Haben Hunde eine innere Uhr? Wie Rituale und Erwartungen den Alltag bestimmen

#46 Zufall, Gefühl oder Konditionierung? – Hat dein Hund eine innere Uhr?

#46 Zufall, Gefühl oder Konditionierung? – Hat dein Hund eine innere Uhr?

26. Februar 2026 · Sitz! Platz! Bleibt! - der Hundepodcast mit Nicole Borowy und Sami El Ayachi

Stell dir vor, das Geräusch deines Föhns ist für deinen Hund das untrügliche Signal zum Abendessen. Oder dein Vierbeiner weiß auf die Minute genau, wann du nach Hause kommst, selbst wenn der Zug mal Verspätung hat. Solche Phänomene lassen uns staunen und werfen eine spannende Frage auf: Haben Hunde wirklich eine Art inneren Zeitmesser? In der Podcast-Episode „Wer hat an der Uhr gedreht?“ von Sitz! Platz! Bleibt! gehen die Hosts Nicole Borowy und Sami El Ayachi genau dieser Frage auf den Grund. Anhand persönlicher Anekdoten und tiefgreifender Analysen entlarven sie, dass es weniger eine magische Uhr als vielmehr eine Kette aus clever verknüpften Ritualen, Geräuschen und Gewohnheiten ist, die den Alltag unserer Hunde taktet. Diese Folge ist ein Muss für alle, die verstehen wollen, wie ihre Hunde die Welt wahrnehmen und warum bestimmte Verhaltensweisen - von der Futtererwartung bis zum stürmischen Begrüßungsritual - entstehen und wie wir sie liebevoll lenken können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Rituale statt Uhrzeit: Hunde orientieren sich weniger an der Uhr als an festen Abläufen und konditionierten Signalen. Ein bestimmtes Geräusch (wie ein Föhn), eine Handlung (der Griff zum Kühlschrank) oder eine Routine (das abendliche Duschen) wird zum Auslöser für eine Erwartungshaltung, meistens im Zusammenhang mit Futter.
  • Personenspezifisches Verhalten: Hunde lernen sehr genau, welche Person im Haushalt welches Verhalten belohnt. So kann es sein, dass sie bei einer Person am Kühlschrank betteln, bei einer anderen aber nicht. Ihre Reaktionen sind oft nicht verallgemeinerbar, sondern an den jeweiligen Menschen geknüpft.
  • Geruch als Zeitmesser: Eine Theorie besagt, dass Hunde die Dauer unserer Abwesenheit am Nachlassen unseres Geruchs in der Wohnung messen können. Wenn der Geruch eine bestimmte Schwelle erreicht, wissen sie, dass es bald Zeit für unsere Rückkehr ist.
  • Der richtige Umgang mit Begrüßungen: Eine übermäßig stürmische Begrüßung sollte differenziert betrachtet werden. Statt den Hund pauschal zu ignorieren oder zu maßregeln, ist es wichtig, die Ursache zu verstehen. Handelt es sich um pure Freude oder um die Entladung von Trennungsstress?
  • Energie bewusst lenken statt unterdrücken: Sami schlägt vor, auf eine euphorische Begrüßung nicht mit Ignoranz, sondern mit bewusster Lenkung zu reagieren. Den Hund ruhig zu umarmen und festzuhalten, kann ihm helfen, seine Energie zu regulieren, ohne die freudige Verbindung zu kappen.

Die Illusion der inneren Uhr: Wenn Rituale den Takt vorgeben

Nicole eröffnet die Episode mit einer Szene, die vielen Hundebesitzer:innen bekannt vorkommen dürfte: Ihre drei Labradore, allen voran Jaxon, wissen genau, dass nach dem abendlichen Duschen und Föhnen das Abendessen serviert wird. Das Geräusch des ausgeschalteten Föhns ist der Startschuss. Hier wird schnell klar: Es ist nicht die Uhrzeit, die die Erwartungshaltung der Hunde steuert, sondern eine feste Kette von Ereignissen. Sami bestätigt diesen Eindruck mit einer herzerwärmenden Geschichte über seinen früheren Hund Pauli, der im Büro pünktlich um neun Uhr aufstand - nicht aus Zeitgefühl, sondern weil er das leise Klacken der Tür seiner Kollegin hörte, die ihm dann immer ein Stück Apfel gab. Diese Beispiele zeigen eindrücklich, wie präzise Hunde lernen, einzelne Signale mit einem nachfolgenden Ereignis zu verknüpfen. Es ist eine Form der klassischen Konditionierung, die oft fälschlicherweise als eine Art sechstes Sinn für die Zeit interpretiert wird.

Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Mein Hund wartet morgens nicht auf den Wecker, sondern auf das Geräusch der Kaffeemaschine. Erst dann streckt er sich und signalisiert, dass der Tag nun offiziell beginnen kann. Diese kleinen, etablierten Rituale geben dem Tag Struktur und Sicherheit - für Hund und Mensch.

Personen- und situationsabhängige Erwartungen

Ein weiterer entscheidender Punkt, den Sami und Nicole herausarbeiten, ist die Fähigkeit von Hunden, ihr Verhalten an verschiedene Personen anzupassen. Sami beschreibt, wie seine Hunde bei seiner Frau ein deutlicheres Appetenzverhalten zeigen, also aktiver nach Futter fragen, während sie bei ihm ruhiger bleiben. Auch Nicole kennt das: Wenn ihr Mann zum Kühlschrank geht, folgen ihm die Hunde auf dem Fuße, bei ihr bleiben sie entspannt liegen. Der Grund ist simpel: Die Hunde haben gelernt, bei wem sich das Nachfragen lohnt. Dieses personenspezifische Verhalten ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir als Halter:innen die Erwartungen unserer Hunde durch unser eigenes, oft unbewusstes Verhalten formen. Wenn die Kinder am Tisch sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas herunterfällt, höher - und die Hunde wissen das.

