Einblicke ins TV-Hundetraining: Eva Birkenholz über „Der Welpentrainer“

In dieser Episode des Podcasts Furminant sprechen die Hosts Johanna Spahr und Alex Schillack mit der Hundetrainerin Eva Birkenholz, die vielen aus dem Fernsehformat „Der Welpentrainer“ bekannt ist. Gemeinsam werfen sie einen detaillierten Blick hinter die Kulissen der TV-Produktion und diskutieren die Realitäten, Herausforderungen und die Verantwortung des Hundetrainings im Fernsehen.

Im Zentrum der Folge steht die Frage, wie sich Hundetraining vor der Kamera vom Alltag in einer Hundeschule unterscheidet und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. Die Episode bietet wertvolle Einblicke für alle, die sich fragen, wie solche Sendungen entstehen, und liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit der Kritik am medial präsentierten Hundetraining.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Konzept vs. Realität: Die Sendung „Der Welpentrainer“ erweckt den Anschein einer reinen Fremdausbildung, bei der Welpen in einer Art Schule erzogen werden. Tatsächlich sind die Besitzer eng eingebunden, erhalten tägliche Anleitungen, Videos als Hausaufgaben und nehmen nach den Dreharbeiten an einem regulären Hundeschulkurs teil.
  • Tierschutz hat Priorität: Das Wohl der Welpen steht während der Dreharbeiten an erster Stelle. Eigene Welpenbetreuerinnen sorgen für ausreichend Ruhephasen. Die effektive Trainingszeit pro Hund beträgt über den Tag verteilt maximal 20 Minuten, aufgeteilt in kurze Einheiten.
  • Inhaltliche Kontrolle liegt bei den Trainern: Eva und ihr Kollege André Vogt entscheiden über die Trainingsinhalte und -methoden. Sie legen Wert auf Authentizität und würden keine Übungen durchführen, hinter denen sie nicht stehen - auch wenn die Produktionsfirma Wünsche äußert.
  • Die „Gefahr der Nachahmung“ ist gering: Die häufig geäußerte Kritik, Zuschauer könnten gezeigte Methoden falsch nachahmen, bestätigt sich laut Eva in der Praxis kaum. Das Feedback sei überwältigend positiv, und viele Halter berichten von erfolgreicher Umsetzung der gezeigten Übungen.
  • Kritik kommt oft von Kollegen: Negative Kommentare und Kritik an TV-Formaten stammen laut Evas Erfahrung häufiger von anderen Hundetrainer:innen als von Hundehalter:innen selbst.
  • Gesunder Menschenverstand ist entscheidend: Sowohl die Hosts als auch Eva betonen die Eigenverantwortung der Zuschauer. Wie bei Kochsendungen oder DIY-Videos sei ein gewisses Mitdenken erforderlich, um Inhalte für sich und den eigenen Hund passend zu adaptieren.

Hinter den Kulissen von „Der Welpentrainer“: So läuft ein Drehtag ab

Eva Birkenholz gibt einen faszinierenden Einblick in den Produktionsalltag der Sendung. Das, was der Zuschauer als eine 45-minütige Folge sieht, ist das Ergebnis von rund 20 Drehtagen. Das Konzept wirkt auf den ersten Blick wie eine „Welpen-Schule“, in die sechs junge Hunde morgens gebracht und abends wieder abgeholt werden. Eva stellt jedoch klar, dass es sich nicht um eine klassische Fremdausbildung handelt.

Die Realität ist komplexer: Die Besitzer sind ein integraler Bestandteil des Konzepts. Sie erhalten nicht nur Anleitungen für die Zeit nach den Dreharbeiten, sondern bekommen auch während der Produktion gezielte Videos und Hausaufgaben für das Training zu Hause. Im Anschluss an die Staffel findet zudem ein gemeinsamer Kurs in der Hundeschule statt, um das Gelernte zu festigen. Während der Drehtage, die von morgens bis abends dauern können, kümmern sich spezielle Welpenbetreuerinnen um die Tiere. Ihre Hauptaufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Welpen genügend Ruhe bekommen. Eva betont, dass der Drehplan oft an die Bedürfnisse der Tiere angepasst wird: „Wenn ein Welpe schläft, dann schläft er.“ Die eigentliche Trainingszeit vor der Kamera ist daher auf kurze, effektive Einheiten von wenigen Minuten beschränkt.

