Zusammengefasst von Anja Schirwinski
Seit meine Hündin Frida mit fünf Monaten aus einem rumänischen Shelter zu mir kam, beschäftige ich mich intensiv mit Hundethemen - von Alltagstraining bis Verhaltensbesonderheiten. Viele der Fragen, die in Podcasts besprochen werden, kenne ich aus unserer gemeinsamen Erfahrung nur zu gut. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ergänze sie mit meinen eigenen Erlebnissen mit Frida.
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In der ersten Folge des neuen Jahres geben die Hosts des Podcasts "Sitz! Platz! Bleibt!", Nicole Borowy und Sami El Ayachi, einen persönlichen Ausblick auf ihre Pläne und Wünsche für 2026. Die Episode beleuchtet nicht nur ihre individuellen Ziele im Hundesport und als Trainer, sondern entwickelt sich zu einem grundlegenden Appell für mehr Fachlichkeit, Austausch und Zusammenarbeit in der gesamten Hundeszene. Sie richtet sich an alle Hundehalter und Trainer, die daran interessiert sind, über den Tellerrand zu blicken und das Miteinander im Hundetraining konstruktiver zu gestalten. Die zentrale Frage, die sich durch das Gespräch zieht, ist: Wie können wir gemeinsam wachsen und die Qualität im Umgang mit Hunden nachhaltig verbessern?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Samis Seminar-Highlights 2026: Er plant intensive Praxis-Workshops mit bekannten Kollegen wie Chris Deschel und Robert Mehl, bei denen es um die genaue Analyse von Verhaltensproblemen und den Austausch über Fachbegriffe wie Neurodivergenz geht.
- Nicoles sportliches Ziel: Sie möchte mit ihrem jungen Hund Jaxon an der "Newcomer Trophy" teilnehmen, einem renommierten Wettbewerb für junge Retriever, und bereitet ihn dafür gezielt vor.
- Ein neues mobiles Zuhause: Sami wird dieses Jahr mit einem Wohnmobil zu seinen Seminaren reisen, um seinen vier Hunden eine vertraute und entspannte Umgebung zu bieten und die oft schwierige Suche nach hundefreundlichen Unterkünften zu umgehen.
- Appell für mehr Fachlichkeit: Sami wünscht sich für die Hundeszene eine Rückkehr zu fundiertem Wissen statt reiner Meinungsbildung und empfiehlt klassische Fachliteratur als Grundlage für Diskussionen.
- Kollaboration statt Konkurrenz: Beide Hosts betonen, wie wichtig der Austausch zwischen Trainern verschiedener Disziplinen ist, um voneinander zu lernen und die eigenen Methoden stetig zu verbessern.
- Fokus auf den Anlernprozess: Sami unterstreicht, dass ein sorgfältig aufgebauter und kleinschrittiger Lernprozess für Hund und Mensch die Basis für jedes erfolgreiche Training ist, bevor über Korrekturen oder Interventionen nachgedacht wird.
Die Pläne für 2026: Workshops, Reisen und persönliche Projekte
Sami El Ayachi startet das Jahr mit einem vollen Terminkalender. Er hebt besonders die erneute Zusammenarbeit mit Chris Deschel und einen dreitägigen Praxis-Workshop mit Robert Mehl hervor. Bei letzterem wollen sie den Unterschied zwischen "Verhaltensstörung" und "störendem Verhalten" beleuchten und dabei auch Begriffe aus dem Bereich der Neurodivergenz wie ADHS oder Autismus fachlich einordnen. Sami betont, dass es sich hierbei um reine Praxisveranstaltungen handelt, bei denen die Teilnehmer vom Erstgespräch bis zu den ersten Trainingsansätzen begleitet werden. Ein weiteres Highlight wird das "Küstencamp" im August sein, bei dem er gemeinsam mit Maren Grote, Ines Kivelitz und Christel Löffler Workshops und Podiumsdiskussionen anbietet.
Eine große persönliche Veränderung für Sami ist die Anschaffung eines Wohnmobils. Er wird künftig damit zu seinen Veranstaltungen reisen, um seinen vier Hunden ein konstantes, mobiles Zuhause zu bieten. Er erhofft sich dadurch mehr Entspannung für die Tiere und eine logistische Erleichterung für die Veranstalter, da die Suche nach geeigneten Unterkünften oft eine Herausforderung darstellt.
Nicoles sportliche Ambitionen: Der Weg zur Newcomer Trophy
Für Nicole Borowy und ihren Hund Jaxon stehen 2026 sportliche Ziele im Vordergrund. Ihr großes Vorhaben ist die Teilnahme an der "Newcomer Trophy", einer einmaligen Chance für junge Retriever im Deutschen Retriever Club (DRC). Um sich dafür zu qualifizieren, muss das Team zunächst eine Dummy-Anfängerprüfung bestehen und bei einem sogenannten "Working Test" mindestens die Note "sehr gut" erreichen. Als ersten Schritt plant Nicole die Teilnahme an einer "jagdlichen Anlagensichtung". Dabei handelt es sich laut Nicole um eine zuchtrelevante Prüfung, bei der die natürlichen jagdlichen Fähigkeiten des jungen Hundes ohne viel Training beurteilt werden sollen. Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das ein strukturiertes Training über das ganze Jahr erfordert.
