Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In Episode 51 des Podcasts „The Pet Food Family“ kehrt Detlef „Deffi“ Steves, der „Tierschutzengel von Mera“, neun Monate nach seinem ersten Auftritt zurück, um mit Host Jan Dießner über die tiefgreifenden Veränderungen in seinem Leben zu sprechen. Im Mittelpunkt steht sein Tierschutzhund Opi, dessen Adoption Deffis Sicht auf Hunde, Tierschutz und das Leben selbst grundlegend verändert hat.
Die Hauptthemen der Episode sind die emotionale Reise mit einem traumatisierten Hund, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Adoption von Tieren aus dem Tierschutz anstelle des Kaufs von Züchtern und die Vorstellung von Deffis Initiative „Tierschutz-Euro“. Diese Episode ist besonders relevant für alle Tierliebhaber, angehende Hundebesitzer und Menschen, die sich für Tierschutz engagieren, da sie die gängige Praxis der Rassehundezucht kritisch hinterfragt und die immense emotionale Bereicherung durch einen geretteten Hund in den Vordergrund stellt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wer rettet wen? Deffi betont, dass der Mensch durch die Adoption eines Tierschutzhundes oft mehr zurückbekommt als er gibt. Die bedingungslose Liebe und das wachsende Vertrauen des Tieres seien eine unschätzbare Bereicherung.
- Vertrauen als Währung: Die Entwicklung seines Hundes Opi von einem ängstlichen, beißenden Tier zu einem vertrauensvollen Familienmitglied zeigt, dass Geduld und Einfühlungsvermögen die Basis für eine tiefe Bindung sind.
- Charakter vor Aussehen: Deffi kritisiert scharf die Entscheidung für einen Hund aufgrund von Rasse oder Aussehen. Er argumentiert, dass dies oft auf menschlicher Eitelkeit beruht und die wahren Bedürfnisse des Tieres ignoriert.
- Hunde lehren uns das Jetzt: Im Gegensatz zu Menschen, die oft in der Vergangenheit oder Zukunft leben, existieren Hunde im Hier und Jetzt. Diese Eigenschaft hilft dem Menschen, präsenter und geerdeter zu sein.
- Ein Plädoyer gegen die Zucht: Deffi bezeichnet das gezielte Züchten von Hunden als „Produktion“ und stellt die Frage, warum neue Tiere gezüchtet werden, während Tierheime überfüllt sind.
- Die Realität ist härter als gedacht: Seine Reise nach Rumänien an den Ort, wo Opi ausgesetzt wurde - eine sechsspurige Schnellstraße -, hat seine Perspektive nochmals radikalisiert und ihm die brutale Realität des „Entsorgens“ von Tieren vor Augen geführt.
- Der Tierschutz-Euro: Mit seiner Initiative ruft Deffi dazu auf, Tierheime mit nur einem Euro pro Monat per Dauerauftrag zu unterstützen, um eine nachhaltige und unbürokratische Hilfe zu gewährleisten.
Opi - Die transformative Kraft eines Tierschutzhundes
Deffi beschreibt eindrücklich, wie sein Tierschutzhund Opi in nur zehn Monaten sein Leben komplett verändert hat. Anfangs war Opi ein von Angst geprägtes Tier, das bei Berührungen schrie, um sich biss und jeglichen Kontakt an den Pfoten verweigerte. Diese Verhaltensweisen waren das Resultat eines Lebens auf der Straße, in dem er auf sich allein gestellt war. Deffi erzählt, dass er diese Reaktionen nie persönlich nahm, da er verstand, dass sie aus Angst und nicht aus Bosheit resultierten.
Ein zentraler Wendepunkt war die Etablierung der Routine. Als Opi unter blutigem Durchfall litt, musste sein wund gewordener Po gereinigt werden. Innerhalb von nur anderthalb Tagen gelang es Deffi, durch ein Codewort so viel Vertrauen aufzubauen, dass Opi stillhielt und sich versorgen ließ. Heute, so Deffi, ist die Vertrautheit so groß, dass Opi ihm bei Problemen seine Pfote hinhält und sich überall anfassen lässt. Diese Entwicklung zeigt für Deffi die immense Anpassungsfähigkeit und Dankbarkeit eines geretteten Tieres. Er betont, dass Opi ihm eine neue Form von Ruhe und das Gefühl von „Zuhause“ gegeben habe, sodass er und seine Frau in diesem Jahr bewusst auf Urlaub verzichteten, um die Zeit mit ihren Hunden zu genießen.
Die Mensch-Hund-Beziehung: Wer gibt hier wem mehr?
Die Episode thematisiert die weitverbreitete Annahme, dass Menschen Tieren aus dem Tierschutz etwas Gutes tun. Deffi dreht diese Perspektive um und argumentiert, dass der Mensch am Ende der größere Beschenkte ist. Ein Hund, so erklärt er, bekommt durch die Adoption lediglich das, was ihm zusteht: ein sicheres und liebevolles Zuhause. Der Mensch hingegen erhält bedingungslose Liebe, Vertrauen und eine tiefere Verbindung zum Leben selbst. Jan zitiert einen Gast, der Hunde als „Friedensinseln“ bezeichnete, eine Metapher, der Deffi voll und ganz zustimmt.
Deffi veranschaulicht dies mit einer Karikatur: Ein Junge und ein Hund sitzen am See. Während die Gedankenblase des Jungen von materiellen Wünschen wie Autos und Partys gefüllt ist, zeigt die des Hundes genau die aktuelle Situation - das einfache Sein am See. Hunde, so Deffi, leben im Moment und lehren uns, dasselbe zu tun, eine Fähigkeit, die viele Erwachsene verlernt haben. Diese pure, unverfälschte Lebensfreude ist ein Geschenk, das weit über materielle Dinge hinausgeht.
