Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In dieser Episode des Podcasts The Pet Food Family spricht Host Jan Dießner erneut mit Laura Scheuer, der Leiterin eines Tierheims in Rumänien. Sie gibt einen detaillierten Einblick in die Fortschritte beim Bau des neuen Tierheims, die cleveren Design-Entscheidungen dahinter und die täglichen Herausforderungen, mit denen sie und ihr Team konfrontiert sind. Die Episode beleuchtet den Spagat zwischen dem Management des anspruchsvollen Alltags und dem Aufbau einer besseren Zukunft für die Tiere. Sie ist eine wichtige Ressource für alle, die sich für Auslandstierschutz interessieren und die realen Bedingungen vor Ort verstehen möchten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Innovatives Tierheim-Design: Das neue Tierheim wird so konzipiert, dass große Ausläufe hinter den Zwingern liegen. Dieses sichtgeschützte Design soll Stress, Gebell und Konflikte unter den Hunden drastisch reduzieren, wenn einzelne Tiere herausgelassen werden.
- Baufortschritt ist spendenabhängig: Das Grundstück ist geebnet und vermessen, aber die nächsten entscheidenden Schritte wie das Gießen des Betonfundaments hängen vollständig von neuen Spenden ab. Materialien und Arbeitskräfte müssen finanziert werden.
- Enorme tägliche Belastung: Die Versorgung der Hunde umfasst einen immensen Reinigungsaufwand, der zweimal täglich stattfindet. Extreme Wetterbedingungen wie Hitze im Sommer und Frost im Winter erschweren die Arbeit zusätzlich, da das Tierheim nur über Solarenergie und einen Brunnen verfügt.
- Prävention durch Kastration: Laura Scheuer betont, wie wichtig es ist, Hunde vor Ort zu kastrieren. Sichtbare Aktionen motivieren auch die lokale Bevölkerung, Hilfe für die Kastration ihrer eigenen Tiere in Anspruch zu nehmen und so die unkontrollierte Vermehrung einzudämmen.
- Erfolgreiche Vermittlungen und neue Notfälle: Im letzten Monat konnten 14 Tiere (sieben Hunde, sieben Katzen) in ein neues Zuhause ausreisen. Gleichzeitig wurden elf neue Hunde aufgenommen, darunter Welpen aus einer Tötungsstation und ein auf der Autobahn angefahrener Welpe.
- Gezielte Sozialisierung: Um die Vermittlungschancen zu erhöhen, unternimmt Laura gezielte Ausflüge mit Welpen in den Wald. So lernen die Tiere die Welt außerhalb des Tierheims kennen und entwickeln sich nicht zu schüchternen, schwer vermittelbaren Hunden.
- Teaser für die nächste Folge: Der schlechte Ruf von Hunden aus Rumänien liegt laut Laura oft an mangelhaften Vermittlungspraktiken anderer Organisationen - ein Thema, das in der nächsten Episode vertieft wird.
Ein durchdachtes Konzept: Der Bau des neuen Tierheims
Laura Scheuer stellt den detaillierten Plan für das neue Tierheim vor, der auf den Erfahrungen der Vergangenheit basiert und darauf abzielt, den Stress für die Tiere zu minimieren und die Arbeitsabläufe zu optimieren. Das Gelände wird in zwei Bereiche unterteilt. Der vordere Bereich nahe dem Eingang ist für Hunde mit besonderen Bedürfnissen vorgesehen, wie Welpen, Senioren oder sehr menschenbezogene Tiere. Diese werden in Zwingern mit einem gemeinsamen, großen Auslauf untergebracht, um ihnen mehr Sozialkontakt und Bewegung zu ermöglichen.
Der Hauptteil des Tierheims besteht aus 50 Zwingern, die in zwei Reihen entlang eines zentralen Weges angeordnet sind. Dieser Weg dient gleichzeitig als Abflussrinne, was die tägliche Reinigung erheblich erleichtert. Die entscheidende Neuerung, so erklärt Laura, ist die Platzierung der großen Ausläufe hinter den Zwingern. Jeder Zwinger hat zwar einen kleinen, privaten Außenbereich nach vorne zum Weg hin, doch der Zugang zum großen Auslauf erfolgt sichtgeschützt nach hinten. Dadurch sehen die anderen Hunde nicht, wenn ein Hund herausgelassen wird, was das allgemeine Stresslevel und das Gebell massiv reduziert. Dieses Konzept soll auch den Umgang mit Besuchern und Volontären vereinfachen und eine ruhigere Atmosphäre für alle schaffen.
Um den Hunden möglichst viel Auslauf zu gewähren, ist geplant, die Ausläufe für jeweils fünf Zwinger zu unterteilen. So kann jeden Tag eine andere Gruppe den ganzen Tag im Auslauf verbringen, anstatt nur für die kurze Zeit der Reinigung.
