Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In Episode 53 des Podcasts The Pet Food Family ist der bekannte Sportkommentator und Moderator von "Top Dog Germany", Frank "Buschi" Buschmann, zu Gast. Seit er vor drei Jahren selbst Hundebesitzer wurde, hat sich seine Perspektive auf Hunde, Erziehung und die Mensch-Tier-Beziehung grundlegend verändert. Ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen mit seiner Hündin Pebbles diskutiert er die zentrale Frage, was eine starke Bindung wirklich ausmacht und warum sie wichtiger ist als reines Funktionieren.
Diese Episode ist eine wertvolle Ressource für alle Hundehaltenden, die über starre Trainingsmethoden hinausblicken und eine tiefere, intuitivere Beziehung zu ihrem Hund aufbauen möchten. Buschmann teilt ehrlich seine anfänglichen Fehler, seine Lernprozesse und seine heutige Philosophie, die auf Vertrauen, Freiheit und gegenseitigem Verständnis basiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bindung vor Leistung: Buschmann betont, dass eine tiefe, emotionale Bindung wichtiger ist als ein Hund, der auf Kommando perfekt "funktioniert". Der Fokus sollte auf der Beziehungsqualität liegen, nicht auf der Performance.
- Hunde als Individuen betrachten: Er plädiert dafür, Hunde als eigenständige Persönlichkeiten wahrzunehmen und sich von Rassenklischees zu lösen. Die Beobachtung des individuellen Charakters ist der Schlüssel zum Verständnis.
- Weniger ist mehr bei Kommandos: Buschmann nutzt bewusst nur wenige, klare verbale Kommandos. Der Großteil der Kommunikation mit seiner Hündin Pebbles findet nonverbal über Körpersprache, Blicke und gemeinsame Routinen statt.
- Freiheit geben: Ein Hund muss auch einfach Hund sein dürfen. In sicheren Umgebungen plädiert Buschmann dafür, dem Hund die Freiheit zu geben, zu schnüffeln, zu spielen und Sozialkontakte zu pflegen, ohne ständige menschliche Einmischung.
- Authentizität statt Nachahmung: Jede Person in einer Familie muss ihren eigenen, authentischen Weg im Umgang mit dem Hund finden. Das Kopieren der Verhaltensweisen einer anderen Person führt laut Buschmann zu Verwirrung beim Tier.
- "Adopt, Don't Shop": Buschmann appelliert eindringlich an zukünftige Hundebesitzer, Tieren aus dem Tierschutz eine Chance zu geben, anstatt einen Welpen vom Züchter zu kaufen.
- Ehrliche Selbstreflexion vor der Anschaffung: Die wichtigste Entscheidung ist die ehrliche Auseinandersetzung mit der Frage, ob man einem Hund und seinen Bedürfnissen wirklich gerecht werden kann.
Vom Leistungsdruck zur tiefen Bindung: Buschmanns Wandel
Frank Buschmann beschreibt seine Entwicklung als Hundehalter als einen tiefgreifenden Lernprozess. Zu Beginn, beeinflusst durch seine Rolle bei "Top Dog Germany", war er stark darauf fokussiert, dass seine Hündin Pebbles "funktioniert". Er fand es erstrebenswert, wenn sie Kommandos perfekt ausführte und sportliche Leistungen zeigte, weil es ihn als Halter mit Stolz erfüllte. Mit der Zeit erkannte er jedoch, dass dieser Leistungsgedanke nicht im Zentrum der Beziehung stehen sollte. Seine Faszination verlagerte sich von spektakulären Bildern perfekt trainierter Hunde hin zu den leisen Momenten, die eine starke Bindung zwischen Mensch und Tier offenbaren. Heute achtet er auch in der TV-Show verstärkt darauf, ob ein Hund wirklich Freude an den Aufgaben hat oder ob er nur den Erwartungen seiner Halter:innen entsprechen will.
Was "Bindung" wirklich bedeutet: Eine nonverbale Partnerschaft
Für Buschmann ist Bindung eine überwiegend nonverbale und intuitive Verbindung. Er beschreibt sie anhand seiner langen Spaziergänge mit Pebbles: Stundenlang sind sie unterwegs, fast ohne verbale Kommandos. Die Kommunikation besteht aus gegenseitiger Orientierung. Pebbles behält ihn stets im Blick, auch wenn sie frei läuft, und er achtet darauf, wo sie ist. Diese ständige, unausgesprochene Abstimmung ist für ihn ein zentrales Zeichen ihrer tiefen Beziehung. Bindung sei jedoch keine Einbahnstraße, so Buschmann. Es gehe nicht nur darum, dass der Hund sich am Menschen orientiert, sondern auch darum, dass der Mensch die Bedürfnisse des Hundes erkennt und ihm erlaubt, Hund zu sein. Als Beispiel nennt er Situationen, in denen er spürt, dass es ihm nicht gut geht - Pebbles scheint dies zu bemerken und sucht dann seine Nähe, was er als Zeichen ihrer emotionalen Verbindung interpretiert.
