"Das hat er noch nie gemacht!": Was wirklich dahintersteckt, wenn Hunde plötzlich anders handeln

#53 Das hat er noch nie gemacht - was du jetzt wirklich tun solltest!

#53 Das hat er noch nie gemacht - was du jetzt wirklich tun solltest!

16. April 2026 · Sitz! Platz! Bleibt! - der Hundepodcast mit Nicole Borowy und Sami El Ayachi

Stell dir vor, du spazierst entspannt mit deinem Hund durch den Park. Plötzlich schießt er los, zerrt dich fast von den Füßen und jagt einem Eichhörnchen hinterher, das er sonst immer ignoriert hat. Dein erster Gedanke, während du dich verdattert aufrappelst? "Das hat er doch noch nie gemacht!" Genau diesen Satz, der wohl jedem von uns schon einmal über die Lippen gekommen ist, nehmen die Hundetrainer Nicole Borowy und Sami El Ayachi in ihrer Podcast-Episode von "Sitz! Platz! Bleibt!" genauer unter die Lupe. Sie gehen der Frage nach, was wirklich dahintersteckt, wenn unsere Hunde uns mit völlig neuem Verhalten überraschen. Ist es eine bequeme Ausrede, ein Zeichen für unbemerkte Entwicklungen oder eine echte, unvorhersehbare Premiere? Diese Episode ist ein Muss für alle, die verstehen wollen, warum Hunde manchmal aus heiterem Himmel anders handeln und wie wir lernen können, die feinen Signale zu lesen, bevor die große Überraschung kommt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Oft eine Frage der Intensität, nicht der Neuheit: Sami erklärt, dass der Satz "Das hat er noch nie gemacht" häufig bedeutet: "Das hat er noch nie so stark oder so störend gemacht." Das Verhalten war oft schon in kleineren, unauffälligen Ansätzen vorhanden, wurde aber von uns nicht als problematisch wahrgenommen.
  • Unsere menschliche Bewertung ist subjektiv: Wir neigen dazu, dasselbe Verhalten je nach Kontext unterschiedlich zu bewerten. Springt der Hund freudig an der Nachbarin hoch, finden wir es süß. Tut er dasselbe bei einer fremden Person mit weißer Hose, ist es ein Problem. Für den Hund ist es jedoch dieselbe Handlung.
  • Vom süßen Anfang zum ernsten Problem: Viele unerwünschte Verhaltensweisen, wie exzessives Jagen, beginnen mit harmlos wirkenden Aktionen. Das Jagen eines Laubblattes als Welpe kann die Vorstufe zum späteren Jagen von Radfahrern sein. Frühes Erkennen und Lenken ist hier entscheidend.
  • Einmal ist keinmal, zweimal ist eine Tendenz: Nicole bringt eine hilfreiche Faustregel ins Spiel. Ein Verhalten, das zum zweiten oder dritten Mal auftritt, ist keine einmalige Ausnahme mehr, sondern kann sich zu einer Gewohnheit entwickeln. Ab diesem Punkt sollten wir genauer hinschauen und eingreifen.
  • Manchmal ist es wirklich neu: Nicht immer sind wir blind für die Anzeichen. Hormonelle Veränderungen in der Pubertät, Stress oder einschneidende Erlebnisse können tatsächlich zu plötzlichen Verhaltensänderungen führen, die selbst für erfahrene Trainer überraschend kommen.
  • Proaktives Training statt reaktiver Korrektur: Anstatt zu warten, bis ein Problem auftritt, empfiehlt Sami, im Training gezielt Fragen zu stellen. Das bedeutet, den Hund in einem kontrollierten Rahmen mit potenziellen Reizen zu konfrontieren, um seine Reaktion zu testen und frühzeitig zu lenken.

