Wenn die Liebe zum Hund schwer wird: Abgeben als Option?

#69 Wenn es einfach nicht passt – muss ein Hund trotzdem bleiben?

#69 Wenn es einfach nicht passt – muss ein Hund trotzdem bleiben?

6. August 2026 · Sitz! Platz! Bleibt! - der Hundepodcast mit Nicole Borowy und Sami El Ayachi

Stell dir vor, der lang ersehnte Hund zieht ein, doch statt unbeschwerter Freude macht sich Verzweiflung breit. Die Spaziergänge werden zum Spießrutenlauf, das Zusammenleben zum permanenten Stresstest. Irgendwann steht die Frage im Raum, die sich niemand stellen möchte: Sollte ich diesen Hund wieder abgeben? Genau diesem emotional aufgeladenen und oft tabuisierten Thema widmen sich die Hundetrainer Nicole Borowy und Sami El Ayachi in ihrer Podcast-Episode von "Sitz! Platz! Bleibt!". Sie tauchen tief in die Grauzonen einer Entscheidung ein, die von außen schnell verurteilt, von innen aber oft als letzter Ausweg empfunden wird. Diese Zusammenfassung beleuchtet die Kernargumente, teilt die persönlichen und bewegenden Geschichten von Sami und gibt dir eine Orientierung, wie du mit dieser schweren Last umgehen kannst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine persönliche Entscheidung: Die Abgabe eines Hundes ist eine zutiefst individuelle Angelegenheit, die von Außenstehenden nicht be- oder verurteilt werden sollte. Sami betont, dass nur die Beteiligten die Dynamik und die Belastung wirklich kennen.
  • Hilfe suchen ist kein Scheitern: Bevor du eine endgültige Entscheidung triffst, solltest du unbedingt professionelle Hilfe von qualifizierten Trainerinnen und Trainern in Anspruch nehmen. Manchmal liegt die Lösung näher, als du denkst.
  • Das Wohl des Hundes im Fokus: Manchmal ist die Abgabe die fairste und liebevollste Lösung für den Hund. Wenn die Lebensumstände oder die Chemie einfach nicht passen, kann ein neues Zuhause für das Tier eine echte Chance auf ein glücklicheres Leben sein.
  • Nicht jede schwierige Phase ist das Ende: Besonders in anstrengenden Phasen wie der Pubertät ist Durchhalten gefragt. Nicole erinnert sich an die herausfordernde Zeit mit ihrem jungen Rüden Jaxon und macht deutlich, dass solche Hürden oft überwunden werden können.
  • Lernen für die Zukunft: Eine gescheiterte Hund-Mensch-Beziehung sollte immer Anlass zur Selbstreflexion sein. Warum hat es nicht funktioniert? Was lerne ich daraus für mich und für ein potenzielles zukünftiges Tier?
  • Der Sonderfall des alten Hundes: Auch die Pflege eines alten, kranken Hundes kann Menschen an ihre physischen und emotionalen Grenzen bringen. Sami spricht offen an, dass auch hier eine Abgabe in ein passendes Umfeld eine verantwortungsvolle Option sein kann.

Der schmale Grat zwischen Aufgeben und Loslassen

Die gesellschaftliche Erwartung ist klar: Wer sich einen Hund anschafft, übernimmt Verantwortung auf Lebenszeit. Doch was, wenn diese Verantwortung zur unerträglichen Bürde wird? Sami El Ayachi macht deutlich, dass es keinen pauschalen Zeitrahmen gibt, ab wann eine Abgabe legitim ist. Ob ein Welpe nach wenigen Wochen nicht ins Familiengefüge passt oder ein erwachsener Hund unüberwindbare Verhaltensprobleme zeigt - die Gründe sind vielfältig. Er unterscheidet klar zwischen einer vorschnellen Umtauschmentalität, die er scharf kritisiert, und dem ehrlichen Eingeständnis, einer Situation nicht gewachsen zu sein. Problematisch wird es, wenn ein Hund wie ein Objekt behandelt wird, das eine bestimmte Funktion - etwa im Hundesport - erfüllen muss und bei Versagen ausgetauscht wird. Völlig anders liegt der Fall, wenn die Sicherheit von Familienmitgliedern gefährdet ist oder der Hund unter den gegebenen Umständen dauerhaft leidet.

Zwei Hunde, zwei Schicksale: Samis persönliche Geschichten

Um die Komplexität des Themas greifbar zu machen, teilt Sami zwei sehr persönliche und bewegende Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da war zum einen sein Hund Paul, ein talentierter Hütehund, der im städtischen Umfeld immer wieder an seine Grenzen stieß. Sami beobachtete, wie Paul bei der Arbeit an Schafen regelrecht aufblühte und ein unglaubliches Potenzial zeigte. Mehrere Schäfer hätten ihn sofort übernommen. Diese Beobachtung stürzte Sami in einen tiefen inneren Konflikt: Hält er aus Egoismus an einem Hund fest, der an einem anderen Ort vielleicht ein erfüllteres Leben führen könnte? Letztlich entschied er sich, Paul zu behalten, da dieser eine extrem enge Bindung zu ihm hatte und bei einem Schäfer möglicherweise den intensiven sozialen Kontakt vermisst hätte. Dennoch begleitete ihn die Frage nach der Richtigkeit dieser Entscheidung lange Zeit.

