Die verkannte Welt der kleinen Hunde - mit Sabine Gelz

In dieser Episode des Podcasts Furminant tauchen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack tief in die Welt der kleinen Hunde ein. Zu Gast ist die Hundetrainerin Sabine Gelz, die mit ihrer Hundeschule „Bonsai - die Kleinhundeschule“ eine Lanze für die oft unterschätzten Vierbeiner bricht. Gemeinsam beleuchten sie die spezifischen Herausforderungen, Vorurteile und Missverständnisse, mit denen Halter kleiner Hunde konfrontiert sind.

Die Episode richtet sich an alle, die einen kleinen Hund haben oder darüber nachdenken, sich einen anzuschaffen. Sie liefert wertvolle Einblicke, warum das Verhalten kleiner Hunde oft falsch interpretiert wird und wie man durch ein besseres Verständnis und angepasstes Training eine harmonische Beziehung aufbauen kann. Die Leitfrage ist klar: Wie schaffen wir es, kleine Hunde endlich als das zu sehen und zu behandeln, was sie sind - vollwertige Hunde?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mehr als nur ein Accessoire: Kleine Hunde sind vollwertige Hunde und müssen auch so behandelt und erzogen werden. Ihr Verhalten sollte nicht vorschnell als „süß“ abgetan werden.
  • Leinenaggression hat Ursachen: Das häufigste Problem, das Pöbeln an der Leine, entsteht laut Sabine oft, weil der Hund in der Beziehung zu viel Verantwortung trägt und der Mensch ihm keine klare Führung bietet.
  • Die reale Gefahr der Größe: Begegnungen mit deutlich größeren Hunden stellen ein echtes körperliches Risiko dar. Selbst ein spielerischer Happs kann für einen kleinen Hund fatale Folgen haben.
  • Grenzen setzen ist entscheidend: Halter kleiner Hunde müssen lernen, nicht nur ihrem Hund, sondern auch der Umwelt klare Grenzen zu setzen - sei es gegenüber aufdringlichen Menschen oder anderen Hunden.
  • Überfürsorge schadet mehr als sie nützt: Ständiges Hochheben und übermäßiges Verhätscheln können zu Unsicherheit und Verhaltensproblemen führen. Klare Strukturen und Regeln bieten dem Hund mehr Sicherheit.
  • Körpersprache verstehen: Lerne, die subtilen Signale deines Hundes zu lesen. Wenn er Unbehagen zeigt, respektiere das und schütze ihn vor übergriffigen Situationen.
  • Angepasste Bewegung ist wichtig: Das Tempo eines Menschen kann für einen kleinen Hund eine enorme Anstrengung bedeuten. Achte auf ein faires Tempo, um körperliche Verspannungen zu vermeiden.

Die verkannte Welt der kleinen Hunde: Vom Vorurteil zur Spezialisierung

Sabine Gelz teilt zu Beginn ihre persönliche Geschichte: Früher nahm sie Hunde unter Kniehöhe selbst nicht ernst. Erst ihre eigene Shi-Tzu-Bolonka-Hündin öffnete ihr die Augen und zeigte ihr, dass kleine Hunde ernst genommen werden müssen. Diese Erfahrung motivierte sie, die Hundeschule „Bonsai“ zu gründen, um kleinen Hunden und ihren Menschen eine spezialisierte Anlaufstelle zu bieten. Sie beobachtete, dass kleine Hunde in gemischten Hundeschulgruppen oft belächelt werden und unter dem Radar laufen - ein Zustand, den sie ändern wollte.

Der Niedlichkeitsfaktor: Warum kleines Fehlverhalten oft ignoriert wird

Ein zentrales Thema der Diskussion ist, dass das Verhalten kleiner Hunde von der Umwelt - und oft auch von den eigenen Haltern - massiv verharmlost wird. Ein knurrender oder kläffender kleiner Hund wird oft als „süß“ empfunden, während dasselbe Verhalten bei einem 25-Kilo-Hund als ernsthaftes Problem angesehen würde. Sabine betont, dass diese Verniedlichung dazu führt, dass die Bedürfnisse und Grenzen der Hunde missachtet werden. Johanna ergänzt, dass Menschen kleinen Hunden gegenüber schnell übergriffig werden, etwa durch plötzliches Hochheben. Dieses ständige Verlieren des Bodens unter den Füßen kann für den Hund extrem verunsichernd sein.