Aufgeschobene Projekte und wichtige Buchempfehlungen
Sami berichtet offen, dass er bewusst einige Projekte nach hinten verschoben hat, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Dazu gehören ein neues Longier-Video, dessen Produktion aufwendiger als gedacht war, und ein Buchmanuskript über die Entwicklung des Hundes vom Welpen bis zum Senior. Er nutzt diese Gelegenheit, um einige zeitlose Buchempfehlungen auszusprechen. Für ein tieferes Verständnis des Hundeverhaltens empfiehlt er die Standardwerke "Ausdrucksverhalten beim Hund" und "Hundepsychologie" als unverzichtbare Nachschlagewerke. Zudem bedauert er, dass die "Enzyklopädie der Rassehunde" von Hans Räber nicht mehr neu aufgelegt wird, da sie wertvolle Informationen über die ursprünglichen Zuchtziele vieler Rassen enthält. Ein besseres Verständnis der Genetik, so Sami, ist neben Beziehung und Erziehung ein entscheidender Baustein für ein harmonisches Zusammenleben.
Ein Appell für mehr Fachlichkeit und Austausch in der Hundeszene
Der Kern der Episode ist Samis leidenschaftlicher Wunsch für das neue Jahr: eine Verschiebung von reinen Meinungsdebatten hin zu einem fundierten, fachlichen Austausch. Er plädiert dafür, dass sich alle - Trainer wie Halter - kontinuierlich weiterbilden und offen für Diskussionen sind. Er kritisiert die Tendenz, komplexe Themen wie Strafe und Gewalt zu vermischen oder zu stigmatisieren. Sami erklärt, dass auch das Vorenthalten von sozialem Anschluss, wie etwa das Ignorieren eines hilfesuchenden Hundes, eine Form von Strafe sein kann. Sein Ziel ist es, Menschen zu befähigen, das Verhalten ihrer Hunde wirklich zu verstehen und Entscheidungen auf Basis von Wissen zu treffen, anstatt nur einer bestimmten Ideologie zu folgen. Er ermutigt jeden, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und die eigenen Methoden immer wieder zu hinterfragen.
Die Kraft der Zusammenarbeit: Voneinander lernen statt konkurrieren
Aufbauend auf dem Wunsch nach mehr Fachlichkeit betonen beide Hosts die immense Bedeutung von Zusammenarbeit. Nicole teilt ihre positive Erfahrung aus dem Austausch mit einer Trainerin aus dem Obedience-Bereich, um das "Bei-Fuß-Gehen" in der Dummy-Arbeit zu verbessern. Sie zitiert den Trainer Simon Prinz, der sich wünscht, dass Trainer enger zusammenrücken, anstatt gegeneinander zu arbeiten. Sami unterstützt diesen Gedanken voll und ganz und sieht seine interdisziplinäre Arbeit mit dem Psychologen Robert Mehl als Paradebeispiel. Er erklärt, dass viele Erkenntnisse aus der Humanpsychologie auf den Hund übertragbar sind und dieser Perspektivwechsel enorm bereichernd ist. Er lädt andere Trainer aktiv dazu ein, auf ihn zuzukommen, um gemeinsame Projekte zu entwickeln und voneinander zu profitieren, weit über die Grenzen der eigenen "Bubble" hinaus.
Praktische Anregungen für Hundetrainer und Halter
- Fundiertes Wissen aufbauen: Beschäftige dich mit grundlegender Fachliteratur zum Ausdrucksverhalten und zur Psychologie von Hunden, um eine solide Basis für dein Training und deine Entscheidungen zu schaffen.
- Den Austausch suchen: Sprich aktiv mit Trainern aus anderen Hundesportarten oder Fachbereichen. Der Blick über den eigenen Tellerrand kann neue Perspektiven und Lösungsansätze für dein eigenes Training eröffnen.
- Offen und neugierig bleiben: Hinterfrage regelmäßig deine eigenen Trainingsmethoden. Frage dich, ob es vielleicht noch einen besseren, kleinschrittigeren Weg gibt, um deinem Hund etwas beizubringen.
- Praxis-Veranstaltungen besuchen: Nutze die Gelegenheit, an Workshops und Seminaren teilzunehmen, bei denen du direkt mit Experten arbeiten und von deren praktischer Erfahrung profitieren kannst.
- Den Podcast aktiv mitgestalten: Wenn du Themen hast, die dich besonders interessieren oder vor Herausforderungen stellen, sende deine Vorschläge an die Podcasthosts, um zukünftige Episoden mitzugestalten.