Muss für alle Hundebesitzer\:innen, die sich entspanntere Spaziergänge und mehr Verständnis im Alltag wünschen.
🎧 Jetzt reinhören & die Leine neu denken!
- Yvonne Nawrat: www.hundetraining-paradogs.de | Instagram
- Mustafa Irmak: www.positive-dog.de | Instagram
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