Eigenen Hund abgeben? Warum diese Entscheidung manchmal verantwortungsvoll ist

114: Wenn ein Hund abgegeben werden muss: Im Gespräch mit Hundetrainerin Julia Goyer

114: Wenn ein Hund abgegeben werden muss: Im Gespräch mit Hundetrainerin Julia Goyer

31. März 2026 · The Petfood Family - der Hunde-Podcast

Stell dir vor, du kommst an einen Punkt, an dem du merkst: Es geht nicht mehr. Der Hund, den du dir so sehr gewünscht hast, passt einfach nicht in dein Leben - oder schlimmer noch, dein Leben passt nicht zu ihm. Diese schmerzhafte Erkenntnis ist der Ausgangspunkt einer emotionalen und oft totgeschwiegenen Debatte, der sich Moderator Jan Dießner in seinem Podcast The Petfood Family widmet. Zu Gast ist bereits zum dritten Mal die zertifizierte Hundetrainerin Julia Goyer, die mit ihrer Hundeschule Seelenhund für einen ganzheitlichen und fairen Ansatz bekannt ist. Gemeinsam tauchen sie tief in ein Thema ein, das viele Hundebesitzer:innen insgeheim beschäftigt, aber kaum jemand offen anzusprechen wagt: Was, wenn die Abgabe des eigenen Hundes die einzig vernünftige Lösung ist?

Diese Folge ist mehr als nur ein Gespräch; sie ist ein Plädoyer für mehr Ehrlichkeit, Empathie und eine neue Perspektive auf ein komplexes Problem. Es geht um die Zerreißprobe zwischen Verantwortung, Liebe, den eigenen Grenzen und dem wahren Wohl des Tieres. Für wen ist diese Episode? Für jeden, der schon einmal gezweifelt hat, für jeden, der vorschnell geurteilt hat, und für alle, die verstehen wollen, warum die Entscheidung, einen Hund abzugeben, manchmal der größte Liebesbeweis sein kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Abgabe eines Hundes ist ein starkes Tabu, weil sie oft fälschlicherweise als persönliches Versagen oder mangelnde Tierliebe interpretiert wird. In Wahrheit kann sie jedoch die verantwortungsvollste Entscheidung sein, wenn das Wohl des Hundes oder die Sicherheit im Haushalt nicht mehr gewährleistet ist.
  • Ein zentraler Konflikt entsteht oft aus dem Auseinanderklaffen von Erwartungen und Realität. Jan Dießner bringt es mit einem Zitat auf den Punkt: Nicht der Hund ist das Problem, sondern unsere Erwartungen an ihn.
  • Julia Goyer betont, dass jeder Mensch persönliche Grenzen und begrenzte Ressourcen hat - sei es Zeit, Geld, Platz oder emotionale Belastbarkeit. Diese Grenzen anzuerkennen, ist kein Egoismus, sondern eine Notwendigkeit, um eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten zu finden.
  • Die Entscheidung zur Abgabe wird fast nie leichtfertig getroffen. Meist geht ihr ein langer Leidensweg voraus, auf dem Halter:innen verzweifelt versuchen, die Situation zu meistern, und sich dabei oft allein gelassen fühlen.
  • Ein großes Problem ist der Mangel an systematischer Unterstützung. Es gibt keine zentrale Anlaufstelle oder etablierte Strategie für die Vermittlung problematischer Hunde. Oft hängt alles vom Glück und dem Netzwerk des jeweiligen Trainers ab.
  • Der vielleicht wichtigste Appell der Folge: Die Hundeszene braucht einen Kulturwandel - weg von sofortiger Verurteilung und hin zu Empathie und aktiver Unterstützung für Menschen in Notlagen.

Warum die Abgabe eines Hundes ein Tabu ist: Zwischen Versagensangst und gesellschaftlichem Druck

Der Gedanke, den eigenen Hund wegzugeben, ist für die meisten Halter:innen mit unerträglicher Scham und dem Gefühl des Scheiterns verbunden. Julia Goyer erklärt einfühlsam, dass dies tief in unserer Kultur verankert ist. Ein Tier aufzunehmen, gilt als Versprechen auf Lebenszeit. Dieses Versprechen zu brechen, fühlt sich wie Verrat an. Menschen fürchten sich davor, als Versager dazustehen, die der Verantwortung nicht gewachsen waren. Man hat Angst, in den Spiegel zu schauen und sich eingestehen zu müssen, eine falsche Entscheidung getroffen oder auf dem Weg etwas falsch gemacht zu haben.