Diese Erkenntnis ist besonders in Mehrpersonenhaushalten Gold wert. Wenn ein Hund ein unerwünschtes Verhalten nur bei einer Person zeigt, liegt die Lösung oft nicht im Training mit dem Hund allein, sondern in der Anpassung der Routine der betreffenden Person.

Das Geheimnis der pünktlichen Heimkehr: Geruch als Zeitmesser?

Doch wie erklären sich die fast unheimlichen Fälle, in denen ein Hund die Ankunft seines Menschen vorauszusehen scheint? Sami erzählt von einer Kundin, deren Hund immer genau dann zur Tür ging, wenn sie am Hauptbahnhof aus dem Zug stieg - selbst bei Verspätungen. Eine populäre wissenschaftliche Erklärung hierfür ist die Geruchstheorie. Hunde haben einen phänomenalen Geruchssinn und könnten in der Lage sein, das Verblassen des menschlichen Geruchs in der Wohnung als eine Art Sanduhr zu nutzen. Je schwächer der Geruch, desto näher die Rückkehr. Für Hunde, die unter Trennungsstress leiden, kann dieser abnehmende Geruch ein Auslöser für Unruhe und problematisches Verhalten sein. Die Idee, den Geruch durch spezielle Sprays künstlich aufzufrischen, ist eine direkte Reaktion der Industrie auf diese Theorie.

Das Begrüßungsritual: Zwischen Ignorieren und euphorischem Tanz

Die wohl praxisrelevanteste Diskussion der Folge dreht sich um die richtige Reaktion auf einen Hund, der einen bei der Heimkehr überschwänglich begrüßt. Die oft gehörte Empfehlung, den Hund zu ignorieren, um das Verhalten nicht zu verstärken, hält Sami für realitätsfern und wenig zielführend. Wer kann schon einen 40-Kilo-Hund ignorieren, der an einem hochspringt? Außerdem wird die dahinterliegende Emotion des Hundes nicht adressiert. War der Hund gestresst und ist nun erleichtert, oder ist er einfach nur voller Freude?

Hier liefert Sami einen wertvollen Denkanstoß: Statt den Hund zu ignorieren oder gar zu bestrafen (etwa mit dem Knie), sollte man die Situation aktiv gestalten. Wenn der Hund entspannt war und sich einfach nur freut, kann man sich durchaus mitfreuen. Wenn die Begrüßung jedoch übertrieben wirkt, kann es helfen, die Energie des Hundes sanft zu kanalisieren. Ihn ruhig zu umarmen und ihm zu zeigen: "Ich sehe dich, ich freue mich auch, aber wir müssen es nicht übertreiben." Dieser Ansatz erhält die positive soziale Bindung, hilft dem Hund aber, sich zu regulieren.

Bei meiner eigenen Hündin habe ich in der Anfangszeit mit Ignorieren gearbeitet, weil sie vor Aufregung die Blase nicht halten konnte. Das Ignorieren hat auch enorm beim Alleinbleiben geholfen - wenn ich jetzt nach ein paar Stunden Abwesenheit nach Hause komme, steht sie nicht mal auf, sondern schläft einfach weiter.  

Praktische Schritte: So gehst du mit überbordender Freude um

Wenn dein Hund dich bei der Begrüßung regelmäßig an den Rand des Wahnsinns treibt, fassen Nicole und Sami einige konkrete Ansätze zusammen, die du ausprobieren kannst:

  1. Analysiere die Situation: Beobachte deinen Hund genau. Kommt er aus tiefem Stress oder aus purer Lebensfreude? Die richtige Reaktion hängt maßgeblich von dieser Einschätzung ab. Ein gestresster Hund braucht Beruhigung, ein freudiger Hund vielleicht nur eine liebevolle Begrenzung.
  2. Vergiss pauschale Rezepte: Starres Ignorieren oder aversive Methoden wie das Hochziehen eines Knies sind selten hilfreich. Sie können die Beziehung belasten und das eigentliche Problem - sei es Stress oder einfach nur ein schlecht gelerntes Ritual - nicht lösen.
  3. Probiere das "Rahmen" aus: Anstatt den Hund wegzustoßen, gehe auf ihn zu. Nimm seinen Kopf sanft in deine Hände oder umarme seinen Körper. Sprich ruhig mit ihm und zeige ihm, dass seine Freude angekommen ist, aber nun in ruhigere Bahnen gelenkt wird. Du gibst ihm Halt, anstatt ihn zu korrigieren.
  4. Experimentiere mit deinen Ritualen: Manchmal hilft es, eingefahrene Muster bewusst zu durchbrechen. Was passiert, wenn dein Partner, der sonst immer die stürmische Begrüßung bekommt, den Hund für ein paar Tage komplett ruhig und beiläufig begrüßt? Kleine Veränderungen können eine große Wirkung auf die Erwartungshaltung deines Hundes haben.

Am Ende rufen die beiden Hörer:innen dazu auf, ihre eigenen lustigen und einzigartigen Rituale zu teilen - eine Einladung, die zeigt, wie individuell und besonders die Beziehung zu jedem einzelnen Hund ist.


Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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