Anja Plötze von Notfellchen Rumänien e. V. über die Realität des Auslandstierschutzes

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts The Pet Food Family spricht Host Jan Dießner mit Anja Plötze, der Gründerin und ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins Notfellchen Rumänien e. V. Anja gibt tiefgreifende und ungeschönte Einblicke in die Welt des Auslandstierschutzes. Sie erzählt von ihrem persönlichen Weg, den bürokratischen Hürden, der emotionalen Belastung und den unbezahlbaren Glücksmomenten ihrer Arbeit.

Die Episode beleuchtet die drängende Frage, warum Tierschutz nicht an Landesgrenzen Halt machen darf und entkräftet gängige Vorurteile. Sie richtet sich an alle Tierliebhaber:innen, potenzielle Adoptant:innen und Menschen, die verstehen wollen, was es wirklich bedeutet, sich für Tiere in Not einzusetzen - und wie jeder Einzelne helfen kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Tierschutz kennt keine Grenzen: Anja Plötze argumentiert, dass das Leid von Tieren in rumänischen Tötungsstationen mit den Bedingungen in deutschen Tierheimen nicht vergleichbar ist. Dort kämpfen Hunde täglich ums Überleben.
  • Seriöse Arbeit ist bürokratisch: Anerkannte Tierschutzvereine wie Notfellchen Rumänien e. V. durchlaufen strenge behördliche Prüfungen, benötigen eine Genehmigung nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes und registrieren jeden Hund im europäischen TRACES-System.
  • Social Media als entscheidendes Werkzeug: Die Reichweite in sozialen Netzwerken ist unerlässlich, um die richtigen Menschen für die richtigen Hunde zu finden und auf die Dringlichkeit der Situation aufmerksam zu machen, wie der Fall des Hundes Opi zeigt.
  • Emotionale Belastung und Motivation: Die Arbeit ist psychisch extrem fordernd, doch die Erfolgsgeschichten - insbesondere die Rettung und Vermittlung von alten, kranken oder gehandicapten Hunden - wirken wie eine "Sucht" und sind der größte Antrieb.
  • Der Mensch im Fokus der Vermittlung: Die Einschätzung potenzieller Adoptant:innen ist oft schwieriger als die der Hunde. Ein offenes Gespräch über die Herausforderungen und eine intensive Nachbetreuung sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Vermittlung.
  • Jeder Beitrag zählt: Ob als Pflegestelle, durch Spenden, das Teilen von Beiträgen oder Zivilcourage bei Tierquälerei vor der eigenen Haustür - jeder kann einen Unterschied machen.

Anjas Weg zum Tierschutz: Vom Schock-Video zur Vereinsgründung

Anja Plötze engagierte sich schon als Kind für Tiere, doch ihr Weg in den organisierten Auslandstierschutz begann durch ein einschneidendes Erlebnis auf Social Media. Sie sah ein Video aus Rumänien, das angekettete Hunde im Winter zeigte, von denen einige über Nacht erfroren waren. Dieser Schockmoment führte zu einem Kontakt mit der rumänischen Tierschützerin Anna Maria, die sie bis heute unterstützt. Anja erklärt: „Das war für mich echt ein Kulturschock.“ Ihre erste Reise nach Rumänien, beladen mit Sachspenden, konfrontierte sie live mit dem Elend und zementierte ihren Entschluss, aktiv zu werden. Aus dieser persönlichen Initiative entstand der Verein Notfellchen Rumänien e. V., der heute unter strengen Auflagen und mit viel Herzblut arbeitet.

Die Realität des Auslandstierschutzes: Mythen und Fakten

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die oft hitzig geführte Debatte zwischen Inlands- und Auslandstierschutz. Anja Plötze positioniert sich klar: „Tierschutz endet ja nicht an irgendeiner dämlichen Grenze, die irgendein Mensch mit einem Stift auf eine Karte gezeichnet hat.“ Sie entkräftet das weitverbreitete Vorurteil, dass Hunde aus dem Ausland die deutschen Tierheime füllen würden. Für ihren Verein stellt sie fest: „Bei uns ist von unseren Hunden ist noch kein einziger Hund in einem deutschen Tierheim gelandet.“ Der Schlüssel dazu sei eine sorgfältige Vermittlung und eine intensive Nachbetreuung, bei der bei Problemen Trainer empfohlen und Hilfestellung geleistet wird. Sie betont die dramatischen Unterschiede: Während Tiere in deutschen Heimen gut versorgt sind, geht es in rumänischen Sheltern und Tötungsstationen um Leben und Tod.

