Maja Löschhorn (FoxDevils) über Problemhunde, Tierschutz am Limit und die Notwendigkeit radikaler Ehrlichkeit

In dieser Episode des Podcasts „The Petfood Family“ ist die Hundetrainerin Maja Löschhorn zu Gast, vielen bekannt als „FoxDevils“ von Instagram oder aus der RTL-Sendung „Die Unvermittelbaren“. Zusammen mit ihrem Mann, ihrem kleinen Sohn, acht Hunden und drei Katzen lebt sie einen Alltag, der sich voll und ganz um Hunde dreht - insbesondere um solche mit schwieriger Vergangenheit und herausforderndem Verhalten.

Das Gespräch taucht tief in Majas Werdegang ein, von ihren Anfängen als 16-Jährige im Tierschutz bis zu ihrer heutigen Arbeit als spezialisierte Trainerin und Pflegestelle für „Systemsprenger“. Die zentralen Themen sind die zunehmende Überforderung im Tierschutz, die verbreiteten Missverständnisse in der Hundeerziehung und ihre ungeschönte, aber lösungsorientierte Philosophie. Diese Folge ist eine wichtige Ressource für alle, die mit dem Verhalten ihres Hundes kämpfen, sich im Tierschutz engagieren oder einfach verstehen wollen, warum die Beziehung zwischen Mensch und Hund oft so kompliziert ist und wie sie wieder heilen kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Lösung: Maja betont, dass Halter:innen die Wahrheit über das Verhalten ihres Hundes hören müssen, auch wenn es wehtut. Erst die ehrliche Analyse des Problems ermöglicht wirksames Training.
  • Viele „Problemhunde“ sind nicht unsicher, sondern strategisch: Häufig wird problematisches Verhalten fälschlicherweise als Unsicherheit interpretiert. Laut Maja agieren viele dieser Hunde jedoch intelligent und strategisch, um ihre Ziele zu erreichen oder ihre Menschen zu kontrollieren.
  • Der Tierschutz steht vor dem Kollaps: Die Tierheime sind überfüllt, und spezialisierte Pflegestellen wie ihre haben Wartelisten mit Hunderten von Hunden. Sie plädiert dafür, den massiven Import von Auslandshunden zu überdenken, um die heimischen Strukturen nicht weiter zu überlasten.
  • Ganzheitliches Training ist entscheidend: Rein positive Trainingsansätze reichen bei schweren Verhaltensproblemen oft nicht aus. Ein fairer, aber konsequenter Umgang, der auch klare Grenzen und Korrekturen beinhaltet, ist für eine stabile Mensch-Hund-Beziehung unerlässlich.
  • Du musst an dir selbst arbeiten: Oft liegt der Schlüssel zur Veränderung beim Menschen. Es erfordert Mut, die eigene Angst und Unsicherheit zu überwinden, um dem Hund die Führung und Sicherheit geben zu können, die er braucht.
  • Der Hundetrainer-Markt ist übersättigt und unqualifiziert: Viele Trainer:innen sind nicht auf die Arbeit mit verhaltensauffälligen Hunden vorbereitet. Dies führt zu falschen Diagnosen und ineffektiven Trainingsansätzen, weshalb Maja nun selbst Trainer:innen ausbildet.

Von der ersten Hündin zur Expertin für "Problemhunde": Majas Weg

Majas Reise begann mit ihrer ersten Hündin Lotti, die sie mit elf Jahren aus dem Tierschutz bekam. Eine prägende Erfahrung war eine selbst organisierte Spendenaktion: Mit 16 Jahren sammelte sie durch Dog-Dance-Auftritte in der Stadt Geld, kaufte Futter und spendete es einem lokalen Tierheim. Dieser Kontakt führte zu einem Praktikum, das ihr Leben veränderte. Sie erinnert sich an den genauen Tag, den 21. Juni 2018, als ihr Weg in die intensive Arbeit mit Tierheimhunden begann.

Im Tierheim bekam sie die Chance, mit Hunden zu arbeiten, an die sich sonst niemand herantraute - darunter ein auf andere Hunde abgerichteter Staffordshire-Terrier-Mix und ein extrem scheuer Rüde, der einen anderen Hund totgebissen hatte. Maja beschreibt ihren damaligen Ansatz als „naiv“ und „aus dem Bauch heraus“. Sie lernte durch Ausprobieren, machte Fehler und wurde auch gebissen. Rückblickend sagt sie: „Ich würde keinem da draußen meinen Weg empfehlen und trotzdem würde ich meinen Weg nie anders gehen wollen.“ Diese Erfahrungen lehrten sie vor allem Impulskontrolle - eine Eigenschaft, die ihr als Jugendliche selbst gefehlt hatte. Sie erkannte Parallelen zwischen ihrem eigenen Gefühl, nicht verstanden zu werden, und dem Verhalten der Hunde, die „laut schreien und keiner hört ihnen zu“.

