Hundetraining beginnt bei dir selbst: Warum gute Hundetrainer Selbstreflexion brauchen

120: Jörg Ziemer: Warum gute Hundetrainer nicht mit Methoden beginnen – sondern bei sich selbst

120: Jörg Ziemer: Warum gute Hundetrainer nicht mit Methoden beginnen – sondern bei sich selbst

12. Mai 2026 · The Petfood Family - der Hunde-Podcast

Schon bei der Ankunft auf dem Parkplatz des Schulungszentrums von Ziemer & Falke wird klar: Hier geht es um mehr als nur um Kommandos. Ein Schild bittet darum, rückwärts einzuparken, damit die Hunde im Auto weniger Reizen ausgesetzt sind und entspannter ankommen. Es ist ein kleines Detail, das eine große Philosophie offenbart - eine, die im Gespräch zwischen Jan Dießner, dem Moderator des Podcasts The Petfood Family, und seinem Gast Jörg Ziemer immer wieder durchscheint. Jörg ist, gemeinsam mit seiner Frau Tina Ziemer-Falke, das Herz und der Kopf hinter einem der führenden Ausbildungszentren für Hundetrainer in Deutschland.

In dieser Episode tauchen wir tief in die Welt des Hundetrainings ein und entdecken, warum die Ausbildung zum Hundetrainer oft eine Reise zu sich selbst ist. Es geht um die Frage, was einen wirklich guten Trainer ausmacht, warum die Hundeszene so oft gespalten ist und wie moderne Ausbildungskonzepte den Spagat zwischen Theorie und Praxis meistern. Das Gespräch richtet sich nicht nur an angehende Trainer, sondern an jeden Hundemenschen, der die Beziehung zu seinem Tier auf einer tieferen Ebene verstehen und gestalten möchte.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hundetraining als Persönlichkeitsentwicklung: Jörg Ziemer betont, dass fachliches Wissen nur eine Säule ist. Eine wertorientierte Haltung und vor allem die Fähigkeit zur Selbstreflexion sind entscheidend. Wer andere Mensch-Hund-Teams anleiten will, muss zuerst sich selbst und die eigenen Muster verstehen.
  • Eine wertschätzende Lernumgebung ist alles: Die Ausbildung bei Ziemer & Falke zeichnet sich durch eine Kultur aus, die auf Wertschätzung und offener Kommunikation basiert. Dieser Ansatz dient als Modell für den späteren Umgang der Absolventen mit ihren eigenen Kunden - ein geschützter Raum, in dem man lernt, zuzuhören statt nur Ratschläge zu geben.
  • Die Polarisierung in der Hundeszene überwinden: Jörg sieht eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, Brücken zwischen den oft verfeindeten Lagern der Hundewelt zu bauen. Anstatt über Methoden zu streiten, plädiert er für einen Dialog auf Augenhöhe und die Fähigkeit, andere Meinungen auszuhalten, ohne sie abzuwerten.
  • Moderne Ausbildung braucht Flexibilität: Neben klassischen Präsenzkursen hat sich ein Hybrid-Modell bewährt, bei dem die Teilnehmer praktische Übungen zu Hause filmen und von einem speziellen Team Feedback erhalten. Diese Methode ermöglicht tiefes Lernen, unabhängig vom Standort, und hat sich in den Prüfungen als ebenso effektiv erwiesen.
  • Die wachsende Nachfrage nach Spezialisten: Mit der steigenden Zahl verhaltensauffälliger Hunde wächst der Bedarf an hochqualifizierten Verhaltensberatern. Diese anspruchsvolle Arbeit mit ängstlichen oder aggressiven Hunden erfordert nicht nur Fachwissen, sondern auch eine enorme mentale Stärke und emotionale Belastbarkeit des Trainers.

