Hundeerziehung ohne Social-Media-Mythen: Welpen, Pubertät & klare Grenzen

109: Hundetrainerin Linda Jessat: So erkundet dein Hund die Welt

109: Hundetrainerin Linda Jessat: So erkundet dein Hund die Welt

24. Februar 2026 · The Petfood Family - der Hunde-Podcast

Fühlst du dich manchmal auch im Dschungel der Hundeerziehung verloren? Zwischen den unzähligen gut gemeinten Ratschlägen auf Social Media und den Mythen, die sich hartnäckig halten, ist es oft schwer, den eigenen Kompass nicht zu verlieren. Genau hier setzt die neue Folge des Podcasts The Petfood Family mit Moderator Jan Dießner an. Zu Gast ist Linda Jessat, eine erfahrene Hundetrainerin, die bereits zum zweiten Mal ihre erfrischend ehrliche und pragmatische Sicht auf die Hundewelt teilt. Gemeinsam nehmen sie kein Blatt vor den Mund und räumen mit weitverbreiteten Irrtümern auf - von der sogenannten Welpen-Schonzeit über den Mythos der Pubertät bis hin zur gefährlichen emotionalen Abhängigkeit vieler Halter von ihren Hunden. Diese Episode ist ein Weckruf für alle, die sich eine authentische, faire und vor allem funktionierende Beziehung zu ihrem Hund wünschen, frei von unnötiger Verkomplizierung und realitätsfernen Idealen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Frühe Grenzen sind faire Grenzen: Linda Jessat betont, wie wichtig es ist, einem Welpen vom ersten Tag an klare Regeln aufzuzeigen. Die weitverbreitete Idee, ein Hund müsse erst wochenlang "ankommen", bevor man mit der Erziehung beginnt, hält sie für unfair und kontraproduktiv, da der Hund falsche Verhaltensweisen erlernt, die später mühsam korrigiert werden müssen.
  • Die Pubertät als Ausrede: Jan und Linda sind sich einig, dass die Pubertät oft als bequeme Ausrede für grundlegende Erziehungsfehler dient. Statt alles zu vergessen, agiert die Pubertät wie eine Lupe: Sie verstärkt lediglich die bereits angelegten Charakterzüge und die bis dahin etablierten Regeln - oder eben deren Fehlen.
  • Bewegung vor bedingungsloser Ruhe: Der moderne Zwang, Hunde müssten 18 bis 20 Stunden am Tag ruhen, führt laut den Experten oft zu unterforderten und frustrierten Tieren. Viele Verhaltensprobleme wurzeln in einem chronischen Bewegungsstau. Artgerechte körperliche und geistige Auslastung ist die Basis für einen ausgeglichenen Hund.
  • Emotionale Abhängigkeit als Erziehungsblockade: Ein zentrales Problem ist die Angst vieler Besitzer, die Liebe ihres Hundes zu verlieren, wenn sie Grenzen setzen. Diese emotionale Abhängigkeit führt dazu, dass Entscheidungen getroffen werden, die dem eigenen Wohlbefinden dienen (der Hund soll mich lieb haben), aber nicht dem des Hundes (der Hund braucht klare Strukturen).
  • Die Gefahr durch ungebetene Hundebegegnungen: Das Gespräch beleuchtet die zunehmende Respektlosigkeit und teilweise sogar Aggressivität unter Hundehaltern. Die Unfähigkeit oder der Unwille, den eigenen Hund bei Begegnungen zu sichern, stellt für verantwortungsbewusste Besitzer eine reale Gefahr dar und untergräbt das Schutzversprechen, das wir unseren Hunden geben.

Vom Welpenchaos zur Klarheit: Warum frühe Grenzen fair sind

Alles beginnt mit einer einfachen, aber kraftvollen Aussage von Linda auf Instagram: Man hat ein so geiles Leben, wenn man alles direkt klärt. Dieser Satz ist der Startpunkt für eine tiefgehende Diskussion darüber, warum die oft propagierte Ankomm-Phase für Welpen mehr schadet als nützt. Linda erklärt, dass es für einen Hund viel verwirrender ist, wenn er wochenlang tun und lassen darf, was er will - in die Hände beißen, Möbel anknabbern, Grenzen ignorieren -, nur um dann plötzlich mit einem Regelwerk konfrontiert zu werden, das ihm alles verbietet. Aus ihrer Sicht ist es ehrlicher und fairer, vom ersten Moment an zu kommunizieren: Das sind unsere Spielregeln, und wenn du dich daran hältst, hast du hier das beste Leben. Ein Welpe lernt so gar nicht erst, unerwünschtes Verhalten zu etablieren. Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen: Ein junger Hund sucht nach Sicherheit, und nichts bietet mehr Sicherheit als klare, verlässliche Strukturen.

Jan und Linda kritisieren auch die typische Herangehensweise in vielen Welpengruppen. Anstatt den Welpen beizubringen, in neuen, potenziell überfordernden Situationen Schutz bei ihrem Menschen zu suchen - zum Beispiel auf dem Schoß oder zwischen den Beinen -, werden sie oft allein gelassen, um dann mit Abrufübungen wieder zurückgeholt zu werden. Dabei wäre es so viel natürlicher, die angeborene Anhänglichkeit des Welpen zu nutzen und ihm von Anfang an zu zeigen: Bei mir bist du sicher, und von hier aus erkunden wir gemeinsam die Welt.