Zwischen ehrlicher Überraschung und übersehenen Anzeichen

Wenn ein Hundebesitzer sagt, sein Hund habe etwas noch nie getan, steckt dahinter oft eine echte Verblüffung. Sami nimmt diese Aussage ernst und sieht sie nicht als faule Ausrede. Er betont jedoch, dass wir uns fragen müssen, ob das Verhalten wirklich brandneu ist oder ob wir es bisher einfach anders eingeordnet haben. Ein klassisches Beispiel ist das Ziehen an der Leine. Ein leichtes Ziehen in Richtung eines interessanten Geruchs wird oft toleriert. Wenn der Hund aber eines Tages mit voller Wucht losstürmt und uns fast umreißt, sind wir schockiert. Das Grundverhalten - sich ohne Rücksprache auf einen Reiz zuzubewegen - war aber schon längst da. Es war nur nie so massiv, dass es uns gestört hat. Hier liegt der Kern des Problems: Unsere Toleranzschwelle entscheidet oft darüber, wann wir ein Verhalten als neu oder problematisch einstufen, nicht die Handlung des Hundes selbst.

Die Tücke der menschlichen Wahrnehmung: Warum wir frühe Anzeichen übersehen

Wir Menschen sind Meister darin, Verhalten zu kategorisieren. Diese Fähigkeit, die uns im Alltag hilft, steht uns im Hundetraining manchmal im Weg. Nicole und Sami diskutieren, wie unsere subjektive Bewertung das Verhalten unserer Hunde formt. Das freudige Anspringen wird je nach Person und Kleidung entweder als niedlich oder als unverschämt eingestuft. Für den Hund ist die Situation verwirrend, da er für die gleiche Handlung mal belohnt und mal bestraft wird. Dieses Phänomen zieht sich durch viele Bereiche. Das süße Herumtollen eines Welpen, der einem fallenden Blatt nachjagt, ist ein gutes Beispiel. Aus Trainersicht ist das bereits eine erste Form von Jagdverhalten auf einen Bewegungsreiz. Wenn wir dies fördern, weil es harmlos wirkt, dürfen wir uns später nicht wundern, wenn der Hund dieses Muster auf Jogger, Radfahrer oder Autos überträgt. Die Herausforderung besteht darin, das Verhalten an sich zu sehen und vorausschauend zu überlegen, wohin es sich entwickeln könnte, anstatt es nur im gegenwärtigen, harmlosen Kontext zu bewerten.

Wenn Verhalten sich etabliert: Vom ersten Mal zur festen Gewohnheit

Wie schnell wird aus einer einmaligen Aktion eine feste Gewohnheit? Nicole zitiert eine eingängige Regel: "Einmal ist keinmal, zweimal ist einmal, und ab dem dritten Mal beginnt sich Verhalten zu etablieren." Diese Kölner Weisheit - Sami ergänzt, in Köln sei nach dem zweiten Mal schon Tradition - ist ein wichtiger Kompass im Hundetraining. Es bedeutet, dass wir nicht ewig warten sollten, um ein unerwünschtes Verhalten zu adressieren. Sami erzählt von seiner Hündin, die nach drei Stunden Alleinsein strategisch die Küche nach Essensresten absucht. Nachdem sie einmal erfolgreich war, hat sich dieses Verhalten verfestigt. Die persönliche Erfahrung zeigt: Sobald ein Hund mit einem bestimmten Verhalten Erfolg hatte - sei es das Stehlen vom Tisch oder das Durchsetzen beim Ziehen an der Leine -, wird er es wahrscheinlich wieder versuchen. Das zweite Mal ist daher der entscheidende Moment, um dem Hund eine Alternative aufzuzeigen und klarzumachen, dass sich dieses Verhalten nicht lohnt.

