Sami El Ayachi über Körpersprache, Stabilität und die Kunst, Hunden wirklich zuzuhören

Manchmal liegt der Trainingsknoten nicht am Hund, sondern daran, wie wir im Alltag neben ihm stehen, gehen und sprechen. Genau darum dreht sich diese Folge von The Petfood Family: Moderator Jan Dießner spricht mit Sami El Ayachi, bekannt unter anderem durch körpersprachliches Longieren und den Podcast Sitz! Platz! Bleibt!. Ich hatte beim Hören mehr als einmal den Gedanken: Okay, ertappt.

Samis Grundidee ist angenehm unbequem: Wenn wir nachhaltige Veränderung wollen, sollten wir nicht zuerst am Hund herumschrauben, sondern bei uns anfangen. Gemeint sind Körperhaltung, Bewegung, Stimmung und Klarheit. Das ist weniger eine Technik und mehr ein Perspektivwechsel: Was sende ich eigentlich aus und passt das zu dem, was ich vom Hund erwarte?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Veränderung beginnt bei dir: Deine Körpersprache ist oft deutlicher als jedes Kommando.
  • Stabil stehen hilft: Präsenz üben, bewusst stehen, ruhig atmen, nicht ständig auf dem Sprung sein.
  • Weniger reden, klarer handeln: Den Namen als Aufmerksamkeitssignal nutzen und dann mit dem Körper verständlich werden.
  • Alltagstaugliche Basis: Grundlagen zuhause festigen, bevor du sie draußen unter Stress erwartest.

Der Mensch als Schlüssel: Warum Training nicht nur den Hund betrifft

Sami beschreibt, dass wir Menschen oft widersprüchliche Signale senden. Wir wünschen uns Ruhe, sind aber selbst innerlich hektisch. Wir erwarten Fokus und sind gleichzeitig ständig in Bewegung. Ich kenne das selber: Man will Gassi gehen, ist aber gedanklich schon beim nächsten Meeting. Der Hund ist dann nicht stur, er ist einfach nicht in derselben Situation wie wir.

Das Spannende ist, wie alltagstauglich Sami das auflöst. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es reicht oft schon, die eigenen Muster zu bemerken und dann bewusst umzuschalten: weniger Aktion, mehr Klarheit.

Stabiler Stand: Präsenz ist ansteckend

Ein Werkzeug, das in der Folge immer wieder auftaucht, ist der stabile Stand. Damit ist keine starre Haltung gemeint, sondern ein ruhiges, aufrechtes Stehen mit bewusster Atmung. Sami empfiehlt, das in kleinen Momenten zu üben, zum Beispiel beim Zähneputzen oder während der Kaffee durchläuft. Ich mag diese Idee, weil sie so niedrigschwellig ist, dass man sie wirklich in den Tag einbauen kann.

Und ich merke das bei mir selbst: Viele Situationen kippen nicht wegen eines fehlenden Signals, sondern weil ich unruhig werde. Wenn ich stattdessen kurz innehalte und mich sortiere, wird auch mein Hund schneller wieder ansprechbar. Für mich funktioniert am besten, wenn ich mich kurz darauf konzentriere, tief in den Bauch zu atmen. Klingt komisch, überträgt sich aber wirklich auch auf meinen Hund.

Von einer Übungsmethode in den Alltag: Warum Grundlagen wichtiger sind als Problemlösungen

Sami erzählt, wie er vom Longieren, bei dem Kommunikation in einem klaren Rahmen geübt wird, zu einem Ansatz gekommen ist, der stärker in den Alltag übertragen werden kann. Der Punkt ist nachvollziehbar: Im Training klappt vieles und später draußen fällt man in alte Muster zurück. Deshalb legt er den Fokus auf Aufmerksamkeit, gemeinsame Bewegung und eine stimmige Ansprache. Themen wie Leinenführigkeit oder Rückruf sind dann nicht neue Baustellen, sondern die nächste Stufe derselben Basis.

Der Vergleich mit Bereichen wie Kampfkünsten oder Yoga passt für mich gut: Wer richtig gut werden will, wiederholt Grundlagen nicht aus Langeweile, sondern weil genau dort Qualität entsteht.

