Wenn der Futternapf voll ist, der Hund aber knochig bleibt
Kennst du das? Du streichelst über den Rücken deines Hundes und spürst jeden einzelnen Wirbel. Auf der Hundewiese kommen Kommentare wie "Der ist aber dünn!", und obwohl der Napf täglich geleert wird, will einfach kein Gramm auf die Rippen. Die Sorge wächst: Ist er einfach nur ein schlanker Typ oder steckt vielleicht mehr dahinter? Während Übergewicht ein allgegenwärtiges Thema ist, erzeugt Untergewicht bei vielen Tierbesitzern eine viel unmittelbarere Angst - oft zurecht. In dieser Episode des Podcasts napfcheck widmen sich die Fachtierärztin für Tierernährung Dr. Julia Fritz und die Fachjournalistin Manuela Bauer genau diesem oft übersehenen Problem. Sie klären auf, wie du echtes Untergewicht erkennst, welche Ursachen von harmlos bis ernsthaft dahinterstecken können und mit welchen Strategien du deinem Tier helfen kannst, gesund an Gewicht zuzulegen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Idealgewicht ist Gefühlssache: Der Body Condition Score (BCS) ist wichtiger als die Zahl auf der Waage. Eine schlanke Taille sollte von oben sichtbar sein, und die Rippen musst du bei leichtem Druck gut fühlen können, ohne dass sie wie ein Klavier hervorstehen.
- Der häufigste Grund ist ein Rechenfehler: Viele Fälle von Untergewicht entstehen durch eine simple Fehleinschätzung der Futtermenge, besonders beim Wechsel von Trocken- auf Nassfutter. Die benötigte Menge kann sich dabei vervierfachen.
- Fett und Kohlenhydrate sind die besten Kalorienlieferanten: Um gesund Gewicht aufzubauen, ist nicht mehr Protein die Lösung, sondern die gezielte Ergänzung von energiereichen Fetten (Öle, Schmalz) und gut verdaulichen Kohlenhydraten (Haferflocken, Kartoffeln). Fett liefert doppelt so viele Kalorien wie Eiweiß.
- Mehrere kleine Mahlzeiten schlagen eine große: Statt die Portionen einfach zu verdoppeln, ist es oft effektiver, eine zusätzliche Mahlzeit einzuführen. Das entlastet den Verdauungstrakt und verbessert die Nährstoffaufnahme.
- Vorsicht bei Welpen: Ein schlaksig aussehender Welpe kann trotzdem zu schnell wachsen und sogar übergewichtig sein. Hier ist die Optik trügerisch. Verlasse dich zur Beurteilung ausschließlich auf eine Wachstumskurve, nicht auf den BCS.
- Krankheiten müssen ausgeschlossen werden: Nimmt dein Tier trotz ausreichender Fütterung nicht zu oder zeigt weitere Symptome, ist ein Tierarztbesuch unerlässlich, um Ursachen wie Parasiten, chronische Darmerkrankungen oder eine Bauchspeicheldrüsen-Insuffizienz abzuklären.
Wann ist ein Tier wirklich zu dünn? Der Body Condition Score als Kompass
Die erste Hürde ist oft die richtige Einschätzung. Ist mein Hund wirklich untergewichtig oder einfach nur sportlich und schlank? Dr. Julia Fritz erklärt, dass das Idealgewicht nicht nur eine Zahl auf der Waage ist. Viel aussagekräftiger ist der sogenannte Body Condition Score (BCS), eine Methode zur Beurteilung der Körperkondition, die für jeden Hund und jede Katze funktioniert, egal ob Rassetier oder Mischling. Julia fasst die wichtigsten Kriterien einfach zusammen: Wenn du von oben auf dein Tier schaust, solltest du eine deutliche Taille erkennen. Streichst du mit leichtem Druck über den Brustkorb, solltest du die Rippen problemlos fühlen können. Fühlen sie sich jedoch an wie die Tasten eines Klaviers oder stehen Hüftknochen und Wirbelsäule spitz hervor, ist dein Tier wahrscheinlich zu dünn. Bei stark abgemagerten Tieren kann man sogar den Schädelknochen am Kopf fühlen, weil die Kaumuskulatur schwindet. Dieser einfache Test ist eine Fähigkeit, die jeder Tierhalter beherrschen sollte. Er ist wie ein schneller Gesundheitscheck, den du ganz einfach beim täglichen Kuscheln durchführen kannst.