Jeder Hund ist ein Individuum: Jenseits von Rassenklischees
Buschmann warnt eindringlich davor, Hunde aufgrund ihrer Rasse in eine Schublade zu stecken. Er erzählt von der Begegnung mit Raya, einem sogenannten "Kampfhund", der zur besten Freundin seiner Hündin Pebbles wurde. Diese Erfahrung lehrte ihn, Vorurteile abzulegen und stattdessen den einzelnen Hund und dessen Halter:in zu beobachten. Er ist überzeugt, dass das Verhalten eines Hundes weniger von der Rasse als vom individuellen Charakter und der Erziehung abhängt. Mittlerweile, so erklärt er, beobachte er bei Begegnungen oft zuerst die Menschen, da deren Unsicherheit oder Anspannung sich direkt auf ihre Hunde übertrage. Ein entspannter und souveräner Mensch sei die beste Voraussetzung für einen entspannten Hund.
Die Freiheit, Hund zu sein: Training und Alltag in Balance
Obwohl Training wichtig ist, um in der Menschenwelt zurechtzukommen, plädiert Buschmann leidenschaftlich dafür, Hunden definierte "Freiheitszonen" zu geben. Auf einer Hundewiese oder im Wald (wo erlaubt) sollte ein Hund die Möglichkeit haben, seinen natürlichen Verhaltensweisen wie Toben, Schnüffeln und sozialem Spiel nachzugehen, ohne ständige Korrekturen. Diesen Freiraum zu gewähren, ist für ihn ein essenzieller Teil einer gesunden Bindung. Er selbst hat viel durch "Learning by Doing" gelernt, etwa indem er sich anfangs hinter einem Baum versteckte, um Pebbles beizubringen, sich an ihm zu orientieren. Gleichzeitig räumt er ein, dass er am Anfang auch Fehler gemacht habe, zum Beispiel, als er seine junge Hündin zu früh frei laufen ließ. Heute würde er zu Beginn mehr mit Leine arbeiten, betont aber, dass sein unkonventioneller Weg letztlich zu der starken Bindung geführt hat, die er heute hat.
Kritik an der "Hunde-Bubble" und ein Plädoyer für Authentizität
Buschmann äußert sich kritisch über die sogenannte "Hunde-Bubble", insbesondere in den sozialen Medien. Er kritisiert die Fülle an widersprüchlichen Ratschlägen, starren Regeln und den Druck, dass jeder Hund perfekt sein müsse. Ob Klickertraining, Fütterungsdogmen oder die richtige Leinenführung - die vielen Meinungen würden Halter:innen mehr verunsichern als helfen. Sein Appell lautet daher: Setzt euch mit eurem eigenen Hund auseinander, lernt ihn als Persönlichkeit kennen und vertraut eurer Intuition. Er betont, dass er kein Hundeexperte sei, der allgemeingültige Ratschläge geben könne, aber er sei Experte für seine Beziehung zu Pebbles. Und genau das sollte jeder Hundebesitzer anstreben: Experte für den eigenen Hund zu werden.
Praktische Ansätze für eine starke Bindung
- Überlege vor der Anschaffung gründlich: Der wichtigste Schritt ist die ehrliche Selbstreflexion. Sei dir bewusst, dass ein Hund Zeit, Geduld und Engagement erfordert - auch bei schlechtem Wetter und in schwierigen Phasen. Es ist keine Schande, zu erkennen, dass man einem Tier nicht gerecht werden kann.
- Beobachte und lerne: Anstatt starren Trainingsplänen zu folgen, beobachte deinen Hund genau. Lerne seine Körpersprache zu lesen und seinen Charakter zu verstehen. Vertraue deinem Bauchgefühl und deinem Herzen.
- Schaffe "Hunde-Zeit": Widme die Zeit mit deinem Hund ausschließlich ihm. Lass das Handy in der Tasche, höre keine Podcasts. Tauche in die Welt deines Hundes ein und lasse ihn das Tempo und die Aktivitäten mitbestimmen.
- Finde deinen authentischen Weg: In einer Familie muss jede Person ihre eigene, authentische Beziehung zum Hund aufbauen. Es funktioniert nicht, den Stil einer anderen Person zu kopieren. Der Hund spürt die fehlende Authentizität. Finde deine eigene Art der Kommunikation, die zu dir und dem Hund passt.
- Reduziere die Komplexität: Konzentriere dich auf wenige, aber klare und konsequente Regeln und Kommandos, die im Alltag wirklich wichtig sind. Nonverbale Kommunikation und eine positive Grundstimmung sind oft wirkungsvoller als ein ständiger Wortschwall.