Plädoyer für den Tierschutz: Warum Adoption die bessere Wahl ist
Mit großer Leidenschaft kritisiert Deffi die Praxis, Hunde von Züchtern zu kaufen. Er bezeichnet diesen Vorgang als „Produktion“ von Lebewesen für Geld und hinterfragt die Motive der Käufer. Oft stehe der Wunsch nach einer bestimmten Rasse oder einem spezifischen Aussehen im Vordergrund - sei es der Australian Shepherd, ohne je Schafe zu hüten, oder der Bernhardiner, ohne in den Bergen zu leben. Diese Entscheidung sei, so Deffi, heuchlerisch, da viele Menschen zwar betonen, dass es auf die „inneren Werte“ ankomme, sich bei der Tierwahl aber ausschließlich vom Aussehen leiten ließen.
Er fordert dazu auf, sich von diesen oberflächlichen Kriterien zu lösen und stattdessen die Beschreibungen der Tiere in den Tierheimen zu lesen. Der Charakter, die Verträglichkeit mit anderen Tieren oder der Bewegungsdrang seien die wirklich relevanten Faktoren. Deffi warnt zudem eindringlich vor Qualzuchten wie Faltohrkatzen, deren niedliches Aussehen auf einer schmerzhaften Verknorpelung des gesamten Skeletts basiert. Ein Mischling aus dem Tierschutz habe durch seinen breiten Genpool oft die besten Voraussetzungen für ein gesundes Leben.
Persönliche Entwicklung und die Bereitschaft zum Umdenken
Deffi gibt offen zu, dass er nicht immer so gedacht hat. Früher war er selbst ein großer Fan von Englischen Bulldoggen und verteidigte die Rasse gegen den Vorwurf der Qualzucht. Seine heutige Haltung ist das Ergebnis einer persönlichen Weiterentwicklung. Er beschreibt diesen Wandel als einen schrittweisen Prozess, der durch den Austausch mit den richtigen Menschen und die Bereitschaft, die eigene Meinung zu hinterfragen, zustande kam. „Stillstand ist Rückgang“, erklärt er und ermutigt die Zuhörer, offen für neue Erkenntnisse zu sein, auch wenn die Wahrheit manchmal schmerzhaft ist.
Er appelliert an die Menschen, sich nicht von Eitelkeit oder Sturheit leiten zu lassen, sondern sich die Chance zu geben, sich weiterzuentwickeln. Indem man sich von starren Vorstellungen wie dem Rassebild löst, so seine Erfahrung, finde man eine neue Form der Glückseligkeit und Freiheit. Jeder Hund ist ein Individuum, und die Freude liegt darin, eine neue, einzigartige Beziehung aufzubauen, anstatt zu versuchen, einen verstorbenen Hund durch einen optisch gleichen zu ersetzen.
Die Realität des Tierschutzes und die Reise nach Rumänien
Ein besonders emotionaler Moment der Episode ist Deffis Bericht über seine Reise nach Rumänien, die er mit Tierfutterproduzent Mera unternahm, um Opis Herkunft zu erkunden. Er hatte sich den Fundort als eine ruhige Straße mit einem Baum vorgestellt. Die Realität war ein Schock: eine laute, sechsspurige Schnellstraße, an deren Schotterstreifen Tiere einfach ausgesetzt werden - oft mit der Hoffnung, dass sie überfahren werden. Diese Erfahrung hat seine Überzeugung, sich für den Tierschutz einzusetzen, nochmals massiv verstärkt.
Diese Zustände sind laut Deffi nicht nur ein Problem im Ausland. Er warnt davor, dass Deutschland ähnliche Verhältnisse drohen, wenn die Tierheime nicht nachhaltig unterstützt werden. Jan ergänzt die erschreckende Zahl, dass in Deutschland aktuell jeden Tag rund 1.000 Hunde in Tierheimen oder Tierschutzorganisationen landen. Für Deffi ist klar: Das Problem ist längst außer Kontrolle, und es braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken.
Praktische Schritte
- Adoption statt Kauf: Bevor du einen Hund vom Züchter kaufst, besuche ein lokales Tierheim oder informiere dich bei Tierschutzorganisationen. Dein Seelenverwandter wartet dort vielleicht schon.
- Lies die Beschreibung, nicht das Bild: Konzentriere dich bei der Suche nach einem Hund auf seinen beschriebenen Charakter, seine Bedürfnisse und seine Vorgeschichte, anstatt dich von seinem Aussehen leiten zu lassen.
- Hinterfrage deine Motive: Frage dich ehrlich, warum du eine bestimmte Rasse möchtest. Dient es wirklich dem Tier oder eher deinem eigenen Image oder deiner Eitelkeit?
- Unterstütze den „Tierschutz-Euro“: Richte einen Dauerauftrag von nur einem Euro pro Monat für dein lokales Tierheim ein. Die Initiative findest du unter https://tierschutz-euro.de. Es ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um nachhaltig zu helfen.
- Sei geduldig und empathisch: Gib einem Tierschutzhund die Zeit, die er braucht, um anzukommen und Vertrauen zu fassen. Er hat eine Vergangenheit, die du mit Liebe und Verständnis heilen kannst.
- Werde zum Multiplikator: Sprich in deinem Umfeld über die Bedeutung des Tierschutzes und teile deine positiven Erfahrungen mit adoptierten Tieren, um andere zum Umdenken zu bewegen.