Die häufigste Ursache: Ein simpler Rechenfehler im Futternapf
Die gute Nachricht zuerst: Julia betont, dass die erfreulichsten Fälle in ihrer Praxis die sind, in denen das Tier kerngesund ist und einfach nur zu wenig Futter bekommt. Das klingt banal, passiert aber häufiger als man denkt. Ein klassisches Szenario ist die Futterumstellung. Wer von einem energiereichen Trockenfutter auf Nassfutter oder BARF umstellt, muss die Menge drastisch erhöhen. Julia nennt hier einen Faktor von vier bis fünf. 100 Gramm Trockenfutter entsprechen also fast einem halben Kilo Nassfutter. Viele Besitzer unterschätzen diesen Unterschied gewaltig und wundern sich, warum ihr Tier an Gewicht verliert. Hinzu kommen individuelle Faktoren, die den Energiebedarf in die Höhe treiben: junge, unkastrierte oder sehr aktive Hunde verbrennen deutlich mehr Kalorien. Auch die Rasse spielt eine Rolle - ein muskulöser Vizsla oder ein Hund mit wenig Unterwolle wie ein Boxer benötigt mehr Energie als ein gemütlicherer Artgenosse. Fütterungsempfehlungen auf den Verpackungen sind zudem nur Durchschnittswerte. Es kann also gut sein, dass dein Hund 50 % mehr braucht als angegeben, um sein Gewicht zu halten.
Gesund zunehmen: Die richtige Strategie für mehr auf den Rippen
Wenn dein Tier zunehmen soll, lautet die Devise nicht einfach mehr vom Gleichen. Julia rät, zunächst die Futtermenge moderat um 20 - 30 % zu erhöhen und nach etwa einer Woche das Gewicht zu kontrollieren. Die effektivsten Kalorienlieferanten sind dabei Fette und Kohlenhydrate. Fett hat mit rund neun Kalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Eiweiß oder Kohlenhydrate (jeweils ca. vier Kalorien). Statt also ein Welpenfutter zu geben, das oft nur einen anderen Mineralstoffgehalt hat, ist ein Futter für Sporthunde (High-Energy) sinnvoller. Alternativ kannst du die bestehende Ration einfach mit gesunden Fetten wie Ölen, Schmalz oder Butter anreichern. Auch gut verdauliche Kohlenhydrate wie gekochte Kartoffeln oder eingeweichte Haferflocken sind exzellente Energielieferanten. Eine Hörerin berichtete, dass ihr Tierschutzhund erst mit Kartoffeln zugenommen hat - ein Zeichen dafür, dass sein Körper an diese Energiequelle gewöhnt war. Ein weiterer entscheidender Tipp von Julia: Verteile die größere Futtermenge auf mehrere kleine Mahlzeiten. Eine zusätzliche Portion am Mittag kann die Verdauung entlasten und die Nährstoffaufnahme maximieren. Aber Vorsicht: Bei stark abgemagerten Tieren aus dem Tierschutz warnt Julia vor dem sogenannten Refeeding-Syndrom. Eine zu schnelle und zu reichhaltige Fütterung kann hier zu lebensgefährlichen Elektrolytverschiebungen führen. In solchen Fällen ist eine langsame Steigerung unter tierärztlicher Aufsicht entscheidend.
Wenn Krankheiten hinter dem Untergewicht stecken
Bleibt das Gewicht trotz Futteranpassung niedrig oder kommen andere Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder Appetitlosigkeit hinzu, muss eine medizinische Ursache ausgeschlossen werden. Im Podcast werden mehrere Fälle aus der Praxis diskutiert, die zeigen, wie vielfältig die Gründe sein können. Bei einer Hündin mit Magenproblemen und grenzwertigen Leberwerten rät Julia zur Gelassenheit: Solange die Werte im Referenzbereich liegen, ist keine spezielle Leberdiät nötig. Die Annahme, eine Leberdiät müsse fettarm sein, ist laut Julia ein Mythos, der vom Menschen auf das Tier übertragen wurde. Im Gegenteil, oft wird bei Leber- oder Nierenerkrankungen das Protein reduziert und der Fettanteil erhöht. Ein besonders komplexer Fall ist eine Hündin mit einer Bauchspeicheldrüsen-Insuffizienz. Sie kann die Nahrung ohne zugeführte Verdauungsenzyme nicht verwerten. Obwohl sie bereits die doppelte Menge an Futter erhält und Enzyme bekommt, nimmt sie nicht zu. Julia rechnet die Ration live durch und kommt zu dem Schluss, dass hier wahrscheinlich nicht die Futtermenge, sondern die Dosierung oder die Art der Verabreichung der Enzyme das Problem ist. Ein klarer Fall für eine spezialisierte Ernährungsberatung. Zuletzt wird auch das Thema Parasiten angesprochen. Ein Wurmbefall kann ein heimlicher Kalorienräuber sein. Eine negative Kotprobe ist dabei nicht immer zu 100 % verlässlich, weshalb bei anhaltendem Untergewicht eine strategische Entwurmung sinnvoll sein kann.
