Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
Mehr über das Projekt Petcaster
In dieser Episode des Podcasts The Pet Food Family spricht der Host Jan Dießner mit Dr. Lisa Williams, Tierärztin und Gründerin der Initiative „Bark Date“. Im Zentrum des Gesprächs steht ihr innovatives Konzept, das die Vermittlung von Tierschutzhunden revolutionieren will, indem es sie aus den Tierheimen herausholt und mitten in die Gesellschaft bringt.
Die Episode beleuchtet die Entstehungsgeschichte, die Funktionsweise und die Herausforderungen von Bark Date. Es wird diskutiert, wie durch direkte, ungezwungene Begegnungen in öffentlichen Parks Vorurteile abgebaut und die Chancen auf eine erfolgreiche Adoption erhöht werden können. Die Leitfrage der Folge ist, wie Tierschutz moderner, nahbarer und wirksamer gestaltet werden kann, um eine Brücke zwischen engagierten Vereinen und potenziellen Adoptanten zu schlagen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bark Date ist ein „Speed-Dating“ für Tierschutzhunde: Die Events bringen Hunde von Pflegestellen mit potenziellen Adoptanten in einer entspannten Parkatmosphäre zusammen, um ein erstes Kennenlernen ohne Gitter und Stress zu ermöglichen.
- Qualität und Seriosität stehen an erster Stelle: Dr. Williams betont, dass nur geprüfte und seriöse Tierschutzvereine, die über die notwendigen Genehmigungen (z. B. § 11 TSchG) verfügen und transparent arbeiten, an den Events teilnehmen dürfen.
- Vorurteile abbauen durch Sichtbarkeit: Das Konzept zielt darauf ab, Tierschutzhunde als das zu zeigen, was sie sind - liebenswerte Individuen. Indem die Events öffentlich stattfinden, werden auch Menschen erreicht, die bisher vielleicht Vorbehalte gegenüber Hunden aus dem Tierschutz hatten.
- Jeder vierte Hund findet ein Zuhause: Die Erfolgsquote ist hoch. Laut Dr. Williams findet etwa jeder vierte vorgestellte Hund direkt oder indirekt über ein Bark Date ein neues Zuhause, was die Wirksamkeit des Konzepts unterstreicht.
- Positive Sozialisierung statt unzumutbarer Stress: Obwohl einige Veterinärämter Bedenken wegen Stress für die Tiere äußern, argumentiert Dr. Williams, dass die kontrollierte und positive Umgebung für die meisten Hunde eine wertvolle Sozialisierungserfahrung darstellt und weitaus weniger belastend ist als ihre bisherige Lebenssituation.
- Tierschutz muss vernetzt und modern gedacht werden: Neben Bark Date hat Dr. Williams ein neues Netzwerk mitgegründet, das Akteure im Tierschutz zusammenbringt, um Synergien zu schaffen und die Arbeit nachhaltiger und politisch wirksamer zu gestalten.
Was ist Bark Date und wie entstand die Idee?
Dr. Williams, Tierärztin mit Erfahrung im Auslandstierschutz, erzählt, wie sie auf die Idee zu Bark Date kam. Auslöser war eine Hündin namens Cassie in einem rumänischen Tierheim, die trotz ihres freundlichen Wesens nach anderthalb Jahren noch keine einzige Anfrage hatte. Dr. Williams beschloss, sie als Pflegestelle nach Deutschland zu holen und überlegte, wie sie die Hündin am besten sichtbar machen könnte. Sie erkannte schnell die Grenzen von unübersichtlichen Facebook-Gruppen, in denen unzählige Hunde vorgestellt werden und einzelne Profile schnell untergehen.
Ihr Gedanke war, eine reale Begegnungsmöglichkeit zu schaffen. Sie suchte nach Treffen für Tierschutzhunde, fand aber nichts Vergleichbares. Daraufhin gründete sie innerhalb eines Tages die Website und Instagram-Seite für Bark Date. Das erste Event in Köln startete mit elf Hunden und zog über 100 Besucher an. Inzwischen ist Bark Date ein deutschlandweites Projekt mit 24 Standorten, über das bereits fast 3000 Hunde vorgestellt wurden.
Das Bark Date Konzept: Ein Speed-Dating für Mensch und Hund
Ein Bark Date ist als entspanntes Treffen in einem öffentlichen Park konzipiert, das wie ein kleines Speed-Dating funktioniert. Etwa 30 Hunde von verschiedenen Tierschutzvereinen nehmen teil. Jeder Hund bekommt ein rotes Halstuch mit der Aufschrift „Adopt me“ und die Pflegestelle richtet sich mit einer Picknickdecke auf einer großen Wiese ein.
Besucher können zwanglos von Decke zu Decke schlendern und die Hunde sowie deren Pflegestellen kennenlernen. Dr. Williams erklärt, dass die Pflegestellen dabei als „Dolmetscher“ für die Hunde fungieren: Sie berichten über Charakter, Vorlieben und Bedürfnisse des Tieres. Ziel ist ein erstes, authentisches Kennenlernen. Interessenten gehen nicht direkt mit einem Hund nach Hause, sondern nehmen Kontakt mit dem jeweiligen Verein auf, um den Adoptionsprozess zu starten. Die Atmosphäre wird als ruhig und positiv beschrieben, was auch den Hunden hilft, sich zu entspannen.