Zwischen Authentizität und Produktionsvorgaben

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der Spagat zwischen den fachlichen Ansprüchen der Trainer und den Wünschen einer Fernsehproduktion. Eva erklärt, dass sie und André Vogt die inhaltliche Hoheit über die Trainingsmethoden haben. Es werde nichts gezeigt, was sie nicht auch im normalen Hundeschulalltag anwenden würden. Die Produktionsfirma schlägt zwar oft ein übergeordnetes Thema für eine Staffel vor, wie etwa „Alltagstauglichkeit“ oder „Beziehung“, die konkrete Ausgestaltung bleibt aber in den Händen der Experten.

Mit den Jahren, so Eva, seien sie selbstbewusster darin geworden, ihre fachliche Meinung durchzusetzen. Während zu Beginn noch Details wie die Kleiderwahl - André Vogt sollte beispielsweise immer Karohemden tragen - von der Produktion vorgegeben wurden, agieren sie heute freier. Diese Entwicklung war wichtig, um die Authentizität zu wahren, die für Eva und ihr Team ein zentraler Wert ist. Sie wollen sich nicht für das Fernsehen „verbiegen“.

Die Debatte um TV-Hundetraining: Gefahr oder Inspiration?

Johanna und Alex sprechen die verbreitete Sorge an, dass Zuschauer die im Fernsehen gezeigten Methoden unreflektiert kopieren und dadurch Probleme entstehen könnten. Eva teilt diese Sorge nur bedingt. Ihrer Erfahrung nach ist das Feedback von Zuschauern fast ausschließlich positiv. Viele berichten, dass sie die gezeigten Übungen erfolgreich umgesetzt haben und dadurch einen tollen Start mit ihrem Hund hatten. Einen Fall, bei dem eine Übung (die Gewöhnung an einen Regenschirm) zu einer Verschlechterung führte, beschreibt sie als absolute Ausnahme.

Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass Hundehalter:innen sich ihre Inspiration aus verschiedensten Quellen holen - sei es von Nachbarn, aus Büchern oder Social Media. Ein TV-Format ist nur eine davon. Alex vergleicht es treffend mit dem Schauen von Parkour-Videos: Nur weil man es sieht, springt man nicht gleich selbst von einem Dach. Ein gewisser gesunder Menschenverstand und die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung seien immer gefragt. Johanna fügt hinzu, dass die meisten problematischen Trainingsansätze, von denen sie in ihrer Praxis hört, von anderen Trainer:innen angeleitet wurden und nicht aus dem Fernsehen stammen.

Wo das Format an seine Grenzen stößt

Trotz der positiven Erfahrungen sieht Eva klare Grenzen und legitime Kritikpunkte am TV-Hundetraining. Besonders problematisch findet sie Formate, in denen Hundehalter:innen vorgeführt oder herabgewürdigt werden, nach dem Motto: „Guck mal, bei mir klappt es doch, warum bei dir nicht?“ Ein solcher „Trainer-Effekt“, der die Menschen bloßstellt, sei unfair und nicht zielführend. Auch die Darstellung von komplexen Verhaltensproblemen im Fernsehen sei schwierig, da die notwendige Tiefe und Einordnung in der Kürze der Zeit oft fehlt.

Für angehende Hundetrainer:innen: Die Akademie für Hundewissen (AFH)

Die öffentliche Präsenz durch die Sendung führte zu einer enormen Nachfrage von Menschen, die selbst nach den gezeigten Methoden als Trainer:in arbeiten wollten. Aus diesem Bedarf heraus gründeten Eva und André Vogt 2023 die „Akademie für Hundewissen“ (AFH). Hier geben sie ihr Wissen und ihre Philosophie in einer fundierten Ausbildung weiter.

  1. Ausbildungsziel: Die AFH bildet über 18 Monate Hundetrainer:innen und Verhaltenscoaches aus. Das erklärte Ziel ist es laut Eva nicht, einfach nur mehr Trainer auf den Markt zu bringen, sondern „mehr gute“.
  2. Hoher Praxisanteil: Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem praktischen Arbeiten. Die Studierenden hospitieren nicht nur, sondern arbeiten schon während der Ausbildung unter Anleitung mit echten Kund:innen aus der angeschlossenen Hundeschule.
  3. Selektives Bewerbungsverfahren: Interessierte können sich nicht einfach anmelden, sondern durchlaufen ein Bewerbungsverfahren. So stellen die Gründer sicher, dass die Teilnehmer:innen die nötige Motivation und Eignung mitbringen.
  4. Informationsveranstaltung: Für alle, die mehr über das Studium erfahren möchten, veranstaltet die AFH regelmäßig kostenfreie Info-Events.

Petcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.

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Themen und Herausforderungen

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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