Spezialfälle: Windhunde, Senioren und Mehrhundehaushalte
Manche Tiere haben von Natur aus besondere Bedürfnisse. Windhunde wie Greyhounds oder Galgos sind genetisch bedingt sehr schlank und haben einen geringen Körperfettanteil. Julia erklärt, dass diese Rassen oft ausgezeichnete Kohlenhydrat-Verwerter sind. Eine Mahlzeit mit Nudeln, Reis oder Haferflocken kann hier wahre Wunder wirken, um das Gewicht zu halten. Bei mäkeligen Phasen, die bei Windhunden vorkommen, kann ein kleines, besonders schmackhaftes Leckerli als Appetitanreger helfen, den Fressvorgang in Gang zu bringen. Ein ganz anderes Problem haben ältere Katzen. Anders als Hunde, die im Alter eher zu Übergewicht neigen, bauen Katzen oft ab. Ihre Verdauungsleistung lässt nach, erklärt Julia. Hier sind hochverdauliche, energiereiche und vor allem extrem schmackhafte Mahlzeiten gefragt. Lachs, Sahne oder Butter können helfen, die Akzeptanz zu steigern und die nötigen Kalorien zu liefern. Wichtig: Ein schleichender Gewichtsverlust bei einer älteren Katze ist oft das erste, unspezifische Anzeichen einer chronischen Erkrankung und sollte immer ernst genommen werden. In Mehrhundehaushalten, in denen ein Hund zunehmen und der andere sein Gewicht halten soll, ist etwas Management gefragt. Die einfachste Lösung ist, dem dünneren Hund eine zusätzliche Mahlzeit zu füttern, während der andere beschäftigt ist, oder seine Portion gezielt mit etwas Öl oder einem Löffel Sahnequark anzureichern.
Praktische Schritte für ein gesundes Gewicht
- Führe eine ehrliche Bestandsaufnahme durch: Nutze den Body Condition Score (BCS). Ertaste die Rippen und die Taille deines Tieres. Verlasse dich nicht nur auf die Optik, besonders bei langhaarigen Tieren.
- Überprüfe die Futtermenge kritisch: Rechne nach, wie viele Kalorien dein Tier wirklich bekommt. Berücksichtige dabei Aktivität, Alter und Rasse. Die Angaben auf der Verpackung sind nur ein Richtwert.
- Erhöhe die Kalorien gezielt: Beginne mit einer Erhöhung der Futtermenge um 20 - 30 %. Reicht das nicht aus, ergänze gezielt energiereiche Komponenten wie ein hochwertiges Öl (ca. 1 TL pro 10 kg Körpergewicht) oder eine kleine Portion Haferflocken.
- Füttere häufiger, nicht nur mehr: Verteile die Tagesration auf drei oder sogar vier kleinere Mahlzeiten. Das verbessert die Verdaulichkeit und entlastet den Magen-Darm-Trakt.
- Schließe medizinische Ursachen aus: Wenn dein Tier trotz aller Bemühungen nicht zunimmt oder weitere Krankheitsanzeichen zeigt, ist ein Besuch beim Tierarzt unumgänglich, um die Ursache abzuklären.
- Passe die Strategie an besondere Bedürfnisse an: Denke daran, dass Welpen anhand von Wachstumskurven beurteilt werden müssen, Senioren oft besonders schmackhaftes Futter benötigen und sportliche Rassen wie Windhunde von zusätzlichen Kohlenhydraten profitieren.
Themen
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.
Shownotes
Was dahinter steckt und wie man sein Tier mit gezielter Fütterung unterstützen kann
- Warum mehr untergewichtige als übergewichtige Tiere vorstellig werden.
- Wie es dazu kommt, dass Tiere ins Untergewicht geraten.
- Kennt ihr das Idealgewicht eures Tieres?
- Was versteht man unter dem Body Condition Score und wie geht das?
- Eignet sich Welpenfutter, um einen untergewichtigen Hund aufzupäppeln?
- Wer zunehmen soll, braucht ausreichend Fett.
- Wie päppelt man ein Tier richtig auf?
- Was tun, wenn die Gewichtszunahme ausbleibt?
- Nehmen Tiere durch Kohlenhydrate schneller zu?
- Grundsätzlich gilt: Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch entscheiden über Zu- oder Abnahme.
- Achtung bei Junghunden im Wachstum! Warum sollte man dünne Welpen nicht unbedingt päppeln.
- Welche fettreichen Futterquellen gibt es?
- Können Krankheiten im Welpenalter das spätere Gewicht beeinflussen?
- Was tun, wenn die Katze im Alter keinen Appetit mehr hat?
- Fütterung im Mehrhundehaushalt – worauf ist zu achten?
- Was tun, wenn nur ein Hund im Mehrhundehaushalt zunehmen soll?
- Was ist zu beachten, wenn Windhunde zunehmen müssen?
- Mäkeliges Fressen – welche Ursachen kann das haben?
- Warum können Enzyme bei Untergewicht und Pankreasinsuffizienz helfen?
- Für welche Tiere ist eine Ernährungsberatung sinnvoll?
- Was tun, wenn Parasiten die Ursache sind?
- Warum manche Hunde sogar bis zu 50% mehr Futter benötigen, um zuzunehmen.
Infos zur Einschätzung des Gewichts und der richtigen Futtermenge:
- Gewichtsbeurteilung beim Hund im Wachstum: hier findet ihr unsere kostenlosen Wachstumskurven
- Einfacher Ja-Nein-Test zur Gewichtsbeurteilung beim ausgewachsenen Hund
- Futtermengenrechner für Fertigfutter
- Futterrechner für Kochrationen und Barf-Rationen
Was bietet das Napfcheck-Sortiment?
- napfcheck Futteröle für Hunde und Katzen
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