Einblicke in die Dynamik von Mehrhundehaushalten

In der aktuellen Episode des Podcasts "Sitz! Platz! Bleibt!" tauchen die Hosts Nicole Borowy und Sami El Ayachi tief in die komplexen sozialen Strukturen von Mehrhundehaushalten ein. Anhand eines konkreten Beispiels aus Nicoles Alltag mit ihren drei Hunden analysieren sie, wann und wie ein Mensch in die Interaktionen seiner Tiere eingreifen sollte. Im Zentrum steht die Frage: Wie viel Autonomie lässt man den Hunden bei der Klärung ihrer Konflikte und ab wann ist es die Verantwortung des Menschen, regulierend einzugreifen, um die Harmonie in der Gruppe langfristig zu sichern? Diese Diskussion ist für alle Halter von mehr als einem Hund von hoher Relevanz, da sie wertvolle Perspektiven auf die Balance zwischen Management und natürlichem Sozialverhalten bietet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Menschliches Eingreifen in Hundekonflikte dient oft der vorausschauenden Planung, um zukünftige Eskalationen zu vermeiden, während Hunde eher im „Hier und Jetzt“ agieren.
  • Die Hierarchie in einer Hundegruppe ist selten starr und pyramidenförmig. Vielmehr ist sie oft fließend und situationsabhängig, wobei der Mensch die übergeordnete Struktur vorgibt.
  • Die scheinbare Untätigkeit eines Hundes, der sich eine Ressource wegnehmen lässt, ist nicht zwingend ein Zeichen von Schwäche. Es kann auch bedeuten, dass die Ressource in diesem Moment nicht wichtig genug ist oder der Hund auf den richtigen Zeitpunkt für eine Reaktion wartet.
  • Provokantes Verhalten eines jungen Hundes kann nicht nur ein Austesten von Grenzen, sondern auch ein erlerntes Verhalten sein, um die Aufmerksamkeit des Menschen zu erlangen.
  • Exklusive Zeit und individuelle Spaziergänge für jeden einzelnen Hund sind extrem wertvoll, um Stress zu reduzieren und die individuelle Bindung zum Menschen zu stärken.
  • Der Mensch ist der primäre Organisator der Gruppe. Er trifft die wichtigsten Entscheidungen (Fütterung, Spaziergänge, Regeln im Haus) und trägt damit die soziale Verantwortung für das Wohl aller Mitglieder.
  • Bewusstes Beobachten der Hundekommunikation, ohne sofort zu bewerten, ist ein Schlüssel zum Verständnis der tatsächlichen Gruppendynamik.

Der Auslöser: Wenn der junge Hund den Älteren herausfordert

Nicole leitet die Diskussion mit einer persönlichen Beobachtung ein: Ihr junger Hund Jaxon hat begonnen, ihrem älteren, siebenjährigen Rüden Sherlock gezielt Stofftiere wegzunehmen, teilweise sogar direkt aus dem Maul. Sherlock, der normalerweise sehr an seinen Spielzeugen hängt, lässt dieses Verhalten meist unkommentiert über sich ergehen. Nur gelegentlich gibt er ein leises Brummen von sich, das Jaxon jedoch nicht nachhaltig beeindruckt. Nicole beschreibt ihre Sorge, dass Jaxon durch dieses Verhalten "zu frech" werden und seine Grenzen immer weiter ausdehnen könnte. Aus diesem Grund hat sie begonnen, in bestimmten Situationen einzugreifen und Jaxon daran zu hindern, Sherlock das Spielzeug zu stehlen, um ihm klare Grenzen zu setzen.

Vorausschauende Planung versus Leben im Moment

Sami analysiert diese Situation, indem er die menschliche Perspektive der hundlichen gegenüberstellt. Er erklärt, dass Menschen dazu neigen, vorausschauend zu planen und in kleinen Anzeichen bereits zukünftige Probleme zu erkennen - die Sorge, dass der Hund einem „auf der Nase herumtanzt“. Hunde hingegen leben, so Sami, stärker im Moment. Für Sherlock hat das Stofftier in der jeweiligen Situation möglicherweise einfach nicht genug Bedeutung, um einen größeren Konflikt zu riskieren. Sein gelegentliches Brummen ist zwar ein Signal, aber er ist (noch) nicht bereit, mehr Energie zu investieren. Sami betont, dass dies kein Zeichen von Schwäche sein muss, sondern eine ökonomische Entscheidung im Hier und Jetzt. Er weist darauf hin, dass Hunde, die lange subtile Signale aussenden, die ignoriert werden, irgendwann als „cholerisch“ wahrgenommen werden könnten, wenn sie plötzlich heftig reagieren, weil ihre Grenzen wiederholt überschritten wurden.

