Ein persönlicher und zugleich universeller Abschied: Tod und Trauer in der Hundehaltung

In dieser Episode des Podcasts Hundsehrlich widmet sich Moderatorin Cinta Hamacher gemeinsam mit ihrem Gast, der Hundetrainerin und ausgebildeten Trauerbegleiterin Dagmar Spillner, einem der emotionalsten Themen für Hundehalter: dem Tod und dem Sterbeprozess ihrer Tiere. Basierend auf ihren tief persönlichen und beruflichen Erfahrungen beleuchten sie die vielen Facetten des Abschiednehmens - von der schweren Entscheidung zur Euthanasie über den Umgang mit der eigenen Trauer bis hin zur Frage, wie das Leben danach weitergeht.

Die Episode richtet sich an alle Hundebesitzer, die sich mit der Endlichkeit des Lebens ihres Begleiters auseinandersetzen müssen oder bereits einen Verlust erlitten haben. Die zentrale Frage, die behandelt wird, lautet: Wie können wir unsere Hunde in ihrer letzten Lebensphase verantwortungsvoll begleiten und gleichzeitig einen Weg finden, mit dem tiefen Schmerz des Verlustes umzugehen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vorbereitung hilft: Sich gedanklich mit dem Tod des Hundes auseinanderzusetzen, bevor es akut wird, ist keine Schwarzmalerei, sondern eine wichtige Vorbereitung, die hilft, in der Krisensituation handlungsfähig zu bleiben.
  • Lebensqualität ist entscheidend: Der richtige Zeitpunkt für eine Euthanasie bemisst sich nicht allein daran, ob ein Hund noch frisst. Wichtiger sind Kriterien wie der Verlust von Lebensfreude, starke Wesensveränderungen oder die Unfähigkeit, an Dingen teilzuhaben, die ihm früher wichtig waren.
  • Euthanasie als Privileg: Die Möglichkeit, einem leidenden Tier einen friedlichen Tod zu ermöglichen, sollte als ein Akt der Liebe und Verantwortung verstanden werden - ein Privileg im Vergleich zu einem plötzlichen Unfalltod.
  • Trauer ist individuell und braucht Raum: Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg zu trauern. Gefühle wie Dankbarkeit und Traurigkeit können gleichzeitig existieren. Es ist erlaubt, auch an einem schlechten Tag gute Momente zu haben.
  • Ein neuer Hund ist kein Ersatz: Die Entscheidung für einen neuen Hund nach einem Verlust ist zutiefst persönlich. Sie schmälert nicht die Liebe zum verstorbenen Tier, sondern entspringt oft dem Wunsch, wieder einem Hund ein Zuhause zu geben.
  • Professionelle Hilfe ist wertvoll: Trauerbegleitung kann ein geschützter Raum sein, um über den Verlust zu sprechen, ohne das soziale Umfeld zu belasten oder ungebetene Ratschläge zu erhalten.

Persönliche Auseinandersetzung mit Tod und Trauer

Sowohl Cinta als auch Dagmar teilen eine sachliche, aber zutiefst empathische Haltung zum Thema Tod. Durch ihre beruflichen Hintergründe - Cinta in der Palliativpflege und Dagmar als ausgebildete Trauerbegleiterin - betrachten sie das Sterben als natürlichen und unausweichlichen Teil des Lebens. Diese Perspektive ermöglicht es ihnen, offen über ihre eigenen Verluste zu sprechen. Cinta erzählt vom kürzlichen Abschied von ihrer Hündin Abby und betont, wie dankbar sie dafür ist, die Entscheidung für eine Euthanasie selbst treffen zu können, anstatt sie durch einen Unfall zu verlieren. Für sie war dies ein Privileg.

Dagmar ergänzt, dass ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin aus dem Bedürfnis entstand, ihre Hundeschulkunden in dieser schweren Zeit besser unterstützen zu können. Sie beobachtete, wie hilflos sich Menschen oft fühlen und wie unterschiedlich Trauerprozesse verlaufen. Beide sind sich einig, dass die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und der ihrer Tiere hilft, im entscheidenden Moment klarer und handlungsfähiger zu sein, anstatt das Thema zu verdrängen.

Die schwierige Entscheidung: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Euthanasie?

Eine der zentralsten und quälendsten Fragen für Hundebesitzer ist, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um einen Hund gehen zu lassen. Cinta beschreibt eindrücklich den Prozess bei ihrer Hündin Abby. Sie legte für sich und ihre Familie objektive Parameter fest, um nicht allein aus dem Gefühl heraus zu handeln. Ein entscheidender Faktor war Abbys Wesensveränderung: Die sonst so arbeitsfreudige und gutmütige Hündin zeigte plötzlich Aggressionsverhalten, was ein klares Zeichen für starkes Unwohlsein oder Schmerzen war. Weitere Kriterien waren der Verlust des Interesses an ihrer geliebten Dummy-Arbeit, die zunehmende körperliche Hinfälligkeit und schließlich die Verweigerung von Futter und lebenswichtigen Medikamenten. Dieser Moment, in dem Abby sich auch sozial zurückzog und nicht mehr mit ins Haus kommen wollte, war für Cinta der letzte, unmissverständliche Hinweis.

