Die Wahrheit über Kekse im Hundetraining

In dieser Episode des Podcasts Hundsehrlich spricht Moderatorin Cinta Hamacher mit ihrer Kollegin Franzi Stecher über eines der emotionalsten und spaltendsten Themen der Hundewelt: den Einsatz von Leckerlis, die beiden nennen sie Kekse. Ausgelöst durch eine hitzige Debatte unter einem ihrer Social-Media-Videos, beleuchten die beiden die gängigsten Vorurteile, Missverständnisse und praktischen Herausforderungen rund um die Futterbelohnung.

Die zentrale Frage der Folge lautet: Sind Kekse eine schädliche Bestechung oder ein unverzichtbares Werkzeug für effektives und faires Training? Diese Diskussion ist für alle Hundehalter relevant, die unsicher sind, wie sie Belohnungen richtig einsetzen, sich von der „Keks-Polizei“ unter Druck gesetzt fühlen oder deren Hund in aufregenden Situationen kein Futter annimmt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fressen unter Stress ist eine Fähigkeit, keine Selbstverständlichkeit: Viele Hunde nehmen draußen keine Leckerlis an, weil sie nie gelernt haben, in hoher Erregung zu fressen. Dies muss gezielt trainiert werden, bevor man Futter als Belohnung in schwierigen Situationen erwarten kann.
  • Spiel ist der Schlüssel zur Stress-Impfung: Um einen Hund an hohe Erregung zu gewöhnen, ist kontrolliertes Spiel ein ideales Werkzeug. Indem du den Hund im Spiel gezielt „hochfährst“ und ihm dann beibringst, Futter anzunehmen, bereitest du ihn auf den Ernstfall vor.
  • Gewichtsmanagement liegt in deiner Hand: Das Argument, ein Hund würde durch Training mit Keksen dick, ist nur dann valide, wenn die Futterration nicht angepasst wird. Die Verantwortung für ein gesundes Gewicht liegt bei dir als Halter, nicht beim Keks.
  • Kekse ausschleichen bedeutet nicht, das Gehalt zu streichen: Erfolgreiches Training bedeutet nicht, Belohnungen komplett zu entfernen, sondern den Auszahlungszeitpunkt zu verändern. Statt vieler kleiner Belohnungen für einfache Aufgaben, gibt es eine große „Auszahlung“ für das Meistern einer besonders schwierigen Situation.
  • Bestechung ist meist ein Trainingsfehler: Wenn ein Hund etwas „nur für den Keks“ tut, wurde das Leckerli oft unbewusst zum Signal für das Verhalten (z. B. als Lockmittel), anstatt als Bestätigung danach. Dies lässt sich durch sauberes Training korrigieren.
  • Es gibt keine „Keks-Polizei“: Fühle dich nicht unter Druck gesetzt, auf Futterbelohnungen verzichten zu müssen. Wenn Kekse dir und deinem Hund Sicherheit geben und das Training erleichtern, sind sie ein legitimes und wertvolles Hilfsmittel.

Die Kontroverse um den Keks: Zwischen Trainingsphilosophie und Social-Media-Hass

Cinta leitet die Episode mit einer persönlichen Erfahrung ein: Ein kurzes Video, das den Einsatz von Keksen im Training zeigt, löste eine Welle von Hasskommentaren aus. Sie stellt fest, dass das Thema die Hundewelt tief spaltet und bei vielen Menschen starke Emotionen und sogar Aggressionen hervorruft. Dieses Phänomen sieht sie als Symptom einer verrohten Diskussionskultur im Internet, bei der anonym geäußerter Frust oft über sachliche Argumente gestellt wird.

Franzi bestätigt, dass sie im Trainingsalltag immer wieder auf die gleichen Vorbehalte stößt. Die häufigsten Argumente gegen den Einsatz von Keksen sind laut ihr die Angst vor Übergewicht, die Sorge, der Hund würde Verhalten „nur für den Keks“ zeigen, der Vorwurf der Bestechung und der Wunsch, der Hund solle aus reiner Zuneigung gehorchen.

Das Fundament des Trainings: Warum Hunde lernen müssen, unter Stress zu fressen

Cinta identifiziert das Kernproblem vieler Halter, die Futterbelohnungen ablehnen: Ihr Hund nimmt in aufregenden Situationen draußen schlicht keine Leckerlis an. Daraus wird oft fälschlicherweise geschlossen, dass die Methode an sich nicht funktioniert. Cinta erklärt jedoch, dass dies meist an einem fehlenden Trainingsfundament liegt. Ein Hund muss erst lernen, in einem Zustand hoher Erregung fressen zu können.