Mehr als nur Hundetraining: Die Philosophie von Ziemer & Falke

Jörg Ziemer erzählt, wie seine Reise schon als Kind mit der Boxerhündin seiner Familie begann und ihn über den klassischen Schutzhundesport - inklusive prägender Erlebnisse mit veralteten, harten Methoden - zur modernen Hundeausbildung führte. Diese jahrzehntelange Erfahrung mündete in einer klaren Mission: glückliche Hunde und glückliche Menschen. Dieser Leitsatz ist keine leere Floskel, sondern wird im gesamten Ausbildungskonzept gelebt. Jan und Jörg arbeiten heraus, dass es nicht darum geht, eine einzige "richtige" Methode zu lehren. Vielmehr sollen die angehenden Trainer lernen, verschiedene Konzepte zu verstehen und individuell auf das jeweilige Mensch-Hund-Team anzuwenden. Das Fundament dafür ist eine Kultur der Menschlichkeit, die sich auch in der Auswahl der Dozenten widerspiegelt. Jörg beschreibt es humorvoll als ihre "arschlochfreie Zone" - eine bewusste Entscheidung, nur mit Menschen zu arbeiten, die ihre wertschätzende Grundhaltung teilen.

Der Weg zum Hundetrainer: Ein Pfad der Selbsterkenntnis

Auffällig ist, dass der Beruf des Hundetrainers selten die erste Wahl nach der Schule ist. Jörg bestätigt, dass die meisten Teilnehmerinnen - denn es sind überwiegend Frauen ab 30 - an einem Punkt des persönlichen oder beruflichen Umbruchs zu ihnen kommen. Sie suchen nach einer sinnstiftenden Tätigkeit und einem selbstbestimmteren Leben. Genau hier setzt die Ausbildung an. Es wird schnell klar, dass es nicht nur darum geht, einem Hund "Sitz" beizubringen. Vielmehr stößt man unweigerlich an eigene Grenzen und lernt, die eigene Kommunikation und Wirkung auf andere zu reflektieren. Warum reagiere ich in einer bestimmten Situation so? Was sagt mein Umgang mit dem Hund über meine Beziehung zu meinem Partner aus? Die Ausbildung wird so zu einer intensiven Reise der persönlichen Weiterentwicklung, die weit über das Thema Hund hinausgeht. Man lernt, Feedback zu geben und anzunehmen, und erkennt, dass die Lösung eines Problems oft beim Menschen und nicht beim Hund liegt.

Zwischen Wattebausch und Gewalt: Die Zerrissenheit der Hundeszene

Ein Thema, das Jan und Jörg sichtlich beschäftigt, ist die tiefe Spaltung innerhalb der Hundetrainer-Szene. Jörg beschreibt, wie schnell Diskussionen über Trainingsmethoden in ideologische Grabenkämpfe ausarten. Begriffe wie "Hundeführer" auf der einen oder "Klicker" auf der anderen Seite reichen oft schon aus, um ganze Weltbilder aufeinanderprallen zu lassen. Diese Polarisierung ist aus meiner Sicht eines der größten Hindernisse für echten Fortschritt. Jörg sieht es als seine Mission, hier für mehr Entspannung und Verständnis zu werben. Er betont, wie wichtig es ist, anderen zuzuhören und ihre Perspektive verstehen zu wollen, anstatt sie sofort zu bewerten. In ihrer Ausbildung wird deshalb großer Wert darauf gelegt, nie über andere Trainer oder Methoden herzuziehen, sondern neutral zu beschreiben und sachlich zu analysieren. Es geht darum, die Fähigkeit zu entwickeln, Andersartigkeit auszuhalten - eine Kompetenz, die im Umgang mit Kunden und deren oft festgefahrenen Meinungen Gold wert ist.