Die unvorhersehbaren Faktoren: Stress, Hormone und Umwelteinflüsse

Doch nicht immer ist es ein schleichender Prozess. Manchmal tritt Verhalten tatsächlich wie aus dem Nichts auf. Nicole teilt eine sehr persönliche Anekdote von einem Working-Test mit ihrem Hund Sherlock. Völlig unerwartet pinkelte er mitten in der Prüfungsaufgabe - etwas, das er in sieben Jahren noch nie getan hatte. Die Ursache war offensichtlich der immense Stress, den sie selbst unbewusst auf ihn übertragen hatte. Auch Sami kennt solche Fälle. Er beschreibt, wie manche Rassen, wie der Weimaraner, sich monatelang unauffällig entwickeln und dann durch den Hormoneinschuss in der Pubertät plötzlich intensives Jagd- oder Aggressionsverhalten zeigen. Ein weiteres spannendes Beispiel liefert er mit seinem Hund Jaxon. Dieser lief immer perfekt am Fahrrad, bis er nach einem Urlaub, in dem er einem anderen Hund beim Ballspielen zugesehen hatte, plötzlich bei der Sichtung einer Maus ins Rad schoss. Er hatte durch reines Zuschauen gelernt und war auf Bewegungsreize sensibilisiert worden. Diese Beispiele zeigen, dass wir nicht alles vorhersehen können und dass manchmal externe Faktoren unsere Hunde von einem Tag auf den anderen verändern können.

Vom Reagieren zum Agieren: Wie proaktives Training Überraschungen vorbeugt

Wie können wir also verhindern, ständig von unserem Hund überrascht zu werden? Die Lösung liegt laut Sami in einem proaktiven Trainingsansatz. Anstatt nur auf Probleme zu reagieren, wenn sie auftreten, sollten wir im Training gezielt alltagsnahe Fragen stellen. Was bedeutet das? Anstatt darauf zu warten, dass dein Hund am Seeufer in den Schlamm springt, kannst du das Thema an einem kontrollierten Tümpel üben. Du bringst ihn bewusst in die Situation und besprichst mit ihm, dass er nicht eigenständig ins Wasser gehen soll, sondern auf deine Freigabe warten muss. Indem du potenzielle Problemsituationen im Kleinen und unter kontrollierten Bedingungen durchspielst, gibst du deinem Hund die Werkzeuge an die Hand, um in der realen Welt die richtigen Entscheidungen zu treffen. So verhinderst du nicht nur, dass sich unerwünschtes Verhalten etabliert, sondern baust auch eine verlässliche Kommunikation auf, die auf Kooperation statt auf ständiger Kontrolle basiert.

Praktische Schritte: Vom Erkennen zum Handeln

Wenn du das nächste Mal denkst "Das hat er noch nie gemacht", nutze diesen Moment als Chance. Diese Schritte, abgeleitet aus dem Gespräch von Nicole und Sami, helfen dir dabei:

  1. Analysiere die Situation ehrlich: Frage dich direkt im Anschluss: War das wirklich das allererste Mal? Oder gab es schon ähnliche, aber schwächere Vorfälle, die du bisher nicht als störend empfunden hast? Sei ehrlich zu dir selbst.
  2. Bewerte das Verhalten, nicht den Kontext: Versuche, die Handlung deines Hundes isoliert zu betrachten. Ist Anspringen generell etwas, das du unterbinden möchtest, egal bei wem? Definiere für dich klare Regeln, die nicht von der Situation abhängen.
  3. Erkenne die Vorstufen und handle früh: Wenn dein Welpe Blätter jagt, unterbrich das Spiel freundlich und biete ihm eine Alternative an, die du kontrollieren kannst. Warte nicht, bis sich das Verhalten auf bewegte Objekte überträgt, die eine Gefahr darstellen.
  4. Nutze die "Zweimal-Regel": Tritt ein unerwünschtes Verhalten zum zweiten Mal auf, ist es Zeit zu handeln. Überlege dir einen Trainingsplan oder hole dir professionelle Hilfe, bevor es zur festen Gewohnheit wird.
  5. Stelle im Training gezielt Fragen: Baue kleine Herausforderungen in eure Spaziergänge ein. Lass Futter am Wegesrand liegen und übe, dass dein Hund daran vorbeigeht. Konfrontiere ihn auf Distanz mit Reizen und belohne ihn für ruhiges Verhalten. So bereitest du ihn auf unvorhergesehene Momente im Alltag vor.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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