Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts „Hundestunde“ spricht Moderatorin Conny Sporrer mit Ann-Katrin Schmitz, einer vielseitigen Unternehmerin, Social-Media-Expertin und Podcasterin („Baby got Business“). Im Mittelpunkt des Gesprächs steht ihre Hündin Ari, ein Pomsky (Spitz-Husky-Mischling), und die Herausforderungen sowie Bereicherungen, die ein Hund im Leben einer vielbeschäftigten, erfolgreichen Frau mit sich bringt.
Die Episode beleuchtet den gesamten Weg von der schwierigen Hundesuche über die anstrengende Welpenzeit bis hin zur Etablierung fester Routinen, die es ermöglichen, Karriere und Hundehaltung erfolgreich zu vereinen. Es geht um die zentrale Frage, wie man einem Hund gerecht werden kann, ohne die eigenen beruflichen und persönlichen Ziele zu vernachlässigen - ein Thema, das für viele moderne Hundebesitzer:innen von großer Relevanz ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Hundehaltung ist ein Vollzeitjob: Ann-Katrin betont, dass die Erziehung eines Welpen, insbesondere einer anspruchsvollen Rassenmischung, enorme Zeit, Konsequenz und Geduld erfordert - weit mehr, als viele anfangs erwarten.
- Struktur ist der Schlüssel zum Erfolg: Feste, nicht verhandelbare Routinen, wie ein einstündiger Spaziergang jeden Morgen, sind entscheidend, um den Bedürfnissen des Hundes gerecht zu werden und gleichzeitig einen fordernden Arbeitsalltag zu meistern.
- Die drei Säulen der Erziehung: Ein verlässlicher Rückruf, ein solides „Bleib“-Kommando und eine gute Leinenführigkeit sind laut Ann-Katrin und Conny die wichtigsten Grundlagen für einen entspannten Alltag und die Freiheit, den Hund überallhin mitnehmen zu können.
- Nonverbale Kommunikation ist Gold wert: Ann-Katrin trainierte ihre Hündin intuitiv mit Handzeichen, um sie auch während Telefonaten steuern zu können. Dies ist nicht nur praktisch, sondern auch eine wichtige Vorbereitung für das Alter, wenn Hunde schlechter hören.
- Ein Hund braucht keine Villa, sondern dich: Die Erfahrung von Ann-Katrin widerlegt das Vorurteil, dass Hunde zwingend ein Haus mit Garten benötigen. Viel wichtiger sind gemeinsame Zeit, mentale und körperliche Auslastung sowie eine enge Bindung zum Menschen.
- Balance zwischen Hund und eigenem Leben: Obwohl Ari eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielt, macht Ann-Katrin deutlich, dass der Hund nicht immer an erster Stelle stehen kann. Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen und auch die eigenen Bedürfnisse (z. B. Sport, Arbeit) zu priorisieren.
- Kreativität bei der Alltagsintegration: Um Zeit zu sparen und den Hund dennoch auszulasten, findet Ann-Katrin kreative Lösungen, wie z. B. „Walking Meetings“ für Telefonate oder die Mitnahme des Hundes zur Rezeption des Sportstudios.
Der Weg zu Ari: Schwieriger Start mit dem Tierschutz
Ann-Katrin berichtet, dass sie ursprünglich einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren wollte. Dieser Wunsch scheiterte jedoch mehrfach an den strengen Vergabekriterien der Organisationen. Als Hauptgrund wurde ihre damalige Wohnsituation genannt: eine 65-Quadratmeter-Wohnung ohne direkten Gartenzugang in Hamburg St. Pauli. Obwohl sie die besten Absichten hatte, wurde ihr kein Hund anvertraut, da die Vermittlungsstellen einen Garten als essenziell ansahen. Conny bestätigt, dass dies ein weit verbreitetes, aber oft falsches Kriterium sei. Ein Garten mache Halter:innen oft „faul“ und ersetze keine artgerechte Auslastung durch Spaziergänge und gemeinsame Aktivitäten. Enttäuscht von diesen Erfahrungen fand Ann-Katrin ihre Hündin Ari schließlich als Welpen über eine Vermittlungsplattform von einem Bauernhof.
Die Herausforderungen der Welpenzeit: „Ein ganz schlimmer Teufel“
Die Anfangszeit mit Ari beschreibt Ann-Katrin als extrem fordernd. Die Spitz-Husky-Mischung habe einen sehr starken Charakter und testete ihre Grenzen konsequent aus. Insbesondere das Alleinbleiben war eine große Hürde. Mithilfe einer Kamera stellte sie fest, dass Ari aus Stress und zur Kompensation ihrer Trennungsangst Dinge zerstörte - zum Beispiel kaute sie systematisch die Träger von Tops und die Bügel von Sonnenbrillen durch. Auch das Thema Stubenreinheit war ein Kampf. Ann-Katrin erzählt, dass Ari gezielt in die Wohnung machte, wenn sie sich vernachlässigt fühlte, was sie als „Akt der Rebellion“ interpretierte. Conny Sporrer ordnet dieses Verhalten ein und erklärt, dass solches Verhalten oft weniger eine bewusste Provokation als vielmehr ein Ausdruck von hohem Stress ist. Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, suchte Ann-Katrin schließlich professionelle Hilfe bei einer Hundetrainerin, die zu ihr nach Hause kam.
