Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
Mehr über das Projekt Petcaster
In dieser Episode des Podcasts HUNDESTUNDE spricht Moderatorin Conny Sporrer mit der bekannten Journalistin, Autorin und Moderatorin Bärbel Schäfer. Nach dem schmerzlichen Verlust ihres langjährigen Begleiters Snoopy hat Bärbel Schäfer die Tierschutzhündin Coco in ihre Familie aufgenommen. Im Gespräch geht es um die Freuden, aber auch um die spezifischen erzieherischen Herausforderungen, die die junge Hündin mit sich bringt.
Der Fokus liegt auf zwei zentralen Themen: Cocos stark ausgeprägtes Problem mit dem Alleinebleiben und ihr neuerdings auftretendes Anspringen im Aufzug. Die Episode bietet eine tiefgehende Analyse der Ursachen und liefert direkt umsetzbare Lösungsansätze, die für alle Hundebesitzer relevant sind, deren Hunde zu Kontrollverhalten oder Distanzlosigkeit neigen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Verlustangst vs. Kontrollverlust: Conny analysiert, dass Cocos Stress beim Alleinebleiben weniger auf klassischer Verlustangst basiert, sondern auf einem Kontrollverlust. Da sie auch in Anwesenheit anderer Familienmitglieder unruhig wird, ist das Problem stark auf Bärbel Schäfer als Hauptbezugsperson fokussiert.
- Der „Helikopter-Hund“: Das ständige Verfolgen in der Wohnung ist ein Zeichen dafür, dass Coco Bärbel „bevormundet“ und sich für sie verantwortlich fühlt. Dieses Verhalten wird oft unbewusst durch ständige kleine Aufmerksamkeiten des Menschen verstärkt.
- Souveränität durch Ignoranz: Um das Kontrollverhalten zu durchbrechen, rät Conny, die von Coco initiierten Interaktionen (z. B. Anstupsen, Blickkontakt suchen) gezielt zu ignorieren. Stattdessen sollte Bärbel Schäfer Interaktionen bewusst selbst beginnen.
- Distanz im Alltag schaffen: Ein wichtiger Trainingsschritt ist, auch innerhalb der Wohnung räumliche Distanz zu schaffen, indem man Türen zwischen den Zimmern schließt, um Coco an kurze Trennungen zu gewöhnen.
- Mentale Auslastung vor dem Weggehen: Kurze, intensive Trainingseinheiten wie Suchspiele sind oft effektiver als lange Spaziergänge, um einen Hund vor dem Alleinebleiben mental auszulasten und zu beruhigen.
- Rituale gegen unerwünschtes Verhalten: Um das Anspringen im Aufzug zu unterbinden, sollte ein neues, alternatives Ritual etabliert werden, z. B. den Hund in eine Ecke zu schicken und ihn für ruhiges Sitzenbleiben zu belohnen.
- Neutrale Abschiede und Begrüßungen: Beim Verlassen des Hauses und bei der Rückkehr sollte kein großes Aufheben gemacht werden. Den Hund bei der Ankunft für einige Minuten zu ignorieren, signalisiert ihm, dass die Trennung keine große Sache war.
Von Snoopy zu Coco: Ein Tierschutzhund zieht ein
Bärbel Schäfer berichtet zu Beginn von dem schmerzlichen Abschied von ihrem Rüden Snoopy, einem Straßenhund aus Griechenland, der 14 Jahre Teil der Familie war. Nach einer kurzen Zeit der Trauer entschied sich die Familie bewusst wieder für einen Hund, um das „Leben“ zurück ins Haus zu holen. Ihre Wahl fiel auf Coco, eine junge Hündin aus dem italienischen Tierschutz. Bärbel Schäfer beschreibt, wie sie sich aufgrund von Cocos Ähnlichkeit zu einem Berner Sennenhund und den positiven Berichten der Pflegestelle für sie entschied. Coco wurde als menschenfreundlich, welpentypisch verspielt und nicht zum Kläffen neigend beschrieben - wichtige Kriterien für Bärbel Schäfers dynamischen Alltag mit vielen Reisen und Besuchen in Redaktionen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs ist Coco etwa 13-14 Monate alt und mitten in der Pubertät.
Die Haupt-Herausforderung: Wenn der Hund nicht alleine bleiben kann
Das zentrale Problem für Bärbel Schäfer ist, dass Coco nicht entspannt alleine zu Hause bleiben kann. Während sie im Auto problemlos wartet, zeigt sie in der Wohnung deutliche Stresssymptome wie Hecheln, Jaulen und Unruhe, sobald Bärbel Schäfer das Haus verlässt. Besonders aufschlussreich ist ihre Beobachtung, dass Coco auch dann gestresst ist, wenn andere Familienmitglieder, wie einer ihrer Söhne, anwesend sind. Die Unruhe ist also direkt an die Abwesenheit von Bärbel gekoppelt. Sie beschreibt Coco humorvoll als ihren „Kokoschatten“, der ihr in der Wohnung auf Schritt und Tritt folgt.
