Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts HundeRunde tauchen die Moderatorin Mareike Klohr und Hunde-Coach Liza Gerlach tief in die Welt einer der ikonischsten deutschen Hunderassen ein: des Dackels. Nach einem leichten Einstieg über persönliche Anekdoten aus dem Alltag mit ihren Hunden Fred und Taylor widmen sie sich einem umfassenden Rasseporträt.
Die zentrale Frage der Episode lautet: Was steckt hinter dem Kultstatus des Dackels und was müssen zukünftige Halter über seinen Charakter, seine Gesundheit und seine Bedürfnisse wirklich wissen? Diese Folge ist eine unverzichtbare Ressource für alle, die einen Dackel besitzen, darüber nachdenken, sich einen anzuschaffen, oder einfach die Faszination dieser einzigartigen Rasse verstehen möchten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ursprung prägt Charakter: Der Dackel wurde in Deutschland für die selbstständige Jagd auf Dachse und Füchse in deren Bauten gezüchtet. Diese Herkunft erklärt seinen Mut, seine Eigenständigkeit und seinen ausgeprägten Jagdtrieb.
- Mehr als nur stur: Liza beschreibt den Charakter des Dackels treffender als „eigensinnig“ und „selbstbewusst“ statt nur „stur“. Er wurde gezüchtet, um eigene Entscheidungen zu treffen, was eine konsequente, aber verständnisvolle Erziehung erfordert.
- Gesundheitliche Schwachstelle Rücken: Aufgrund seines langen Rückens hat der Dackel ein hohes Risiko für Bandscheibenvorfälle, bekannt als „Dackellähme“. Übergewicht ist unbedingt zu vermeiden, und präventive Physiotherapie kann sinnvoll sein.
- Unterschätzter Wach- und Kontrolltrieb: Neben dem Jagdtrieb besitzen Dackel einen starken Wachtrieb. Sie sind sehr wachsam, neigen zum Bellen und können im Haus schnell die Rolle des Kontrolleurs übernehmen.
- Sozialverhalten kann herausfordernd sein: Ihre oft steife und frontale Körpersprache kann in Hundebegegnungen auf andere Hunde bedrohlich oder dominant wirken. Eine sorgfältige Sozialisierung ist daher besonders wichtig.
- Kein Schoßhund: Trotz seiner geringen Größe ist der Dackel ein athletischer und ausdauernder Hund, der artgerechte geistige und körperliche Auslastung benötigt. Besonders geeignet sind Nasenarbeit wie Mantrailing oder Fährtenarbeit.
Herkunft und Geschichte: Ein deutscher Jagdhund erobert die Welt
Liza erklärt, dass der Dackel, auch Dachshund genannt, zur FCI-Gruppe 4 gehört und seinen Ursprung in Deutschland hat. Schriftliche Hinweise auf die Rasse finden sich bereits im 15. Jahrhundert. Er wurde gezielt für die Baujagd gezüchtet, um Dachse, Füchse und Kaninchen aus ihren unterirdischen Bauten zu treiben. Dafür wurden seine Beine durch Zucht gezielt verkürzt, um ihm das Eindringen in die engen Gänge zu erleichtern.
Die planmäßige Zucht begann im 19. Jahrhundert, und im Jahr 1888 wurde der Deutsche Dackelclub gegründet - laut Liza der älteste Rassehundeverband der Welt. Der Dackel ist heute nicht nur in Deutschland, sondern international ein Kult-Hund und gilt neben dem Deutschen Schäferhund als Symbol für deutsche Hunderassen.
Vielfalt in Größe und Fell: Die verschiedenen Dackel-Typen
Liza erläutert die verschiedenen Varianten des Dackels, die sich in Größe und Fellbeschaffenheit unterscheiden:
- Drei Größen: Ursprünglich für unterschiedlich große Tierbauten gezüchtet, gibt es den Standarddackel (bis 9 kg), den Zwergdackel (ca. 4 - 6 kg) und den Kaninchendackel (ca. 3 - 4 kg).
- Drei Fellarten: Es wird zwischen Kurzhaar (pflegeleicht), Langhaar (elegantes, weiches Fell) und Rauhaar (drahtiges Fell mit Bart) unterschieden. Liza merkt an, dass das Fell des Rauhaardackels oft eher gezupft als gekämmt werden muss, um abgestorbene Haare zu entfernen.
Anekdotisch wird erwähnt, dass Rauhaardackel als besonders „griffig“ oder willensstark gelten, was Liza jedoch nicht pauschal bestätigen kann.
