Der Spaziergang mit deinem Hund als Beziehungszeit

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts Hundsfa(e)lle erklären die Hosts Yvonne Nawrat und Mustafa Irmak, wie der tägliche Spaziergang von einer reinen Notwendigkeit zu einer wertvollen Ressource für die Stärkung der Mensch-Hund-Beziehung wird. Sie beleuchten, warum die Qualität der gemeinsamen Zeit die Quantität bei weitem übertrifft und wie du durch Struktur und bewusste Interaktion die Orientierung deines Hundes an dir förderst.

Die Episode richtet sich an alle Hundebesitzer:innen, insbesondere an jene mit jungen, reizoffenen Hunden oder unsicheren Tierschutzhunden, und beantwortet die zentrale Frage: Wie gestalte ich den Spaziergang so, dass er nicht nur Auslauf, sondern echte „Social Time“ ist, die das Vertrauen und die Bindung stärkt?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Spaziergang als Beziehungsbühne: Betrachte den Spaziergang nicht nur als Auslauf, sondern als eine Bühne, auf der du aktiv euer Miteinander gestaltest und die Bindung stärkst.
  • Qualität vor Quantität: Ein 30-minütiger, interaktiver Spaziergang, bei dem ihr gemeinsam die Umwelt wahrnehmt, ist wertvoller als eine Stunde, in der jeder gedanklich für sich ist.
  • Struktur gibt Sicherheit: Ein ritualisierter Ablauf des Spaziergangs - mit einem klaren Anfang, Mittelteil und Ende - gibt unsicheren Hunden Sicherheit und hilft aufgeregten Hunden, zur Ruhe zu finden.
  • Mentale Präsenz ist entscheidend: Deine eigene Aufmerksamkeit ist der Schlüssel. Wenn du gedanklich bei deinem Hund bist, förderst du seine Orientierung an dir. Lass das Handy in der Tasche und den Alltagsstress für einen Moment los.
  • Kleine Interaktionen, große Wirkung: Baue spielerische Elemente wie Richtungswechsel, das Belohnen von Blickkontakt, gemeinsame Beobachtungspausen oder kurze, lustige Tricks ein, um die Verbindung aufrechtzuerhalten.
  • Bewusst beenden, um Ruhe zu fördern: Schließe jeden Spaziergang mit einer kurzen, konzentrierten Phase an der Leine ab. Das hilft deinem Hund, herunterzufahren und die Erlebnisse zu verarbeiten, bevor ihr nach Hause kommt.
  • Umgang mit Ablenkungen ist individuell: Bei Hunden, die durch Reize schnell „in einen Tunnel“ geraten, reichen einfache Kommandos oft nicht aus. Hier kann ein gezieltes Unterbrechungssignal („Abbruch“) nötig sein, dessen Aufbau am besten mit professioneller Anleitung erfolgt.

Vom Gassi-Trott zur wertvollen Beziehungszeit

Yvonne und Mustafa stellen fest, dass viele Spaziergänge nach einem ineffektiven Muster ablaufen: Der Hund läuft vorneweg und schnüffelt, während der Mensch gedanklich abwesend hinterhergeht. Mustafa beschreibt dies treffend als „zwei Lebewesen an einem Seil“, zwischen denen keine echte Kommunikation stattfindet. Dies fördere nicht die Beziehung, sondern eher die Selbstständigkeit des Hundes.

Anhand zweier fiktiver Beispiele wird das Problem verdeutlicht:

  • Rudi, der reizoffene Tierschutzhund, agiert draußen sehr selbstständig. Sein Mensch versucht, ihn durch ständige Kommandos zu kontrollieren, was für beide Seiten Stress bedeutet und keine positive Beziehungsbasis schafft.
  • Erna, die junge Labradorhündin, ist ebenfalls reizoffen, möchte aber überall dabei sein. Ohne klare Führung von ihrem Menschen übernimmt sie die Leitung, was den Spaziergang chaotisch und anstrengend macht.

Die Lösung liegt darin, den Spaziergang als „Social Time“ zu begreifen - eine Zeit des echten Austauschs und der gemeinsamen Interaktion.

Qualität vor Quantität: Warum weniger oft mehr ist

Ein zentraler Punkt der Episode ist die Betonung von Qualität gegenüber Quantität. Yvonne erklärt, dass es nicht darauf ankommt, eine bestimmte Strecke oder Zeit zu absolvieren. Viel wertvoller sei der Inhalt des Spaziergangs. Sie rät dazu, bewusst Pausen einzulegen: sich auf einen Baumstamm zu setzen, die Umwelt gemeinsam wahrzunehmen und dem Hund zu ermöglichen, Reize in Ruhe zu verarbeiten, anstatt durch sie hindurchzurauschen.

Dieses bewusste Anhalten und Beobachten hilft laut Yvonne besonders reizempfindlichen Hunden wie Rudi, nicht in eine Reizüberflutung zu geraten. Auch für energiegeladene Hunde wie Erna sind solche Ruhephasen wichtig, um zu lernen, sich selbst zu regulieren und nicht ständig hochzufahren.