Der anspruchsvolle Alltag im Tierheim
Die tägliche Arbeit im Tierheim ist körperlich und logistisch extrem fordernd. Laura beschreibt, dass die Zwinger zweimal täglich gereinigt werden müssen. Zuerst wird Kot entfernt, dann wird alles mit Wasserschläuchen abgespritzt und anschließend mit einem Wasserschieber trockengezogen. Im Winter, wenn das Wasser im Brunnen gefriert, muss die gesamte Reinigung mühsam mit Eimern erledigt werden. Auch extreme Hitze im Sommer stellt eine große Herausforderung dar, insbesondere für junge Welpen. Da das Tierheim autark über Solarenergie versorgt wird, ist der Betrieb von Klimaanlagen nicht möglich. Laura berichtet, dass sie neugeborene Welpen mehrmals täglich mit Wasser benetzen muss, um sie vor Überhitzung zu schützen.
Trotz der hohen Anzahl an Tieren versucht das Team, individuell auf die Bedürfnisse einzugehen. Neuankömmlinge erhalten besondere Aufmerksamkeit, um ihren Zustand und ihr Verhalten zu beurteilen. Eine stark unterernährte Hündin aus einer Tötungsstation erhält beispielsweise viermal täglich Futter, um sicherzustellen, dass sie genug Milch für ihre Welpen produzieren kann.
Fortschritte und finanzielle Hürden beim Neubau
Der Bau des neuen Tierheims macht Fortschritte, wenn auch langsamer als erhofft. Das Gelände wurde planiert, die Flächen für die Zwinger wurden ausgemessen und Löcher für die Fundamentpfosten gebohrt. Die nächsten Schritte sind das Setzen der Eisenstangen und das Gießen der Betonplatte. Laura Scheuer betont, dass die Fortsetzung der Arbeiten direkt von Spenden abhängt. Aktuell sind 9.000 Euro vorhanden, was jedoch nicht für die benötigten Materialien wie Beton, Eisen und Holz für die Verschalung sowie die Bezahlung der Bauarbeiter ausreicht.
Der Zeitdruck ist hoch: Der Besitzer des Nachbargrundstücks, auf dem Wohnhäuser entstehen, hat angekündigt, in etwa drei bis vier Monaten „Probleme zu machen“. Bis dahin muss der Umzug abgeschlossen sein. Der Umzug selbst wird eine logistische Herausforderung, da er schrittweise erfolgen muss und das Team zeitweise zwei Standorte parallel betreuen wird.
Tierschutz in der Praxis: Rettung, Vermittlung und Prävention
Die Arbeit von Laura und ihrem Team geht weit über die reine Versorgung im Tierheim hinaus. Sie berichtet von der Rettung von elf neuen Hunden im vergangenen Monat, darunter eine Mutter mit ihren vier Welpen aus einer Tötungsstation. In Rumänien, so erklärt sie, können Hunde, die von Hundefängern eingefangen werden, bereits nach 14 Tagen legal eingeschläfert werden. Die Bedingungen in diesen Tötungsstationen sind oft katastrophal, weshalb Organisationen wie ihre versuchen, so viele Tiere wie möglich von dort zu übernehmen.
Ein zentraler Pfeiler ihrer Arbeit ist die Prävention durch Kastration. Laura erzählt von einem Fall, bei dem sie einen Hund auf der Straße kastrieren ließ. Dies beobachtete ein lokaler Ladenbesitzer, der sie Monate später ansprach und um Hilfe bei der Kastration der Hündin seiner Mutter bat. Solche Momente zeigen, dass sichtbares Handeln das Bewusstsein und die Bereitschaft in der Bevölkerung fördert, das Problem an der Wurzel anzugehen.
Gleichzeitig ist die Vermittlung ein großer Erfolg: 14 Tiere konnten den letzten Monat nach Luxemburg ausreisen. Laura führt dies auf den guten Ruf zurück, den sich ihre Organisation durch transparente und verantwortungsvolle Arbeit aufgebaut hat.
Besondere Momente und persönliche Einblicke
Trotz der harten Arbeit gibt es immer wieder schöne Momente, die Kraft geben. Laura hat es sich zur Aufgabe gemacht, regelmäßig mit Welpen, die schwerer zu vermitteln sind, Ausflüge in den Wald zu unternehmen. Dies dient der Sozialisierung und soll verhindern, dass sie im Tierheim verkümmern. Ein weiteres Highlight war ein Besuch mit vier verträglichen Tierheimhunden in einem Hundepool. Laura beschreibt, wie unbeschwert und glücklich die Hunde waren und wie normal sie sich in dieser Umgebung verhielten - ein starker Kontrast zu ihrem Alltag im Zwinger. Diese Erlebnisse bestärken sie in ihrer Überzeugung, dass jeder dieser Hunde ein liebevolles Zuhause verdient und das Potenzial für ein glückliches Leben hat.
Praktische Schritte: So kannst du helfen
- Spenden für den Neubau: Der dringendste Bedarf besteht an finanzieller Unterstützung für den Kauf von Baumaterialien wie Beton, Eisen und Zaun sowie für die Bezahlung der Arbeiter. Jeder Beitrag hilft, den Bau voranzutreiben und den Umzug rechtzeitig zu schaffen.
- Transparenz schaffen: Teile die Geschichte von Laura und dem Tierheim, um auf die Situation aufmerksam zu machen und mehr Menschen für den Tierschutz in Rumänien zu sensibilisieren.
- Verantwortungsvoll adoptieren: Wenn du überlegst, einen Hund aus dem Ausland aufzunehmen, informiere dich gründlich über die vermittelnde Organisation und unterstütze jene, die transparent und nachhaltig arbeiten.