Sie vergleicht dies mit dem Bau eines Hauses ohne Fundament: Man kann nicht erwarten, ein komplexes Verhalten wie Leinenführigkeit unter Ablenkung zu trainieren, wenn die grundlegende Belohnung für den Hund in diesem Moment gar nicht funktioniert. Um diese Fähigkeit aufzubauen, sei gezieltes Spiel unerlässlich. Indem man den Hund in einer kontrollierten Umgebung - zum Beispiel durch ein Zerrspiel - in einen hohen Erregungszustand bringt und ihm genau dann beibringt, Futter anzunehmen, schafft man die Voraussetzung dafür, dass er dies auch in unvorhergesehenen Stresssituationen kann. Franzi betont, dass dieser Ansatz einer der „Gamechanger“ in der Arbeit mit reaktiven Hunden ist.

Häufige Einwände gegen Leckerlis - und wie man sie entkräftet

Die beiden Trainerinnen gehen detailliert auf die häufigsten Kritikpunkte ein:

  • "Mein Hund wird dick": Cinta und Franzi stimmen zu, dass Übergewicht bei Hunden ein ernstes Problem ist. Sie betonen jedoch, dass dies eine Frage des Managements ist. Als Halter entscheidest du, was und wie viel dein Hund frisst. Trainingsleckerlis müssen von der täglichen Futterration abgezogen werden. Es ist deine Aufgabe, die Ernährung an den Trainingsaufwand anzupassen.
  • "Ich möchte nicht mein Leben lang Kekse mitschleppen": Hinter diesem Wunsch steckt oft das Bedürfnis nach einem Hund, der auch ohne ständige Belohnung zuverlässig ist. Cinta erklärt, dass dies ein realistisches Ziel ist, aber der Weg dorthin führt über einen sauberen Trainingsaufbau - nicht über das abrupte Weglassen der Belohnung.
  • "Mein Hund macht das nur für den Keks / Das ist Bestechung": Dieses Problem entsteht laut Cinta meist durch einen Fehler im Trainingsaufbau. Wenn der Keks vor dem Verhalten gezeigt wird, um den Hund zu locken, kann er zum auslösenden Signal werden. Fehlt der Keks, fehlt das Signal, und der Hund zeigt das Verhalten nicht. Korrekt eingesetzt, folgt der Keks jedoch als Bestätigung nach dem erwünschten Verhalten.

Vom ständigen Belohnen zum gezielten Gehalt: Kekse richtig ausschleichen

Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Frage, wie man Futterbelohnungen sinnvoll reduziert, ohne dass das trainierte Verhalten zusammenbricht. Cinta rät dringend davon ab, das „Gehalt“ des Hundes von 100 auf 0 zu kürzen. Stattdessen schlägt sie vor, den Auszahlungszeitpunkt zu verändern.

Anstatt den Hund für viele kleine, einfache Aufgaben ständig zu belohnen (vergleichbar mit einer wöchentlichen Bezahlung), spart man sich die Belohnungen auf und gibt sie gebündelt für eine besonders gut gemeisterte, schwierige Herausforderung (vergleichbar mit einem Monatsgehalt). Wenn der Hund beispielsweise an einem bellenden Artgenossen am Zaun ruhig vorbeigehen kann, erhält er einen „Jackpot“ - also mehrere Leckerlis auf einmal. So lernt der Hund, dass sich besonders gutes Verhalten in anspruchsvollen Momenten am meisten lohnt, während er für einfache Aufgaben keine ständige Bestätigung mehr benötigt.

Praktische Schritte für den richtigen Umgang mit Futterbelohnungen

Aus der Diskussion lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für den Alltag ableiten:

  1. Schaffe das Fundament: Trainiere mit deinem Hund gezielt, in einem Zustand hoher Erregung zu fressen. Beginne damit in einer reizarmen Umgebung.
  2. Nutze Spiel als Werkzeug: Bringe deinen Hund durch kontrollierte Spiele (z. B. Zergel) in einen aufgeregten Zustand und übe genau dann die Futterannahme. Dies bereitet ihn auf echte Stresssituationen vor.
  3. Manage das Gewicht aktiv: Ziehe die Menge der Trainingsleckerlis konsequent von der täglichen Hauptmahlzeit ab. Nutze hochwertiges Trockenfutter als Basis-Belohnung, um die Kalorienzufuhr im Griff zu behalten.
  4. Setze Kekse strategisch ein: Reduziere Belohnungen nicht, indem du sie weglässt, sondern indem du den Auszahlungszeitpunkt verlagerst. Belohne vor allem für herausragende Leistungen in schwierigen Situationen.
  5. Sei geduldig und fair: Erwarte nicht, dass dein Hund von heute auf morgen ohne Belohnung funktioniert. Der Abbau von Belohnungen ist ein schrittweiser Prozess, der dem Trainingsstand des Hundes angepasst sein muss.
  6. Nutze Kekse als Stütze für dich selbst: Wenn dir ein Leckerli in der Hand Sicherheit in einer stressigen Hundebegegnung gibt, ist das absolut legitim. Deine entspannte Haltung überträgt sich auf deinen Hund und ist ein wichtiger Teil des Trainingserfolgs.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Zugehörige Folge(n)

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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