Einblicke in Kommunikation, Rassekritik und Tierschutz-Engagement
In der aktuellen Folge ihres Podcasts Tierisch menschlich tauchen Hundeprofi Martin Rütter und Wissenschaftsjournalistin Katharina Adick tief in die Welt der Haustiere ein. Nach einem gewohnt humorvollen Einstieg über Katzenpullover und Martins Fantasien über einen Auftritt bei „Stern TV“ widmen sie sich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Katzen. Das Herzstück der Episode bildet jedoch ein intensives Rasseporträt des Shar-Pei, ausgelöst durch die Anfrage eines Hörers, der vor einer schwierigen Tierschutz-Adoption steht. Die Diskussion beleuchtet die enorme Verantwortung, die mit der Haltung sogenannter Qualzuchten einhergeht, und mündet in einem außergewöhnlichen Hilfsangebot von Martin. Die Episode schließt mit persönlichen Medienempfehlungen und einem Aufruf zur Mithilfe bei einem kreativen Projekt.
Diese Folge ist besonders relevant für alle, die über die Anschaffung eines zweiten Hundes aus dem Tierschutz nachdenken, insbesondere wenn es sich um eine Rasse mit speziellen Bedürfnissen handelt. Sie liefert wertvolle Denkanstöße zur kritischen Auseinandersetzung mit Hunderassen und unterstreicht die Notwendigkeit, sich nicht nur von Emotionen, sondern auch von fachkundigem Rat leiten zu lassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kommunikation von Katzen: Eine Studie deutet darauf hin, dass Katzen bei Männern häufiger miauen. Katharina vermutet, Männer seien „schwerer von Begriff“, während Martin argumentiert, dass Männer das Verhalten durch schnellere Reaktion unbewusst verstärken.
- Geschichte der Hauskatze: Neue Genanalysen zeigen, dass Hauskatzen erst vor etwa 2.000 Jahren mit den Römern nach Europa kamen und nicht, wie lange angenommen, bereits in der Jungsteinzeit.
- Rasseporträt Shar-Pei: Martin beschreibt den Shar-Pei als verhaltenskomplex, insbesondere im Umgang mit Artgenossen, da seine Mimik durch die Hautfalten für andere Hunde kaum lesbar ist.
- Gesundheitliche Probleme (Qualzucht): Die Rasse leidet unter zahlreichen erblich bedingten Krankheiten, darunter Hautentzündungen, schmerzhafte Augen- und Ohrenerkrankungen sowie ein rassetypisches Fiebersyndrom.
- Herausforderung Zweithund: Die Adoption eines Shar-Pei als Zweithund erfordert eine extrem sorgfältige Prüfung und professionelle Begleitung, um Konflikte zu vermeiden und den bereits vorhandenen Hund nicht zu gefährden.
- Trainingstipp für mehr Aufmerksamkeit: Wenn ein Hund seinen Radius im Freilauf eigenständig zu sehr vergrößert, empfiehlt Martin überraschende Richtungswechsel und kurzes Verstecken, damit der Hund lernt, von sich aus aufmerksamer auf seinen Menschen zu achten.
- Fokus auf das Positive: Martin betont, wie wichtig es ist, sich auch bei Hunden mit Verhaltensproblemen immer wieder die positiven Eigenschaften und schönen Momente bewusst zu machen, um die Beziehung nicht zu belasten.
Neue Erkenntnisse aus der Welt der Katzen
Katharina stellt zwei aktuelle wissenschaftliche Themen rund um Katzen vor. Zunächst berichtet sie von einer türkischen Studie, die herausfand, dass Katzen in der Interaktion mit Männern signifikant häufiger miauen als mit Frauen. Die Studienautoren interpretieren dies so, dass Männer mehr auditive Signale benötigen, um die Bedürfnisse der Katze zu verstehen. Martin bietet eine alternative Erklärung aus der Hundeverhaltenspsychologie an: Männer reagieren möglicherweise schneller auf das Miauen und verstärken dieses Verhalten dadurch unbewusst, sodass die Katze lernt, dass sie bei Männern mit dieser Strategie schneller zum Ziel kommt.
Des Weiteren erklärt Katharina, dass die Geschichte der Hauskatze in Europa neu geschrieben werden muss. Bisher ging man davon aus, dass sie mit dem Beginn der Landwirtschaft in der Jungsteinzeit nach Europa kam. Neueste Genuntersuchungen belegen jedoch, dass es sich bei früheren Funden um Wildkatzen handelte. Die eigentliche Hauskatze, so die neue Erkenntnis, erreichte den Kontinent erst vor rund 2.000 Jahren im Gepäck der Römer.
Der Shar-Pei im Rasseporträt: Zwischen Qualzucht und Tierschutz
Auf Wunsch eines Hörers widmet sich das Duo dem Shar-Pei. Martin Rütter findet deutliche Worte für die Rasse, die er als Paradebeispiel für Qualzucht bezeichnet. Er kritisiert nicht nur das äußere Erscheinungsbild mit den extremen Hautfalten, sondern vor allem die daraus resultierenden Probleme. Im Umgang mit Artgenossen sei der Shar-Pei oft hochproblematisch, da seine Mimik durch die Falten für andere Hunde nicht lesbar ist, was häufig zu Missverständnissen und Aggressionen führt. Zudem beschreibt er die Rasse als wenig kooperativ und im Konfliktfall als kompromisslos.