Dieser innere Druck wird durch den äußeren massiv verstärkt. Besonders in den sozialen Medien wird schnell und gnadenlos geurteilt. Kommentare unter Vermittlungsanzeigen sind oft von Vorwürfen und Schuldzuweisungen geprägt, ohne die Hintergründe zu kennen. Jan und Julia sind sich einig, dass dieses Klima der Verurteilung dazu führt, dass Menschen viel zu lange in unhaltbaren Situationen ausharren. Sie leiden still vor sich hin, weil sie sich nicht trafen, über ihre Probleme zu sprechen - aus Angst, als schlechter Mensch abgestempelt zu werden. Das Tabu verhindert so nicht nur ehrliche Gespräche, sondern auch die Suche nach rechtzeitiger und passender Hilfe.

Erwartungen vs. Realität: Wenn der Traum vom Hund zum Albtraum wird

Oft beginnt das Problem schon, bevor der Hund überhaupt eingezogen ist. Wir haben ein klares Bild im Kopf: den treuen Begleiter für sportliche Abenteuer, den geduldigen Familienhund oder den kuscheligen Seelentröster. Jan zitiert aus einem Buch den treffenden Satz: Nicht das Verhalten deines Hundes ist falsch, sondern die Erwartungen an ihn sind es. Was passiert, wenn der für Agility auserkorene Hund panische Angst vor lauten Turnieren hat oder der erhoffte Bürohund unter massivem Trennungsstress leidet?

Julia Goyer erzählt hier aus eigener Erfahrung. Sie wollte mit ihrem Australian Shepherd Agility im Leistungsbereich machen, merkte aber schnell, dass der Trubel auf Turnieren für ihn purer Stress war. Statt ihren Traum auf Biegen und Brechen durchzusetzen, passte sie ihre Erwartungen an. Sie fand mit Hoopers eine Alternative, die beiden Spaß macht. Das ist der Idealfall: ein Kompromiss. Doch was, wenn die Kluft zwischen den Bedürfnissen des Hundes und den Lebensumständen des Menschen unüberbrückbar ist? Ein hochsensibler Hund in einer lauten Innenstadtwohnung oder ein Hund mit starkem Jagdtrieb bei Menschen, die ihm keinen sicheren Freilauf bieten können, sind Beispiele, bei denen Kompromisse an ihre Grenzen stoßen. An diesem Punkt muss man sich ehrlich fragen, ob ein anderes Zuhause für den Hund nicht ein glücklicheres Leben bedeuten würde.

Die persönliche Belastungsgrenze: Eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Ressourcen

Diese Folge macht eindrücklich klar, dass es nicht nur um den Hund geht. Auch der Mensch hat Bedürfnisse und vor allem Grenzen. Julia teilt ihre sehr persönliche und schwierige Erfahrung mit einem Tierschutzhund, der sich als extrem problematisch herausstellte. Der Hund griff nicht nur sie und ihren Partner an, sondern auch ihre bereits vorhandenen Hunde. Die Situation eskalierte so weit, dass die Sicherheit aller nicht mehr gewährleistet war.

An diesem Beispiel wird deutlich, was oft übersehen wird: die Ressourcen eines Halters sind endlich. Es geht um Platz, um finanzielle Mittel für Trainer oder einen eventuell nötigen Umbau, um Zeit und vor allem um emotionale Kraft. Julia musste für den Hund eigens einen Zwinger bauen, um nachts sicher schlafen zu können. Sie musste ihr gesamtes Leben umorganisieren und sich fragen: Kann ich das leisten? Habe ich ein Backup-System, falls ich, wie es bei ihrer chronischen Erkrankung vorkommen kann, ins Krankenhaus muss? Wer kümmert sich dann um dieses Tier? Sich einzugestehen, dass man eine Situation nicht bewältigen kann, ist keine Schwäche. Es ist ein Akt der Vernunft und des Selbstschutzes. Man darf, so Julia, auch das eigene Glück und die eigene Sicherheit priorisieren, ohne sich dafür schuldig zu fühlen.

Ein System am Limit: Das Fehlen von Unterstützung und die Lotterie der Vermittlung

Selbst wenn die schwere Entscheidung zur Abgabe gefallen ist, beginnt oft erst die nächste Zerreißprobe. Wohin mit dem Hund? Jan spricht ein riesiges Problem an: Unser System ist auf solche Fälle nicht vorbereitet. Die Tierheime sind überfüllt und oft nicht der richtige Ort für Hunde mit schweren Verhaltensproblemen. Eine Vermittlung im Freundes- oder Familienkreis ist der Idealfall, aber selten eine Option.

Was bleibt, ist die private Suche nach einem neuen Zuhause. Und hier, so Jan, beginnt eine wahre Lotterie. Der Erfolg hängt massiv davon ab, an welchen Trainer oder welche Tierschutzorganisation man gerät. Hat diese Person ein großes, gut funktionierendes Netzwerk, steigen die Chancen. Landet man bei jemandem mit kleinem Wirkungskreis, sieht es oft düster aus. Es kann nicht vom Zufall abhängen, ob einem Hund und seinem Menschen geholfen wird. Diese Lücke im System führt dazu, dass viele Menschen aus reiner Alternativlosigkeit an einer für alle unglücklichen Situation festhalten. Es fehlt eine koordinierte, wohlwollende und professionelle Struktur, die Menschen in dieser Krise auffängt und begleitet.