Hinter den Kulissen: Der bürokratische Aufwand eines seriösen Vereins

Anja Plötze schildert detailliert, wie komplex und reguliert die Arbeit eines seriösen Tierschutzvereins in Deutschland ist. Um Hunde legal einführen zu dürfen, sind zahlreiche Hürden zu nehmen:

  • Genehmigung nach Paragraph 11: Jeder Verein benötigt eine offizielle Genehmigung des zuständigen Veterinäramtes, die an einen Sachkundenachweis gebunden ist. Dieser erfordert einen teuren Lehrgang und eine Prüfung.
  • TRACES-System: Jeder Hund, der nach Deutschland einreist, muss im europäischen System TRACES registriert werden. Dies dient der Rückverfolgbarkeit, um im Falle eines Krankheitsausbruchs (z. B. Tollwut) die Herkunft lückenlos nachvollziehen zu können.
  • Strenge Kontrollen: Das Veterinäramt prüft die Transportmittel, die Impf- und Entwurmungsschemata sowie die Präventionsmaßnahmen gegen Mittelmeerkrankheiten vor Ort.
  • Finanzielle Transparenz: Als gemeinnütziger Verein unterliegt Notfellchen Rumänien e. V. der Kontrolle des Finanzamtes und muss seine Buchhaltung offenlegen.

Dieser immense Aufwand dient dazu, die Seriosität der Arbeit sicherzustellen und ist ein klares Unterscheidungsmerkmal zu illegalem Welpenhandel.

Die emotionale Achterbahnfahrt: Zwischen Elend und Glücksmomenten

Die psychische Belastung im Tierschutz ist enorm. Anja beschreibt, wie sie sich auch nach sieben Jahren nicht an den Anblick des Leids in den Tötungsstationen gewöhnen kann. Besonders schwer wiegt die Entscheidung, welche Hunde gerettet werden können und welche zurückbleiben müssen. Der Verein konzentriert sich dabei auf die Schwächsten: alte, kranke und gehandicapte Hunde, die ohne Hilfe keine Überlebenschance hätten. Auf die Frage, warum sie sich das antut, antwortet Anja: „Es sind diese Erfolgsgeschichten, die machen süchtig.“ Das Gefühl, ein schwer verletztes Tier zu retten und später glücklich in einer Familie zu sehen, sei durch nichts zu ersetzen. Diese Momente geben ihr die Kraft, weiterzumachen.

Der Vermittlungsprozess: Die Suche nach der passenden Familie

Anja betont, dass die Einschätzung von Menschen oft die größere Herausforderung ist als die von Hunden. Der Vermittlungsprozess ist daher mehrstufig und intensiv. In den ersten Telefonaten betreibt sie bewusst „Real Talk“, um sicherzustellen, dass sich Interessent:innen der Verantwortung und der potenziellen Schwierigkeiten bewusst sind. Es folgt eine Vorkontrolle vor Ort, bei der erfahrene Helfer:innen das zukünftige Zuhause prüfen und über wichtige Themen wie die Sicherung des Hundes aufklären. Ziel ist es, eine stabile und dauerhafte Verbindung zwischen Mensch und Tier zu schaffen, was durch die enge Nachbetreuung auch nach der Adoption sichergestellt wird.

Praktische Schritte: So kannst Du aktiv werden

Anja Plötze ruft dazu auf, dass jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag leisten kann. Hier sind konkrete Handlungsempfehlungen aus dem Gespräch:

  1. Engagiere Dich vor Ort: Du kannst Gassigänger:in im lokalen Tierheim werden oder andere lokale Tierschutzinitiativen unterstützen.
  2. Spende gezielt: Geld- und Sachspenden sind für Vereine essenziell, um Tierarztkosten, Futter und Transporte zu finanzieren. Jeder Euro hilft.
  3. Werde Pflegestelle: Biete einem Tier ein vorübergehendes Zuhause und sei damit ein wichtiges Sprungbrett in ein endgültiges Leben in einer Familie. Pflegestellen werden dringend gesucht.
  4. Kläre auf und teile Inhalte: Nutze Deine Stimme und Deine Social-Media-Kanäle, um auf Notfälle aufmerksam zu machen und Vorurteile gegenüber dem Auslandstierschutz sachlich zu entkräften.
  5. Zeige Zivilcourage: Melde Tierquälerei oder Vernachlässigung in Deiner Nachbarschaft konsequent dem zuständigen Ordnungs- oder Veterinäramt. Bleibe hartnäckig, wenn Behörden nicht sofort reagieren.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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