Weniger Worte, mehr Verständlichkeit

Ein Teil der Folge ist eine Einladung, die eigene Sprache zu reduzieren. Nicht, weil Reden grundsätzlich schlecht wäre, sondern weil ein Dauerstrom aus Anweisungen den Hund oft eher verwirrt. Sami schlägt vor, den Namen gezielt zu nutzen, um Aufmerksamkeit herzustellen, und dann über Haltung, Position und Bewegung klar zu werden.

Das hat bei mir direkt etwas ausgelöst: Wie oft rede ich eigentlich aus Nervosität? Und wie oft wäre es wirksamer, einfach kurz stehen zu bleiben, meinen Hund wahrzunehmen und dann ruhig und eindeutig zu handeln?

Kommunizieren statt locken: Raum kann mehr bewirken als Futter

Sami kritisiert Ansätze, bei denen Hunde mit Futter dazu gebracht werden, Dinge auszuhalten, die ihnen nicht liegen, zum Beispiel dauerhaftes Anstarren. Stattdessen plädiert er dafür, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kontakt freiwillig entsteht. Für mich ist das ein schöner Gedanke, weil Fairness im Mittelpunkt steht: Der Hund soll nicht nur funktionieren, sondern verstehen und sich sicher fühlen.

Klopfen als Entspannungsritual

Außerdem stellt Sami das Klopfen vor, ein sanftes Abklopfen bestimmter Körperpunkte, das beruhigend wirken kann. Er beschreibt es als Methode, die ohne Druck und ohne Erwartung angewendet werden sollte. Ich würde es als Ergänzung sehen: Wenn ein Hund bei Autofahrten, Gewitter oder allgemein in Stress schnell hochfährt, kann so ein Ritual helfen, runterzukommen. Es ersetzt aber keine Gewöhnung und auch keine professionelle Unterstützung, wenn Angst stark ausgeprägt ist. Bei meiner Hündin Frida habe ich das ausprobiert, sehe da aber höchstens noch mehr Verunsicherung.

Praktische Schritte für eine bessere Verbindung

  1. Übe stabil zu stehen: 30 Sekunden bewusst stehen, beim Zähneputzen oder beim Warten. Das klingt klein, kann aber viel verändern.
  2. Reduziere deine Worte: Name für Aufmerksamkeit, danach klare Körpersprache statt viele Sätze.
  3. Baue Alltagstraining zuhause auf: Leine auch mal drinnen an, geh gemeinsam durch die Wohnung und übe ruhige Übergänge.
  4. Mach den Rückruf positiv: Ruf deinen Hund zwischendurch zu dir, bestätige kurz und lass ihn wieder frei, damit Rückruf nicht automatisch Spaßende bedeutet.
  5. Wenn dich Klopfen anspricht: Probier es in ruhigen Momenten als gemeinsames Ritual aus, ohne Ziel und ohne Erwartung.

Mein Fazit: Diese Folge ist weniger ein Rezept für einzelne Probleme und mehr ein Spiegel. Wenn du das Gefühl hast, ihr dreht euch im Kreis, kann dieser Perspektivwechsel helfen. Erst selbst ruhiger und klarer werden und dann wirklich in Kontakt gehen.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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Shownotes

In dieser aufschlussreichen Folge begrüßt unser Host Jan Diessner einen ganz besonderen Gast: Sami El Ayachi, einen Experten für die körpersprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Gemeinsam tauchen sie in die faszinierende Welt der nonverbalen Verbindung ein, die weit mehr als nur Befehle und Gehorsam umfasst. Sami, bekannt für seine innovative Arbeit im Bereich des körpersprachlichen Longierens, teilt seine Erkenntnisse und Leidenschaft für die Entwicklung einer feinsinnigen Körpersprache, die die Beziehung zwischen Hundebesitzer:innen und ihren treuen Gefährten bereichert und vertieft. Diese Episode ist eine Einladung, die eigene Kommunikation zu reflektieren und durch Verständnis und Empathie eine echte, herzliche Verbindung zu schaffen. Shownotes

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