Babette Terveer über das Massensterben der Straßenhunde in der Türkei

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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Triggerwarnung: Diese Episode behandelt explizite Themen wie Tierquälerei und Tötungen, die auf einige belastend wirken können.

In dieser Episode des Podcasts The Pet Food Family spricht die erste Vorsitzende der Tierschutzorganisation Notpfote Animal Rescue, Babette Terveer, über die dramatische und eskalierende Situation der Straßentiere in der Türkei. Sie gibt erschütternde Einblicke in die Folgen eines neuen Tierschutzgesetzes, das, obwohl anders formuliert, in der Praxis zu Massentötungen und unermesslichem Leid führt.

Die Episode beleuchtet die tiefen Gräben innerhalb der türkischen Gesellschaft, die Arbeit von Tierschützern an vorderster Front und die persönliche Belastung, die mit dem täglichen Kampf gegen Tierleid in Krisengebieten einhergeht. Es geht um die Frage, wie ein Gesetz zum Schutz von Tieren zu einem Instrument der Gewalt werden konnte und was getan werden kann, um den Stimmlosen eine Stimme zu geben.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Falsch interpretiertes Gesetz: Ein neues türkisches Gesetz verpflichtet Kommunen, Straßenhunde in Tierheime zu bringen. Da es an Plätzen und Mitteln fehlt, hat dies laut Babette zu einem „Freibrief“ für brutale und illegale Tötungen durch hundefeindliche Bürger und überforderte Behörden geführt.
  • Gespaltene Gesellschaft: Die türkische Bevölkerung ist tief gespalten. Babette beschreibt, dass etwa die Hälfte ihre Straßenhunde „abgöttisch liebt“ und versorgt, während die andere Hälfte sie tot sehen will. Dies führe zu „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“.
  • Grausame Realität in staatlichen Tierheimen: Viele staatliche Tierheime sind laut Babette Orte des Schreckens. Hunde werden zusammengepfercht, verhungern oder sterben an behandelbaren Krankheiten. Ein in Gebze aufgedecktes Massaker, bei dem über 100 Hunde illegal getötet wurden, belegt diese Zustände.
  • Kastrationsprojekte blockiert: Die einzig nachhaltige Lösung - flächendeckende Kastrations- und Freilassungsprogramme (Trap-Neuter-Return) - ist durch das neue Gesetz verboten. Organisationen wie Notpfote dürfen kastrierte Tiere nicht mehr auf die Straße zurückbringen, was ihre Arbeit massiv behindert.
  • Vertrauen als Todesfalle: Anders als in vielen anderen Ländern sind Straßenhunde in der Türkei oft sehr menschenfreundlich und zutraulich. Dieses Vertrauen wird ihnen nun zum Verhängnis, da sie sich leicht von Hundefängern oder gewalttätigen Personen anlocken lassen.
  • Aufklärung ist entscheidend: Babette betont, wie wichtig es ist, über die Situation in der Türkei zu berichten, da sie in den deutschen Medien kaum Beachtung findet. Öffentlicher Druck durch soziale Medien und Journalismus sei eine der wenigen Waffen, die den Tierschützern bleibt.
  • Tierschutz beginnt im Kleinen: Babette appelliert an jeden Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen - sei es durch bewussten Konsum, das Anleinen des eigenen Hundes zum Schutz von Wildtieren oder die Unterstützung lokaler Tierheime.

Das neue Tierschutzgesetz: Ein Freibrief zur Gewalt?

Babette erklärt, dass das neue türkische Tierschutzgesetz auf dem Papier keine Massentötungen erlaubt. Es verpflichtet Kommunen, Tierheime zu bauen und Straßenhunde dort unterzubringen. Das Kernproblem sei jedoch die Diskrepanz zwischen Gesetz und Realität. Bei schätzungsweise vier bis sechs Millionen Straßenhunden und nur etwa 340 meist überfüllten Tierheimen sei die Umsetzung unmöglich. Gleichzeitig stehen Bürgermeister unter massivem Druck und haften persönlich, wenn ihre Straßen nicht „hundefrei“ werden. Diese aussichtslose Lage hat laut Babette dazu geführt, dass das Gesetz von vielen als Legitimation für Gewalt fehlinterpretiert wird. Menschen würden Hunde auf offener Straße mit Knüppeln oder Mistgabeln erschlagen, und in staatlichen Einrichtungen fänden illegale Tötungen statt. Als besonders schockierendes Beispiel nennt sie den Fall in Gebze, wo Tierschützer mittels Drohnenaufnahmen ein Massaker an über 100 Hunden in einem staatlichen Tierheim aufdeckten. Die Tiere wurden, teils noch lebend, in Müllsäcke gestopft und entsorgt.

