Große Haufen, weicher Kot, Blähungen: So erkennst du, ob dein Hundefutter gut verdaulich ist

Folge 32 – Verdaulichkeit verstehen - Futter für Hunde und Katzen auf dem Prüfstand

Folge 32 – Verdaulichkeit verstehen - Futter für Hunde und Katzen auf dem Prüfstand

17. Juli 2026 · Der Tierarzt-Podcast zur Ernährung von Hunden und Katzen - napfcheck

Jeder Hundebesitzer kennt das Dilemma: Du investierst in ein Futter, das als hochwertig beworben wird, doch die Menge, die dein Hund täglich ausscheidet, scheint riesig. Sofort nagt der Zweifel: Ist das Futter vielleicht doch nur voll mit billigen Füllstoffen? Oder was, wenn der Kot plötzlich weich wird, sobald du ein neues Leckerli ausprobierst? Die Verdauung unserer Vierbeiner ist oft ein Buch mit sieben Siegeln und der Kot das einzige, aber oft missverstandene Kapitel, das wir täglich lesen können.

In einer aufschlussreichen Episode des Podcasts napfcheck nehmen sich die Fachtierärztin für Tierernährung, Dr. Julia Fritz, und die Fachjournalistin Manuela Bauer genau dieses Themas an. Sie entschlüsseln, was der Begriff Verdaulichkeit wirklich bedeutet und wie du die Futterqualität jenseits von Marketingversprechen beurteilen kannst. Diese Zusammenfassung bereitet die Kerngedanken der Episode praxisnah auf, sodass du die Zusammenhänge verstehst und die Verdauung deines Tieres gezielt unterstützen kannst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Verdaulichkeit ist messbar: Der Begriff beschreibt, wie viel Prozent eines Nährstoffs im Dünndarm aufgenommen wird. Ein Futter mit 90 % Verdaulichkeit bedeutet, dass 10 % unverdaut ausgeschieden werden. Ein kleiner Unterschied von nur 10 % (also z.B. 80 % statt 90 %) kann die Kotmenge bereits verdoppeln.
  • Große Haufen sind nicht immer ein schlechtes Zeichen: Ein Futter, das reich an gesunden Ballaststoffen wie Gemüse oder Flohsamenschalen ist, führt naturgemäß zu mehr Kotvolumen. Das ist für die Darmgesundheit sogar förderlich. Kritisch wird es erst, wenn ein ballaststoffarmes Futter zu großen Mengen führt.
  • Fleisch ist nicht gleich Fleisch: Die Proteinqualität ist entscheidend. Reines Muskelfleisch ist hochverdaulich. Bindegewebsreiche Kauartikel wie Rinderkopfhaut, Pansen oder Sehnen sind es nicht. Sie können bei empfindlichen Hunden zu weichem Kot und Blähungen führen.
  • Kohlenhydrate müssen für Hunde aufgeschlossen sein: Anders als wir Menschen kauen Hunde ihr Futter kaum. Stärke aus Kartoffeln, Reis oder Getreide muss daher immer sehr weich gekocht - fast schon matschig - sein, damit die Enzyme im Darm sie spalten können. Rohe oder nur bissfest gegarte Stücke kommen oft unverdaut wieder zum Vorschein.
  • Die Zubereitung macht den Unterschied: Eine selbstgekochte Ration hat meist eine höhere Verdaulichkeit (oft über 95 %) als Fertigfutter (ca. 85-90 %), da die Zutaten frisch und schonend verarbeitet werden. Das erklärt, warum bei einer Umstellung auf Selbstgekochtes die Kotmenge oft drastisch sinkt.
  • Jedes Tier ist ein Individuum: Was der eine Hund problemlos verträgt, kann beim anderen zu Verdauungsstörungen führen. Zwei Geschwisterhunde können auf dasselbe Futter oder dieselben Leckerlis völlig unterschiedlich reagieren, wie Julia aus ihrer Praxis berichtet.

Was Verdaulichkeit wirklich bedeutet - Ein Blick in den Darm

Zu Beginn der Episode stellt Manuela eine Frage, die viele Tierbesitzer umtreibt: Was genau ist Verdaulichkeit? Dr. Julia Fritz erklärt, dass es hier um eine klare wissenschaftliche Definition geht. Entscheidend ist, was im Dünndarm passiert. Hier werden die Nährstoffe - Proteine, Fette und aufgeschlossene Kohlenhydrate - zerlegt und vom Körper aufgenommen. Alles, was diesen Prozess unverdaut passiert, landet im Dickdarm. Dort findet keine nennenswerte Nährstoffaufnahme mehr statt. Stattdessen wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen und die ansässigen Darmbakterien fermentieren die Reste. Dieser Gärungsprozess, so Julia, ist auch die Ursache für Blähungen. Ein Futter gilt in der Tierernährung dann als hochverdaulich, wenn es im Dünndarm maximal verwertet wird und nur wenig im Dickdarm ankommt. Das Ergebnis: eine kleine, feste Kotmenge.

