Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts Napfcheck taucht die Fachtierärztin für Tierernährung, Dr. Julia Fritz, tief in die komplexe Welt der Lebererkrankungen bei Hunden und Katzen ein. Im Gespräch mit Fachjournalistin Manuela Bauer beleuchtet sie die vielfältigen Aufgaben dieses lebenswichtigen Organs - von der Entgiftung über den Stoffwechsel bis hin zur Speicherung von Nährstoffen.
Die zentralen Themen der Episode sind die Grundprinzipien einer leberschonenden Ernährung, der gezielte Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln wie Mariendistel und Vitamin E sowie die diätetische Behandlung spezifischer Erkrankungen wie dem Leber-Shunt oder der Kupferspeicherkrankheit. Diese Episode ist eine unverzichtbare Ressource für alle Tierhalter, deren Vierbeiner von Leberproblemen betroffen sind. Sie beantwortet die zentrale Frage: Wie kann eine angepasste Fütterung die Leber entlasten und ihre beeindruckende Regenerationsfähigkeit optimal unterstützen?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eiweißqualität ist entscheidend: Der Kern einer Leberdiät ist die Verwendung von hochverdaulichem Eiweiß aus Quellen wie Muskelfleisch oder Milchprodukten. Dies minimiert die Bildung von schädlichen Stoffwechselprodukten wie Ammoniak und entlastet die Leber.
- Eiweißmenge anpassen, nicht radikal streichen: Die Proteinzufuhr sollte genau am Bedarf des Tieres ausgerichtet sein, um eine Überlastung der Leber zu vermeiden, aber gleichzeitig einem Muskelabbau vorzubeugen.
- Fett ist nicht der Feind: Entgegen der verbreiteten Annahme ist eine fettarme Diät nur in speziellen Fällen notwendig, etwa bei Problemen mit der Gallenblase. Ansonsten ist Fett ein wichtiger Geschmacks- und Energieträger.
- Gezielte Unterstützung durch Ergänzungsmittel: Wirkstoffe wie Mariendistel (Silymarin) und Antioxidantien wie Vitamin E sind gut erforscht und können nachweislich zum Schutz und zur Regeneration der Leberzellen beitragen.
- Vorsicht bei Medikamenten: Wenn ein Tier Medikamente (z. B. gegen Epilepsie) erhält, die über die Leber verstoffwechselt werden, sollte die Gabe von leberunterstützenden Präparaten nur in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen, da sie die Wirkung der Medikamente beeinflussen können.
- Spezialfälle erfordern Spezialdiäten: Erkrankungen wie die Kupferspeicherkrankheit erfordern eine kupferarme Fütterung (Verzicht auf Innereien), während bei einem Leber-Shunt die strikte Kontrolle des Eiweißgehalts im Vordergrund steht.
Die Leber: Ein Regenerationswunder mit vielfältigen Aufgaben
Dr. Julia Fritz beschreibt die Leber als ein „echtes Multitalent“ mit über 1.500 Stoffwechselfunktionen. Zu ihren Kernaufgaben gehören der Auf- und Umbau von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten, die Produktion von Gallensäuren für die Fettverdauung sowie die Speicherung wichtiger Nährstoffe wie Vitamin A, B12, Kupfer und Eisen. Eine ihrer wichtigsten Rollen ist die Entgiftung. Sie wandelt beispielsweise das giftige Abbauprodukt Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel in harmlosen Harnstoff um, der über die Nieren ausgeschieden wird. Dr. Fritz betont die außergewöhnlich hohe Regenerationsfähigkeit der Leber, die es ermöglicht, Schäden durch eine gezielte Ernährung positiv zu beeinflussen - ein entscheidender Unterschied zur Niere, deren Schäden oft irreversibel sind.
Grundpfeiler der Leberdiät: Das Eiweiß im Fokus
Die Eiweißversorgung ist laut Dr. Fritz der zentrale Dreh- und Angelpunkt jeder Leberdiät. Dabei sind zwei Aspekte entscheidend:
- Die Qualität (Verdaulichkeit): Eine hohe Verdaulichkeit im Dünndarm ist essenziell. Gelangt zu viel unverdauliches Protein in den Dickdarm, verstoffwechseln es Darmbakterien zu potenziell schädlichen Substanzen (u. a. erneut Ammoniak), die die Leber zusätzlich belasten. Hochverdauliche Quellen sind Muskelfleisch und Milchprodukte. Schlechter verdaulich sind bindegewebsreiche Komponenten wie Pansen, viele Innereien oder Kauartikel wie Ochsenziemer.
- Die Menge: Das Ziel ist eine bedarfsdeckende, aber nicht übermäßige Zufuhr. Jedes überschüssige Gramm Protein muss von der Leber verarbeitet werden, was eine unnötige Belastung darstellt.
Entgegen der verbreiteten Meinung, dass Leberpatienten fettarm ernährt werden müssen, erklärt Dr. Fritz, dass dies nur in Ausnahmefällen, wie bei einer Beteiligung der Gallenblase oder bei Übergewicht, notwendig ist. Fett dient als wichtiger Energielieferant und verbessert die Akzeptanz des Futters. Kohlenhydrate sind ebenfalls wertvolle Energielieferanten, die helfen, den Eiweiß- und Fettstoffwechsel zu entlasten.
Spezifische Lebererkrankungen und ihre diätetischen Besonderheiten
Dr. Fritz geht auf verschiedene Krankheitsbilder und deren spezifische Ernährungsanforderungen ein:
- Feline Hepatische Lipidose (Fettleber der Katze): Diese Erkrankung tritt paradoxerweise oft bei übergewichtigen Katzen auf, die plötzlich aufhören zu fressen. Durch den rapiden Fettabbau wird die Leber mit Fett überflutet, das sie ohne Nährstoffzufuhr nicht mehr abtransportieren kann. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist, die Katze schnellstmöglich wieder zum Fressen zu bewegen, notfalls über eine Sonde.