Eine völlig andere Wendung nahm die Geschichte von Bruno, einem Golden Doodle. Bruno lebte in Samis Familie, zeigte aber durch nervöse Magenprobleme, dass ihn das trubelige Umfeld stresste. Als er während eines Urlaubs bei Samis Cousine unterkam, passierte etwas Erstaunliches: Hund und Cousine entwickelten eine außergewöhnlich tiefe Verbindung. Bruno blühte in ihrer Gegenwart auf und signalisierte bei späteren Besuchen immer deutlicher, wo er hingehörte. In einem herzzerreißenden, aber klärenden Moment erkannte selbst Samis Tochter unter Tränen, dass Brunos Platz bei ihrer Tante war. Der Hund hatte sich sein neues Zuhause quasi selbst ausgesucht. Heute, viele Jahre später, ist klar: Es war die absolut richtige Entscheidung für Bruno, dessen Stresssymptome im neuen Zuhause verschwanden. Diese Geschichte zeigt eindrücklich, dass ein Loslassen manchmal das größte Geschenk für einen Hund sein kann.

Wenn der Alltag zur Belastungsprobe wird

Die Gründe, die Menschen an den Rand der Verzweiflung bringen, sind oft sehr konkret. Sami zählt einige der häufigsten unüberwindbaren Hürden auf:

  • Aggressionsverhalten: Wenn ein Hund eine ernsthafte Gefahr für Menschen oder andere Tiere im Haushalt darstellt, ist oft eine Grenze erreicht, die nicht jeder Halter überschreiten kann oder sollte.
  • Tief sitzende Ängste: Ein Hund, der in städtischer Umgebung in permanenter Panik lebt, leidet. Wenn Training keine Besserung bringt, kann ein ruhigeres Zuhause auf dem Land die einzige Lösung sein.
  • Extremer Trennungsstress: Ein Hund, der in einer Mietwohnung stundenlang bellt oder die Einrichtung zerstört, bringt nicht nur den Halter, sondern auch das gesamte Umfeld in eine schwierige Lage.
  • Pflege im Alter: Ein alter Hund, der inkontinent wird, alle paar Stunden raus muss und intensive medizinische Versorgung benötigt, kann den Alltag komplett lahmlegen. Besonders für Menschen, die in oberen Stockwerken ohne Aufzug leben, wird dies zu einer unlösbaren logistischen und körperlichen Herausforderung.

Sami zieht hier eine nachdenkliche Parallele zur Pflege von Menschen: Wir haben Hospize und Pflegeheime geschaffen, weil wir anerkennen, dass nicht jeder die Pflege zu Hause leisten kann. Für Hunde fehlt eine solche gesellschaftlich akzeptierte Infrastruktur, was den Druck auf die Besitzer zusätzlich erhöht.

Praktische Schritte vor einer schweren Entscheidung

Wenn du dich in einer ähnlichen Situation befindest, gibt es Schritte, die du unternehmen kannst, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst. Sami und Nicole legen dir folgende Punkte ans Herz:

  1. Suche dir professionelle Unterstützung: Ein erfahrener Trainer kann die Situation von außen bewerten, realistische Prognosen abgeben und Trainingspläne entwickeln. Dieser Schritt ist unerlässlich, um sicherzugehen, dass du wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft hast.
  2. Schaffe Abstand auf Zeit: Manchmal hilft eine vorübergehende räumliche Trennung. Den Hund für ein paar Wochen in einer guten Pension oder bei einer kompetenten Betreuung unterzubringen, kann den Druck nehmen. So gewinnst du Zeit, dich zu sortieren, neue Kraft zu schöpfen und die Situation mit klarem Kopf zu bewerten.
  3. Reflektiere deine Rolle ehrlich: Frage dich kritisch, warum die Situation so ist, wie sie ist. Passt der Hundetyp grundsätzlich nicht zu deinem Leben? War der Zeitpunkt für einen Hund vielleicht falsch? Diese ehrliche Analyse hilft nicht nur in der aktuellen Situation, sondern schützt dich auch davor, dieselben Fehler zu wiederholen.
  4. Priorisiere das Wohl des Hundes: Versuche, die Welt aus den Augen deines Hundes zu sehen. Leidet er unter permanentem Stress? Könnte er an einem anderen Ort ein besseres, artgerechteres Leben führen? Manchmal erfordert wahre Tierliebe, das eigene Bedürfnis, den Hund zu behalten, hintenanzustellen.
  5. Vermeide den Wanderpokal: Sollte die Entscheidung zur Abgabe fallen, übernimm die Verantwortung für die Suche nach einem geeigneten neuen Zuhause. Gib ihn nicht leichtfertig ab, sondern sorge dafür, dass er an einen Ort kommt, an dem seine Bedürfnisse verstanden und erfüllt werden.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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