Warum dein Hund dich nicht versteht – und wie eure Kommunikation endlich besser wird

148 - Hallo, ich rede mit dir! – Was dein HUND dir sagen will! (Interview mit Katrin Scholz)

148 - Hallo, ich rede mit dir! – Was dein HUND dir sagen will! (Interview mit Katrin Scholz)

14. Juni 2026 · Hundsfaelle - der Hundepodcast für Ersthundebesitzer bis Profis

Hast du dir das auch schon mal gedacht? Dass du redest, Kommandos gibst, lockst oder schimpfst, und dein Hund dich nur mit einem leeren Blick ansieht? In der neuesten Folge ihres Podcasts Hundsf(a)elle gehen die Moderatoren Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak genau diesem Gefühl auf den Grund. Zu Gast ist Katrin Scholz, eine Kynosoziologin und Hundeforscherin, die mit über 30 Hunden zusammenlebt und ihre Beobachtungen in ihrem neuen Buch „Hallo, ich rede mit dir“ festgehalten hat. Diese Episode ist mehr als nur ein Interview; sie ist eine tiefgehende Analyse der alltäglichen Missverständnisse zwischen Mensch und Hund. Es geht um die zentrale Frage: Wie können wir aufhören, aneinander vorbeizureden, und stattdessen eine echte, auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehung aufbauen? Für jeden, der sich eine tiefere Verbindung zu seinem Hund wünscht, ist dieses Gespräch ein Augenöffner.

Das Wichtigste auf einen Blick

Bevor wir in die Tiefe gehen, hier die zentralen Erkenntnisse aus dem Gespräch mit Katrin, die dir eine völlig neue Perspektive auf die Beziehung zu deinem Hund geben können:

  • Hunde führen echte Gespräche: Deine Fellnase kommuniziert weit mehr als nur Grundbedürfnisse. Katrin Scholz macht deutlich, dass Hunde permanent mit uns sprechen - über Körpersprache, Blicke und subtile Gesten. Es liegt an uns, diese Sprache zu lernen und ernst zu nehmen.
  • Der Mittelweg ist entscheidend: Die Hundewelt ist oft polarisiert zwischen rein positiver Verstärkung und aversiven Methoden. Katrin plädiert für einen soziologischen Ansatz, der auf Beziehungsarbeit und gegenseitigem Verständnis beruht, anstatt den Hund entweder nur mit Leckerlis zu "bezahlen" oder zu unterdrücken.
  • Von Dominanz zu Führung: Das Wort Dominanz ist negativ belegt und wird oft falsch verstanden. Katrin übersetzt es treffend in Führungsgesten. Dabei geht es nicht um Unterwerfung, sondern darum, dem Hund zu zeigen, dass du eine kompetente und vertrauenswürdige Bezugsperson bist, die in schwierigen Situationen die Verantwortung übernimmt.
  • Hör auf, deine Bedürfnisse zu projizieren: Ein Kernproblem unserer Zeit ist, dass wir unsere menschlichen Wünsche - wie ständige Harmonie und Konfliktvermeidung - auf unsere Hunde übertragen. Das, so Katrin, raubt ihnen ihre Individualität und ignoriert ihre tatsächliche Natur und ihre Bedürfnisse.
  • Eine gesunde Streitkultur stärkt die Bindung: Die Angst, den Hund durch eine klare Grenze zu verletzen, ist weit verbreitet. Doch wie in jeder guten Beziehung schafft Reibung auch Wärme. Faire und klare Auseinandersetzungen festigen den Respekt und die Bindung, anstatt sie zu zerstören.

Katrin Scholz und ihr "Herzensprojekt": Ein Plädoyer für echtes Verstehen

Wenn Katrin Scholz über Hunde spricht, spürt man sofort, dass hier jemand aus einem tiefen Erfahrungsschatz schöpft. Sie lebt nicht nur für Hunde, sondern buchstäblich mit ihnen - in einem Rudel von über 30 Tieren verschiedenster Rassen, vom Chihuahua bis zum Herdenschutzhund. Diese Gemeinschaft ist ihr tägliches Forschungsfeld. Hier, so erzählt sie Yvonne und Mustafa, lernt sie am meisten über die feinen Nuancen der hündischen Kommunikation. Ihr Buch "Hallo, ich rede mit dir" entstand aus einem Gefühl der Dringlichkeit. Sie beobachtete immer wieder, wie viele Hunde lost sind, weil ihre Menschen sie schlichtweg nicht verstehen. Die häufigsten Fehlinterpretationen, erklärt sie, entstehen rund um den Begriff der Dominanz. Viele assoziieren damit Härte und Unterdrückung. Deshalb hat sie sich bewusst dafür entschieden, in ihrem Buch von Führungsgesten zu sprechen. Es geht darum, dem Hund Sicherheit zu geben, indem man ihm zeigt: "Ich sehe die Situation, ich kann das klären, du kannst dich entspannen." Dieser Perspektivwechsel ist fundamental, denn er verlagert den Fokus von Macht auf Kompetenz und Vertrauen.

