Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser besonderen Jubiläumsfolge des Podcasts The Pet Food Family spricht Moderator Jan Dießner mit Felix Voss, dem Geschäftsführer des Tiernahrungsherstellers Mera in dritter Generation. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Unternehmens reflektiert Felix Voss über den anstehenden symbolischen Stabwechsel von seinem Vater Bernd auf ihn, die emotionale Bedeutung dieses Tages und seine Vision für die Zukunft von Mera.
Die Episode bietet tiefgreifende Einblicke in die Dynamik eines Familienunternehmens, die Herausforderungen eines über ein Jahrzehnt andauernden Generationswechsels und die Führungsphilosophie, die Mera in die nächste Ära führen soll. Sie ist besonders relevant für Unternehmer:innen, Führungskräfte und alle, die sich für die komplexen Wechselwirkungen von Familie, Tradition und unternehmerischer Zukunft interessieren. Im Kern wird die Frage behandelt, wie man das Erbe ehrt und gleichzeitig mutig eigene Wege geht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Generationswechsel ist ein Marathon, kein Sprint: Felix Voss beschreibt den Übergabeprozess bei Mera als einen bewussten, elf Jahre andauernden Weg, der es ihm ermöglichte, in seine Rolle hineinzuwachsen und seinem Vater, schrittweise loszulassen.
- Fehler sind essenzieller Teil des Lernprozesses: Ein Schlüsselelement des erfolgreichen Wechsels war die Fähigkeit seines Vaters, es auszuhalten, dass Felix eigene Entscheidungen traf und dabei auch Fehler machte - eine notwendige Voraussetzung für dessen persönliche und berufliche Entwicklung.
- Symbolische Akte schaffen emotionale Klarheit: Die offizielle Feier zum Jubiläum ist nicht nur ein Fest, sondern auch ein wichtiger symbolischer Akt, der den emotionalen Abschluss der Übergabe markiert und die alleinige Verantwortung für Felix Voss sichtbar macht.
- Das Unternehmen als "Geschwisterchen": Felix Voss sieht Mera nicht als sein "Kind", das er umsorgen muss, sondern als "Geschwisterchen". Diese Metapher unterstreicht eine Beziehung auf Augenhöhe, die von gemeinsamer Entwicklung und Freude am Wachstum geprägt ist.
- Kollektive Fußspuren statt riesiger Einzelabdrücke: Anstatt in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten, möchte Felix Voss gemeinsam mit seinem Team neue, vielfältige Abdrücke schaffen. Es geht ihm um eine geteilte Verantwortung und die Sichtbarkeit aller Mitwirkenden.
- Die Kraft der Gegenwart: Bewusst im Hier und Jetzt zu leben und zu entscheiden, ist für Felix Voss der Schlüssel zur Gestaltung der Zukunft. Er betont, dass der gegenwärtige Moment der einzige ist, in dem wir wirklich handeln können.
Ein emotionaler Meilenstein: 75 Jahre Mera und der offizielle Stabwechsel
Der Tag der Aufnahme ist für Felix Voss von großer emotionaler Bedeutung. Einerseits feiert das Familienunternehmen Mera sein 75-jähriges Bestehen mit rund 300 geladenen Gästen, andererseits markiert dieser Tag den offiziellen Rückzug seines Vaters Bernd Voss aus dem Unternehmen. Obwohl die faktische Übergabe der Verantwortung bereits seit Längerem stattgefunden hat, unterstreicht Felix Voss die Wichtigkeit dieses symbolischen Aktes. Er erklärt, dass dieser Moment die berufliche Beziehung zwischen ihm und seinem Vater abschließt und Raum schafft, die Vater-Sohn-Beziehung wieder in den Vordergrund zu rücken. Diese doppelte Bedeutung des Tages führt bei ihm zu einer seltenen Aufregung und Emotionalität.
Der 11-jährige Weg zum Generationswechsel: Loslassen und Reinwachsen
Felix Voss beschreibt den Generationswechsel bei Mera als einen Prozess, der bereits vor elf Jahren begann. Er hebt hervor, wie wichtig diese lange Zeitspanne für beide Seiten war. Für ihn selbst sei es eine Phase intensiver Persönlichkeitsentwicklung gewesen, um aus der Rolle des "Berufssohns" in die des verantwortlichen Geschäftsführers hineinzuwachsen. Für seinen Vater bestand die größte Herausforderung darin, loszulassen, Kontrolle abzugeben und es auszuhalten, dass Entscheidungen anders getroffen wurden, als er es getan hätte. Besonders prägend war laut Voss die Notwendigkeit, zuzusehen, wie sein Sohn Fehler machte, da nur so echtes Lernen und Wachstum möglich waren. Diese Dynamik habe er erst durch seine eigene Vaterrolle vollständig nachvollziehen können.