Alex und Sabine sprechen zudem über die körperliche Belastung. Ein kleiner Hund muss unzählige Schritte machen, um mit dem Tempo eines Menschen mitzuhalten. Sabine nutzt hier das Bild der „Tigerente“, die man an einer Schnur hinter sich herzieht, um das Problem der ständigen Verspannung durch unnatürliche Dauerbelastung zu verdeutlichen.

Leinenpöbeln und Aggression: Wenn kleine Hunde die Kontrolle übernehmen

Das häufigste Problem, mit dem Kunden zu Sabine kommen, ist Leinenaggression. Ihrer Erfahrung nach liegt die Ursache selten in schlechten Erfahrungen, sondern vielmehr darin, dass der Hund gelernt hat, die Verantwortung für Situationen zu übernehmen. Wenn der Mensch am anderen Ende der Leine keine Kompetenz ausstrahlt und keine klaren Entscheidungen trifft, fühlt sich der Hund gezwungen, die Dinge selbst zu regeln. Viele ambitionierte Halter stehen sich dabei selbst im Weg, weil sie dem Klischee des „kleinen Kläffers“ unbedingt entkommen wollen und dadurch einen enormen Druck aufbauen.

Auch Aggression gegenüber den eigenen Menschen kommt vor. Sabine berichtet von einem Chihuahua, der biss, wenn seine Grenzen überschritten wurden, und einer Französischen Bulldogge, die den Mann im Haus als Konkurrenten betrachtete. In beiden Fällen war die Ursache eine unklare Rollenverteilung, in der der Hund zu sehr vermenschlicht und ihm zu wenig Struktur geboten wurde.

Gefahren im Alltag: Die Realität von Hundebegegnungen

Die körperliche Unterlegenheit kleiner Hunde ist ein ernstes Thema. Eine unkontrollierte Begegnung mit einem großen, ungestümen Hund kann schnell zu schweren Verletzungen führen. Sabine erklärt, dass kleine Hunde sich ihrer Verletzlichkeit oft nicht bewusst sind und Konfrontationen suchen, die sie körperlich nicht gewinnen können (und dann quasi „lachend in die Kreissäge laufen“). Ein weiteres Risiko ist das Beutefangverhalten, das durch die schnellen, flitzenden Bewegungen eines kleinen Hundes bei manchen größeren Hunden ausgelöst werden kann.

Die Runde diskutiert auch die umstrittene Frage, ob man einen kleinen Hund bei Gefahr hochnehmen sollte. Der Konsens ist: Obwohl das Hochheben das Interesse des anderen Hundes verstärken kann, ist es im Notfall die einzige Möglichkeit, den eigenen Hund vor ernsthaftem Schaden zu schützen. Viel wichtiger sei jedoch, dass Halter großer Hunde vorausschauend handeln und ihre Hunde anleinen, um dem Gegenüber ein Gefühl der Sicherheit zu geben.

Praktische Schritte für den Alltag mit kleinen Hunden

  1. Nimm deinen Hund ernst: Lerne seine Körpersprache zu deuten. Ein weggeduckter Kopf oder ein Gähnen sind klare Signale für Unbehagen, die du respektieren solltest.
  2. Führe statt zu verhätscheln: Biete deinem Hund durch klare Regeln und Strukturen Sicherheit. Das ist ein größerer Liebesbeweis als ständiges Knuddeln auf dem Schoß, das den Hund in eine verantwortungsvolle Position drängen kann.
  3. Setze klare Grenzen - auch für andere: Kommuniziere freundlich, aber bestimmt, wenn andere Menschen oder Hunde die Distanz zu deinem Hund nicht wahren. Du bist der Schutzschild für deinen Hund.
  4. Passe dein Tempo an: Achte darauf, dass dein Hund in einem natürlichen Tempo laufen kann und nicht ständig hecheln muss, um mitzuhalten. Das beugt körperlichen Problemen vor.
  5. Fördere kontrollierte Sozialkontakte: Statt unkontrollierter „Welpenspielstunden“ sind gut moderierte Social Walks oder Begegnungstrainings ideal, um positive Erfahrungen zu sammeln.
  6. Beschäftige deinen Hund artgerecht: Auch kleine Hunde brauchen geistige und körperliche Auslastung. Sabine empfiehlt Aktivitäten wie Hoopers, Longieren oder Hundefitness, die auf die Größe und Physis abgestimmt sind.
  7. Hole dir professionelle Hilfe: Wenn du auf Probleme stößt, suche dir eine Hundeschule, die Erfahrung mit den spezifischen Bedürfnissen und Herausforderungen kleiner Hunde hat.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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