Qualitätssicherung im Tierschutz: Die Auswahl der Vereine
Ein zentraler Aspekt von Bark Date ist die Schaffung einer seriösen und vertrauenswürdigen Plattform. Dr. Williams legt großen Wert darauf, dass nur geprüfte Tierschutzorganisationen teilnehmen. Das Team von Bark Date prüft jeden Verein sorgfältig nach mehreren Kriterien:
- Rechtliche Grundlagen: Der Verein muss eingetragen sein und über alle notwendigen Erlaubnisse nach dem Tierschutzgesetz verfügen.
- Transparente und ethische Arbeit: Die Organisationen sollen nicht mit emotionalem Druck oder irreführenden Bildern arbeiten. Stattdessen wird auf eine transparente Darstellung der Arbeit vor Ort, der Haltungsbedingungen und der Transporte geachtet.
- Nachhaltiges Konzept: Die Vereine sollten ein klares und nachhaltiges Tierschutzkonzept verfolgen und bereit sein, sich weiterzuentwickeln.
Durch diesen Filterprozess soll sichergestellt werden, dass sich Adoptanten auf die Auswahl des passenden Hundes konzentrieren können, ohne sich Sorgen um die Seriosität des Vereins machen zu müssen. Mittlerweile umfasst die Datenbank von Bark Date rund 200 geprüfte Tierschutzorganisationen.
Die Hürden der Bürokratie: Auseinandersetzungen mit den Behörden
Trotz des Erfolgs und des positiven Ansatzes stößt Bark Date regelmäßig auf bürokratische Hürden. Dr. Williams berichtet von langwierigen Genehmigungsverfahren mit Veterinär-, Ordnungs- und Grünflächenämtern, die an jedem der 24 Standorte durchlaufen werden müssen. Die Reaktionen der Behörden sind sehr unterschiedlich: Während einige das Projekt unkompliziert unterstützen, erheben andere strenge Auflagen oder lehnen es komplett ab.
Der Hauptkritikpunkt einiger Amtsveterinäre ist die Sorge vor „unzumutbarem Stress“ für die Hunde. Dr. Williams und der Host diskutieren diesen Punkt ausführlich. Sie argumentieren, dass die zweistündige, kontrollierte Veranstaltung in einem Park für die meisten Hunde eine positive Erfahrung und eine wertvolle Sozialisierungs- und Trainingsmöglichkeit darstellt. Im Vergleich zu ihrer Vergangenheit in überfüllten Tierheimen oder der Alternative von wiederholten Besuchen fremder Menschen in der Pflegestelle sei der Stressfaktor verhältnismäßig gering. Zudem wird betont, dass die Pflegestellen ihre Schützlinge am besten kennen und jederzeit eine Pause einlegen oder das Event verlassen können, wenn ein Hund überfordert ist.
Vom Einzelprojekt zum Netzwerk: Eine neue Ära für den Tierschutz
Dr. Williams sieht Bark Date nicht nur als Vermittlungsplattform, sondern auch als einen Weg, den Tierschutzgedanken zu modernisieren und in der Gesellschaft zu verankern. Aufbauend auf dieser Vision hat sie gemeinsam mit Anderen ein „Netzwerk für modernen Tierschutz“ gegründet. Das Ziel dieser neuen Initiative ist es, die Zersplitterung im Tierschutz zu überwinden und Akteure - von Vereinen über Institutionen bis hin zu Ämtern - an einen Tisch zu bringen.
Das Netzwerk soll Synergien schaffen, Effizienz steigern und eine gemeinsame, stärkere Stimme für den Tierschutz entwickeln. Dr. Williams kritisiert, dass zu viel Energie durch redundante Arbeit und mangelnde Kooperation verloren geht. Es gehe darum, systemische Lösungen zu finden, die über die Rettung von Einzelschicksalen hinausgehen und auch auf politischer Ebene Veränderungen bewirken.
Praktische Schritte: So nimmst du am Bark Date teil
Für Interessierte und Adoptanten:
- Finde auf der Website barkdate.com oder auf den Social-Media-Kanälen den nächsten Termin in deiner Stadt.
- Komm einfach vorbei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und der Eintritt ist kostenlos.
- Nimm dir Zeit, die Hunde und ihre Pflegestellen in Ruhe kennenzulernen.
- Wenn du einen Hund näher kennenlernen möchtest, tausche Kontaktdaten mit der Pflegestelle oder dem Verein aus, um die weiteren Schritte des Adoptionsprozesses zu besprechen.
Für Tierschutzvereine und Pflegestellen:
- Der Tierschutzverein muss sich zuerst auf der Bark-Date-Plattform registrieren und den Verifizierungsprozess durchlaufen.
- Sobald der Verein freigeschaltet ist, können Pflegestellen ein Profil für ihren Hund erstellen und alle relevanten Informationen (Impfungen, Charakter, etc.) eintragen.
- Anschließend kann der Hund für verfügbare Plätze bei den jeweiligen Bark Date Events angemeldet werden.
- Private Abgaben sind nicht möglich; die Vorstellung eines Hundes muss immer über einen registrierten Tierschutzverein laufen.