Warum wir die schönen Momente mit Hund übersehen - Perspektivwechsel im Alltag & Training

#44 Was wäre, wenn eigentlich ziemlich viel schon richtig gut läuft?

#44 Was wäre, wenn eigentlich ziemlich viel schon richtig gut läuft?

12. Februar 2026 · Sitz! Platz! Bleibt! - der Hundepodcast mit Nicole Borowy und Sami El Ayachi

Wie oft bleiben nach einem Spaziergang vor allem die stressigen Momente hängen? Die eine Begegnung, die nicht rundlief, der Radfahrer, der sich aufregte, oder der eigene Hund, der mal wieder nicht hören wollte. In einer neuen Folge ihres Podcasts Sitz! Platz! Bleibt! nehmen uns die Hundetrainer:innen Nicole Borowy und Sami El Ayachi mit auf eine Reise, die genau diesen Fokus verschiebt. Statt großer Trainingspläne teilen sie sehr persönliche Einblicke in ihren Alltag mit Hunden - vom rücksichtsvollen Miteinander im Urlaub bis zum chaotischen, aber lehrreichen Leben im Wohnmobil.

Diese Episode ist eine wohltuende Erinnerung daran, dass das Leben mit Hunden nicht immer perfekt sein muss, um gut zu sein. Sie richtet sich an alle, die manchmal das Gefühl haben, nur noch Probleme zu wälzen, und zeigt, wie ein kleiner Perspektivwechsel und das Annehmen neuer Gewohnheiten nicht nur den Hund, sondern vor allem uns selbst verändern kann. Es geht um die zentrale Frage: Wie können wir die vielen positiven Momente bewusster wahrnehmen und aus unerwarteten Herausforderungen lernen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Blickwinkel entscheidet: Konzentriere dich bewusst auf die vielen positiven und unauffälligen Begegnungen im Alltag. Sami und Nicole stellen fest, dass wir die negativen Erlebnisse überbewerten, während rücksichtsvolles Verhalten oft als selbstverständlich abgetan wird. Ein bewusster Fokus auf das Gute kann die eigene Wahrnehmung und Stimmung nachhaltig verbessern.
  • Reisen fordert Anpassung: Ob im Hotel oder im Wohnmobil - eine neue Umgebung zwingt uns, gewohnte Routinen zu überdenken. Dies ist eine wertvolle Übung in Flexibilität und Organisation, von der auch dein Training zu Hause profitieren kann.
  • Respekt als Basis für Miteinander: Klare Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme sind der Schlüssel für ein entspanntes Zusammenleben von Hundehalter:innen und Nicht-Hundehalter:innen im öffentlichen Raum. Fragen statt Fordern und ein freundliches Danke bewirken oft Wunder.
  • Dein Hund, dein Spiegel: Hunde reagieren sensibel auf unsere Stimmung und unseren Stresslevel. Nicole beschreibt eindrücklich, wie ihr Hund Fred zu „Manfred“ wird, wenn sie genervt ist - ein klares Signal für sie, innezuhalten und die eigene Verfassung zu prüfen, bevor die Situation eskaliert.
  • Gewohnheiten sind mächtig, aber veränderbar: Die größten Hürden im Hundetraining sind oft unsere eigenen, tief verankerten Gewohnheiten. Nicoles Erfahrungen im Camper zeigen, wie herausfordernd, aber auch wie befreiend es sein kann, alte Muster aufzubrechen und sich neuen Abläufen zu öffnen.

Die Macht der positiven Begegnung

Die Episode startet mit einer einfachen, aber tiefgründigen Frage von Sami an Nicole: "Hattest du heute schon echt nette Begegnungen?" Nicole, die gerade mit seinem Hund Jaxon auf Sylt Urlaub macht, bejaht das sofort. Sie erzählt von auffallend vielen rücksichtsvollen Hundehalter:innen, die ihre Hunde vorausschauend zurückrufen oder an die Leine nehmen. Ein solches Erlebnis hatte auch Sami, als sich ein Radfahrer herzlich bei ihm bedankte, weil er seine freilaufenden Hunde rechtzeitig zu sich rief. Diese kleinen, positiven Interaktionen gehen im Alltag oft unter, weil - so die beiden Hosts - die negativen Erlebnisse emotional viel stärker nachwirken. Ein unhöflicher Kommentar bleibt länger im Gedächtnis als zehn freundliche "Guten Morgen"-Grüße.

Diese Beobachtung ist mehr als nur eine nette Anekdote. Sie ist ein Plädoyer dafür, die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Wenn wir uns aktiv darauf konzentrieren, die gelungenen Momente zu zählen - den entspannten Spaziergang, das freundliche Nicken eines Passanten, den Hund, der ruhig an einer Ablenkung vorbeigeht -, verändert das unsere gesamte Grundhaltung. Es hilft uns, aus der Problem-Fokussierung auszubrechen und die 90 % des Tages zu würdigen, die harmonisch verlaufen.

Mit Hund auf Reisen: Zwischen Hotel-Knigge und Camper-Chaos

Der Schauplatz wechselt von den Spazierwegen zu zwei ganz unterschiedlichen Urlaubssettings. Nicole berichtet von ihrem Aufenthalt in einem hundefreundlichen Hotel. Sie schildert den herzlichen Empfang, aber auch die klaren Regeln: Jaxon ist in den öffentlichen Bereichen immer angeleint und kommt selbstverständlich nicht mit ins Buffet-Restaurant. Nicole erklärt, warum eine Gebühr von 30 Euro pro Nacht für einen Hund gerechtfertigt ist: Der Reinigungsaufwand für ein Zimmer, in dem ein nasser Sand-Hund war, ist ungleich höher. Ein fairer Punkt, der oft für Diskussionen sorgt.