Katharina ergänzt diese Einschätzung mit einer Liste gravierender gesundheitlicher Probleme. Dazu gehören chronische Hautentzündungen in den Falten, schmerzhafte Augenerkrankungen wie das Entropium (ein nach innen gerolltes Augenlid), enge Gehörgänge, die zu ständigen Ohreninfektionen führen, Gelenkprobleme (HD/ED) und das „Familial Shar-Pei Fever“, eine erbliche Erkrankung mit hohem Fieber und schmerzhaft geschwollenen Gelenken.
Ein besonderes Tierschutz-Angebot und die Wichtigkeit der Wahrnehmung
Auslöser des Rasseporträts ist die Nachricht eines Hörers aus der Schweiz. Er hat seinen Mann nach langer Überzeugungsarbeit dazu bewegen können, einem Zweithund aus dem Tierschutz eine Chance zu geben. Im Tierheim haben sie sich in einen Shar-Pei verliebt, obwohl die Verträglichkeit mit ihrem bereits vorhandenen Mini-Aussiedoodle unklar ist. Martin warnt eindringlich davor, diese Situation zu unterschätzen. Ein problematischer Start könnte die positive Einstellung des Ehemanns gegenüber Tierschutzhunden nachhaltig zerstören.
Da ihm das Anliegen sehr am Herzen liegt, macht Martin ein außergewöhnliches Angebot: Er wird auf eigene Kosten eine Trainerin aus seinem Schweizer Netzwerk beauftragen, die Familie für fünf Stunden zu begleiten. Sie soll die Situation vor Ort professionell einschätzen, die Verträglichkeit der beiden Hunde auf neutralem Boden testen und eine ehrliche Empfehlung abgeben - auch wenn diese lauten sollte, von diesem speziellen Hund Abstand zu nehmen und stattdessen einen passenderen Begleiter aus dem Tierheim zu suchen.
Einblicke in Training und neue Projekte
Auch Katharina sucht Martins Rat. Ihre junge Hündin Trudi, die im Wald an der Schleppleine läuft, hat begonnen, ihren Radius bewusst zu vergrößern. Sie scheint zu wissen, dass sie für den anschließenden Rückruf eine Belohnung erhält. Um diese aufkeimende Verhaltenskette zu durchbrechen, gibt Martin klare Trainingstipps.
Martin berichtet zudem von seinem neuen Talk-Format, das an seine Sendung „Lagerfeuer“ anknüpft. In dem von VW finanzierten Projekt fährt er mit prominenten Gästen im Auto und führt tiefgründige, ungestörte Gespräche. Er erzählt begeistert von der ersten Aufzeichnung mit der Schauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki, deren Intensität und Offenheit ihn tief beeindruckt haben. Jede Folge unterstützt zudem ein soziales oder tierschutzrelevantes Projekt des jeweiligen Gastes mit 50.000 Euro.
Persönliche Empfehlungen und gesellschaftliche Debatten
In ihrer Empfehlungsrunde sprechen die beiden verschiedene Themen an. Martin rät zu seiner Sendung „Tierheimhelden“ und kritisiert im Zuge dessen die deutsche Gesetzgebung, die es Privatpersonen erlaubt, gefährliche Wildtiere wie Tiger zu halten. Katharina empfiehlt den neuen Frankfurter „Tatort“ mit Edin Hasanović, den Martin als Schauspieler und Mensch sehr schätzt. Passend zu seinem Gespräch mit Andrea Sawatzki empfiehlt Martin deren Buch „Biarritz“. Zum Abschluss bittet er die Hörer um Vorschläge für ein Lied, das am Ende seiner neuen Tour laufen soll: ein fröhlicher, aber auch leicht melancholischer Abschiedssong, der instrumental gut wiedererkennbar ist.
Praktische Schritte: Umgang mit einem Hund, der seinen Radius eigenständig erweitert
- Richtungswechsel einführen: Sobald du merkst, dass dein Hund bewusst zu weit vorausläuft, um auf einen Rückruf zu warten, drehe dich kommentarlos um und gehe in die entgegengesetzte Richtung.
- Aufmerksamkeit einfordern: Nutze Momente, in denen dein Hund gedankenverloren ist, und verstecke dich kurz hinter einem Baum. Der Hund soll lernen, dass er von sich aus darauf achten muss, wo du bist.
- Verunsicherung dosieren: Das Ziel ist eine leichte, zumutbare Verunsicherung, die den Hund dazu bringt, dich besser im Auge zu behalten. Es geht nicht darum, ihm Angst zu machen.
- Keine Belohnung für das Suchen: Wenn der Hund dich nach dem Verstecken findet, belohne ihn nicht mit einem Leckerli. Sonst könnte er ein Spiel daraus machen („Ich warte, bis du weg bist, suche dich und bekomme einen Keks“).
- Selbstverständlichkeit ausstrahlen: Tritt kurz bevor der Hund dich findet, wie selbstverständlich aus deinem Versteck hervor, als wäre nichts gewesen. Gehe einfach normal weiter.
- Rückruf weiterhin positiv besetzen: Übe den Rückruf trotzdem regelmäßig in anderen Situationen und belohne ihn dort weiterhin überschwänglich, um seine positive Bedeutung zu erhalten.
Themen und Herausforderungen
Zugehörige Folge(n)
Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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