Mera als Geschwisterchen: Eine besondere Unternehmensphilosophie
Auf die Frage nach seiner emotionalen Beziehung zum Unternehmen greift Felix Voss auf eine Metapher zurück, die seine Schwester einst prägte: Mera sei wie ein "Geschwisterchen". Anders als sein Vater, für den das Unternehmen wie ein weiteres Kind war, das er großzog, empfindet Felix Voss die Beziehung als eine auf Augenhöhe. Ein Geschwisterchen müsse man nicht umsorgen, sondern man freue sich daran, es wachsen und sich entwickeln zu sehen. Diese Perspektive erlaubt es dem Unternehmen, erwachsen zu sein und sich eigenständig weiterzuentwickeln. Die "Seele" von Mera entstehe dabei nicht durch Gebäude oder Maschinen, sondern durch die Menschen - sowohl intern als auch extern -, die die "Mera-Familie" bilden.
Die Kunst, eigene Fußspuren zu hinterlassen
Felix Voss reflektiert über die Herausforderung, in die "sehr, sehr großen" Fußstapfen seines Vaters zu treten. Sein Ziel sei es jedoch nicht, diese zu füllen, sondern eigene, neue Wege zu gehen. Er betont, dass seine Führungs- und Arbeitsweise sich von der seines Vaters unterscheidet, was für die Weiterentwicklung des Unternehmens notwendig sei. Dabei sei es ihm besonders wichtig, dass nicht nur seine eigenen Fußabdrücke sichtbar werden, sondern die des gesamten Teams. Seinen Führungsstil beschreibt er mit dem Bild des "längere Stehenbleibens" anstatt des "doll Auftretens". Dies stehe für einen Ansatz, der auf Geduld, Überzeugung und dem Mitnehmen von Menschen basiert, anstatt auf Dominanz.
Die Zukunft von Mera: Wachstum durch gelingende Beziehungen
Die Vision für die Zukunft von Mera ist klar auf nachhaltiges Wachstum und die Stärkung der Marke ausgerichtet, sowohl national als auch international. Felix Voss verzichtet bewusst auf konkrete Umsatzzahlen. Für ihn ist der wirtschaftliche Erfolg eine logische Konsequenz aus einem funktionierenden Team, einer positiven Arbeitsatmosphäre und der Begeisterung für die gemeinsame Mission. Im Mittelpunkt steht das Thema "gelingende Beziehungen" - insbesondere die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Durch hochwertige Ernährung möchte Mera dazu beitragen, dass Haustiere ein langes, gesundes Leben führen und die Beziehung zu ihren Menschen so lange wie möglich andauert. Die oberste Priorität ist es, das Unternehmen erfolgreich an zukünftige Generationen weitergeben zu können.
Prinzipien für einen erfolgreichen Generationswechsel
Aus den persönlichen Erfahrungen von Felix Voss lassen sich mehrere Kernprinzipien für einen gelungenen Nachfolgeprozess in Familienunternehmen ableiten:
- Plane den Übergang als langfristigen Prozess: Ein erfolgreicher Wechsel braucht Zeit. Plane Jahre, nicht Monate, um beiden Generationen die Möglichkeit zu geben, sich an die neuen Rollen anzupassen.
- Fördere echtes Lernen durch Autonomie: Die abgebende Generation muss lernen, Kontrolle abzugeben und dem Nachfolger oder der Nachfolgerin zu erlauben, eigene Entscheidungen zu treffen und aus unvermeidbaren Fehlern zu lernen.
- Trenne berufliche und private Rollen klar: Definiere, wann man als Geschäftsführer:in und wann als Vater/Mutter oder Sohn/Tochter agiert. Dies hilft, Konflikte zu minimieren und die familiäre Beziehung zu schützen.
- Nutze symbolische Akte für den emotionalen Abschluss: Eine offizielle Feier oder ein symbolischer Akt kann helfen, den Übergang für alle Beteiligten - Familie, Team und Partner - emotional greifbar zu machen und einen klaren Schlusspunkt zu setzen.
- Fokussiere dich auf eine gemeinsame Vision: Anstatt in der Vergangenheit zu verharren oder nur über die ferne Zukunft zu spekulieren, konzentriere dich darauf, im Hier und Jetzt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.