Als besonders wertvoll erweisen sich hierbei kleine Gesten des Hotels, wie ein bereitgestellter Wassernapf, aber auch die Eigenverantwortung des Gastes. Ein Tipp, der geteilt wird: Wer seinen Hund mit ins Bett nimmt, kann einfach eigene Bettwäsche mitbringen und überziehen. Es geht um ein Miteinander, bei dem beide Seiten - Hotel und Gast - durch vorausschauendes Handeln und klare Kommunikation für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Parallel dazu gibt Sami einen ehrlichen und humorvollen Einblick in seine ersten Touren mit dem neuen Wohnmobil. Hier gibt es keine Hotelregeln, dafür aber ganz neue logistische Herausforderungen. Wie bekommt man drei nasse, matschige Hunde in einen kleinen Raum, ohne alles zu fluten? Wo legt man seine Kleidung ab, wenn der gewohnte Stuhl fehlt? Diese neue Lebenssituation zwingt ihn, jahrzehntealte Gewohnheiten zu durchbrechen und sich komplett neu zu organisieren. Was zunächst anstrengend klingt, entpuppt sich für sie als wertvolle Erfahrung. Es ist eine direkte Parallele zum Hundetraining, wo wir oft von unseren Hunden verlangen, ihr Verhalten zu ändern, während wir selbst in unseren eingefahrenen Mustern verharren.

Wenn die Heizung ausfällt: Wie Hunde uns im Alltag helfen

Eine besonders eindrückliche Geschichte aus Samis Camper-Leben illustriert, wie eng die Verbindung zu unseren Hunden sein kann. Mitten in einer eiskalten Nacht fällt unbemerkt die Heizung aus. Sami selbst, warm unter seiner Decke, merkt davon nichts. Erst die ungewöhnliche Unruhe ihrer Hunde weckt ihn auf. Er bemerkt die Kälte, steht auf und schafft es, mitten in der Nacht das Stromproblem zu lösen. Seine Hunde waren sein Frühwarnsystem.

Diese Anekdote zeigt auf wunderbare Weise, dass unsere Hunde nicht nur unsere Begleiter, sondern auch feinfühlige Indikatoren für Veränderungen in ihrer Umwelt sind. Sie nehmen Stimmungen und physische Zustände oft viel früher wahr als wir selbst. Diese Sensibilität können wir nutzen, wenn wir lernen, ihre Signale richtig zu deuten - sei es eine subtile Unruhe oder eine Veränderung im Verhalten.

Lerne deine eigenen Trigger kennen

Der vielleicht wichtigste Punkt der Episode ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Mensch-Hund-Team. Sami teilt eine sehr persönliche Methode der Selbstreflexion: Sein Hund Fred wird in Gedanken zu "Manfred", wenn er ihn wirklich nervt. Der Namenswechsel ist für ihn ein untrügliches Alarmsignal. Es sagt ihm: "Achtung, deine Geduld ist am Ende. Jetzt musst du für dich selbst sorgen, bevor du unfair wirst." In diesem Moment geht es nicht mehr darum, den Hund zu korrigieren, sondern die eigene Belastungsgrenze zu erkennen und aktiv gegenzusteuern.

Nicole ergänzt dazu eine einfache, aber wirkungsvolle Technik für akute Stressmomente: kurz innehalten und buchstäblich die Luft anhalten. Dieser simple körperliche Akt unterbricht die emotionale Spirale, schafft einen winzigen Moment der Klarheit und ermöglicht es uns, überlegter zu handeln, anstatt nur zu reagieren. Es ist ein Moment, in dem aus dem genervten „Manfred“-Gefühl wieder ein liebevoller Blick auf Fred werden kann.

Praktische Schritte für einen entspannteren Alltag

Was kannst du aus diesem Gespräch konkret für dich und deinen Hund mitnehmen? Hier sind ein paar umsetzbare Ideen:

  1. Führe ein Positiv-Tagebuch: Notiere dir jeden Abend drei kleine, gelungene Momente mit deinem Hund. Das kann ein ruhiges Warten an der Ampel sein, ein entspanntes Liegen im Körbchen oder ein freudiges Schwanzwedeln zur Begrüßung. Das trainiert dein Gehirn, das Gute bewusster wahrzunehmen.
  2. Erkenne deinen "Manfred": Finde heraus, was dein persönliches Signal für Überforderung ist. Ist es ein bestimmtes Wort, das du denkst? Verkrampfen sich deine Schultern? Wirst du plötzlich sehr leise oder laut? Sobald du diesen Trigger erkennst, hast du die Chance, bewusst anders zu reagieren.
  3. Nutze den Atem-Trick: Wenn du merkst, dass du gestresst oder wütend wirst, halte für drei Sekunden inne. Atme einmal tief ein und aus. Frage dich: "Was ist jetzt wirklich wichtig?" Oft löst diese kurze Pause den Druck und verhindert eine Überreaktion.
  4. Brich eine kleine Gewohnheit: Nimm bewusst einen anderen Weg auf deiner täglichen Gassi-Runde, ändere die Reihenfolge deines Morgenrituals oder bringe deinem Hund einen neuen, sinnlosen Trick bei. Solche kleinen Brüche im Alltag halten dich und deinen Hund geistig flexibel und stärken eure Fähigkeit, euch an neue Situationen anzupassen.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

Mehr über das Projekt Petcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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