Die tiefgreifende Wirkung von Therapiehunden und die Kunst, eine echte Partnerschaft aufzubauen

Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida. 
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In dieser Episode des Podcasts The Pet Food Family spricht Host Dießner Jan mit Stephanie Lang von Langen, einer erfahrenen Hundetrainerin, Buchautorin und Gründerin des Ausbildungszentrums für Tiergestützte Therapie, dem "Wunjo-Projekt". In ihrem eigens dafür konzipierten Zentrum in der Nähe des Tegernsees gibt Stephanie tiefe Einblicke in die Welt der Therapiehunde, die Psychologie der Hund-Mensch-Beziehung und die transformative Kraft von Vertrauen und echter Wertschätzung.

Die Episode beleuchtet, warum Hunde in therapeutischen Kontexten eine so einzigartige Wirkung entfalten und wie eine fundierte Ausbildung nicht nur den Hund, sondern vor allem die Beziehung zu seinem Menschen verändert. Es ist ein Muss für alle, die verstehen wollen, wie man über reinen Gehorsam hinaus eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit seinem Hund schafft und warum es so entscheidend ist, die Persönlichkeit des Hundes zu respektieren und zu fördern.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Magie der Wertfreiheit: Hunde wirken therapeutisch, weil sie Menschen absolut wertfrei und unvoreingenommen begegnen. Sie schaffen, so Stephanie Lang von Langen, ein Gefühl des „Zuhause-Seins“, das für Menschen heilsam ist.
  • Verständnis vor Training: Viele Verhaltensprobleme entstehen aus Missverständnissen zwischen Mensch und Hund. Eine tiefgehende Analyse der Vorgeschichte, der Gesundheit und des Alltags ist oft der Schlüssel zur Lösung, nicht ein neues Trainingsprotokoll.
  • Persönlichkeit fördern, nicht formen: Eine gute Therapiehund-Ausbildung zielt darauf ab, die individuellen Stärken und die Persönlichkeit eines Hundes zu fördern, anstatt ihn zu einem „Streichelroboter“ zu dressieren.
  • Der Hund entscheidet: In der tiergestützten Therapie ist das Wohlbefinden des Hundes oberste Priorität. Er bestimmt, wann ein Einsatz für ihn endet. Diese Selbstbestimmung stärkt sein Selbstvertrauen und die Bindung zum Menschen.
  • Ehrliche Freude ist der stärkste Verstärker: Aufrichtige, emotionale Freude und soziales Feedback für den Hund sind laut Stephanie Lang von Langen wirkungsvoller als viele formale Trainingsmethoden. Diese ehrliche Wertschätzung schafft eine tiefe emotionale Verbindung.
  • Loslassen und Vertrauen: Das größte Learning für viele Menschen in der Ausbildung ist, die Kontrolle abzugeben und darauf zu vertrauen, dass ihr Hund in sensiblen Situationen instinktiv das Richtige tun wird.
  • Beobachtung kann Stress erzeugen: Das ständige, absichtslose Beobachten des Hundes kann ihn nervös machen, da er die menschliche Anspannung spürt, aber nicht einordnen kann. Bewusstes „Abschalten“ hilft dem Hund, sich zu entspannen.

Die besondere Wirkung von Therapiehunden

Stephanie Lang von Langen begann ihre Arbeit mit Therapiehunden, als sie mit ihrem damaligen Rettungshund Bunio ein Seniorenheim besuchte. Sie war tief beeindruckt von der unmittelbaren Wirkung des Hundes auf die Bewohner, insbesondere auf demenzerkrankte Menschen, die plötzlich wieder zu sprechen begannen oder sich an Vergangenes erinnerten. Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie das "Wunjo-Projekt", um mehr Mensch-Hund-Teams auszubilden.

Die zentrale Erklärung für diesen Effekt liegt laut Lang von Langen in der Fähigkeit von Hunden, wertfrei zu sein. Ein Hund beurteilt einen Menschen nicht nach Aussehen, Alter, Krankheit oder Verhalten. Diese bedingungslose Akzeptanz weckt positive Gefühle und schafft eine Atmosphäre des Vertrauens und des Sich-Zuhause-Fühlens. Der Hund agiert als "freundliches Gegenüber" und ermöglicht so einen einfachen, ehrlichen Zugang, den Menschen untereinander oft schwerer finden.

Die Ausbildung zum Therapiehundeteam: Ein Prozess des Vertrauens

Die Ausbildung bei Stephanie Lang von Langen ist ein intensiver, zehnmonatiger Prozess, der ausschließlich in Präsenz stattfindet. Sie besteht aus fünf Wochenblöcken, die sich auf Theorie und Praxis konzentrieren. Interessierte Teams müssen ein persönliches Vorstellungsgespräch durchlaufen, in dem Lang von Langen sowohl den Menschen als auch den Hund kennenlernt, um deren Eignung und Motivation zu beurteilen.

Wichtige Kriterien für einen angehenden Therapiehund sind:

  • Er sollte eine grundlegende Offenheit und Neugier gegenüber Menschen mitbringen.
  • Er muss nicht überschwänglich auf jeden zugehen, sollte aber in Gegenwart fremder Personen keinen Stress empfinden.
  • Der Hund muss bei Ausbildungsbeginn mindestens ein Jahr alt und frei von Schmerzen sein.