Die Kraft der Struktur: Ein Ritual für mehr Sicherheit und Verlässlichkeit

Für junge Hunde oder neu angekommene Tierschutzhunde empfehlen die Hosts, den Spaziergang zu ritualisieren. Eine feste Struktur gibt dem Hund Vorhersehbarkeit und damit Sicherheit. Yvonne beschreibt ihren persönlichen Ablauf, der sich in drei Phasen gliedert:

  1. Der Start: Schon zu Hause beginnt die Vorbereitung mit Ruhe. Der Hund wartet, während der Mensch sich anzieht, und wird mental auf den Menschen ausgerichtet, bevor die Tür aufgeht. Die ersten Meter werden konzentriert an kurzer Leine im „Arbeitsmodus“ zurückgelegt.
  2. Der Mittelteil („Freizeitmodus“): An einem geeigneten Ort wird der Hund mit einem klaren Signal freigegeben, um sich zu lösen und die Umgebung zu erkunden. In dieser Phase werden immer wieder spielerische Interaktionen eingebaut, um die Verbindung zu halten.
  3. Der Abschluss: Die letzten Meter zurück zum Auto oder nach Hause werden wieder im ruhigen, konzentrierten „Arbeitsmodus“ an kurzer Leine absolviert. Dies hilft dem Hund, herunterzufahren und den Spaziergang entspannt zu beenden.

Mustafa ergänzt, dass diese Struktur unsicheren Hunden wie Rudi mehr Sicherheit gibt, während sie wilden Hunden wie Erna Verlässlichkeit und klare Linien bietet.

Aktive Interaktion: Kleine Übungen mit großer Wirkung

Um den Spaziergang interaktiv zu gestalten, braucht es keine stundenlangen Trainingseinheiten. Die Hosts schlagen kleine, spielerische Elemente vor, die leicht in den Alltag integriert werden können:

  • Blickkontakt belohnen: Ein Lächeln, ein lobendes Wort oder ein Leckerli, wenn der Hund von sich aus Kontakt aufnimmt.
  • Spielerische Richtungs- und Tempowechsel: Um die Aufmerksamkeit des Hundes zu erhalten.
  • Mini-Übungen „Just for Fun“: Kurze, freudig ausgeführte Kommandos wie „Touch“, ein lustiger Trick oder einfach mal ein „Steh“.
  • Gemeinsame Spiele: Besonders soziale Interaktionsspiele wie Zerrspiele oder Rennspiele, bei denen Mensch und Hund direkt miteinander agieren (im Gegensatz zu reinen Wurfspielen).
  • Futtersuchspiele: Den Hund gezielt schnüffeln lassen, um eine gemeinsame Aufgabe zu lösen.

Umgang mit starken Ablenkungen

Wenn ein Hund durch Reize wie Wildspuren, Fahrradfahrer oder andere Hunde stark abgelenkt ist und sich nicht mehr ansprechen lässt, sind individuelle Strategien gefragt. Yvonne erklärt, dass in solchen Momenten, in denen der Hund „in einem Tunnel“ ist, einfache Kommandos oft nicht mehr greifen. Hier kann ein gezieltes Unterbrechungssignal („Abbruch“) als Hilfestellung dienen, um den Hund aus seiner Fixierung zu lösen und wieder ansprechbar zu machen. Der Aufbau eines solchen Signals sollte jedoch themenspezifisch und idealerweise unter professioneller Anleitung erfolgen.

Mustafa betont, dass das Training unter Ablenkung schrittweise aufgebaut werden muss. Man beginnt in einer reizarmen Umgebung und steigert die Herausforderung langsam, damit der Hund eine reelle Chance hat, zu lernen.

Praktische Schritte für deinen nächsten Spaziergang

Basierend auf den Empfehlungen der Episode kannst du deinen nächsten Spaziergang wie folgt gestalten:

  1. Ruhiger Start: Beginne schon zu Hause in einer entspannten Atmosphäre. Dein Hund wartet ruhig, während du dich fertig machst. Stelle sicher, dass du seine Aufmerksamkeit hast, bevor ihr das Haus verlasst.
  2. Konzentrierte Anfangsphase: Die ersten Meter geht ihr an kurzer, lockerer Leine im „Arbeitsmodus“. Dein Hund ist auf dich fokussiert und zieht nicht zur nächsten Ecke.
  3. Bewusstes Freigeben: An einer geeigneten Stelle gibst du deinem Hund mit einem klaren Signal die Erlaubnis, zu schnüffeln und sich zu lösen. Du triffst die Entscheidung, nicht der Hund.
  4. Interaktive Freizeitphase: Wechsle an die lange Leine oder in den sicheren Freilauf. Baue immer wieder kurze, spielerische Interaktionen ein: einen überraschenden Richtungswechsel, ein kleines Futtersuchspiel oder ein gemeinsames Rennspiel.
  5. Gemeinsame Pausen: Bleibe bewusst stehen, setze dich auf eine Bank und beobachte gemeinsam mit deinem Hund die Umgebung. Diese Pausen helfen, Reize zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen.
  6. Kontrollierter Abschluss: Leine deinen Hund für die letzten Meter zurück zum Auto oder zur Haustür wieder kurz an. Beendet den Spaziergang in einem ruhigen, konzentrierten „Arbeitsmodus“, um deinen Hund mental herunterzufahren.
  7. Ruhe danach: Sorge dafür, dass dein Hund nach dem Spaziergang zu Hause einen ruhigen Platz hat, um sich auszuruhen und die Erlebnisse zu verarbeiten.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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