Ein gespaltenes Land: Der Kampf um die Straßenhunde

Babette beschreibt die Türkei als ein Land der Extreme. Auf der einen Seite gebe es eine tiefe, in der Kultur verankerte Liebe zu Straßentieren. Viele Anwohner füttern, verteidigen und sorgen sich um „ihre“ Straßenhunde. Auf der anderen Seite stehe eine ebenso große Gruppe von Menschen, die die Hunde als Plage ansehen und ihre Beseitigung fordern. Dieser Konflikt spiele sich täglich auf den Straßen ab. Tierschützer klammern sich weinend an Hunde, die von Hundefängern abgeholt werden, während andere die Aktionen bejubeln. Babette bezeichnet diese Spannungen als „bürgerkriegsähnliche Zustände“, die das Herz und die Seele des Landes betreffen. Auslöser für das Gesetz war ein Vorfall, bei dem ein Kind von einem Hunderudel schwer verletzt wurde, was die hundefeindliche Stimmung im Land weiter anheizte.

Notpfotes Arbeit vor Ort: Vom Erdbebenhelfer zum Krisenmanager

Die Organisation Notpfote Animal Rescue war ursprünglich wegen des schweren Erdbebens 2023 in die Türkei gekommen, um sowohl Menschen als auch Tieren zu helfen. Sie betreiben im Erdbebengebiet ein SOS-Camp zur Erstversorgung verletzter und kranker Tiere. Mit dem neuen Gesetz hat sich ihre Arbeit dramatisch verändert. Früher konnten sie kranke Tiere behandeln, kastrieren und wieder in ihre vertraute Umgebung entlassen, wo sie von den Anwohnern freudig empfangen wurden. Das ist nun illegal. Dadurch ist die Organisation gezwungen, andere Lösungen zu finden, was bei der schieren Masse an Tieren eine enorme Herausforderung darstellt. Ihre Arbeit ist vom nachhaltigen Populationsmanagement zu reinen „Feuerlöschmaßnahmen“ geworden, bei denen sie nur noch einzelne Leben retten können, ohne das große Problem lösen zu dürfen. Babette beschreibt diese Situation als zutiefst frustrierend und hoffnungslos.

Aufklärung als Waffe: Warum die Welt hinschauen muss

Ein zentrales Anliegen von Babette ist es, die internationale Öffentlichkeit auf die katastrophale Lage aufmerksam zu machen. Sie kritisiert, dass sowohl die Not der Menschen im Erdbebengebiet als auch das Tierleid in deutschen Medien kaum Beachtung finden. Sie vermutet, dass politische und religiöse Vorurteile gegenüber der Türkei eine Rolle spielen. Deshalb nutzt Notpfote gezielt soziale Medien, um unzensierte Einblicke zu geben. Ein Video, das sie zusammen mit dem Influencer Malte Zierden vor dem Tierheim in Gebze aufnahm, ging viral und erreichte Millionen von Menschen. Diese öffentliche Aufmerksamkeit ist laut Babette essenziell, um Druck auf die türkische Regierung auszuüben und den lokalen Tierschützern zu zeigen, dass sie nicht allein sind.

Praktische Schritte: Was du tun kannst

Babette betont, dass Tierschutz eine Haltung ist, die jeder in seinem Alltag umsetzen kann. Sie gibt konkrete Handlungsempfehlungen:

  1. Beginne bei dir selbst: Hinterfrage deine eigenen Gewohnheiten. Sei es die Ernährung oder der generelle Umgang mit Lebewesen - ein bewussterer Lebensstil ist der erste Schritt.
  2. Handle in deinem Umfeld: Nimm deine Umgebung aufmerksam wahr. Hilf einem Igel, der tagsüber orientierungslos umherirrt, oder einem verlassenen Entenküken.
  3. Leine deinen Hund an: Besonders in Parks und während der Brut- und Setzzeit ist es unerlässlich, Hunde an die Leine zu nehmen, um Wildtiere wie Gänse, Schwäne und Rehkitze vor Angriffen zu schützen. Ein Hund an der Leine ist kein unglücklicher Hund.
  4. Unterstütze Tierschutzorganisationen: Organisationen wie Notpfote sind auf Spenden angewiesen, um Tierarztkosten zu decken. Auch das Teilen von Informationen in sozialen Netzwerken hilft, die Reichweite und den Druck zu erhöhen.
  5. Biete ein Zuhause auf Zeit: Werde Pflegestelle für ein gerettetes Tier. Organisationen unterstützen dabei mit Futter, Tierarztkosten und Training, sodass niemand alleingelassen wird.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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