Die Krise im Tierschutz: Warum Ehrlichkeit über Emotionen siegen muss

Maja zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Lage im Tierschutz. Die Tierheime seien „am absoluten Limit“, und ihre eigene Warteliste für Pflegehunde umfasse derzeit 250 Anfragen - von Hunden aus dem Tierschutz, vom Züchter oder aus Privathand. Die Situation sei so dramatisch, dass sie manchmal Drohungen erhalte, ein Hund würde eingeschläfert, wenn sie ihn nicht aufnehme.

Ihrer Meinung nach ist der Zug bereits abgefahren: „Es ist nicht 5 nach 12. Es ist schon 5 nach 12 am nächsten Tag.“ Eine der Hauptursachen sieht sie im unkontrollierten Import von Hunden aus dem Ausland, oft angetrieben durch Emotionen und einen „Retterkomplex“. Sie kritisiert Organisationen, die mit emotionalen Appellen arbeiten („Wenn wir diese Hunde jetzt nicht nach Deutschland holen, dann müssen sie sterben“), ohne die Realität zu berücksichtigen: Wir können nicht alle Hunde retten. Maja plädiert für einen rationaleren Ansatz und einen Stopp des massiven Imports, um zuerst die Probleme im Inlandstierschutz in den Griff zu bekommen. Unehrliche Beschreibungen von Vermittlungshunden, die als „ein bisschen unsicher“ dargestellt werden und sich dann als hochproblematisch erweisen, verschärfen die Situation zusätzlich.

Majas Trainingsphilosophie: Direkte Kommunikation statt Konfliktvermeidung

Ein Kernproblem in der modernen Hundehaltung ist laut Maja die menschliche Konfliktscheu. Während Menschen nach „Love, Peace and Harmony“ streben, seien die meisten Hunde eher auf „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ aus. Viele Probleme entstehen, weil Menschen ihre eigenen Emotionen auf Hunde projizieren und ihnen eine Erziehung vorenthalten, die auf klaren Grenzen basiert. Das Ergebnis sind Hunde mit einem „massiven Erziehungsdefizit“.

Ihre Arbeit beginnt daher oft damit, den Halter:innen die Augen zu öffnen. In etwa 98 % der Fälle lernen die Menschen ihren Hund im Training völlig neu kennen. Sie erklärt, dass viele Hunde, die als „unsicher“ abgestempelt werden, in Wahrheit hochintelligent und strategisch handeln, um ihre Menschen zu managen und Vorteile zu erzielen. Als Beispiel nennt sie eine französische Bulldogge, die als unsicher galt, sich aber als „kleines Arschloch“ entpuppte, das seine Halterin subtil maßregelte. Solche Erkenntnisse können schmerzhaft sein, sind aber der Wendepunkt. Sie sieht ihre Aufgabe darin, die „Tränen wegzuwischen“ und dann einen klaren Weg aufzuzeigen. Sie versteht sich als Stimme für den Hund, die dessen Verhalten übersetzt und dem Menschen klar macht, was wirklich vor sich geht.

"Die Unvermittelbaren": Die Arbeit mit den härtesten Fällen

Bekanntheit erlangte Maja unter anderem durch die Übernahme von Morbius (damals „Robbie“) aus der Sendung „Die Unvermittelbaren“. Der Hund galt als so schwierig, dass niemand ihn anfassen konnte. Innerhalb von fünf Wochen hatte sie seinen Maulkorb abtrainiert und er wurde zu einer „riesen Kuschelmaus“ - zumindest mit ihr. Diese Arbeit mit sogenannten „Systemsprengern“ ist ihr Spezialgebiet.

Sie gibt offen zu, dass man für diese Arbeit „ein bisschen plemplem“ sein muss. Auf die Frage, ob sie keine Angst habe, antwortet sie, dass es Adrenalin sei, das sie antreibt: „Es gibt Leute, die springen aus dem Flugzeug mit einem Fallschirm und dann gibt es Leute wie mich [...], die sagen, boah, ich habe richtig Bock, dass mir ein Hund schmackofatzig in die Fresse fliegt.“ Jeder Trainer, der mit solchen Hunden arbeitet und behauptet, er fände das nicht auch „ein bisschen geil“, sei unehrlich. Diese Leidenschaft ist der Motor, um Hunden eine Chance zu geben, die von allen anderen aufgegeben wurden.