Analyse der Ursachen: Verlustangst oder Kontrollverlust?
Conny führt eine wichtige Unterscheidung ein: Es handelt sich bei Coco wahrscheinlich weniger um klassische Verlustangst, bei der es dem Hund um die Anwesenheit irgendeines Sozialpartners geht, sondern um Kontrollverlust. Coco ist extrem auf Bärbel Schäfer fixiert und scheint das Gefühl zu haben, auf sie aufpassen zu müssen. Conny erklärt, dass Hunde mit hoher sozialer Motivation dazu neigen, ihre Menschen zu „helikoptern“. Dieses Verhalten wird oft unbewusst gefördert, indem der Mensch auf jede kleine Initiative des Hundes eingeht - ein kurzer Blick, ein Streicheln, ein Leckerli. Der Hund lernt dadurch, dass sich sehr viel um ihn dreht und er viele Entscheidungen treffen kann, was sein Gefühl von Verantwortung und damit auch seinen Kontrollstress verstärkt.
Unerwünschtes Verhalten im Alltag: Das Anspringen im Aufzug
Ein weiteres, neueres Problem ist, dass Coco im Aufzug an Bärbel Schäfer hochspringt, wenn sie nach unten fahren. Bärbel beschreibt das Verhalten als freudig, aber auch als störend, insbesondere wenn sie saubere Kleidung für einen Termin trägt. Conny erklärt, dass dieses Verhalten verschiedene Ursachen haben kann, von freudiger Erregung bis hin zu beschwichtigendem Verhalten, das aus einer leichten Unsicherheit in der Situation resultiert. Unabhängig von der Motivation handelt es sich um eine Form der Distanzlosigkeit, die man nicht tolerieren sollte, da der Hund dieses Verhalten auch auf andere, vielleicht gebrechliche Personen übertragen könnte.
Praktische Schritte: So trainierst du das Alleinebleiben
Basierend auf ihrer Analyse gibt Conny Bärbel Schäfer einen klaren Fahrplan an die Hand, um Cocos Kontrollverhalten zu reduzieren und das Alleinbleiben zu trainieren:
- Führungsrolle im Alltag stärken: Bärbel sollte darauf achten, weniger auf Cocos Kontaktversuche zu reagieren. Interaktionen wie Streicheln, Spielen oder Aufmerksamkeit sollten primär von ihr ausgehen, nicht vom Hund eingefordert werden. Dies entlastet den Hund von seiner gefühlten Verantwortung.
- Räumliche Distanz in der Wohnung schaffen: Ein einfacher, aber effektiver Schritt ist es, Coco nicht mehr überallhin folgen zu lassen. Indem Bärbel die Tür zum Büro oder zur Küche schließt, wenn sie nur kurz den Raum verlässt, übt sie in kleinen, kontrollierten Schritten das Getrenntsein.
- Mentale Auslastung gezielt einsetzen: Vor geplanten Abwesenheiten sollte Coco nicht nur körperlich, sondern vor allem mental gefordert werden. 10-15 Minuten intensive Suchspiele mit Futter können den Hund effektiver ermüden als eine lange Gassi-Runde.
- Schlüsselreize desensibilisieren: Geräusche wie das Klappern des Schlüssels oder das Öffnen der Haustür sollten ihre Bedeutung verlieren. Conny rät, diese Handlungen immer wieder durchzuführen, ohne tatsächlich zu gehen, während Coco in einem anderen Raum wartet.
- Abschied und Begrüßung neutral gestalten: Sowohl beim Gehen als auch beim Kommen sollte kein großes Ritual stattfinden. Nach der Rückkehr ist es wichtig, den Hund zunächst für einige Minuten zu ignorieren und erst dann ruhig zu begrüßen, wenn er sich beruhigt hat.
- Hilfsmittel nutzen: Eine Überwachungskamera hilft, das Verhalten des Hundes objektiv zu beurteilen und das Training anzupassen. Ein Kauspielzeug wie ein gefüllter Kong kann dem Hund während der Trennung eine positive und beruhigende Beschäftigung bieten.
Protokoll für den Aufzug: Ein neues Ritual etablieren
Um das Anspringen im Aufzug zu unterbinden, schlägt Conny vor, das unerwünschte Verhalten durch ein neues, positives Ritual zu ersetzen, bevor es überhaupt gezeigt werden kann:
- Beim Betreten des Aufzugs wird Coco sofort auf einen festen Platz (z. B. in eine Ecke) geschickt.
- Dort erhält sie das Signal „Sitz“ und wird für das ruhige Warten belohnt.
- Während der Fahrt wird sie für das Sitzenbleiben mehrfach ruhig mit Leckerlis bestärkt.
- Erst nach dem Öffnen der Tür wird das Signal mit einem „Lauf“ oder „Okay“ aufgelöst.