Vom Präsenzkurs zum Online-Feedback: Moderne Ausbildungskonzepte

Ziemer & Falke bieten zwei grundlegende Ausbildungswege an, um den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Teilnehmer gerecht zu werden. Der klassische Weg ist die Ausbildungsgruppe, die sich regelmäßig vor Ort in Großenkneten trifft und den Weg gemeinsam geht. Als Gegenstück dazu wurde das "Hundetrainer at Home"-Konzept entwickelt. Hier findet ein Großteil der Theorie online statt, während die Praxis durch ein cleveres System sichergestellt wird: Die Teilnehmer filmen ihre Trainingssequenzen zu Hause und laden sie hoch. Ein speziell dafür zuständiges Team analysiert die Videos und gibt detailliertes, persönliches Feedback. Jörg gibt zu, dass er anfangs skeptisch war, ob dieses Modell funktionieren kann. Doch die Prüfungsergebnisse haben ihn überzeugt: Die Absolventen des Online-Formats sind praktisch genauso gut wie die der Präsenzkurse. Dieser hybride Ansatz zeigt, wie wertvoll es ist, Lerninhalte flexibel anzubieten und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen - sei es im Seminarraum oder im eigenen Wohnzimmer.

Für die schweren Fälle: Die Nische des Verhaltensberaters

Ein besonderes Herzensprojekt von Jörg ist die Weiterbildung zum Verhaltensberater. Diese richtet sich an Trainer, die mit den wirklich herausfordernden Fällen arbeiten wollen - Hunde mit starken Ängsten oder ausgeprägtem Aggressionsverhalten. Hier geht es nicht mehr darum, mit einem Keks zu locken. Es geht darum, einem Hund gegenüberzutreten, der dich vielleicht nicht mag und nur will, dass du verschwindest. Diese Arbeit, so erklärt Jörg, erfordert eine immense psychische Stabilität und die Fähigkeit, auch in brenzligen Situationen eine professionelle und helfende Haltung zu bewahren. Um sicherzustellen, dass die Teilnehmer für diese Aufgabe gewappnet sind, gibt es einen vorgeschalteten, mehrtägigen Workshop. Hier können Interessierte herausfinden, ob sie dem Druck standhalten und ob dieser Weg wirklich der richtige für sie ist. Auch wenn der Bedarf an solchen Spezialisten enorm ist, stellt Jörg fest, dass die Hürde für viele hoch ist - ein Zeichen dafür, wie anspruchsvoll und besonders dieser Bereich des Hundetrainings ist.

Praktische Wege zu Ziemer & Falke

Wenn dich die Philosophie und die Ansätze von Jörg Ziemer neugierig gemacht haben, gibt es verschiedene Wege, um mehr zu erfahren und den richtigen Einstieg für dich zu finden:

  1. Besuche die Website: Unter ziemer-falke.de findest du alle Informationen zu den verschiedenen Aus- und Weiterbildungen, den Standorten und der Philosophie des Zentrums.
  2. Suche das persönliche Gespräch: Das Team bietet Beratungsgespräche an, um deine individuellen Fragen zu klären und gemeinsam herauszufinden, welcher Weg für dich der passende ist.
  3. Nimm an kostenlosen Webinaren teil: Ziemer & Falke veranstalten regelmäßig kostenlose Info-Webinare zur Ausbildung sowie Fachwebinare zu spezifischen Hundethemen (z. B. Leinenaggression). Das ist eine hervorragende und unverbindliche Möglichkeit, die Dozenten live zu erleben und ein Gefühl für ihre Arbeitsweise zu bekommen.
  4. Wähle dein Lernmodell: Entscheide, ob für dich eher der klassische Präsenzkurs ("Hundetrainer Plus") oder das flexible Online-Hybrid-Modell ("Hundetrainer at Home") infrage kommt. Du kannst die Ausbildung so an deine Lebensumstände anpassen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Was macht eigentlich einen guten Hundetrainer aus – und warum reicht Fachwissen allein nicht aus? In dieser Folge spricht Jan mit Hundetrainer und Ausbilder Jörg Ziemer über die Entwicklung von Hundetrainern – und darüber, warum der Weg dorthin oft viel mehr mit persönlicher Veränderung zu tun hat als mit Methoden oder Techniken. Gemeinsam tauchen sie ein in die Welt der Hundetrainerausbildung, sprechen über unterschiedliche Wege in den Beruf und darüber, warum viele erst über Umwege dort landen, wo sie wirklich hinwollen.

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