Die Illusion der Harmonie: Wenn unsere Liebe dem Hund schadet

Einer der spannendsten Punkte des Gesprächs ist Katrins Analyse, wie sehr wir unsere Hunde vermenschlichen - aber auf die falsche Art. Wir projizieren unsere eigenen Bedürfnisse auf sie. Da wir als moderne Menschen gelernt haben, Konflikte verbal zu lösen und möglichst zu vermeiden, übertragen wir dieses Harmoniebedürfnis auf unsere Hunde. Das Ergebnis? Wir haben Angst, klare Grenzen zu setzen, weil wir fürchten, unser Hund könnte uns dann nicht mehr lieb haben. Katrin beschreibt dieses Verhalten als das Buhlen um Aufmerksamkeit, ähnlich wie ein Welpe es bei einem erwachsenen Hund tut. Wir machen uns klein, locken mit Leckerlis und hoffen, uns die Zuneigung unseres Hundes zu „verdienen“. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Man sieht es überall: Menschen, die ihren Hunden aus dem Weg gehen, um deren Kreise nicht zu stören, oder die jede unangenehme Situation mit einem Keks zu überdecken versuchen. Katrin bringt es auf den Punkt: Hunde finden Menschen nicht cool, die sich zum Affen machen. Sie suchen nach souveränen Partnern, die in sich ruhen und auf die man sich verlassen kann. Indem wir unsere Hunde in Watte packen und ihnen jede Entscheidung abnehmen wollen, behandeln wir sie nicht wie gleichwertige Partner, sondern entmündigen sie. Wir nehmen ihnen die Möglichkeit, sich an uns zu orientieren und dadurch Sicherheit zu finden.

Mehr als Worte: Die Macht der unbewussten Körpersprache

Die Kommunikation mit Hunden findet zu einem Großteil nonverbal statt. Das wissen die meisten, doch was wir dabei oft unterschätzen, ist die Wirkung unserer eigenen, oft unbewussten Körpersprache. Katrin nennt ein klassisches Beispiel aus dem Hundetraining: Der Ratschlag "Mach dich groß". Was souverän wirken soll, wird vom Hund oft als Imponierverhalten gelesen - also als eine leere Drohgebärde oder eine Aufforderung zum Kräftemessen. Ein weiteres Beispiel ist ein angespannter, zielstrebiger Gang, der beim Hund als Anspannung und Nervosität ankommt. Unsere innere Haltung, unsere Emotionen, unsere Körperspannung - all das senden wir permanent an unseren Hund. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und gelernt, uns zu lesen. Wir hingegen, so Katrin, haben unsere oft nicht gemacht. Wir konzentrieren uns darauf, die Körpersprache von Hund zu Hund zu deuten, aber übersehen, was unser eigener Hund uns jeden Tag über uns selbst erzählt. Besonders eindrücklich ist ihre Feststellung, dass Hunde ihre Körpersprache bewusst einsetzen. Ein Schnappen in die Wade des Halters während einer Hundebegegnung ist keine Übersprungshandlung, sondern eine klare, wenn auch unerwünschte, Botschaft. Es ist der Versuch, den aus Hundesicht inkompetenten Menschen aus der Situation zu entfernen. Diese Erkenntnis ist unbequem, aber entscheidend, um die Verantwortung für die eigene Rolle in der Kommunikation zu übernehmen.