Die Krux mit den Proteinen: Warum viel Fleisch nicht immer besser ist

Ein hoher Fleischanteil wird oft mit hoher Qualität gleichgesetzt. Julia relativiert diese Annahme jedoch. Entscheidend sei nicht die Menge, sondern die Art des Fleisches. Hochwertiges Muskelfleisch ist für Hunde und Katzen exzellent verdaulich. In vielen Futtermitteln und vor allem in Kauartikeln werden jedoch bindegewebsreiche Teile wie Haut, Sehnen, Pansen oder Ohren verarbeitet. Dieses Bindegewebseiweiß ist deutlich schlechter verdaulich. Es gelangt zu großen Teilen in den Dickdarm, wo es von Bakterien zersetzt wird - was oft zu übel riechendem, weichem Kot und Blähungen führen kann.

Ein Fallbeispiel aus Julias Praxis macht das besonders deutlich: Ein Labrador-Geschwisterpaar bekam exakt dasselbe Futter, doch nur einer der beiden litt ständig unter weichem Kot. Des Rätsels Lösung waren die täglichen Kauartikel. Nachdem diese weggelassen wurden, normalisierte sich die Verdauung schlagartig. Der andere Hund hatte damit keinerlei Probleme. Das zeigt eindrücklich, wie individuell die Toleranzgrenze sein kann. Wenn dein Hund also immer wieder unter weichem Kot leidet, lohnt sich ein kritischer Blick auf die Leckerlis - oft sind sie der heimliche Übeltäter.

Kohlenhydrate und die richtige Zubereitung

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Verdaulichkeit ist die Zubereitung, insbesondere bei Kohlenhydraten. Julia betont, dass Hunde ihre Nahrung kaum kauen. Stärkekörner aus Kartoffeln, Reis oder Getreide müssen daher durch Hitze "aufgeschlossen" werden, damit die Verdauungsenzyme angreifen können. Bei Trockenfutter geschieht dies durch den Herstellungsprozess des Extrudierens. Beim Selbstkochen ist es entscheidend, die Kohlenhydratquellen deutlich länger und weicher zu garen als für den menschlichen Verzehr. "Nichts al dente", rät Julia, sondern lieber zehn Minuten länger kochen, bis alles matschig ist.

Auch die Zerkleinerung spielt eine Rolle. Ganze Karotten- oder Kartoffelstücke finden sich oft unverdaut im Kot wieder. Püriertes oder fein geraspeltes Gemüse hingegen kann deutlich besser verwertet werden. Eine Hörerin berichtet, dass das Futter aus dem Dampfgarer besser vertragen wird als jenes aus dem Topf. Julia vermutet, dass dies weniger an der Garmethode selbst liegt, sondern eher an Unterschieden in der Zerkleinerung oder den exakten Mengen bei der Zubereitung. Dies unterstreicht, wie sehr es auf die Details ankommt.

Individuelle Empfindlichkeiten: Wenn der Darm rebelliert

Die Episode ist durchzogen von Beispielen, die zeigen, wie unterschiedlich Tiere auf Futter reagieren. Eine Hörerin schildert, wie ihre Katze auf hochwertiges Nassfutter mit weichem, stinkendem Kot reagiert, mit Rohfütterung (BARF) aber bestens zurechtkommt. Julia erklärt, dass dies wahrscheinlich an den im Nassfutter enthaltenen, schlechter verdaulichen Proteinquellen oder dem Mangel an Ballaststoffen liegt. Eine andere Hörerin musste für ihre Hündin eine passende Kohlenhydratquelle finden, da diese auf Kartoffeln allergisch reagierte und Reis oder Haferflocken zu weichem Kot bzw. Verstopfung führten. Solche Fälle zeigen, dass es nicht das eine perfekte Futter für alle gibt. Manchmal ist Geduld und ein systematisches Ausprobieren gefragt, um die individuell passende Ration zu finden.

Praktische Schritte zur Optimierung der Verdauung

Aus den vielen Hörerfragen und Expertenantworten lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die du sofort umsetzen kannst.