Ein Kernprinzip der Ausbildung ist, die individuelle Persönlichkeit des Hundes zu fördern. Es geht nicht darum, ihm Tricks beizubringen, sondern seine natürlichen Stärken herauszuarbeiten. Durch praktische Einsätze in verschiedenen Einrichtungen (z. B. Schulen, Seniorenheimen, Reha-Zentren) finden die Teams heraus, welche Umgebung am besten zu ihnen passt. Dabei wird stets darauf geachtet, dass sich der Hund wohlfühlt. Lang von Langen betont: „Der Hund bestimmt, wann das Ende ist.“ Zeigt ein Hund, dass ihm eine Situation zu viel wird, wird der Einsatz sofort beendet. Diese Erfahrung der Selbstwirksamkeit stärkt das Selbstbewusstsein des Hundes enorm.

Der Hund als Partner auf Augenhöhe: Kommunikation und Missverständnisse

Stephanie Lang von Langen beschreibt ihre Arbeit als die einer „Dolmetscherin“ und „Rechtsanwältin für die Hunde“. Viele Probleme in der Hund-Mensch-Beziehung entstehen ihrer Meinung nach durch Missverständnisse. Oft verstehen Menschen das Verhalten ihres Hundes nicht, können es nicht einordnen und sind verzweifelt. Hier setzt ihre Methode der detaillierten Verhaltensanalyse an. Wie eine Detektivin untersucht sie die gesamte Lebensgeschichte des Hundes - von der Herkunft über gesundheitliche Aspekte bis hin zum Alltag -, um die Ursachen für ein Verhalten aufzudecken.

Sie schildert eindrückliche Beispiele, bei denen sich hinter vermeintlichen Verhaltensproblemen massive gesundheitliche Ursachen verbargen, etwa ein hyperaktiver Terrier mit einem faulenden Knochenstück in der Nase oder ein scheinbar rennfreudiger Hund mit schwerer Hüftdysplasie, der durch die Dopaminausschüttung beim Rennen seine Schmerzen betäubte. Erst wenn der Mensch versteht, *warum* sein Hund auf eine bestimmte Weise handelt, kann er Empathie entwickeln und den Umgang nachhaltig verändern.

Die Macht der ehrlichen Wertschätzung und des Loslassens

Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch ist die immense Bedeutung von aufrichtigem sozialem Feedback. Stephanie Lang von Langen ist überzeugt: Wenn Menschen ihre Hunde mit ehrlicher, von Herzen kommender Freude für ihr Verhalten loben würden, wären viele Trainingsmethoden überflüssig. Menschen fällt es jedoch oft schwer, diese Emotionen authentisch zu zeigen, da sie sich in einer Art Prüfungssituation fühlen und Erwartungen erfüllen wollen.

Diese Dynamik zeigt sich auch in der Therapiehund-Ausbildung. Das größte Learning für die Teilnehmenden ist, die Kontrolle abzugeben und ihrem Hund zu vertrauen. Viele sind anfangs nervös und befürchten, ihr hibbeliger oder ungestümer Hund könnte in einer sensiblen Umgebung wie einer Reha-Klinik etwas falsch machen. Doch Lang von Langen beobachtet immer wieder dasselbe Phänomen: Die Hunde spüren die besondere Situation und verhalten sich instinktiv vorsichtig, sanft und angemessen. Diese Erfahrung, sich in entscheidenden Momenten blind auf den Hund verlassen zu können, verändert die Beziehung fundamental und führt zu einer tiefen, partnerschaftlichen Verbindung.

Wichtige Protokolle für eine starke Hund-Mensch-Beziehung

Aus den Prinzipien der Therapiehund-Ausbildung lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für jeden Hundehalter ableiten:

  1. Vertraue auf die Kompetenz deines Hundes: Gib ihm in Situationen, die es zulassen, die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Dieses Vertrauen stärkt sein Selbstbewusstsein und eure Bindung.
  2. Lerne, die Signale deines Hundes zu lesen und zu respektieren: Wenn dein Hund zeigt, dass ihm eine Situation unangenehm ist (z. B. durch Wegdrehen, Gähnen, zur Tür gehen), respektiere das und beende die Interaktion. Er lernt dadurch, dass du ihn beschützt.
  3. Feiere die Stärken deines Hundes: Konzentriere dich nicht nur darauf, an seinen Schwächen zu arbeiten. Wiederhole gezielt Übungen und Aktivitäten, die er bereits gut kann und an denen er Freude hat. Das schafft positive Erlebnisse und stärkt sein Selbstvertrauen.
  4. Sei authentisch in deinem Lob: Echte, von Herzen kommende Freude über das Verhalten deines Hundes ist wertvoller als jedes Leckerli. Dein Hund spürt deine ehrlichen Emotionen.
  5. Gib deinem Hund Pausen von deiner Aufmerksamkeit: Ständiges Beobachten erzeugt Druck. Schaffe Zeiten, in denen du bewusst abschaltest und deinem Hund signalisierst, dass gerade nichts von ihm erwartet wird. Das hilft ihm, zur Ruhe zu kommen.
  6. Bei Verhaltensproblemen ganzheitlich denken: Bevor du ein intensives Training beginnst, schließe gesundheitliche Ursachen durch eine gründliche tierärztliche Untersuchung aus. Analysiere den gesamten Alltag, um mögliche Stressoren zu identifizieren.

📌 Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert und anschließend sorgfältig geprüft und redaktionell überarbeitet.
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