Gesundheit im Fokus: Die Kehrseite des langen Rückens
Obwohl Dackel als robuste und langlebige Hunde gelten, die oft ein Alter von 12 bis 16 Jahren erreichen, gibt es rassetypische Gesundheitsprobleme. Liza betont besonders das hohe Risiko für Bandscheibenvorfälle, die sogenannte Dackellähme. Weitere gesundheitliche Anfälligkeiten sind:
- Zahnprobleme: Besonders bei den kleineren Zwerg- und Kaninchendackeln treten vermehrt Zahnprobleme auf.
- Neigung zu Übergewicht: Übergewicht belastet die lange Wirbelsäule zusätzlich und erhöht das Risiko für Rückenprobleme dramatisch.
- Patellaluxation: Wie viele kleine Hunderassen können auch Dackel von einer instabilen Kniescheibe betroffen sein.
Charakter und Wesen: Zwischen Eigensinn und tiefer Bindung
Der Charakter des Dackels ist stark von seiner jagdlichen Vergangenheit geprägt. Liza führt aus, dass der Hund unter der Erde eigenständige Entscheidungen treffen musste, weit entfernt von den Anweisungen des Jägers. Dies führte zur Entwicklung von zentralen Wesenszügen:
- Selbstbewusstsein und Mut: Er ist ein mutiger Hund, der weiß, was er will, und nicht schnell aufgibt.
- Eigensinn statt Sturheit: Anstatt ihn als „stur“ abzustempeln, beschreibt Liza ihn als intelligent und eigenständig. Er hinterfragt Anweisungen eher, als sie blind auszuführen.
- Jagd- und Wachtrieb: Der Jagdtrieb ist bei den meisten Dackeln stark ausgeprägt. Weniger bekannt, aber ebenso präsent, ist ein starker Wachtrieb. Sie sind wachsam, melden Fremde und Ereignisse zuverlässig und können ein starkes Kontrollverhalten im eigenen Territorium entwickeln.
- Bindung: Entgegen dem Klischee des unnahbaren Hundes baut der Dackel eine enge und loyale Bindung zu seinen Menschen auf. Diese sei jedoch anders als die eines klassischen „will to please“-Hundes wie dem Schäferhund.
Haltung und Auslastung: Ein Jagd- und Wachhund im Familienalltag
Der Dackel ist kein Hund, der den ganzen Tag auf dem Sofa verbringen sollte. Als ursprünglicher Jagdgebrauchshund braucht er sinnvolle Beschäftigung. Liza empfiehlt Sportarten, die seinen natürlichen Anlagen entsprechen und gleichzeitig seinen Rücken schonen:
- Geeignete Aktivitäten: Mantrailing, Fährtenarbeit und Dummyarbeit sind ideal, da sie seine hervorragende Nase fordern. Auch dosiertes Fahrradfahren ist für einen trainierten Dackel eine gute körperliche Auslastung.
- Weniger geeignete Aktivitäten: Von Agility und anderen Sportarten mit vielen Sprüngen und abrupten Wendungen rät Liza aufgrund der Belastung für die Wirbelsäule ab.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Haltung ist der Umgang mit der Bellfreudigkeit. Dackel neigen dazu, viel zu kommunizieren und zu melden. Liza rät, dieses Verhalten von Anfang an in die richtigen Bahnen zu lenken, anstatt es durch Anschreien unbewusst zu verstärken.
Praktische Tipps für Dackel-Halter
- Achte auf das Gewicht: Halte deinen Dackel schlank, um seine Wirbelsäule zu schützen. Das ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von Bandscheibenvorfällen.
- Trainiere Jagd- und Wachtrieb frühzeitig: Beginne früh mit einem guten Rückruftraining und schaffe klare Regeln im Haus, um übermäßiges Bellen und Kontrollverhalten zu managen.
- Wähle die richtige Auslastung: Setze auf Nasenarbeit und ausdauernde Spaziergänge anstelle von sprungintensiven Sportarten. Gib deinem Dackel Aufgaben, die ihn geistig fordern.
- Sozialisiere ihn gut: Mache ihn von klein auf mit verschiedenen Hunden bekannt und achte auf seine steife Körpersprache in Begegnungen, um Konflikte zu vermeiden.
- Sei konsequent, aber fair: Ein Dackel braucht eine klare Führung. Er wird deine Anweisungen eher befolgen, wenn er sie als sinnvoll erachtet und eine starke Bindung zu dir hat.
- Ziehe präventive Physiotherapie in Betracht: Regelmäßige Check-ups bei einem Hundephysiotherapeuten können helfen, muskuläre Dysbalancen frühzeitig zu erkennen und den Rücken gesund zu erhalten.