- Portosystemischer Shunt (Leber-Shunt): Bei dieser angeborenen oder erworbenen Gefäßanomalie wird die Leber umgangen, wodurch giftiges Ammoniak direkt in den Blutkreislauf gelangt und neurologische Symptome (z.B. anfallsartige Zustände) auslösen kann. Die diätetische Therapie konzentriert sich auf eine streng kontrollierte Zufuhr von hochverdaulichem Protein. Dr. Fritz erläutert, dass eine gute diätetische Einstellung in vielen Fällen eine Operation ersetzen kann. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt können hier sinnvoll sein.
- Kupferspeicherkrankheit: Aufgrund eines Gendefekts kann Kupfer nicht richtig ausgeschieden werden und reichert sich toxisch in der Leber an. Die Diät muss streng kupferarm sein. Das bedeutet vor allem den Verzicht auf kupferreiche Futtermittel wie Leber, Herz und Nieren. Therapeutisch wird oft Zink ergänzt, da es die Kupferaufnahme im Darm blockiert.
- Gallenblasenerkrankungen (z. B. Muzozele): Hierbei handelt es sich um eine anomale Eindickung der Galle. In diesem Fall ist, so Dr. Fritz, eine stark fettreduzierte Diät (unter 5 - 10 % Fett in der Trockensubstanz) eine der zentralen Maßnahmen, da Fett die Gallenproduktion anregt.
Sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Leber
Dr. Fritz betont, dass die Basis immer eine ausgewogene Grundration sein muss. Darauf aufbauend können bestimmte Ergänzungsmittel die Leberfunktion gezielt unterstützen:
- Mariendistel (Silymarin): Ist laut Dr. Fritz eines der am besten untersuchten und wirksamsten pflanzlichen Mittel. Es wirkt antioxidativ, entzündungshemmend und leberschützend.
- S-Adenosylmethionin (SAMe): Eine Vorstufe des wichtigen körpereigenen Antioxidans Glutathion, dessen Produktion bei Leberschäden verringert sein kann.
- Vitamin E: Ein starkes fettlösliches Antioxidans, das die Leberzellen vor oxidativem Stress schützt. Ein erhöhter Bedarf bei Lebererkrankungen ist üblich.
- Vitamin C und B-Vitamine: Da Vitamin C in der Leber gebildet wird, kann bei schweren Schäden eine Ergänzung sinnvoll sein. Auch B-Vitamine sind wichtige Co-Faktoren im Stoffwechsel.
- Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und können bei chronischen Entzündungsprozessen in der Leber hilfreich sein.
- Laktulose: Dieses synthetische Zuckermolekül wird im Dickdarm von Bakterien verstoffwechselt, was den pH-Wert senkt. Dadurch wird Ammoniak in eine Form umgewandelt, die nicht mehr ins Blut aufgenommen, sondern mit dem Kot ausgeschieden wird. Dies ist vor allem bei Patienten mit Leber-Shunt eine sinnvolle Ergänzung.
Wechselwirkungen: Leberdiät und Medikamente am Beispiel Epilepsie
Ein wiederkehrendes Thema sind Haustiere, die aufgrund von Epilepsie dauerhaft Medikamente wie Phenobarbital einnehmen. Diese Medikamente werden in der Leber abgebaut, was die Leberwerte ansteigen lassen kann. Dr. Fritz rät hier zur Vorsicht: Potente leberunterstützende Mittel wie Mariendistel können die Verstoffwechselung von Medikamenten beschleunigen und deren Wirkspiegel senken, was die Anfallskontrolle gefährden könnte. Ihre Empfehlung lautet, sich zunächst auf eine leberschonende Grundration zu konzentrieren und jegliche Ergänzung nur in enger Absprache mit dem behandelnden Tierarzt und unter Kontrolle der Medikamentenspiegel vorzunehmen.
Praktische Schritte für eine leberschonende Fütterung
- Eiweißquellen prüfen: Setze auf hochverdauliche Proteine wie Muskelfleisch, Ei oder Milchprodukte (z. B. Hüttenkäse, Quark). Reduziere oder vermeide Innereien (besonders Leber), Pansen und bindegewebsreiche Kauartikel.
- Eiweißmenge anpassen: Stelle sicher, dass die Gesamtmenge an Protein den Bedarf deines Tieres deckt, aber nicht unnötig darüber hinausgeht. Eine professionelle Rationsberechnung kann hierbei helfen.
- Futter auf mehrere kleine Mahlzeiten aufteilen: Besonders bei Katzen und Hunden mit Leber-Shunt ist es vorteilhaft, die Tagesration auf drei oder mehr kleine Portionen zu verteilen, um den Stoffwechsel gleichmäßig zu belasten.
- Geeignete Energiequellen wählen: Gekochte Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis oder Haferflocken liefern leicht verdauliche Energie und helfen, die Proteinmenge zu reduzieren.
- Sinnvolle Ergänzungen wählen: Nach Absprache mit deinem Tierarzt können Antioxidantien wie Vitamin E oder leberschützende Pflanzen wie Mariendistel eine wertvolle Ergänzung zur Diät sein.
- Gesamtration im Blick behalten: Achte auch bei Leckerlis und Kauartikeln auf die Zusammensetzung. Getrocknete Fleischstreifen sind bindegewebsreichen Produkten wie Ochsenziemern vorzuziehen.