Streit, Nähe und Respekt: Die Bausteine einer echten Beziehung

Wie entsteht eine wirklich tiefe Bindung? Katrin argumentiert, dass sie auf mehr als nur positiven Momenten fußt. Sie zitiert den Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der sagte, dass echte Freundschaft nur bei Lebewesen mit einem gut ausgeprägten Aggressionspotenzial möglich ist. Das klingt zunächst paradox, meint aber die Fähigkeit, Konflikte austragen und Grenzen setzen zu können. „Reibung schafft Wärme“, fasst Yvonne diesen Gedanken treffend zusammen. Eine gesunde Streitkultur, in der fair und klar kommuniziert wird, stärkt den gegenseitigen Respekt. Ein weiterer zentraler Baustein ist körperliche Nähe - und zwar nicht nur Kuscheln. Katrin kritisiert die in manchen Kreisen verbreitete „Abstandsarbeit“, bei der man den Hund kaum noch anfasst. Sie betont, wie wichtig es ist, einen Hund auch mal festzuhalten, ihn zu rahmen oder körperlich zu leiten. Das schafft nicht nur Klarheit, sondern auch eine tiefe, nonverbale Verbindung. Ein Lebewesen, das man nie anfasst, erklärt sie, ist entweder eines, vor dem man sich ekelt, oder eines, vor dem man Angst hat. Beides ist keine Grundlage für eine Partnerschaft. Letztlich geht es darum, eine echte Beziehung zu führen, die einer Familie ähnelt - mit all ihren Höhen, Tiefen und klaren Regeln -, anstatt ein reines Arbeitsverhältnis zu pflegen, in dem der Hund nur für eine Belohnung kooperiert.

Praktische Schritte für eine bessere Kommunikation

Was kannst du also konkret tun, um die Kommunikation mit deinem Hund zu verbessern? Basierend auf dem Gespräch lassen sich einige klare Schritte ableiten:

  1. Beginne bei dir selbst: Der erste und wichtigste Schritt ist, auf dich selbst zu achten. Sei dir deiner eigenen Bedürfnisse und Grenzen bewusst. Gehe deinen Weg, auch wenn der Hund gerade schnüffelt. Ein Hund kann sich nur an einem Menschen orientieren, der selbst orientiert ist. Souveränität - oder wie Katrin es nennt, "cool sein" - ist die Basis für Vertrauen.
  2. Trau dich, Grenzen zu setzen: Hab keine Angst vor Konflikten. Ein klares „Nein“ oder eine körperliche Begrenzung, wenn der Hund übergriffig wird, schadet der Beziehung nicht - im Gegenteil. Das Beispiel des Chihuahuas, dem die Halterin durch Festhalten und Einrahmen mehr Sicherheit gab als durch jahrelanges Training, zeigt die Kraft klarer Strukturen.
  3. Integriere deinen Hund in dein Leben: Dein Hund ist ein Begleiter, kein Tamagotchi mit festem Tagesablauf. Nimm ihn mit, auch wenn es mal „langweilig“ oder „stressig“ ist. Ein unvorhersehbarer Alltag fördert die Fähigkeit deines Hundes, mit neuen Situationen umzugehen, und stärkt euer Band. Er will bei dir sein - das ist oft Belohnung genug.
  4. Nutze Berührung als Werkzeug: Fasse deinen Hund an. Nicht nur zum Streicheln, sondern auch zur Führung und zur Beruhigung. Eine Hand auf der Schulter, ein Festhalten am Halsband oder ein sanfter Stupser sind wertvolle Kommunikationsmittel, die oft mehr bewirken als tausend Worte.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir mit der Hundeforscherin und Autorin Katrin Scholz über ihr neues Buch „Hallo, ich rede mit dir!“. Gemeinsam tauchen wir in die Welt der Mensch-Hund-Kommunikation ein und sprechen über Missverständnisse, Führung, Beziehung und die Frage, warum Hunde oft viel mehr mit uns kommunizieren, als wir wahrnehmen.

 

In dieser Folge erfährst du:

• Warum Hunde ständig mit uns kommunizieren
• Weshalb viele Missverständnisse zwischen Mensch und HUND entstehen
• Was Katrin mit „Führungsgesten“ meint
• Warum Beziehung mehr ist als Leckerli und Kommandos
• Weshalb Hunde klare, souveräne Menschen schätzen
• Warum Individualität auch beim HUND eine große Rolle spielt
• Was wir von der Kommunikation unter Hunden lernen können

 

Die wichtigste Erkenntnis:

Hunde sprechen ständig mit uns.
Die eigentliche Frage ist: Hören wir wirklich zu?

 

📚 Mehr zu Katrin Scholz:

Katrin Scholz ist Gründerin des K.S.I. Hunde- und Trainingszentrums in Grünberg und lebt mit über 30 Hunden zusammen. Durch die intensive Beobachtung ihrer Hunde entwickelte sie ihr eigenes Konzept zur Mensch-Hund-Kommunikation und teilt ihre Erfahrungen in Seminaren, Ausbildungen und ihrem neuen Buch.

👉 Website: Katrin Scholz – Hundeforscherin

👉 Buch: Hallo, ich rede mit dir! (Kosmos Verlag)

 

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