Praktische Schritte: Ein Leitfaden für den Ernstfall

Auch wenn die Folge keine einfachen Antworten liefert, lassen sich aus dem Gespräch konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, falls du dich in einer ähnlichen Situation befindest oder siehst.

  1. Schaffe ehrliche Klarheit: Die "Traumtag"-Übung. Nimm dir Zeit und schreibe zwei Szenarien auf: Wie sieht dein idealer Alltag mit Hund aus? Und dann versuche, aus der Perspektive deines Hundes seinen Traumtag zu beschreiben. Sei dabei brutal ehrlich. Wo gibt es Überschneidungen? Wo prallen Welten aufeinander? Diese Übung hilft dir, die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit klar zu erkennen.
  2. Suche dir professionelle und vielfältige Hilfe. Wende dich an eine:n qualifizierte:n Hundetrainer:in. Und ganz wichtig: Gib nicht nach dem ersten Versuch auf. Manchmal braucht es mehrere Anläufe und unterschiedliche Perspektiven, um den richtigen Weg zu finden. Eine gute Fachperson wird dich nicht nur im Training unterstützen, sondern auch ehrlich sein, wenn sie eine Situation für aussichtslos hält.
  3. Mache einen realistischen Ressourcen-Check. Analysiere deine eigenen Kapazitäten. Was kannst du finanziell, zeitlich und emotional wirklich leisten, ohne selbst daran zu zerbrechen? Welche Unterstützung hast du in deinem Umfeld? Es ist keine Schande, Grenzen zu haben - es ist verantwortungsvoll, sie zu kennen und zu respektieren.
  4. Plane eine verantwortungsvolle Abgabe. Wenn eine Trennung unausweichlich ist, überstürze nichts. Nutze die Netzwerke von Tierschutzvereinen und Trainer:innen, um einen Platz zu finden, der wirklich zu den Bedürfnissen deines Hundes passt. Sei dabei absolut transparent über die bestehenden Probleme. Nur so hat der Hund eine faire Chance auf einen Neustart.
  5. Fördere einen Kulturwandel. Wenn du Zeuge einer solchen Situation wirst, biete Hilfe statt Urteile an. Teile Vermittlungsbeiträge, höre empathisch zu oder biete praktische Unterstützung an. Jeder von uns kann dazu beitragen, das Tabu zu brechen und ein Klima zu schaffen, in dem ehrliche Lösungen ohne Stigmatisierung möglich sind.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Einen Hund abgeben – darf man darüber überhaupt sprechen? In dieser Folge hat Jan erneut Hundetrainerin Julia Goyer zu Gast. Gemeinsam sprechen sie ein großes Tabuthema in der Hundwelt an: Die Entscheidung zur Hundeabgabe. Wie zerreißt diese Entscheidung viele Menschen innerlich und warum machen Vorurteile oft alles noch schwerer? Und welche Erwartungen gibt es an die eigenen Hunde und sind diese immer fair? Eine emotionale Folge über Schuldgefühle, emotionale Bindung und den Mut, Grenzen zu erkennen.

Bei Herausforderungen in der Ernährung deines Hundes helfen dir jederzeit und kostenlos die Ernährungs-Expert:innen von mera! Egal ob Futtermittelunverträglichkeit, Verweigerung vom Futter, Überforderung bei der Auswahl des bestmöglichen Futters, usw.! Dr. Anika und Team beraten dich kostenlos und suchen mit dir (wenn notwendig auch auf Basis der Empfehlung deines Tierarztes oder Tierärztin) das richtige Hundefutter. Ganz individuell für deinen Liebling.

So erreichst du unsere Ernährungs-Expert:innen: ✓ Montag - Donnerstag von 8:00 - 16.30 Uhr ✓ Freitag von 8:00 - 14.30 Uhr ✆ 0049 2832 9381-777  Mail: [email protected] Sichere dir jetzt 10% auf deine Bestellung. Dabei ist es egal, ob du bereits Kund:in bist oder das erste Mal bei mera bestellst.
Gutscheincode: TPF10 Hier geht es zum Shop von mera The Petfood Family Einlösebedingungen:
Produkt: alle Code: TPF10 Einlösbar: 1x pro Person Einlösbar von: Bestandskund:innen und Neukund:innen Pro Emailadresse 1x bestellbar Start des Codes 01.09.25 Einlösbar bis: 31.12.26 Versandkosten: kostenloser Versand ab 19€ Shop: Endverbrauchershop

Shownotes