Feste Routinen als Schlüssel für Hund und Business
Um ihren anspruchsvollen Beruf als Unternehmerin und das Leben mit Hund zu vereinbaren, hat Ann-Katrin feste Strukturen etabliert. Ihr Tag beginnt ausnahmslos mit einem einstündigen Spaziergang mit Ari, noch bevor sie selbst etwas isst oder arbeitet. Sie erklärt: „Wenn ich nicht morgens zwischen sieben und neun diese Stunde mit der Ari gehe, dann geht es gar nicht mehr.“ Diese morgendliche Routine stellt sicher, dass der Hund ausgelastet ist und sie sich danach auf ihre Arbeit konzentrieren kann. Auch nachmittags plant sie eine feste Zeit für einen Spaziergang ein, den sie oft mit internen Telefonaten in Form von „Walking-Terminen“ verbindet. Sie betont, dass diese Spaziergänge nicht nur dem Hund guttun, sondern auch ihre eigene Kreativität fördern. Viele ihrer besten Geschäftsideen entstünden während dieser Zeit.
Erziehungsprinzipien und die Macht der nonverbalen Kommunikation
Ann-Katrin ist stolz darauf, Ari zu einem gut erzogenen Hund gemacht zu haben, der sie fast überallhin begleiten kann. Die wichtigsten Erziehungsziele waren für sie von Anfang an ein zuverlässiger Rückruf, Leinenführigkeit (damit sie z. B. einen Kaffee in der Hand halten kann, ohne dass er verschüttet wird) und ein stabiles „Bleib“-Kommando. Eine besondere Methode, die sie intuitiv entwickelte, ist die intensive Nutzung von Handzeichen. Da sie oft während der Spaziergänge telefonieren muss, begann sie, nonverbal mit Ari zu kommunizieren, um die Gespräche nicht unterbrechen zu müssen. Eine Hundetrainerin bestätigte ihr später, wie klug dieser Ansatz ist, da die meisten Hunde im Alter schlechter hören und dann auf visuelle Signale angewiesen sind.
Was Hundetraining und die Geschäftswelt gemeinsam haben
Auf die Frage, welche Parallelen sie zwischen der Hundehaltung und der Geschäftswelt sieht, nennt Ann-Katrin drei zentrale Punkte: Disziplin, Kontinuität und Konsequenz. Diese seien sowohl für den beruflichen Erfolg als auch für eine gelungene Hundeerziehung unerlässlich. Gleichzeitig habe sie durch Ari gelernt, anpassungsfähig zu sein und in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Als Beispiel erzählt sie eine anekdotische Geschichte von einer Bahnfahrt, bei der Ari plötzlich starken Durchfall bekam und sie eine hochstressige Situation im Zug und am Gleis managen musste. Solche Erlebnisse, so Ann-Katrin, stärken die Resilienz. Eine weitere wichtige Lektion sei, das Leben und den Hund nicht zu ernst zu nehmen und dem Tier nicht eine zu große Last aufzubürden, indem man das gesamte eigene Leben vermeidend um eventuelle Probleme herum plant.
Praktische Schritte für ein Leben mit Hund und Karriere
- Schaffe feste Tagesstrukturen: Etabliere klare, nicht verhandelbare Zeiten für Spaziergänge und Beschäftigung, idealerweise am Morgen, um den Hund für den Tag auszulasten.
- Priorisiere das Training der Grundlagen: Konzentriere dich auf die drei wichtigsten Kommandos für Sicherheit und Freiheit im Alltag: einen perfekten Rückruf, zuverlässiges Bleiben/Warten und lockeres an der Leine gehen.
- Nutze nonverbale Kommunikation: Trainiere von Anfang an parallel zu Wortkommandos auch eindeutige Handzeichen. Das erleichtert die Kommunikation in lauten Umgebungen, während Telefonaten oder wenn der Hund im Alter schlechter hört.
- Sei kreativ bei der Integration: Finde Wege, den Hund sinnvoll in deinen Alltag einzubinden, anstatt ihn als Hindernis zu sehen. Beispiele sind Telefonate als „Walking-Meetings“ oder die Frage, ob der Hund an der Rezeption des Fitnessstudios warten darf.
- Setze klare Grenzen: Gib dem Hund einen festen Platz im Leben, aber erlaube dir auch, deine eigenen Bedürfnisse (Arbeit, Sport, soziale Kontakte) zu priorisieren. Ein Hund muss lernen, dass sich nicht immer alles um ihn dreht.
- Suche dir professionelle Hilfe: Wenn du an deine Grenzen stößt, zögere nicht, eine Hundeschule oder eine:n private:n Trainer:in zu konsultieren. Das ist ein Zeichen von Stärke und Verantwortungsbewusstsein.