Dagmar warnt davor, sich am weitverbreiteten Motto „Solange er frisst, ist alles gut“ festzuhalten. Sie erklärt, dass das Fressen oft einer der letzten Instinkte ist und der Sterbeprozess bereits begonnen haben kann. Viel wichtiger sei es, die gesamte Lebensqualität zu bewerten. Kann der Hund noch an Aktivitäten teilnehmen, die ihm Freude bereiten? Oder überwiegt das Leid? Sie betont auch die Gefahr des menschlichen Egoismus, der dazu führen kann, das Leid des Tieres zu verlängern, weil der Mensch den Abschied nicht ertragen kann.

Der Abschiedsprozess: Persönliche Erlebnisse und der Ablauf

Die Art des Abschieds prägt die Erinnerung nachhaltig. Cinta schildert die Stunden, nachdem die Entscheidung für Abbys Euthanasie gefallen war, als die emotional härteste Zeit - das Warten auf den Tierarzt, der nach Hause kam. Sie betont, wie wichtig es für sie war, dass der Abschied in der vertrauten Umgebung stattfand, da Abby keine Autofahrten mehr ertragen hätte. Der Tierarzt erklärte jeden Schritt des Prozesses, was Cinta in der angespannten Situation als sehr hilfreich empfand.

Dagmar teilt eine andere, dramatische Erfahrung mit ihrer Bloodhound-Hündin Olivia, die mit nur sieben Jahren plötzlich an einem geplatzten Herztumor starb. Die Ungewissheit über die Todesursache war für sie so belastend, dass sie sich für eine Obduktion entschied, auch wenn das bedeutete, den Körper des Hundes nicht zurückzubekommen. Die Diagnose brachte ihr schließlich Frieden, da sie wusste, dass sie nichts hätte tun können und Olivia ein sanfter Tod vergönnt war. Diese Geschichte verdeutlicht, wie unvorhersehbar das Leben ist und dass ein plötzlicher Tod oft eine ganz andere Form der Trauer auslöst.

Nach dem Tod: Umgang mit der Leere und die Frage nach einem neuen Hund

Der Moment nach dem Tod ist surreal und schmerzhaft. Cinta beschreibt, wie sie Abbys Asche aus dem Krematorium abholte und wie absurd sich der Gedanke anfühlte, dass dies alles war, was von ihrem Hund übrig geblieben ist. Sie lässt sich bewusst Zeit damit, die Asche zu verstreuen. Auch die Reaktion des verbliebenen Hundes Harper war bewegend: Sie legte der toten Abby einen Ball hin und bellte untröstlich, als der Körper aus dem Haus getragen wurde. Später jedoch blühte Harper als „Einzelkind“ sichtlich auf, was zeigt, wie sich die Dynamik im Rudel verändert.

Dagmar und Cinta diskutieren auch die gesellschaftlich oft kritisch beäugte Frage, wie schnell man sich einen neuen Hund anschaffen „darf“. Beide sind sich einig, dass dies eine rein persönliche Entscheidung ist. Trauer ist ein lebenslanger Prozess, der sich verändert, aber nicht endet. Ein neuer Hund ist kein Ersatz, sondern ein neues Kapitel. Dagmar zitiert eine Freundin mit dem Satz: „Wenn es gut läuft in deinem Leben, kannst du sieben Hunde glücklich machen.“ Diese Perspektive rückt die Liebe zu Hunden im Allgemeinen in den Vordergrund, statt den neuen Hund als Verrat am alten zu sehen.

Praktische Schritte und Denkanstöße für den Ernstfall

Aus den persönlichen Geschichten und fachlichen Einschätzungen lassen sich konkrete Ratschläge für Hundebesitzer ableiten, die sich auf die letzte Lebensphase ihres Tieres vorbereiten wollen.

  1. Lege im Voraus Kriterien fest: Definiere für dich klare, objektive Anzeichen, wann die Lebensqualität deines Hundes nicht mehr gegeben ist. Das kann zum Beispiel sein: „Wenn er nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen kann“ oder „Wenn eine weitere schwere gesundheitliche Krise eintritt.“ Dies hilft, im emotionalen Stress eine fundierte Entscheidung zu treffen.
  2. Sprich frühzeitig mit deinem Tierarzt: Informiere dich über die Möglichkeiten einer Euthanasie, insbesondere über Hausbesuche. Kläre ab, an wen du dich im Notfall wenden kannst, und habe die Kontaktdaten griffbereit.
  3. Plane die Logistik des Abschieds: Überlege dir, was nach dem Tod mit dem Körper deines Hundes geschehen soll. Möchtest du ihn einäschern lassen oder im Garten begraben (sofern rechtlich erlaubt)? Diese Entscheidungen im Vorfeld zu treffen, entlastet dich in der akuten Trauersituation.
  4. Lass andere Tiere Abschied nehmen: Gib deinen anderen Haustieren die Möglichkeit, am toten Körper zu schnüffeln. Dies kann ihnen helfen zu verstehen, dass ihr Artgenosse nicht mehr zurückkehrt, und beugt Verwirrung oder Suchverhalten vor.
  5. Erlaube dir alle Gefühle: Trauer ist kein linearer Prozess. Es ist völlig normal, gleichzeitig traurig und dankbar zu sein. Akzeptiere, dass es gute und schlechte Tage geben wird, und gib dir die Erlaubnis, auch zu lachen und das Leben weiterzuleben.
  6. Scheue dich nicht vor professioneller Unterstützung: Wenn die Trauer dich überwältigt oder du das Gefühl hast, festzustecken, kann ein Gespräch mit einem Trauerbegleiter sehr heilsam sein. Es bietet einen neutralen Raum, um deine Gefühle zu sortieren und Trost zu finden.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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