Die flexible Rudelstruktur: Wer hat wirklich das Sagen?

Das Gespräch wendet sich der allgemeinen Frage der Hierarchie in Hundegruppen zu. Sami vertritt die Ansicht, dass die klassische Vorstellung eines starren "Rudelführers" unter den Hunden in den meisten Haushalten nicht zutrifft. Er berichtet von seinen Erfahrungen in einer Hundetagesstätte mit 30 Hunden im Freilauf, wo er keine feste Hierarchie, sondern vielmehr situative Konstellationen und Kleingruppen beobachtete. Die Dynamik war fließend und nicht von einem dominanten Tier bestimmt. Sami überträgt dieses Bild auf den häuslichen Kontext: Die eigentlichen "Chefs" der Gruppe sind die Menschen, da sie alle wichtigen Ressourcen und Abläufe kontrollieren - von der Fütterung über Spaziergänge bis hin zu Ruhezeiten. Die Hunde arrangieren sich innerhalb dieses vom Menschen geschaffenen Rahmens. Sherlock könnte sich also auch darauf verlassen, dass Nicole als verantwortliche Instanz die Situation bei Bedarf regeln wird.

Verantwortung übernehmen: Die Rolle des Menschen als Moderator

Aus der Erkenntnis, dass der Mensch die Gruppe leitet, ergibt sich laut Sami eine klare Verantwortung. Nicoles Eingreifen ist demnach nicht nur legitim, sondern auch sinnvoll. Sie übernimmt die soziale Verantwortung für die Gruppe, indem sie sicherstellt, dass kein Mitglied übermäßig von einem anderen bedrängt wird. Sami führt zudem den Gedanken ein, dass Jaxon Verhalten auch eine Form der Aufmerksamkeitserregung sein könnte. Indem er eine Situation schafft, die Nicole zum Eingreifen bewegt, sichert er sich ihre exklusive Zuwendung. Der Mensch agiert somit als Regisseur, der entscheidet, welches Verhalten innerhalb der Gruppe toleriert wird und welches nicht, um langfristig ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.

Jenseits der Gruppe: Die Bedeutung von Exklusivzeit

Nicole ergänzt einen wichtigen Aspekt der praktischen Mehrhundehaltung: die Notwendigkeit von Individualität. Sie berichtet, dass sie ihren drei Hunden regelmäßig einzelne Spaziergänge gönnt. Dies habe mehrere Vorteile: Die Hunde sind in ihrer jeweiligen Konstellation sehr unterschiedlich. Der ältere Hund Carlo ist langsam, während Jaxon sich stark an Sherlock orientiert. Indem sie die Hunde einzeln ausführt, kann sie sich voll und ganz auf die Bedürfnisse des jeweiligen Tieres konzentrieren. Das reduziert den Stress für sie als Halterin und stärkt die individuelle Beziehung zu jedem Hund. Diese Praxis unterstreicht, dass Hunde in einer Zwangsgemeinschaft leben und exklusive Momente mit ihrer Bezugsperson entscheidend für ihr Wohlbefinden sind.

Praktische Tipps für den Mehrhundehaushalt

  1. Beobachte bewusst: Nimm dir Zeit, die Interaktionen deiner Hunde genau zu beobachten, ohne sofort zu interpretieren oder zu bewerten. Achte auf subtile Signale wie Blickkontakte, Körperhaltung und kleinste Lautäußerungen. Das hilft dir, die tatsächliche Dynamik zu verstehen.
  2. Greife überlegt ein: Es ist deine Aufgabe, Grenzen zu setzen. Wenn du merkst, dass ein Hund einen anderen wiederholt bedrängt oder Grenzen überschreitet, interveniere ruhig und klar. Du übernimmst damit die Verantwortung für ein faires Miteinander.
  3. Schaffe Exklusivmomente: Plane bewusst Zeit nur mit einem deiner Hunde ein. Das können einzelne Spaziergänge, Trainingseinheiten oder einfach nur Kuschelzeiten sein. Dies stärkt eure individuelle Bindung und reduziert den Konkurrenzdruck.
  4. Verstehe den Kontext: Bedenke, dass die Tagesform deiner Hunde eine große Rolle spielt. Ein Hund, der heute müde oder unpässlich ist, hat vielleicht keine Energie für einen Konflikt, den er an einem anderen Tag austragen würde.
  5. Erkenne deine Rolle an: Du bist der Organisator des Zusammenlebens. Deine Regeln und deine Entscheidungen geben die Struktur vor, in der sich deine Hunde bewegen. Sei dir dieser Verantwortung bewusst und gestalte den Alltag so, dass alle Mitglieder der Gruppe sicher und entspannt leben können.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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