Die Pubertät als Lupe: Ein Zeugnis der Welpenzeit

Kaum ein Thema ist so mythenbeladen wie die Pubertät des Hundes. Die Vorstellung, das Gehirn sei eine Baustelle und der Hund würde plötzlich alles Gelernte vergessen, halten sowohl Jan als auch Linda für ausgemachten Schwachsinn. Linda vertritt die provokante, aber nachvollziehbare These: Wenn ein Hund in der Pubertät nicht mehr hört, ist das dein Zeugnis dafür, was du in der Welpenphase versäumt hast. Die Pubertät ist für sie kein Freifahrtschein für Ungehorsam, sondern eine Lupe, die alles vergrößert, was bereits da ist - sowohl den Charakter des Hundes als auch die Qualität der gelegten Erziehungsgrundlagen. Ein Hund, der gelernt hat, dass ein Nein ein Nein ist, wird das vielleicht mal hinterfragen, aber er wird die Regel nicht plötzlich ignorieren. Es geht darum, konsequent zu bleiben und dem Hund zu signalisieren, dass die etablierten Regeln weiterhin gelten, auch wenn seine Welt gerade etwas turbulenter wird.

Bewegungsstau statt Ruhezwang: Wenn Hunde unterfordert sind

Ein weiteres Dogma der modernen Hundehaltung wird im Gespräch demontiert: die Idee, ein Hund müsse 18 bis 20 Stunden am Tag schlafen. Beide Experten beobachten, dass dieser übertriebene Fokus auf Ruhe zu massiv unterforderten Hunden führt. Viele Tiere, insbesondere Arbeitshunde wie Schäferhunde oder Border Collies, leiden unter einem chronischen Bewegungsstau. Sie werden als Welpen nach der starren 5-Minuten-Regel geschont und dürfen sich auch später kaum austoben. Das Resultat sind nicht nur unterbemuskelte, sondern auch frustrierte und verhaltensauffällige Hunde. Jan beschreibt es treffend: Wie soll ein Hund, der innerlich wie ein brodelnder Topf ist, zuhören und lernen können? Seine erste Maßnahme bei vielen Trainingskunden ist daher oft, den Hund erst einmal richtig auszupowern - sei es am Fahrrad oder auf Inlineskates. Erst wenn der körperliche Druck abgebaut ist, wird der Kopf frei für Erziehung.

Die gefährliche Dynamik der Hundewelt: Zwischen Social-Media-Hype und realen Konflikten

Das Gespräch driftet in ein ernstes und für viele Halter relevantes Thema ab: den Umgang mit fremden Hunden und deren Besitzern. Jan berichtet von einem schockierenden Erlebnis, bei dem er körperlich angegangen wurde, nachdem er einen freilaufenden Hund sanft von seiner läufigen Hündin fernhielt. Was wie ein extremer Einzelfall klingt, scheint zur neuen Realität zu werden. Viele Hundebesitzer, insbesondere Frauen, trauen sich nicht mehr, ihre Hunde vor aufdringlichen Artgenossen zu schützen, aus Angst vor der verbalen oder sogar körperlichen Reaktion der anderen Halter.

Diese Entwicklung wird, so die Analyse, durch die Online-Hundeszene befeuert. Erfahrene Trainer wie Linda zeigen bewusst keine Korrekturen oder das Setzen von Grenzen mehr in den sozialen Medien, weil sie mit anonymen Anzeigen beim Veterinäramt rechnen müssen. Dies verzerrt die öffentliche Wahrnehmung von Hundetraining massiv. Es entsteht ein Bild, in dem jede Form von Grenzsetzung als aversiv oder tierschutzrelevant gebrandmarkt wird. Die Konsequenz: Unerfahrene Halter werden verunsichert, während rücksichtslose Halter sich in ihrem Verhalten bestätigt fühlen.

Der Hund als emotionaler Anker: Eine fatale Abhängigkeit

Der vielleicht tiefgründigste Punkt der Diskussion ist die emotionale Abhängigkeit vieler Menschen von ihrem Hund. Linda beobachtet in ihrem Training, dass viele Besitzer unfähig sind, Grenzen zu setzen, weil sie die negative emotionale Reaktion ihres Hundes - einen traurigen Blick, angelegte Ohren - nicht ertragen können. Die Angst, der Hund würde sie dann nicht mehr liebhaben, ist so übermächtig, dass sie die eigentlichen Bedürfnisse des Tieres nach klaren Strukturen und Sicherheit ignoriert. Dieses Verhalten ist, so Lindas scharfe Analyse, zutiefst egoistisch. Es geht nicht darum, dem Hund etwas Gutes zu tun, sondern darum, das eigene Bedürfnis nach Harmonie und Zuneigung zu befriedigen. Ein Hund, der gelernt hat, dass er mit einem traurigen Blick jede Konsequenz abwenden kann, hat seinen Menschen perfekt im Griff und wird niemals lernen, sich an Regeln zu halten.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

In dieser Folge spricht Jan mit Linda Jessat von Stadtwolf-Hundetraining über den sanften Einstieg ins Hundetraining. Linda erklärt, wie Welpen spielerisch und Schritt für Schritt die Welt erkunden können, ohne überfordert zu werden. Dabei steht immer Sicherheit und Vertrauen im Vordergrund. Linda teilt ihre langjährige Erfahrung im Hundetraining und gibt Einblicke in ihre Herangehensweise, die deutlich macht, wie wichtig es ist, den Hund als verlässlichen Partner zu verstehen.

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