  1. Führe ein Futter-Tagebuch: Wenn dein Hund Verdauungsprobleme hat, notiere über ein bis zwei Wochen genau, was er frisst - inklusive jedes Leckerlis und Kauartikels. Notiere auch die Kotkonsistenz und -frequenz. Oft offenbaren sich so Zusammenhänge, die du vorher übersehen hast.
  2. Führe ein Hundekot-Tagebuch: Im stressigen Alltag vergisst man schnell mal, wie der Kot zuletzt beschaffen war. Um beim Durchfall meiner Hündin besseren Überblick zu haben, habe ich ein digitales Hundekot-Tagebuch gebaut, das jeder kostenlos benutzen kann (funktioniert auch für Katzen und auch für mehrere Tiere).  
  3. Optimiere die Zubereitung: Wenn du selbst kochst, achte darauf, stärkehaltige Komponenten wie Kartoffeln, Süßkartoffeln oder Reis extrem weich zu kochen. Ein Kartoffelstampfer oder Pürierstab ist dein bester Freund. Gemüse sollte ebenfalls gekocht und püriert werden, um die Verwertung zu maximieren.
  4. Setze Ballaststoffe gezielt ein: Bei zu weichem Kot kann die gezielte Gabe von Ballaststoffen Wunder wirken. Dr. Fritz empfiehlt insbesondere reine Futterzellulose. Sie bindet Wasser im Darm, hat keinen Nährwert und ist hypoallergen. Beginne mit einer kleinen Menge (z. B. eine Messerspitze pro Mahlzeit für einen kleinen Hund) und steigere die Dosis langsam, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Auch Flohsamenschalen sind eine gute Option.
  5. Überprüfe die Leckerlis: Reduziere oder streiche für eine Testphase von zwei Wochen alle bindegewebsreichen Kauartikel (z. B. getrocknete Ohren, Kopfhaut, Pansen). Oft löst sich das Problem von weichem Kot und Blähungen dadurch von selbst.
  6. Gib dem Darm Zeit: Eine Futterumstellung braucht Zeit. Der Darm und seine Enzyme müssen sich an die neue Zusammensetzung anpassen. Gib einem neuen Futter mindestens zwei bis vier Wochen Zeit, bevor du ein Urteil fällst, solange dein Tier keine akuten schweren Symptome zeigt. Ständiges Wechseln stresst das System nur unnötig.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Von der Rohstoffauswahl bis zum Kotabsatz – worauf es wirklich ankommt.

  • Was versteht man unter der Verdaulichkeit eines Futters?
  • Welche Schutzfunktion hat der Verdauungstrakt für den Körper?
  • Ist eine große oder kleine Kotmenge ein Hinweis auf die Verdaulichkeit eines Futters?
  • Beeinflussen Kauartikel die Verdaulichkeit der gesamten Ration?
  • Was bedeutet hochverdaulich?
  • Was ist besser verdaulich: Muskelfleisch, Innereien oder Bindegewebe?
  • Ist häufiger Kotabsatz ein Grund zur Sorge oder kann das noch normal sein?
  • Ist Nassfutter grundsätzlich besser verdaulich als Trockenfutter?
  • Wie wird die Verdaulichkeit von Fertigfutter wissenschaftlich bestimmt?
  • Verbessert das Dampfgaren die Verdaulichkeit von Futtermitteln?
  • Wenn Katzen Nassfutter nicht vertragen.
  • Wie gut können Hunde und Katzen Kohlenhydrate überhaupt verdauen?
  • Warum sollten Reis, Nudeln oder Kartoffeln für Hunde besonders weich gekocht werden?
  • Wie sollte das Verhältnis von Fleisch zu Kohlenhydraten in einer Ration aussehen?
  • Welche Ballaststoffe eignen sich, um die Kotkonsistenz zu verbessern oder den Kot zu festigen?
  • Nach welchem Zeitraum lässt sich beurteilen, ob ein neues Futter gut vertragen wird?
  • Warum sollte eine Eliminationsdiät konsequent über 8 bis 12 Wochen durchgeführt werden?
  • Welche Rolle spielt die Verdaulichkeit bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und anderen Krankheiten?
  • Machen Öle den Kot tatsächlich weicher oder ist das ein Irrglaube?
  • Welchen Einfluss können Medikamente auf die Verdaulichkeit und die Darmgesundheit haben?
  • Können hohe Sommertemperaturen oder Hitze Durchfall begünstigen?
  • Warum lässt sich die Verdaulichkeit eines Futters nicht anhand des Etiketts erkennen?

Hier findet ihr Infos zu verschiedenen Futtermitteln sowie zu Ballastoffen und Präbiotika.

Übersicht über das napfcheck Faser-Sortiment und ein paar Produktempfehlungen:

  • VetBiom - spezieller Fasermix für eine geregelte Verdauung und gute Kotkonsistenz.
  • Futterzellulose als einfache, hypoallergene Ballaststoffergänzung für faserarme Rationen mit hervorragender Akzeptanz bei Hund und Katze.
  • napfcheck Haufenhilfe - spezielle Fasermischung zur Verbesserung der Kotkonsistenz- das unverzichtbare "Kackifix" für Hunde, die zu weichem Kot neigen.
  • Gemahlene Flohsamenschalen mit besonders kurzer Quelldauer.