Die nächste Generation von Trainer:innen: Eine Ausbildung für die Realität

Aufgrund des Mangels an qualifizierten Trainer:innen für verhaltensauffällige Hunde hat Maja beschlossen, ab 2025 selbst eine Trainerausbildung anzubieten. Sie kritisiert, dass der Beruf nicht geschützt ist und viele Ausbildungen an der Realität vorbeigehen. Ihr Ziel ist es, Trainer:innen auszubilden, die wissen, wie man gefährliche Hunde absichert, ihr Verhalten realistisch einschätzt und mit allen Facetten des Hundetrainings - auch mit Korrekturen - fair und kompetent umgehen kann.

Die zehnmonatige Ausbildung kombiniert intensive Theorie mit extrem viel Praxis, unter anderem mit den Pflegehunden auf ihrem Hof. Der Fokus liegt auf der Arbeit mit verhaltensgestörten und -auffälligen Hunden. Ihr ist es wichtig, eine Gemeinschaft zu schaffen, in der alle zusammenwachsen und voneinander lernen, um für die wachsenden Herausforderungen im Hundetraining gewappnet zu sein.

Praktische Schritte für den Umgang mit herausfordernden Hunden

Basierend auf Majas Philosophie lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für Halter:innen ableiten, deren Hunde problematisches Verhalten zeigen:

  1. Sei brutal ehrlich zu dir selbst: Akzeptiere das Problem, ohne es zu beschönigen. Höre auf, das Verhalten deines Hundes mit „Unsicherheit“ zu entschuldigen, wenn es vielleicht Dominanz, Kontrolle oder erlernte Strategie ist.
  2. Lerne deinen Hund wirklich kennen: Suche dir professionelle Hilfe von jemandem, der das Verhalten deines Hundes objektiv analysieren kann. Verstehe die wahre Motivation hinter seinen Handlungen, statt nur die Symptome zu bekämpfen.
  3. Habe keine Angst vor Konflikten: Eine gesunde Beziehung braucht klare Regeln und Grenzen. Lerne, erwünschtes Verhalten durchzusetzen und unerwünschtes fair, aber konsequent zu unterbinden. Dein Hund braucht Führung, keine endlose Diskussion.
  4. Überwinde deine eigene Angst: Dein Hund spürt deine Unsicherheit. Die größte Herausforderung ist oft, die eigene Angst zu überwinden und trotz Herzrasen souverän zu handeln. Dieser Schritt ist entscheidend, um das Vertrauen deines Hundes zurückzugewinnen.
  5. Setze realistische Ziele: Du kannst den Grundcharakter deines Hundes nicht ändern, aber du kannst lernen, sein Verhalten zu managen. Nicht jeder Hund wird ein unkomplizierter Begleiter, der es liebt, den ganzen Tag zu kuscheln. Akzeptiere deinen Hund, wie er ist, und arbeite an einer für euch beide funktionierenden Lebensweise.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Petcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts aus der Hunde- und Haustierwelt. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Acht Hunde, ein Baby und jede Menge Emotionen – wie schafft man das? In dieser Folge erzählt Maja Löschhorn, Hundeverhaltensberaterin, wie sie vom Tierschutz ins Hundetraining kam und was sie dabei über Menschen, Hunde und sich selbst gelernt hat. Warum sind Fehler im Training so wichtig? Und wieso spiegeln Hunde oft unsere eigenen Gefühle? Das erfährst du in dieser Folge. Maja Löschhorn ist Hundeverhaltensberaterin und Gründerin von Foxdevils: https://www.foxdevils.de/. Mit ihrer Arbeit hilft sie Mensch-Hund-Teams, einander wirklich zu verstehen. Ihr Ansatz ist klar: kein Training nach Schema F, sondern individuelle Lösungen, die sich an den Bedürfnissen des einzelnen Hundes orientieren. Maja arbeitet dort, wo das Leben passiert – im Alltag – und legt großen Wert auf Empathie, Geduld und echtes Verständnis. Über 900 Teams hat sie bereits begleitet und zeigt dabei, dass nachhaltige Veränderung nur entsteht, wenn Mensch und Hund lernen, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten

Partner:

mera The Petfood Family:

Bei Herausforderungen in der Ernährung deines Hundes helfen dir jederzeit und kostenlos die Ernährungs-Expert:innen von mera! Egal ob Futtermittelunverträglichkeit, Verweigerung vom Futter, Überforderung bei der Auswahl des bestmöglichen Futters, usw.! Dr. Anika und Team beraten dich kostenlos und suchen mit dir (wenn notwendig auch auf Basis der Empfehlung deines Tierarztes oder Tierärztin) das richtige Hundefutter. Ganz individuell für deinen Liebling.

So erreichst du unsere Ernährungs-Expert:innen:

✓ Montag - Donnerstag von 8:00 - 16.30 Uhr

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